Die 20 wichtigsten spirituellen Regeln  (English)                             Startseite

von Sri Swami Chidananda

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Zum Verständnis dieses Textes     Zum Inhaltsverzeichnis

Es sollte darauf hingewiesen werden, dass der Text sich in erster Linie an Mönche und Nonnen richtet. Er soll Ihnen Hilfestellung geben, Ihren spirituellen Alltag zu gestalten. Darum ist der Text nicht unmittelbar auf Menschen übertragbar, die mitten im Leben stehen und einer beruflichen Tätigkeit nachgehen oder als Ehefrau eine Familie zu versorgen haben.

Darum sollte man auch nicht von einem normalen Menschen erwarten, dass er morgens um 4 Uhr aufsteht, um dann 3 Stunden Mantrameditation zu machen. Lebt man nicht in einem Kloster, sondern geht seiner geregelten Arbeit nach, so sollte man seine spirituelle Praxis den gegebenen Verhältnissen anpassen. Darum halte ich es für sinnvoll, morgens 30 bis 45 für die spirituelle Praxis einzuplanen. Bei der Mantrameditation sollte man von einem normalen Menschen auch nicht verlangen, dass er am Tag 21.600 Mantras wiederholt. Aber vielleicht gibt es im Alltag immer wieder Momente, in denen man ein paar Mantras zur Ehre und zum Gedenken an Gott aufsagt.

Entsprechend verhält es sich mit einigen anderen Vorschriften. So sollte man z.B. von verheirateten Menschen kein Zölibat erwarten. Stattdessen sollten die Eheleute bemüht sein, eine gemässigte Sexualität zu leben und ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin treu zu sein. Es sollte allerdings darauf hingewiesen werden, dass man die höchste spirituelle Erfahrung, die Erleuchtung, nur dann erlangen kann, wenn man sich von allen sinnlichen Verhaftungen gelöst hat.

Von einem normalen Menschen sollte man auch nicht erwarten, dass er täglich ein zweistündiges Schweigegelübte einhält. Man sollte sich aber immer ein wenig Zeit nehmen, sich nach innen zu wenden, um ein klein wenig Besinnung einkehren zu lassen. Denken Sie beim Lesen der spirituellen Vorschriften also immer daran, dass diese Vorschriften in erster Linie für Menschen gemacht wurden, die als Nonnen und Mönche im Kloster leben. Passen Sie die Anregungen an ihren normalen Alltag an und Sie werden ebenfalls grossen Nutzen aus diesen 20 wichtigen spirituellen Regeln ziehen. 


Anmerkung des Verlegers     Zum Inhaltsverzeichnis

Die vorliegende Veröffentlichung, die in sich einzigartig ist, kommt als lang erwartete Gabe von Sri Swami Chidananda zu allen Suchern der Wahrheit. Alle, die auf der Suche nach einer Richtlinie für die tägliche spirituelle Praxis sind, die alle inneren geistigen Aspekte umfasst, wird dieses Buch eine Hilfe sein. Swami Chidananda erläutert in diesem Buch, die weithin bekannten 20 wichtigsten spirituellen Regeln von Swami Sivananda. Möge der Segen aller Heiligen, Weisen und Erleuchteten, dem Leser beim Lesen dieser grossartigen geistigen Literatur zur Seite stehen.

Shivanandanagar, 1st July, 1993 - The Divine Life Society


Einleitung     Zum Inhaltsverzeichnis

Ein Leben ohne spirituelle Ausrichtung ist ein trostloses Leben. Ein Leben, mit einer spirituellen Ausrichtung dagegen, ist ein kluges lebendiges Leben, das zur Glückseligkeit führt. Die Kombination eines aktiven inneren geistigen Lebens, mit einem aktiven weltlichen Leben, also die Mischung von göttlichem und weltlichem Leben, war die spezielle Mission Swami Sivanandas. Und zu diesem Zweck fasste er seine Lehre in zwanzig wichtige spirituelle Regeln zusammen. Diese Anweisungen beinhalten die Lehren der Weisen und Heiligen, die sie über viele Jahrhunderte praktizierten. Diese 20 wichtigen spirituellen Regeln sind der Schlüssel zur Glückseligkeit.


Die 20 wichtigsten spirituellen Regeln von Swami Sivananda   Inhalt

1. Aufstehen: Stehen Sie jeden Morgen um 4 Uhr auf. Die Morgendämmerung ist sehr vorteilhaft für die Meditation auf Gott.

2. Yogaübungen: Setzen Sie sich für die Meditation für eine halbe Stunde mit dem Gesicht nach Norden oder Osten in den Padmasana (Lotussitz), Siddhasana (vollendete Stellung) oder in den Sukhasana (Schneidersitz). ErhöhenSie die Periode stufenweise auf drei Stunden. Machen Sie Kopfstand und Schulterstand um die Enthaltsamkeit (Brahmacharya) und die Gesundheit zu fördern. Machen Sie zusätzlich regelmässig leichte physische Übungen wie Spazieren gehen und zwanzig Atemübungen.

3. Mantrameditation: Wiederholen Sie irgendein Mantra, entsprechend Ihrer Neigung oder Ihrem Geschmack, wie z.B. das reine Om, oder Om Namo Narayanaya, Om Namah Shivaya, Om Namo Bhagavate Vasudevaya, Om Saravanabhavaya Namah, Sita Ram, Sri Ram, Hari Om, oder das Gayatri-Mantra, von 108 bis zu 21.600 mal täglich.

4. Ernährung: Ernähren Sie sich sattvig (rein). Verzichten Sie auf Chillies, Tamarinde, Knoblauch, Zwiebeln, saure Lebensmittel, Öl, Senf und Asant - wegen seines Geruchs auch Teufelsdreck genannt (Gewürz). Beachten Sie Mässigung in der Ernährung. Milch und Früchte stärken die Konzentration. Betrachten Sie Lebensmittel wie eine Medizin, die Ihnen hilft, das Leben zu meistern. Essen nur aus Lust, ist eine Sünde. Verzichten Sie einen Monat lang auf Salz und Zucker. Sie sollten in der Lage sein, sich ausschliesslich von Reis, Linsensuppe und Brot ohne scharfe Gewürze zu ernähren. Verwenden Sie für die Linsensuppe kein Salz und keinen Zucker für Tee, Kaffee oder Milch.

5. Meditationsraum: Sie sollten möglichst einen separaten Meditationsraum einrichten, den Sie abschliessen können.

6. Wohltätigkeit: Spenden Sie regelmässig, jeden Tag oder jeden Monat, entsprechend ihrem Einkommen.

7. Studium: Lesen Sie regelmässig etwa eine halbe Stunde oder eine Stunde täglich in den (heiligen) Schriften.

8. Brahmacharya (Zölibat): Bewahren Sie die vitale Lebensenergie, den männlichen Samen, sehr,  sehr sorgfältig. Er ist Ausdruck Gottes in seiner ganzen Fülle, seinem Reichtum und seiner Macht. Der männliche Samen ist Ausdruck von Kraft und Energie. Er ist die Essenz von Leben, Wissen und Intelligenz.

9. Gebete: Wiederholen Sie, bevor Sie mit der Meditation beginnen, aus ganzem Herzen Gebete, Meditationsverse (Slokas) und Gebetsverse (Stotras). Dieses wird ihre spirituelle Stimmung schnell anheben.

10. Satsang: Unter Satsang versteht man das Zusammensein mit der Wahrheit und den Umgang mit Heiligen und Weisen. Suchen Sie so oft wie möglich, das Zusammensein mit Heiligen und Weisen. Meiden Sie dagegen schlechte Gesellschaft, Rauchen, Fleisch essen, alkoholische Getränke und alle schlechten Angewohnheiten.

11. Fasten: Fasten Sie am Ekadasi-Tag. Das ist der 11.te Tag nach Vollmond und Neumond. An diesen Tagen sollten Sie sich nur von Obst und Milch ernähren.

12. Japa Mala: Die Japa Mala ist eine Gebetskette, die aus insgesamt 108 Perlen besteht. Tragen Sie eine Japa Mala um ihren Hals, in ihrer Tasche oder legen Sie sie unter ihr Kopfkissen.

13. Mouna: Unter Mouna versteht man ein Schweigegelübte. Versuchen Sie täglich,  einige Stunden ein Schweigegelübte einzuhalten.

14. Ehrlichkeit: Sprich unter allen Umständen die Wahrheit. Rede nicht zuviel. Sprich  freundlich zu den Menschen.

15. Wünsche: Reduzieren Sie ihre Wünsche. Haben Sie vier Hemden, dann verschenken Sie ein oder zwei Hemden. Führen Sie ein einfaches, glückliches und zufriedenes Leben. Vermeiden Sie unnötige Sorgen. Führen Sie ein einfaches Leben und denken Sie positiv.

16. Nichtverletzen: Verletzen Sie niemanden. Kontrollieren Sie ihren Zorn durch Liebe, Versöhnlichkeit und Mitgefühl.

17. Abhängigkeit: Machen Sie sich nicht von Dienern abhängig. Eigenständigkeit ist eine hohe Tugend.

18. Selbstanalyse: Denken Sie, bevor Sie sich schlafen legen, über die Fehler nach, die Sie am Tage gemacht haben. Führen Sie ein Tagebuch, indem Sie Rechenschaft über jeden Tag ablegen. Lernen Sie aus Fehlern, aber zerbrechen Sie sich nicht den Kopf über vergangene Fehler.

19. Pflichterfüllung: Denken Sie daran, dass der Tod Sie jeden Moment ereilen kann. Darum erfüllen Sie alle Aufgaben sorgfältig und gewissenhaft.

20. Denken an Gott: Denken Sie an Gott sobald Sie aufstehen bis Sie wieder zu Bett gehen. Richten Sie ihr Leben vollständig auf Gott aus.


Kapitel 1

Einführung     Zum Inhaltsverzeichnis

Anbetungswürdiger Gurudev, in dessen Anwesenheit wir jetzt in den leisen Stunden des frühen Morgens zum gemeinsamen Gebet und zur gemeinsamen Meditation zusammengekommen sind. Mögen unsere bescheidenen Gebete nicht vergeblich sein. Hilf den Menschen, den Weg zu Gott zu finden, um einen Zustand höherer Glückseligkeit zu erreichen. Wir danken dir, Gurudev, dass wir uns jetzt hier in Uttarakhand, an den Ufern der heiligen Mutter Ganges, in der geheiligten Region des Himalaya und der geweihten Erde deines Ashrams, in einer solchen Gruppe zusammengefunden haben. Erwecke in den Menschen ihre Neugier, erwecke ihre Visionen, erwecke ihre Erkenntnis, erwecke ihr Unterscheidungsvermögen, damit sie die Dinge im rechten Licht betrachten und den Wert von dem erkennen, was unschätzbar ist und ihr Leben segnen und bereichern kann.

Lassen Sie uns betrachten, was unser grossartiger Guru, Sri Swami Sivananda, uns gebeten hat, zu tun. Wie sollten wir unser Leben gestalten? Er hat viel zu sagen gehabt, vielleicht mehr als andere Gurus. Während seines ganzen Lebens, hat er seine Weisheiten mit der ganzen Welt geteilt. Wir sind die Erben seiner Lehre, da wir uns seiner spirituellen Bewegung, der Divine Life Society, zugehörig fühlen.

Die ganze Welt wurde durch die Weisheiten moderner Heiliger und Weiser wie Sri Aurobindo Ghosh, Sri Ramana Maharshi, Swami Ramdas, Anandamayi Maa, Avadhoota Nityananda, Muktananda Baba, Malayala Swamiji und einer Schar anderer, die Indien im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, beerbt. Sie lebten, arbeiteten und verkündeten ihre Lehren in der ganzen Welt. Zu dieser Gruppe von Leuten, die sich mit irgendeinem bzw. irgendeiner unter diesen Heiligen und Weisen verbunden fühlen, wird die Lehre dieser Heiligen zu ihrer ganz speziellen Erbschaft. So fühlen sich zum Beispiel alle Jünger, Mitglieder und Mönche der Ramakrishna-Mission, die die offizielle Einweihung erhalten haben, selbstverständlich dem Erbe ihres Meisters verpflichtet. Die Anhänger Ramana Maharshis dagegen fühlen sich dem Erbe ihres Meisters verpflichtet. In unserem Falle hat sich durch den Kontakt zu unserem Guru und spirituellen Meister Swami Sivananda, der Teil unseres Lebens geworden ist, ein einzigartiges persönliche Verhältnis zu ihm aufgebaut. Wie sehr er Teil unseres Lebens geworden ist, zeigt sich Tag für Tag im täglichen Leben. Wie sehr er Teil unseres Lebens geworden ist, zeigt sich nicht nur in unseren Gefühlen und unserem emotionalen Verhältnis zu ihm, sondern es zeigt sich auch darin, wie sehr seine Gedanken, seine Methoden der Selbsterforschung und seine Unterscheidungskraft unseren Geist und unser Bewusstsein beeinflusst haben.

Leute, die Sri Aurobindo Ghosh folgen, reflektieren, sinnen und spekulieren über das Supramentale nach, welches sich zwischen den drei unteren Ebenen der Unwissenheit (Materie, Leben und Geist) und den drei oberen Ebenen des Wissens (Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit) befindet. Menschen, die mit Ramana Maharshi sympathisieren, denken, meditieren und reflektieren über die Selbstergründung und nach der Frage "Wer bin ich?" Diejenigen, die sich mit Nisargadatta, Maharshi Mahesh Yogi oder Muktananda Baba verbunden fühlen, üben sich im Siddhayoga, chanten das Mantra "Om Namah Shivaya" oder erfahren beim Shaktipat die Übertragung der spirituellen Energie vom Meister auf den Schüler. (An dieser Stelle möchte ich auf zwei Beiträge aufmerksam machen, die sich mit Swami Muktananda und Maharishi Mahesh Yogi kritisch auseinandersetzen, die Swami Chidananda seinerzeit natürlich nicht kannte: Schräge Vögel)

Die Nachfolger von Chaitanya Mahaprabhu haben ihr Sankirtan Yoga, bei der die Herrlichkeit des Herrn besungen wird. Sie haben den Weisen Chaitanya Mahaprabhu in ihrer ganz speziellen Art beerbt. Sie verkünden seine Lehren, weil sie es als ihre Aufgabe ansehen, seine Lehren anderen kund zu tun. Aber sie akzeptieren es, wenn andere lieber ihrem eigenen Guru folgen.

Wir dagegen haben eine Synthese der drei Wege von Bhakti (Hingabe), von Dhyana (Meditation) und von Selbsterkenntnis (direktes Wissen des Selbst), eine schöne integrierte Synthese, eine harmonische Mischung der drei übernommen. In diesem Sinne sollten wir unsere spirituelle Arbeit ausüben. Gleichzeitig gab Gurudev uns mit seinen 20 wichtigen spirituellen Anleitungen systematisch aufgestellte Richtlinien. Das war sein spezielles Geschenk an uns. Er sagte: "Ihr solltet euer Leben an diesen Richtlinien orientieren." Du solltest früh am Morgen aufstehen. Du solltest jeden Morgen ein wenig Meditation, ein wenig Japa (Mantrameditation), ein wenig Kirtan (Mantrasingen), ein wenig Asana (Yogaübungen) und ein wenig Pranayama (Atemübungen) machen und so den Tag beginnen. Er erteilte uns eine vollkommen unmißverständliche, definitiv eindeutige Anweisung, keine Unbestimmtheit, sondern ein sehr scharf geschnittenes tägliches Programm. Wenn wir, die wir die Erben seines Unterrichts sind, und die direkt und persönlich mit ihm während seines Lebens mit ihm zusammen lebten, wenn wir nicht versuchen, unser Leben nach diesen Richtlinien zu gestalten, wer sollte es sonst machen?

Wir können nicht erwarten, dass die Anhänger von Sri Aurobindo Ghose diesen 20 spirituellen Regeln folgen. Ebenso wenig kann man von den Anhängern von Sri Ramana Maharshi erwarten, dass sie Kundalini Yoga praktizieren. Auch von uns wird man nicht  erwarten können, dass wir Siddha Yoga praktizieren. So wie jeder spirituelle Sucher sich mit der Abstammungslinie seines Gurus identifiziert, so fühlen wir uns mit den Lehren Swami Sivanandas verbunden. In diesem Sinne empfinden wir eine spezielle Verantwortung, empfinden es als ein Privileg, als ein großes Glück und als Glückseligkeit, seine Lehren weitergeben zu dürfen. Er hat unser Leben auf einem körperlichen, einem geistigen, einem intellektuellen, einem moralischen, einem ethischen und einem spirituellem Niveau unterstützt. Was hat er nicht alles für uns getan? Dadurch hat sich natürlich eine besonders tiefe Beziehung zu ihm entwickelt.

Gurudev sagte: "Was auch immer ich in all meinen Büchern geschrieben habe, es findet sich konzentriert in meinen 20 wichtigsten spirituellen Regeln wieder." Diese Regeln gelten für einen jeden von euch. Vielleicht habt ihr solche Regeln noch nie so konzentriert beschrieben gesehen. Er hinterließ der Welt des 20. Jahrhunderts, diese 20 spirituellen Regeln, als sein  Vermächtnis, als die Quintessenz seines praktischen Unterrichts. Er hinterließ sie für dich, für mich, für einen jeden von uns. Wenn Sie versuchen, ihr Leben nach diesen 20 spirituellen Regeln auszurichten, wird eines Tages ein neues Licht, ein neues Verständnis, ein neues Lebensgefühl in ihrem Leben erwachen. Nähern Sie sich mit diesem Gefühl den 20 wichtigen spirituellen Regeln und lernen Sie die spirituelle Seite ihres Lebens besser kennen. 

Die Praxis     Zum Inhaltsverzeichnis

Lord Dattatreya sprach mit 24 Gurus, von denen er erlernte. („Die Namen meiner 24 Gurus sind Erde, Wasser, Luft, Feuer, Himmel, Mond, Sonne, die Taube, die Pythonschlange, das Meer, der Nachtfalter, der Honigsammler (Schwarze Biene), die Bienen, der Elefant, der Hirsch, die Fische, die Prostituierte Pingala (Pingala ist der abwärts gerichtete spirituelle Energiekanal in der Wirbelsäule), der Rabe, das Kind, das Mädchen,  die Schlange, der Pfeilmacher, die Spinne und der Käfer.) Er sagte: "Wegen der Lehren von allen diesen 24 Gurus, bin ich, was ich heutige bin. Was Sie heute an mir sehen, können Sie nur bestaunen, weil ich lebte, was ich lernte. Was ich von diesen Gurus lernte und verstand, integrierte ich in mein Leben. Von jedem Guru lernte ich eine andere Botschaft, die ich in mein Leben integrierte.

Bei den Übungen Sivanandas wird das praktische Wissen in den Vordergrund gestellt. Schon mit ein wenig Praxis lassen sich so schnell spirituelle Fortschritte erreichen. Praxis, das ist auch das Schlüsselwort, welches durch den Weltenlehrer Lord Krishna in der Gita (hinduistische Bibel) für den Erfolg ausgegeben wird. Wer alle widrigen Umstände und alle Versuchungen überwindet, die sich ihm entgegenstellen, der erreicht das Ziel. Praxis ist das Schlüsselwort. Er sagte: "Nichts ist unmöglich. Dort wo Praxis ist, ist alles möglich." Dort wo keine Praxis betrieben wird, ist alles etwas schwieriger, vielleicht sogar unmöglich. In diesem Sinne möchte ich mich nun den 20 wichtigsten spirituellen Regeln Swami Sivanandas zuwenden und aufzeigen, was sie ihnen zu bieten haben.

Zum allgemeinen Verständnis     Zum Inhaltsverzeichnis

Beginnen Sie, indem Sie zunächst die folgende Regel zuerst lesen. Und dann lesen Sie Regel Nummer eins. Lenken Sie aber zunächst ihre ganze Aufmerksamkeit auf die nun folgende  Regel, die Swami Sivananda eigentlich ans Ende der 20 spirituellen Regeln stellte. Sie stellt gewissermassen die 21. Regel dar. Dieser Hinweis wird eine grosse Hilfe und von grossem Nutzen für alle sein, denen ihr spirituelles Wohlergehen sehr am Herzen liegt. Lesen Sie den folgenden Hinweis sehr aufmerksam, denn der Verstand neigt mitunter zur Nachlässigkeit.

Yadi moksham icchasi chet-thaatha vishayan vishavat-thyaja
Brahmacharyam, ahimsa cha satyam peeyusha-vad-bhaja

Diese 21. Regel besagt: 

"Wenn Sie spirituelle Befreiung wünschen, dann vermeiden Sie sinnliches Vergnügen und beachten Sie als die drei obersten Gebote, die Regeln der Keuschheit, des Nichtverletzens und der Ehrlichkeit, als den Nektar der ihnen ewigen Frieden und Glückseligkeit beschert."

Diese Aussage beinhaltet das Wesentliche jeder spirituellen Praxis. Sie wird Sie zur Befreiung führen. Dieser geistige Kanon, der auch als Niyama (ethisch-moralische Regeln) bezeichnet wird, sollte streng beachtet werden. In dieser Hinsicht sollten Sie ihrem Verstand keinen Spielraum einräumen.

Beginnen Sie mit diesem Hinweis. Lesen Sie ihn zuerst und lesen Sie danach die erste Regel der 20 spirituellen Regeln. Das sollte für heute genügen. Morgen beginnen Sie wieder mit diesem Hinweis (Regel 21) und dann lesen Sie die 2. Regel. Übermorgen beginnen Sie wieder mit der 21. Regel, um anschliessend der 3. Regel ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken. In diesem Sinne widmen Sie sich allen folgenden spirituellen Regeln. Nehmen Sie sich für jede Regel 15 Minuten Zeit und versuchen Sie ihren Sinn zu verstehen.

Wenn Sie nach 20 Tagen alle 20 Regeln komplett verstanden haben, beginnen Sie diese Regeln in ihr Leben zu integrieren. Denken Sie 30 oder 45 Minuten über die 20 Regeln nach, die nun wie in goldenen Lettern vor ihrem geistigen Auge erscheinen sollten. Konzentrieren Sie sich darauf, meditieren Sie darüber und fühlen Sie, was sie in ihnen bewirken. Denken Sie darüber nach, wie Sie diese Regeln in ihr tägliches Leben integrieren können. Verinnerlichen Sie diese 20 spirituellen Regeln Swami Sivanandas sanft aber konsequent. Tun Sie dies mit einer Entschlossenheit, wie Sie dies in ihrem bisherigen Leben vielleicht nur selten taten. Räumen Sie diesen 20 Regeln, in ihrem Leben, zu ihrem eigenen Wohlergehen und für ihren schnellen spirituellen Fortschritt, einen würdigen Platz ein.

Mit dieser Einstellung wird sich der Erfolg einstellen. Gurudev sagte: "Diese 20 spirituellen Regeln werden euch zur Befreiung führen". Er sagte es, weil er sich sicher war, dass sich der Erfolg einstellen würde, wenn Sie diese 20 Regeln konsequent befolgen. Werden Sie selbst zu einer lebenden Verkörperung dieser 20 spirituellen Regeln, dann werden Sie noch in diesem Leben Befreiung erfahren.

Möge Gott Sie segnen und es Ihnen ermöglichen, diese Regeln in ihr Leben zu integrieren. Die Gnade Gurudevs wird ihnen Erfolg bescheren.


Kapitel 2

1. Regel: Aufstehen um 4 Uhr     Zum Inhaltsverzeichnis

Stehen Sie jeden Morgen um 4 Uhr auf. Dieses ist Brahmamuhurta, die Stunde Brahmans, die Stunde des absoluten Bewusstseins, die Zeit, die für die Meditation und für die spirituelle Praxis sehr vorteilhaft ist. Warum sollten Sie so früh aufstehen? Weil Sie Ihnen mehr Zeit für die spirituelle Praxis gibt. Das Kennzeichen eines spirituellen Aspiranten ist, dass er, während alle anderen noch schlafen, bereits wach ist, und sich aufmerksam um seinen spirituellen Fortschritt bemüht. Wenn Sie aufstehen, während alle anderen noch schlafen, dann können Sie sich in aller Ruhe ihrer spirituellen Praxis zuwenden, ohne Störungen von anderen befürchten zu müssen. Zeit ist etwas sehr wesentliches im Leben. Lord Krishna sagt in der Bhagavad Gita: "Ich bin die Zeit, die alles Zerstörende. Ich verschlucke alles, einschliesslich des menschlichen Lebens."

Damit ist natürlich nicht die Zeit gemeint, die man sinnvoll für seine Eltern, für die Armen, für die Kranken und Leidenden, für die Gesellschaft nutzt. Damit ist auch nicht die Zeit gemeint, die man für seine Yogaübungen, für Atemübungen, für einen erholsamen Spaziergang und die man zum Entspannen und Studieren nutzt. Zeit dagegen, die man in Karma-Yoga (Yoga des hingebungsvollen Dienens), Bhakti-Yoga (Yoga der Hingabe zu Gott) oder Hatha-Yoga (Yogaübungen) investiert, ist sinnvoll genutzt. Wurde aber Zeit verschwendet, dann sagte Gurudev:

    "Wie können Sie wirklichen Frieden erwarten,
    wenn Sie ihre Zeit mit nutzlosen Gesprächen verschwenden,
    mit skandalösen Verleumdungen,
    mit Kämpfen und Streitereien,
    mit Romanen und Zeitungen, in den Kinos und Restaurants,
    mit Kartenspielen und Rauchen?"

Wie können Sie wirklichen Frieden erwarten, wenn Sie bei Nacht und bei Tage ihre Zeit verschlafen? Er sagte dies zwar nicht wörtlich, aber einer der grössten Zeitvernichter ist der Schlaf, ein Produkt unserer Trägheit und ein Zerstörer unserer Lebenszeit. Damit steht der Schlaf, mehr als alles andere, unserer spirituellen Praxis entgegen. Gibt man sich dem Schlaf mehr hin als notwendig, dann ist das weder für die physische noch für die mentale Gesundheit vorteilhaft.

Stehen Sie früher auf, so verfügen Sie über eine Zeit, die sie normalerweise während ihrer beschäftigten Tagesstunden nicht zur Verfügung hätten. Nutzen Sie diese Zeit für spirituelle Übungen. Diese Zeit ist normalerweise frei von Störungen, der Geist ist in Ruhe und die Atmosphäre mit Reinheit gefüllt. Wenn der Tag dämmert, die Sonne erwacht und das Tageslicht die ganze Welt überflutet, entfaltet der Geist seine Aktivität. In der Dunkelheit der Dämmerung, ist die Welt noch unsichtbar. Das verleitet die Sinne nicht, sich nach aussen zu orientieren. Dieses ist für die andächtige Selbstbeobachtung sehr vorteilhaft. Möge Gott Sie segnen und ihnen helfen, diese Anweisungen zu befolgen. Die Gnade Gurudevs wird Ihnen Erfolg bescheren.

2. Regel: Asanas (Yogaübungen)     Zum Inhaltsverzeichnis

Die Beziehungen zwischen Körper und Geist

Setzen sie sich für die Meditation für eine halbe Stunde mit dem Gesicht nach Norden oder Osten in den Padmasana (Lotussitz), Siddhasana (vollendete Stellung) oder in den Sukhasana (Schneidersitz). Erhöhen sie die Periode stufenweise auf drei Stunden. Machen Sie Kopfstand und Schulterstand um die Enthaltsamkeit und die Gesundheit zu fördern. Machen Sie zusätzlich regelmässig leichte physische Übungen wie Spazieren gehen und zwanzig Atemübungen.

Der Körper ist die spirituelle Offenbarung des Göttlichen in seiner gröbsten Form. Der Geist dagegen ist die unsichtbare Form der groben Natur, wie sie sich uns als materielles Universum darstellt. Dieses ist nicht nur die erklärte Wahrheit der Vedanta, der alten indischen Weisheitslehre, dies ist auch die direkte intuitive Erfahrung der gottverwirklichten Weisen, die das Einssein ihrer menschlichen Natur mit dem Göttlichen selber erfuhren. Darum sollte man die Natur und das Göttliche als Einheit auffassen. Es gibt keine zwei unterschiedliche Instanzen, die sich als Geist und Materie unterscheiden. Die Materie ist mit dem Geist verquickt und der Geist mit der Materie. Es gibt nur eine Realität - Brahma. In seiner gröbsten Form manifestiert sich Brahma in der Realität als Materie, in seiner subtilsten, transzendentalen Form als reiner unabwägbarer Geist, die sich am besten durch Schweigen beschreiben lässt.

Der Körper ist das Gefäß des Geistes. Der Geist ist die subtilste innere Realität und der Juwel in diesem Körper, ein Juwel in einer Juwelenbox. Aber der Wert der Juwelenbox wird nicht allein durch den Juwel bestimmt, da die Box ebenfalls wertvoll ist. Ist der Juwel aber nicht vorhanden, so kommt auch der Box keine Aufmerksamkeit zuteil. Erst durch die Anwesenheit des Juwels behandelt man die Box mit grösster Sorgfalt. Sie wird sorgfältig beschützt und aufbewahrt.

Darum wirken sich Gurudevs Regeln auf Geist und Körper aus. Auf den Körper, weil er der Sitz des Geistes ist. Der Geist dagegen macht den Körper kostbar, wertvoll und bedeutend. Nach dem Tod, wenn der Geist den Körper verlassen hat, verbrennt man den Körper zu Asche und beseitigt ihn so schnell wie möglich.

Asana

a) Der erste Teil dieser Anweisung beschäftigt sich mit Meditation. In den frühen Morgenstunden, nachdem Sie aufgestanden sind, meditieren Sie. Stehen Sie um 4 Uhr auf und meditieren Sie für eine halbe Stunde im Padmasana (Lotussitz), Siddhasana (vollendete Stellung) oder in den Sukhasana (Schneidersitz), mit dem Gesicht nach Osten oder Norden. Stehen Sie morgens auf, um an Gott zu denken, um sich an ihn zu erinnern, um sich im Geist auf ihn zu konzentrieren. In diesem Sinne sollten Sie den Tag beginnen. Der Zweck des frühen Aufstehens, sollte also nicht darin bestehen, das Morgenradio zu hören oder den Tee oder den Kaffee im Bett zu trinken. Vielmehr sollte er dazu dienen, den Namen Gottes zu verherrlichen und über ihn zu meditieren. Erhöhen Sie allmählich die Zeit für die Meditation. Genau so, wie es uns beim Essen immer mehr nach leckeren Speisen gelüstet, sollten wir uns auch in der Meditation bemühen, etwas mehr davon zu erlangen. Wir sind nie zufrieden, wenn es um die Erfüllung unserer sinnlichen Wünsche geht. Wir sollten ebenso wenig zufrieden sein, wenn es um unsere spirituellen Fortschritte geht. Aus diesem Grunde ist es sehr empfehlenswert, die Zeitspanne von Japa (Mantrameditation) und Meditation langsam auf drei Stunden zu erhöhen.

b) Der zweite Teil der Regel, handelt von der physischen Gesundheit. Mache Kopfstand und Schulterstand. Das erleichtert die Enthaltsamkeit und fördert die Gesundheit. Mache regelmässig Spaziergänge und Atemübungen.

Die vier Bedürfniskategorien, auf Sanskrit Purusharthas genannt, sind:

1. Kama: Wunscherfüllung, Befriedigung der sinnlichen Bedürfnisse
2. Artha: Wunsch nach Wohlstand, Wohlergehen, Macht, Einfluss in Beruf und Gesellschaft 
3. Dharma: Pflichterfüllung. Seiner Verantwortung in Familie und Gesellschaft nachkommen, sich für politische und/oder wohltätige Zwecke engagieren usw. Auch Selbstentfaltung im westlich-humanistischen Sinn 
4. Moksha: Befreiung

Für alle 4 Bedürfniskategorien, einschliesslich des Wunsches Geld zu verdienen, Reichtum anzuhäufen, sowie für alle legitimen Wünsche, ja selbst um Befreiung zu erlangen, ist die körperliche Gesundheit von grösster Bedeutung. Vergessen Sie das nie. Es wäre eine Torheit, es zu vergessen. Um so älter Sie werden, um so mehr werden Sie diese Wahrheit zu würdigen wissen. Aus diesem Grunde sollten Sie regelmäßig Yogaübungen praktizieren, Spazieren gehen und Joggen. Passen Sie gut auf Ihren Körper auf.

c) Pranayama (Atemübungen): Tiefes Ein- und Ausatmen ist von grosser Bedeutung. Sauerstoff ist ein Lebenselexier. Der Atem reichert den Körper mit Sauerstoff an. Je tiefer die Atmung, um so mehr Sauerstoff wird von der Lunge, vom Blut und von den Zellen aufgenommen. Eine Kombination aus leichten Atem- und Yogaübungen schenkt Ihnen Gesundheit und Vitalität. Zusammen mit Japa und Meditation werden Sie ihre spirituelle Praxis mit Freuden ausüben können. Genau dies ist die Einstellung, mit der sie den neuen Tag beginnen sollten.

Beginnen Sie den Tag mit Gott. Füllen Sie ihn mit Gott.
Beenden Sie den Tag mit Gott. Dies ist der Weg zu Gott.
Dies ist der Weg zum Glück. Dies ist der Weg zum Frieden.
Dies ist der Weg zur Vollkommenheit.
Dies ist der Weg zur Erleuchtung.

3. Regel: Japa (Mantrameditation)     Zum Inhaltsverzeichnis

Japa: Wiederholen Sie irgendein Mantra, entsprechend ihrer Neigung oder ihrem Geschmack, wie z.B. das reine Om, oder Om Namo Narayanaya, Om Namah Shivaya, Om Namo Bhagavate Vasudevaya, Om Saravanabhavaya Namah, Sita Ram, Sri Ram, Hari Om, oder das Gayatri-Mantra, von 108 bis zu 21.600 mal täglich.

Gott ist immateriell, unmanifest, unsichtbar, nicht wahrnehmbar in all seinen Erscheinungen. Er ist subtiler als das Subtilste, für unseren Verstand nicht fassbar. Jeder Versuch, ihn mit dem Verstand zu erfassen, ist daher zum Scheitern verurteilt. Gott ist jenseits des Verstandes und jenseits der Sprache.

Wie können wir uns Gott dann nähern, ihm nahe sein? Normalerweise begrenzt sich unser  Bewusstsein auf Äusserlichkeiten. Aber es gibt etwas jenseits unseres Denkens, unserer Rede, unseres Verstandes und unseres Intellektes, das uns mit ihm in Verbindung treten lassen kann. Gibt es eine Brücke, die eine Verbindung zu diesem Jenseits herstellen kann? Unsere Gedanken beschäftigen sich normalerweise mit Sinnesobjekten. Wir sind es gewohnt, in Begriffen von Raum und Zeit zu denken und nicht in transzendentalen Zusammenhängen. Was ist es, das uns aus unserem begrenztem Bewusstsein in Verbindung mit dem Unendlichen treten lässt, das jenseits von Raum und Zeit besteht? Die Praxis der Widerholung des göttlichen Namens, die Praxis des Japa, gibt uns eine Antwort auf diese Frage. Sie überwindet das Hindernis zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten, zwischen dem Begrenzten und dem Unendlichen, zwischen dem Offensichtlichen und dem Unerklärlichen, zwischen dem Individuellen und dem Universalen. Es gibt eine Kluft zwischen uns, den individuellen Seelen, und dem Absoluten, die wir durch Japa überbrücken können.

Der göttliche Name stellt solch eine Verbindung her. Er ist wie der Bootsmann, dessen Fähre beide Ufer des Flusses miteinander verbindet. Er besitzt die Fähigkeit, dass er uns wie der Fährmann, vom hiesigen Ufer des begrenzten Bewusstseins zum Ufer des unbegrenzten, universellen Bewusstseins hinübertragen kann. Gott ist unbegreiflich. Was immer wir auch über ihn in den Tempeln, Moscheen, Synagogen und Kirchen erfahren, spiegelt die Meinung über ihn wieder. Neben allen weltlichen Versuchen, Gott in Statuen und Bildern darzustellen, sollten wir versuchen, eine eigene Vorstellung vom höheren Sein zu entwickeln. Wenn wir dieses immaterielle Sein auch nicht sehen können, so können wir es fühlen, erfahren, entwickeln und realisieren. Der göttliche Name besitzt ausserdem einen Klang, den wir hören und schreiben können.

Die Form Gottes ist jenseits unserer Vorstellung. Aber hier ist etwas, ein Aspekt Gottes, identisch mit ihm selber, der bereits im Altertum entdeckt wurde: das Mantra, eine heilige Silbe des höchsten absoluten Seins. Hier existiert ein formloser Klang, der Kontakt zur formlosen Welt hat. Parabrahman, das Absolute, ist formlos und ohne Eigenschaften, der göttliche Name dagegen formlos aber mit Eigenschaften. Er besitzt die Eigenschaft eines  Klanges, einer Vibration, eines Sounds, den man hören kann. Wir können ihn in Tonstudios produzieren und auf Tonträgern abspielen. Wir können ihn verstärken und über den Ozean senden. Die verblüffenste Wahrheit ist, es ist Göttlichkeit in Form eines Klanges. Gott, der jenseits von Klang, Raum und Zeit existiert, wird durch den Klang erfahrbar. Man kann sich ihm durch diese Schwingung nähern. Somit hat die Existenz eine Verbindung zu beiden Welten, einerseits zur formlosen Welt des Absoluten und andererseits zur Welt der Namen und Formen, in der wir Leben.

Für den Mensch besitzt alles eine bestimmte Qualität. Der Klang ist eine der bemerkenswertesten Sinneserfahrungen des Menschen. (Der Mensch verfügt insgesamt über 5 Sinneserfahrungen. Diese sind: Sehen, Schmecken, Fühlen, Hören, Riechen) Gott und der Name Gottes sind identisch. Daher entspricht jedes Mantra, welches den Namen Gottes enthält, wie Om Namah Shivaya, Om Namo Narayanaya, Om Sri Ram, Om Sri Krishnaya Namah, Om Sri Ramaya Namaha eine klangliche Form des Allerhöchsten selbst.

Patanjali, der als Begründer der Yogaphilosophie angesehen wird, weil er offensichtlich der erste war, der die überlieferte Yogaphilosophie niederschrieb, sagte in einem Sutra, dass man Perfektion in der Mantrameditation dadurch erlangen kann, dass man den geheiligten Namen Gottes immer wieder wiederholt. Lord Krishna, der Lehrer für die ganze Menschheit,  sagte: Der, der im Moment des Todes meinen Namen wiederholt, wird das Ziel erreichen. Er wird nicht in diese sterbliche Welt zurückkehren. Die Identität Lord Krishnas und seines Namens wird derjenige erfahren, der diesen Weg beschritten hat und dabei Perfektion erlangt hat. Einer unter denen, die Selbsterleuchtung durch Wiederholung des göttlichen Namens erreichten, war Samartha Ramdas, der nichts anderes tat, als das Mantra "Sri Ram, Jai Ram, Jai Jai Ram" wiederholte.

Auf der anderen Seite des indischen Subkontinents, in Bengalen, erreichte Sri Chaitanya Mahaprabhu göttliche Erleuchtung, wurde durch das Singen des Maha-Mantras (Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna, Hare Hare - Hara Rama, Hara Rama, Rama Rama, Hare Hare) berauscht vom göttlichen Bewusstsein. Er reiste nach Vrindavan und durch ganz Indien und verbreitete die Macht dieses Mantras als eine sichere Methode, um göttliches Bewusstsein im Kali Yuga zu erlangen.


Kali Yuga: Zeitalter des Niedergangs

Kaliyuga (Sanskrit) bedeutet wörtlich eisernes Zeitalter. Nach der buddhistischen Kosmologie bezeichnet ein "Eiserne Zeitalter" die vierte und letzte größere Zeitperiode eines Zeitabschnitts von ca. 3000 Jahren, nach der Geburt eines Buddhas bis zum Erscheinen eines neuen Buddhas.

Gemäß der Überlieferung degeneriert das Zeitalter nach dem Erscheinen eines lehrenden Buddhas schrittweise. Nach einem als golden, silbern und kupfern bezeichneten Zeitalter befinden wir uns heute im sogenannten "eisernen Zeitalter" in der die äußere Welt, als auch die geistige Verfassung der Wesen sehr stark von den drei Wurzel-Geistesgiften Haß, Gier und Verwirrung betroffen sind. Ein "eisernes Zeitalter" ist daher in stärkerem Maße von Krieg und weitverbreitetem Leid betroffen als die vorausgegangenen Zeitalter es waren. Es wird auch als das Zeitalter des Niedergangs bezeichnet. In einem solchen Zeitalter haben nur noch wenige Wesen die Fähigkeit Meditation zur geistigen Entwicklung auszuüben und bedürfen sehr kraftvoller Methoden, um den Geist zur vollen Erleuchtung zu führen.

Neues goldenes Zeitalter

Am Ende eines eisernen Zeitalters erscheint nach der Überlieferung ein neuer Buddha, der erneut erleuchtete Lehren verkündet, worauf ein neues goldenes Zeitalter anbricht. In einem goldenen Zeitalter finden die Wesen leicht Zugang zu spiritueller Praxis und der Geist der Wesen ist nur wenig durch Geistesgifte verschleiert.


Dwapara-Yuga

Laut Swami Sri Yukteswar, dem Guru von Paramahansa Yogananda, befinden wir uns, laut  Aussage seines Buches "Die heilige Wissenschaft", nicht mehr im eisernen Zeitalter, sondern bereits seit 1899 in dem 2000 Jahre andauernden Dwapara-Yuga, das ist das Zeitalter, welches auf dem dunklen Kali-Yuga (dem eisernen Zeitalter) folgt. Im Dwapara-Yuga verlangt die Welt nach höheren geistigen Erkenntnissen und die Menschen  bedürfen der gegenseitigen Liebe und Hilfe.


Die Wiederholung des göttlichen Namens ist eine Wiederbelebung einer uralten Yogapraxis. Lange bevor Lord Rama in diese Welt reinkarnierte, erreichte der Jäger und Räuber Ratnakar, der auf Anweisung eines Yogi, den er eigentlich überfallen wollte, das Mantra "Rama" wiederholte, Erleuchtung. Ratnakar wusste, wie uns die Sage berichtet, von dem Sinn der Mantrawiederholung nichts. Er war Analphabet, ungehobelt, ungebildet, stammte von einer Waldjagdsippe ab, ausserdem wiederholte er das Mantra in falscher Weise. Aus Mara (den Dämon) machte er versehentlich Rama (indischer Gott) (mara mara mara ma ra ma rama rama rama...).

In Sri Sant Tulsidasji's (indischer Weiser) Ramscharit Manas (indische heilige Schrift) gibt es ein Sprichwort:

Die ganze Welt weiss, dass Valmiki brahmisches Bewusstsein erlangte,
obwohl er die Mantrameditation nicht wie vorgeschrieben ausführte.

Er wurde in der indischen spirituellen Geschichte dadurch berühmt, dass er den höchsten Zustand brahmischen Bewusstseins durch Japa (Mantrameditation) und zwar ausschliesslich durch Japa erreichte. Er wusste nichts von Sanskrit, er wusste nichts von Vedanta, er wusste nichts von den Upanishaden, er wusste nichts von der Bhagavad Gita, er wusste nichts von Ashtanga-Yoga (Raja-Yoga) oder Kundalini-Yoga. Er wusste nichts von Yogaübungen oder Atemübungen. Er kannte sich überhaupt nicht damit aus. Folglich tat er nur das, was er gelernt hatte, Japa. Obwohl er vollkommen ungebildet war, erreichte er göttliches Bewusstsein. Er wurde zum grossen Weisen Valmiki, der das unsterbliche Epos "Valmiki Ramayana" niederschrieb. Er war ein Desperado, ein Räuber, ein grausamer, gewalttätiger Sünder, aber er wurde eins mit Brahman, durch die Wiederholung des Namens "Rama".

Darum sprechen Sie mit jedem Atemzug den Namen Gottes. Nehmen Sie zu diesem unfehlbar sicherem Weg Zuflucht zum göttlichen Namen. In diesem Kali-Yuga ist es der sicherste Weg. Sie ist die einfachste und wirksamste Methode. Alle Heiligen und spirituellen Lehrer Indiens der letzten 300 bis 400 Jahre, haben es nicht versäumt, die Mantrameditation als einen sicheren Weg anzupreisen, um Gottverwirklichung zu erlangen.

Gurudev sagte: "Mache Japa mit einem Mantra deines Geschmacks oder mit dem Mantra "OM". Mache jeden Tag von 108 bis zu 21.600 Mantrawiederholungen. Da die Mala, die Gebetskette, genau 108 Perlen hat, entsprechen 21.600 Mantrawiederholungen genau 200 Maladurchläufen. 21.600 ist übrigens auch genau die Zahl der Atemzüge, die der Mensch jeden Tag macht. Um so mehr Mantras man wiederholt, um so besser ist es. Ein Händler oder Geschäftsmann wird sich niemals die Frage stellen, wieviel er verdienen sollte. Er wird immer bemüht sein, seinen Reichtum zu vermehren. Wie den Geschäftsleuten ist dir ein goldener Schlüssel gegeben, um deinen Geist zu reinigen, um göttliche Hingabe zu üben, um Konzentration, Meditation, Einpünktigkeit und Selbstverwirklichung zu erreichen. Dies ist vollständiges Yoga.

Zum Schluss diese Kapitels möchte ich darauf hinweisen, dass ebenfalls in der Bibel Hinweise auf die Mantrameditation zu finden sind. Im ersten Brief des Paulus an die Tessalonicher heisst es - Thess. 5,17: Betet ohne Unterlaß.

Möge Seine Gnade und Sein Segen ihnen Erfolg in ihrem spirituellen Leben, bei ihrer spirituellen Praxis und ihren Yogaübungen bescheren.

4. Regel: Yogische Ernährung     Zum Inhaltsverzeichnis

Ernährung: Ernähren sie sich sattvig (rein). Verzichten Sie auf Chillies, Tamarinde, Knoblauch, Zwiebeln, saure Lebensmittel, Öl, Senf und Asant - wegen seines Geruchs auch Teufelsdreck genannt (Gewürz). Beachten Sie Mäßigung in der Ernährung. Milch und Früchte stärken die Konzentration. Betrachten Sie Lebensmittel wie eine Medizin, die ihnen hilft, das Leben zu meistern. Essen nur aus Lust, ist eine Sünde. Verzichten Sie einen Monat lang auf Salz und Zucker. Sie sollten in der Lage sein, sich ausschliesslich von Reis, Linsensuppe und Brot ohne scharfe Gewürze zu ernähren. Verwenden Sie für die Linsensuppe kein Salz und keinen Zucker für Tee, Kaffee oder Milch.

Die vierte Regel ist ein wenig umfangreicher. Sie beinhaltet einen wichtigen Aspekt unseres täglichen Lebens. Unsere tägliche Nahrung. Sie alle kennen bestimmt das bekannte Sprichwort: "Esse um zu leben. Lebe aber nicht, um zu essen." Nahrung ist unentbehrlich für das Leben. Sie versorgt den Körper mit den notwendigen Bausteinen in Form von Kohlenhydraten, Fetten, Eiweissen, Mineralien, Aminosäuren, Vitaminen usw. Dadurch erhält sie den Körper gesund. Ernähren Sie sich aber ungesund oder Essen Sie zu viel, so kann das die Gesundheit beeinträchtigen und zu Krankheiten wie Verdauungsstörung, Magenschleimhautentzündung, Dickdarmentzündung, Durchfall und anderen chronischen Erkrankungen führen.

Dieselbe Nahrung, die unentbehrlich, heilsam und notwendig für die Gesundheit ist, kann zum größten Feind werden, wenn Sie ihren Gaumen nicht kontrollieren, wenn Sie nicht Maß halten, wenn Sie nicht das nötige Wissen über eine gesunde Ernährung besitzen. Dann werden Sie nicht wissen, wie man sich vernünftig ernährt. Darum gab Gurudev folgende Ermahnung: "Halten Sie Disziplin beim Essen." Er widmete der gesunden Ernährung einer etwas längeren Anweisung. Er sagte: "Essen Sie einfach und mild. Verwöhnen Sie den Gaumen nicht zu sehr mit Tamarinde, Chillie, Zwiebeln und Knoblauch, mit sauren Lebensmitteln, Öl, Senf und Asant (Teufelsdreck). Seien Sie sehr sparsam damit. Essen aus Lust ist eine Sünde. Essen Sie sattvige (reine) Lebensmittel." In mehreren Büchern gab er uns eine komplette Liste, welche Speisen er als rein betrachtete und welche Speisen die Trägheit fördern. Er gab uns dieses Wissen, damit wir uns informieren konnten, welche Lebensmittel wir essen und welche wir möglichst vermeiden sollten. "Essen Sie einfach und nicht zu viel. Milch und Früchte stärken die Konzentration. Betrachten Sie das Essen wie eine Medizin, um dem Körper Wohlbefinden zu schenken. Verzichten Sie einen Monat lang auf Salz und Zucker. Sie sollten in der Lage sein, sich von Reis, Gemüse und Brot ohne gepökeltes Fleisch (Konservierung von Fleisch- und Wurstwaren mit Hilfe von Kochsalz oder Nitritpökelsalz) zu ernähren. Nehmen Sie zum Gemüse keine Extraportion Salz und für Tee, Kaffee oder Milch keine Extraportion Zucker." Darum sollten Sie es lernen, ihren Gaumen zu kontrollieren.

Es gibt das Sprichwort: "Alle Sinne sind kontrolliert, wenn man den Geschmackssinn kontrolliert." Darum ist das Maßhalten der Hauptgedanke, um ungestört spirituelle Fortschritte zu erreichen. Lebensmittel die die Trägheit fördern, sollten darum möglichst vermieden werden. Es gibt ein tamilisches Sprichwort: "Halten Sie Maß, sonst kann selbst Nektar zu Gift werden." Das bedeutet aber nicht, dass die Ernährung fad aussehen muss, sonst meditieren sie mehr über das Essen als über Gott. Stellen Sie einen Diätplan auf und befolgen Sie ihn ohne Abweichung. Mit dem Gedanken ans Essen gefesselt zu sein, ist nicht gut. Als man Bhagavan Ramana Maharshi über Diät befragte, sagte er kurz und bündig: "Iß mässig. Iß nur das, was deiner Gesundheit förderlich ist. Ihre Erfahrung wird ihnen dabei sagen, welche Nahrungsmittel Sie meiden sollten."

Fasten Sie am Ekadasi. Ekadasi ist der jeweilige elfte Tag nach Voll- und Neumond. Nahrung ist das einzige, was fortwährend durch unseren Körper wandert, von der Geburt bis zum Tod. Das, was wir zu uns nehmen, und was dann Teil von uns wird, beeinflusst unsere gesamte Verfassung und unsere körperliche Gesundheit. Ebenso beeinflusst es auch unsere Meinung. Die feinstofflichen Schwingungen unserer Nahrung beeinflussen unseren astralen Körper und wirken so auf unser Bewusstsein. Nahrung hat darum einen dreifachen Effekt. Sie beeinflusst den Körper, den Verstand und das Bewusstsein. Daher nun diese allgemeinen Regeln. Maßhalten beim Essen ist eine Grundregel. Fasten sie alle 2 Wochen zum Ekadasie und halten sie Disziplin.

Entweder halten diese Regeln für sinnvoll oder nicht. Entweder Sie richten sich danach oder nicht. Ihr ganzes Leben lang essen Sie. Jeden Tag, ohne Ausnahme, essen Sie, mit Ausnahme am Ekadasi-Tag. Darum ist es von grosser Bedeutung, zu wissen, wie man sich gesund ernährt. Der physische Körper wird auch als Nahrungshülle bezeichnet. Diese Hülle ist gefüllt mit Nahrung. Die Nahrung ist natürlicherweise das Element aus dem die Zellen des Gehirns gebildet werden. So können Sie die Bedeutung der notwendigen, untrennbaren, kontinuierlichen und konstanten Beziehung zwischen Mensch und Ernährung verstehen. Nun können Sie auch verstehen, wie wichtig die Menge und die Qualität der Lebensmittel für eine gesunde Ernährung sind.

Denken Sie über diese vierte Regel nach, über ihre tiefere Bedeutung, insbesondere über ihre Beziehung zur Ethik und Spiritualität und ihre Abhängigkeit zur Selbstkontrolle. Dann werden Sie die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung erkennen.

In den westlichen Ländern wurde auf dem Gebiet der Medizin und Gesundheit eine intensive Forschung über die Ernährungsgewohnheiten betrieben. Aber dies geschah unter einem ganz anderen Blickwinkel. Es geschah unter dem Blickwinkel einer ausgewogenen Diät, nicht aber unter dem Gesichtspunkt yogischer Ernährungsaspekte. Das Wissen über beide Gesichtspunkte wäre aber eigentlich erforderlich. Gott segne Sie.

5. Regel: Meditationsraum     Zum Inhaltsverzeichnis

Richten Sie nach Möglichkeit einen verschliessbaren Meditationsraum ein.

Die nächsten Anweisungen richten sich speziell an Menschen, die nicht in einem Ashram leben. Sie richten sich zum Beispiel an Verheiratete, die ihrem Beruf nachgehen und an Nichtverheiratete, die, falls Sie ebenfalls ein Einkommen erzielen, vielleicht ihre Familien unterstützen, Vater, Mutter sowie die jüngeren Brüder und Schwestern. Diese Regel besagt: "Richten Sie sich möglichst einen abschließbaren Meditationsraum ein." Dies ist natürlich nicht möglich, wenn man als Mönch in einem Kloster, oder als Student in einem Wohnheim lebt, indem man womöglich sein Zimmer noch mit anderen Studenten teilen muss. Wenn Sie keinen eigenen Meditationsraum einrichten können, so sollten Sie versuchen, in ihrem Wohnraum einen kleinen speziellen Platz einzurichten, den Sie ausschließlich für Gebet, Meditation, Japa oder andere spirituelle Handlungen nutzen können.

Wechseln Sie diesen Platz möglichst nicht zu oft. Vielleicht möchten Sie aber auch gar nicht in ihrer Wohnung meditieren. Vielleicht machen Sie lieber einen Spaziergang, um an den Ufern eines Flusses zu meditieren oder an irgendeinem anderen heiligen Ort. Sollte das der Fall sein, dann sollten Sie möglichst Tag für Tag, Woche für Woche und Monat für Monat am gleichen Ort ihre spirituelle Praxis dort ausüben. Dann werden sich dort gewisse Schwingungen ausbreiten, eine ganz spezielle Atmosphäre wird sich dort einstellen. Dadurch wird sich ein Zeitzyklus entwickeln, der sich ebenfalls in ihnen als Biorhytmus einstellen wird. Zu dieser ganz bestimmten Zeit, in der Sie diesen spirituellen Ort aufsuchen, wird ihr ganzer Körper, ihr ganzes biologisches, psychologisches und spirituelles Sein sich auf ihr spirituelles Handeln konzentrieren.

Swami Sivananda sagte übrigens: "Führt man die Meditation zu Hause aus, so hat sie nur normale Wirksamkeit. An heiligen Orten ist die Wirkung hundertmal, an Flußufern 100.000 Mal höher. Heilige Pilgerorte sind Plätze am Ufer heiliger Flüsse, Höhlen, Hügel oder Berge, der Zusammenfluss von Gewässern, Wälder, Bäume, Gärten, Kirchen, Moscheen und Tempel, Strände oder einsame Orte. Sie sind besonders für die Meditation geeignet."

Sitzt Du jeden Tag zu einer ganz bestimmten Zeit an einem ganz bestimmten Ort um Japa und Meditation zu machen, dann erwacht in dir die gleiche Stimmung. Um diese Stimmung äußerlich zu unterstützen, schlug Gurudev vor, einige Slokas (Verse) zu wiederholen oder still einige OM zu wiederholen. Dann hebt sich die Stimmung, wird freundlicher und meditativer. Das ist die Kraft der regelmäßigen Wiederholung eines spirituellen Rituals, welches jeden Tag zur gleichen Stunde am gleichen Ort wiederholt wird. Darum hat sich Gurudev viel Zeit für seine praktischen Anleitungen genommen: "Regelmäßigkeit ist von größter Wichtigkeit." Das ist ein oft wiederholter Satz in seinen Lehren.

Ein separater abschließbarer Meditationsraum heißt auch, dass dieser Raum nur für die spirituelle Praxis genutzt wird. Dieser Raum sollte durch keine anderen Schwingungen gestört werden. Breiten sich dort störende Schwingungen aus, so könnte es sein, dass sie die spirituellen Fortschritte behindern. Darum sollten wir anderen nicht erlauben, diesen Raum zu betreten. Für die, die nur ein Zimmer haben, ist es darum gut, wenn man sich mit den Leuten draußen trifft. Dort gibt es jede Menge Plätze, an denen man sich treffen und miteinander reden kann. Bei Leuten mit positiven Schwingungen spricht allerdings nichts dagegen, dass man sie zu Hause empfängt. Andererseits ist es besser für die spirituelle Praxis, wenn Sie sich bemühen, die Schwingungen und die Atmosphäre des Meditationsraumes rein zu halten und anderen eher selten erlauben, diesen Raum zu betreten. Dann wird die Unversehrtheit und die spirituelle Atmosphäre dieses Raumes aufrecht erhalten.

Leider gibt es nur wenige Haushälter, die in der glücklichen Lage sind, ein eigenes Haus mit vielen Räumen zu besitzen, wovon sie einen Raum allein für die Meditation einrichten können. Es sind nur die Reichen, die obere Mittelklasse und pensionierte Regierungsbeamte, mit einer entsprechenden Pension, die ein grosses Haus besitzen und die es sich leisten können, einen separaten abgeschlossenen Meditationsraum einzurichten. Ich habe Familien kennen gelernt, in der sieben oder acht Personen in einem Raum lebten, mit einer Ecke als Küche. Der Flur wurde als Schlafzimmer genutzt und wurde zur Essenszeit zum Esszimmer. Das ist ihr Heim, ihr Zuhause. Natürlich kann man unter diesen Umständen keinen eigenen Meditationsraum verlangen. Es ist nicht so, dass Gurudev diese Umstände unbekannt wären. Diese Regel sollte man so auslegen, dass derjenige, der in der glücklichen Lage ist, sich einen separaten, abschließbaren Meditationsraum einzurichten, dieses machen sollte.

Der beste Meditationsraum ist Ihr Herz, das innere Ihres Geistes. Der Vorteil ist, dass Sie ihn betreten können, wann immer Sie wollen und wo immer Sie sind, jederzeit. Sogar mitten in einer Generalversammlung können Sie sich in ihr Inneres zurückziehen, um ein wenig zu meditieren. Selbst während der Fahrt zur Arbeit in einem Bus oder einem Zug, können Sie, anstatt aus dem Fenster zu schauen, meditieren. Solch eine Meditation ist überall möglich, da der Meditationsraum in Ihnen ist. Ihr Herz bietet Ihnen eine kleine Ecke, in die Sie sich zurückziehen können, um dort ein wenig zu verweilen.

Es gibt ein bengalisches Sprichwort: "Wo sollte man meditieren? Welches ist der ideale Platz? Bana, kone, mane." Bane - der ideale Platz ist, wenn möglich, im Dschungel. Kone - in einer Ecke deiner Wohnung. Andernfalls - mane - in deinem Herzen, in deinem Geist. Schliessen Sie die Augen und betreten Sie den geheimen Meditationsort, wo Sie allein mit Gott verweilen können. Schließen Sie die Türen, das heisst, verschließen Sie die Sinne. Ziehen Sie sich in sich selber zurück und erlauben Sie den Sinnen nicht, hierher und dorthin zu wandern. Kontrollieren Sie ihre Unruhe und verweilen Sie in Frieden.

Demnach sollte es für Sie nicht so wichtig sein, wo Sie meditieren, wenn Sie erst einmal das Verweilen in ihrem eigenen Selbst, in ihrer wahren Natur kultiviert haben. Das ist der Schlüssel für alle Probleme der Menschen. Der Mensch hat sich von seinem eigenen Selbst entfernt. Durch die Entfernung von seinem eigenen Selbst entwickelte er seine eigene Individualität. Dadurch aber entstanden all seine Probleme. Darum ziehen Sie sich in ihr Inneres zurück, verschließen Sie die Türen und seien Sie allein mit Gott. Hören Sie, was er ihnen zu sagen hat. Dort ist das Heiligtum, das innere Heiligtum. Sri Ramanakrishna Paramahansa sagte: "Wissen Sie was der weise Mann macht? Er gibt vor, schlafen zu gehen. Geht unter sein Moskitonetz, macht das Licht aus und jeder glaubt, er würde schlafen. Aber er sitzt (liegt) in seinem Bett und meditiert. Dabei kann ihn keiner beobachten."

Gurudev pflegte zu sagen: "Benutze deinen gesunden Menschenverstand." Im spirituellen Leben, in deiner Yogapraxis, überall nutze den gesunden Menschenverstand. Beim Training mit den Schülern gibt es eine Sache, die Improvisation genannt wird. Was immer Du tust, mache das Beste aus der Sache, improvisiere. Ich habe Menschen in einer kleinen Stadt oder Ortschaft kennen gelernt, wo es an den Randgebieten stille abgelegene Plätze gab. Nach der Arbeit gingen Sie heim, tranken eine Tasse Kaffee, spielten mit ihren Kindern, setzten sich ins Auto und fuhren raus aus der Stadt. Sie setzten sich in einer wunderbaren Naturlandschaft unter einen Baum, um mit sich, der Natur und Gott alleine zu sein. Dort blieben Sie vielleicht eine Stunde und dann fuhren sie heim. Gibt es also eine Begierde in ihrem Herzen, dann nutzen Sie den gesunden Menschenverstand und improvisieren Sie ein wenig, um diese Begierde zu stillen.

Wir haben herausgefunden, dass es nicht jedem vergönnt ist, einen eigenen Meditationsraum zu besitzen. Möge Gurudev Sie segnen, diese Regel nach ihren Umständen umzusetzen.

6. Regel: Wohltätigkeit     Zum Inhaltsverzeichnis

Wohltätigkeit: Spenden Sie regelmässig, jeden Tag oder jeden Monat, entsprechend ihrem Einkommen.

Diese Regel gilt in erster Linie für die, die durch Arbeit ein regelmäßiges Einkommen haben, oder auf andere Weise einen Gewinn erzielen. Dann haben Sie die Möglichkeit, ihre Ausgaben zu überblicken und können etwas für wohltätige Zwecke einplanen. Gurudev sagte: "Richten Sie ihr Augenmerk nicht nur auf die eigenen Ausgaben und Ersparnisse, sondern stellen Sie auch einen Teil ihres Einkommens für wohltätige Zwecke zur Verfügung." Ersparnisse sind notwendig, persönliche Aufwendungen unvermeidlich und Spenden für wohltätige Zwecke unentbehrlich. Sie fördert die Sympathie, die Rücksicht, das Verständnis, den Geist des Gebens und des Teilens, Freundlichkeit und Mitleid. Sie adelt die menschliche Natur, weitet das Herz und ist sehr, sehr hilfreich für den spirituellen Fortschritt.

Darum betont Gurudev: "Spenden Sie regelmässig, jeden Tag oder jeden Monat, entsprechend ihrem Einkommen." Wie groß ihre Wohltätigkeit ist, hängt natürlich von ihrem Herzen und von den persönlichen Umständen ab. Haben Sie einen Ehemann, der sehr knauserig ist und ihnen ihre Nächstenliebe übel nimmt, so kann es leicht zum Streit kommen. Dann sollten Sie vorsichtig sein. Liebt ihre Frau dagegen die Wohltätigkeit nicht und beginnt einen Streit, wann immer sie etwas spenden wollen, dann sollten Sie ebenfalls vorsichtig sein. Sollte es Probleme mit der Wohltätigkeit geben, dann sollten Sie wissen, wie Sie damit umzugehen haben, um trotzdem ihre Nächstenliebe zu zeigen. Lassen Sie also ihre Intelligenz, ihren gesunden Menschenverstand, und entsprechend ihrer Aufrichtigkeit, ihr Herz sprechen.

Der Nutzen der Nächstenliebe ist sehr vielseitig. Im Christentum sagt man: "Nächstenliebe löscht viele Sünden." Hier wird Wohltätigkeit in einem begrenzten Sinne verstanden: Geben und Nehmen. Aber Nächstenliebe im eigentlichen Sinne meint, geben ohne etwas dafür zu erwarten. Verzeihen und vergessen Sie und tun Sie denen Gutes, die schlecht über Sie denken oder Sie verletzt haben. Das ist ebenfalls Nächstenliebe. Nicht in dem Sinne, dass man Geld spendet, sondern indem man verzeiht, Toleranz übt und Wohlwollen zeigt. Das ist Nächstenliebe, die nicht darauf besteht, über andere zu Gericht zu sitzen, die nicht nach Gründen und Motiven fragt, die nicht darauf besteht, den vermeintlichen Täter zu verurteilen. Normalerweise, wenn wir das Gefühl haben, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht, suchen wir nach Schuldigen. Das aber führt oft zu Spannungen. Diese Spannungen können wir oft durch ein wenig Nachsicht vermeiden. Dann verhindert man vorschnelle Urteile, richtet nicht über andere und unterstellt niemandem falsche Motive oder Absichten. Dies alles geschieht im Geiste der Nächstenliebe.

Das beste ist, wenn Sie in der Lage sind, einen bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens für wohltätige Zwecke zu spenden. Überlassen Sie es nicht dem Zufall. Spenden Sie prinzipiell 5 oder 10 Prozent ihres Einkommens. Können Sie sich das nicht leisten, dann geben Sie das, was Sie entbehren können. Das machen viele Leute. Einer von ihnen ist Swami Prashantananda. Er arbeitet als Lohnempfänger in einer Mühle. Jedesmal wenn er seinen Lohn bekommt, schickt er seinem Guru, Swami Sivananda, davon einen kleinen Betrag.

Gurudev sagte: "Spenden Sie reichlich, spontan und freigiebig, um das menschliche Leid zu mildern und um ihre negativen Eigenschaften zu zerstören. Verschenken Sie Geld wie Wasser. Wenn Sie geben, gehört ihnen der Reichtum der ganzen Welt. Das Geld wird zu ihnen zurückkommen. Das ist eine unausgesprochene Regel der Natur. Darum geben Sie, geben Sie, geben Sie. Möge Gott Sie segnen.

7. Regel: Das Studium der heiligen Schriften     Zum Inhaltsverzeichnis

Studium: Lesen Sie möglichst täglich eine halbe Stunde bis zu einer Stunde in der Gita, der Ramayana, der Bhagavata, Vishnu-Sahasranama, Lalita-Sahasranama, Aditya Hridaya, in den Upanishaden oder Yoga Vasishtha, in der Bibel, Zend Avesta, im Koran, den Tripitakas, der Granth Sahib usw. und denken Sie über das gelesene nach.

Im Rahmen der vedischen Lehren, die auch als Hinduismus bezeichnet werden, im Rahmen der indischen Kultur, besteht die Vorstellung, dass alles Sein im Universum, welches uns umgibt, miteinander verbunden ist. Wir leben nicht allein. Thomas Merton schrieb ein Buch mit dem Titel: "Niemand ist eine Insel." Wir können nicht isoliert vom Universum existieren. Wir sind mit hundert verschiedenen Dingen um uns herum verbunden, ohne die wir nicht existieren, nicht überleben können. Unser ganzes Leben hängt von so vielen Dingen, von so vielen Faktoren, von so vielen Menschen ab. Wenn niemand mit viel Fleiß und Mühe nach Erdöl bohrt, wenn andere nicht mit ebenso viel Fleiß und Mühe daraus Benzin herstellen und das Benzin mit Lastwagen zu den Tankstellen bringt, könnte ich dann jeden Morgen hierher kommen? Wir sollten mit großer Bescheidenheit verstehen, dass wir von vielen Dingen und Personen abhängig sind. Ich bin all den Leuten dankbar, die das Erdöl aus der Erde pumpen, der Erdölgesellschaft und dem Personal, die es ermöglichen, dass das Auto mich jeden Morgen hier her bringen kann. Wir könnten nicht den kleinen Finger bewegen, wenn es nicht jemanden gäbe, der dieses ermöglichte. Wir sollten das erkennen und dankbar dafür sein.

Die grösste Heilkraft für das Herz ist die Dankbarkeit. Sogar Hunde besitzen sie. Darum ist nichts so schlimm wie die Undankbarkeit. In einem Gedicht heißt es: "Blase, blase, Du Winterwind, Du bist nicht so grausam, wie die Undankbarkeit." Darum sollten wir denen dankbar sein, von denen wir etwas bekommen. Es gibt im Yoga das Konzept von Pancha Maha Yajnas, das Konzept der fünf Opfer. Durch diese Opfer opfern wir einen Teil von uns selbst, unsere Zeit, unsere Energie, unsere Intelligenz, um dadurch ein wenig von unserer Dankbarkeit zu zeigen, die wir anderen schulden. Die fünf grossen Opfer sind:

1. Pitru Yajna: Wir zeigen unseren Vorfahren unsere Dankbarkeit. Von ihnen haben wir unseren Körper geerbt, mit dem wir leben und wirken, mit dem wir unsere spirituelle Praxis ausüben um Erleuchtung zu erlangen, um der Menschheit zu dienen. In diesem Sinne sollten wir unseren Vorfahren dankbar sein, jetzt und auch später. Dabei werden im Namen der Verstorbenen heiliges Wasser oder Nahrungsmittel geopfert. Für manche Opfer, für die Vorväter, sind bestimmte Tage vorgeschrieben.

2. Deva Yajna: Das Opfer für die Götter. Wir zeigen unsere Dankbarkeit den verschiedenen kosmischen Kräften, die den Kosmos in perfekter Harmonie und Präzision halten - der Wind bläst, Feuer brennt und Wasser fliesst. Darum seien wir Vayu Davata, dem Gott des Windes, Agni Devata, dem Gott des Feuers und Varuna Devata, dem Gott des Wassers dankbar. Die Verehrung kann hier in verschiedenen Formen erfolgen, z. B. durch ein Feueropfer in dem Ghee (gereinigte Butter) und Reis geopfert wird, eine Bildgestaltenverehrung, das Singen von Mantren, der Besuch eines Tempels oder eine andere Form, in der das Lebewesen sich in irgendeiner Form in den Dienst Gottes stellt.

3. Bhuta Yajna: Das Opfer für alle anderen Lebewesen (Tiere, Vögel, Pflanzen, Bäume, Wassertiere usw.). Wir sind vielen pflanzlichen und tierischen Lebewesen zu Dank verpflichtet, Insekten, sogar den Krähen, da sie unseren Unrat beseitigen. Unsere Dankbarkeit erfolgt durch die freundliche Zuwendung und gute Behandlung von Tieren. Damit sind nicht nur Haustiere gemeint. Viele Lehren sehen dieses Opfer als Verpflichtung zu verantwortlichem Umgang mit all diesen Lebensformen, eingeschlossen einer vegetarischen Ernährung.

4. Atithi Yajna: Das Opfer für die Menschen. Ein unerwarteter Besucher klopft an ihre Tür und bietet Sie um ihre Gastfreundschaft. Die Gelegenheit, einem anderen Menschen zu dienen, ist eine gute Möglichkeit, den Egoismus loszuwerden, es reinigt ihr Herz und öffnet das Mitgefühl für andere Menschen, ein Gefühl der Einheit und der Liebe. Dafür seien Sie dankbar.

5. Rishi Yajna: Es ist ein Opfer zu Ehren Gottes für die Weisen und die heiligen Schriften. Für unsere spirituelle Führung, für die praktische Anleitung, für unsere Inspiration, zu unserem Schutz und zu unserer Sicherheit, haben die erleuchteten Weisen, die Gottrealisation erreicht haben, uns ihre Lehren in Form von heiligen Schriften hinterlassen, die das Verlangen danach wecken sollen, aus dem Kreislauf von Geburt und Tod befreit zu werden. Die Schriften werden als identisch mit dem göttlichen Ursprung betrachtet. Dafür ist ihnen die ganze Welt auf ewig dankbar. Diese grossen Rishis (Heiligen, Seher) haben mit grosser Liebe und grossem Wissen diese heiligen Schriften geschrieben und wir sind es ihnen schuldig, dass wir unsere Dankbarkeit dadurch bezeugen, indem wir diese weisen Lehren möglichst durch tägliches Studium würdigen. Das tägliche Studium dieser heiligen Schriften, ist ein Versuch, unsere Dankbarkeit diesen grossen Weisen zu zeigen. Das nennt sich Swadhyaya (Studium der heiligen Schriften).

Gurudev sagte: "Studiere täglich für eine halbe Stunde oder für eine Stunde die heiligen Schriften, entsprechend deiner Religion." Das Lesen der heiligen Schriften erzeugt reine Gedanken. Sie sind miteinander verbunden. Darum ist das Studium der heiligen Schriften ein wichtiger Punkt in den 20 wichtigsten spirituellen Regeln und macht Sie zu einem Rishi Yajna. So können wir den Heiligen von einst unsere Dankbarkeit erweisen, den historischen Weisen, die uns den grössten aller Schätze, Jnana, das Wissen, gegeben haben, welches allein den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Wir sollten aufrichtig versuchen, täglich diese weisen Lehren zu studieren. Jnana, das Wissen, ist der Unterschied zwischen den Tieren, den Menschen und den teuflischen Mächten der Unwissenheit.

Die reichste Quelle des Wissens, der kostbarste Schatz des menschlichen Erbes, sind die weisen Lehren der Heiligen. Dieses Wissen zu ignorieren, ist die höchste Form der Undankbarkeit. Dort keine Zuflucht zu nehmen, ihren besonderen Wert nicht zu erkennen, ist ein großer Fehler. Darum sollten wir ihr einen Platz in unserem Leben einräumen und uns an diesen Quellen sprudelnden Wissens täglich erfrischen, damit unser Leben mit Seligkeit und innerer Freiheit bereichert wird. Möge Gott uns helfen und Gurudev uns segnen, damit unser Bemühen mit Erfolg gekrönt wird.

8. Regel: Enthaltsamkeit (Brahmacharya oder Zölibat)     Zum Inhaltsverzeichnis

Brahmacharya: Bewahren Sie die vitale Lebensenergie, den männlichen Samen, sehr,  sehr sorgfältig. Er ist Ausdruck Gottes in seiner ganzen Fülle, seinem Reichtum und seiner Macht. Der männliche Samen ist Ausdruck von Kraft und Energie. Er ist die Essenz von Leben, Wissen und Intelligenz.

Bewahren Sie diese vitale Energie sehr, sehr sorgfältig. Veerya, der männliche Samen, ist göttliche Energie, göttliche Offenbarung. Veerya ist alles Geld. Veerya ist die Essenz des Lebens, die Essenz des Denkens und der Intelligenz.

Yama: 1. Nicht verletzen, 2. Nicht lügen, 3. Enthaltsamkeit, 4. Nicht stehlen,  5. unbestechlich

Die Enthaltsamkeit ist die dritte der 5 Yamas, der 5 Enthaltungen von Maharshi Patanjali, dem Begründer des Yoga. Sie wird aber auch in allen vedischen Schriften, der Bhagavata, der Ramayana und in den Puranas erwähnt. Sie spielt auch im Bhakti Yoga, im Jnana Yoga, im Hatha Yoga und im Raja Yoga eine bedeutende Rolle.

In der Hindutradition gibt es drei fundamentale Prinzipien: 1. Nicht verletzen, 2. Ehrlichkeit und 3. Enthaltsamkeit

Wünschen Sie höchste Seligkeit
dann verzichten Sie auf das Gift der sinnlichen Genüsse
und leben Sie die Tugenden 
des Nichtverletzens, der Ehrlichkeit und der Enthaltsamkeit

Schon seit Ewigkeiten gilt dieser Grundsatz für alle Menschen, die spirituelle Fortschritte erreichen möchten. Im Christentum, das sich an den Lehren Jesus von Nazareth orientiert, sind Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe die Kardinaltugenden. In der Tradition der christlichen Mönche gibt es ebenfalls die Entsagung. In der christlichen Tradition der christlichen Mönche bestehen drei unverzichtbare Gelübte. Das sind 1. die Armut, 2. die Keuschheit und 3. der Gehorsam. Das sind die Gelübte, die alle Mönche ablegen müssen. Das sind die Gelübte der Mönche und Priester, wie auch die Gelübte der Nonnen in den Nonnenklöstern.

Dieses Gebot bestand auch in der vorchristlichen griechischen Kultur, für das mystische Orakel von Delphi. Nur Jungfrauen waren qualifiziert und durften den Willen des Gottes Apollon empfangen. Auf die alte kultische Verehrung der Erdmutter Gaia ist es zurückzuführen, dass Apollon nicht durch einen Priester, sondern durch Pythia, der Priesterin, die im Tempel von Delphi den Ratsuchenden weissagte, sprach. Auf einem bronzenen Dreifuß sitzend, erteilte Pythia, betäubt von den Dämpfen, die aus der Erdspalte aufstiegen, Orakel, die die Priester in Verse übertrugen. (Neue Forschungen des amerikanischen Geologen Jelle de Boer konnten nach umfangreichen Laboranalysen belegen, dass in Delphi das Kohlenstoffgas Äthylen die Trance der Priesterin bewirkte.)

Diese unverheirateten Priesterinnen, diese Jungfrauen, waren für diese göttliche Aufgabe bestimmt. Sie waren besonders durch die Reinheit ihrer Gedanken und ihrer Herzen dafür geeignet, den göttlichen Willen zu empfangen. Die Tradition der Keuschheit hat ihren Ursprung allerdings nicht im Christentum, sie ist ebenso in der griechischen Mythologie, im Judentum und im Buddhismus/Hinduismus zu finden.

Bereits während der Zeit Buddhas, der etwa 500 Jahre vor Jesus lebte, galt die Keuschheit, für die asketisch lebenden Yogis, als notwendige Vorbereitung zum Erreichen von Weisheit und Erleuchtung. Diese Erkenntnis wurde ebenfalls durch Buddha verbreitet. Der junge Prinz  Buddha lebte zusammen mit seiner jungen Frau und seinem Sohn Rahula in einem Palast. Buddha verlies Frau und Kind und lebte fortan im Wald. (Nach neuesten Forschungen ist übrigens nicht bewiesen, dass Rahula wirklich Buddhas Sohn war. Er könnte auch ein Jünger Buddhas gewesen sein.) Der Weg Buddhas, sein Verzicht auf alles Weltliche, ist wunderbar im Buch von Sir Edwin Arnold "Light of Asia." beschrieben. Eine sehr poetische Beschreibung Buddhas Lebens, sein Werdegang und seine Errungenschaften.

Auf diese Weise ist bereits vor langer Zeit der Menschheit ein großer Dienst erwiesen worden. Es ist Teil unseres historischen Erbes, welches wir von unseren Vorfahren übernommen haben. Aber bereits vor Zoroaster (Zarathustra, in der griechischen Namensform Zoroaster, war ein altiranischer Priester und Prophet, der etwa 600 bis 1300 Jahre v. Chr. lebte. Es gibt unterschiedliche Aussagen über sein zeitliches Wirken.) und Buddha machten die altertümlichem Propheten der Upanishaden dieselben Aussagen. In den Veden wird erwähnt, wie Indra und Virochane sich Brahma nähern, um von ihm Anweisungen zu erhalten. Brahma aber schickte sie zurück, mit der Anweisung, viele Jahre enthaltsam zu leben. So gingen sie zurück, praktizierten für viele Jahre das Gelöbnis der Keuschheit und gingen zurück zu Brahma. Aber Brahma antwortete ihnen: "Geht zurück und beachtet das Zölibat für weitere Jahre und kommt dann zurück."

Dies ist notwendig, um das Verständnis für das Konzept aufzubringen, welches jenseits von Geist und Gefühl, jenseits von Sprache und Gedanke ist. Indra und Virochane waren nicht in der Lage, es zu verstehen. Ein grober Geist, der sich mit dem Körper, mit den Gefühlen identifiziert und in der Sinneslust gefangen ist, ist nicht in der Lage, göttliche Ideen zu entwickeln. Ein Geist, der sich fortwährend mit unreinen und sinnlichen Dingen beschäftigt, wird grob, verliert an spiritueller Reife und verursacht individuelles Leid. Darum sollte der Geist sehr feine Schwingungen besitzen. Es sollte keine groben Wünsche, Bindungen und Begierden mehr besitzen. Eine gewisse Feinheit des inneren Seins ist unentbehrlich, um zu höheren spirituelleren Ebenen aufzusteigen, um ein besseres Unterscheidungsvermögen und eine intensivere Selbstergründung zu erlangen. Darum ist dieser Reinigungsprozess, der Aufstieg vom Groben zum Feinen, das Wesentliche am Konzept von Brahmacharya.

Der Weise Rishya Sringa praktizierte Brahmacharya. Als das ganze Königreich durch die Dürre vom Hunger bedroht war, war der König tief betroffen. Die Menschen lebten in großer Angst und Besorgnis. Darum rieten einige Weise, dass man den grossen Rishya Sringa, der das Gelübte der Keuschheit und der Askese verwirklicht hatte, in die Königsstadt bringen solle, damit der Himmel das Königreich mit Regen segnen solle. Darum baten sie ihn zu kommen. So wurde der Hunger und möglicherweise der Hungertod von vielen Leuten abgewendet.

Vor langer, langer Zeit waren die Purana Texte (heilige indische Sanskrittexte), für Sati Anasuya, einer grossen indischen Heiligen, das Vorbild an Tugend und Keuschheit. Ihrem Ehemann bezeugte sie absolute Treue. Niemals dachte sie an einen anderen Mann, weder im Traum, noch in ihrer Fantasie. Sie hatte die heiligen Texte so sehr verinnerlicht, dass selbst die drei grossen Gottheiten, der Erschaffer Brahma, der Bewahrer Vishnu und der Zerstörer Shiva ihre Größe anerkennen mussten, nachdem sie versucht hatten, sie auf die Probe zu stellen. So erlangte sie Unsterblichkeit. Sati Anasuya, die Mutter des Trimurti, die alle drei göttlichen Aspekte, das Erzeugende, das Erhaltende und das Zerstörende in sich vereinigt hatte, inkarnierte später als Avatar Sri Dattatreya.

Ebenso erlangte die grosse Weltmutter, Jagan Mata Sita Janaki, die Königin und Frau von Lord Rama, durch ihre eheliche Keuschheit Unsterblichkeit. Und darum werden Lord Rama und seine Frau als ideales Paar für den zweiten Lebensabschnitt, dem Berufs- und Familienleben, angesehen.

14 Jahre lang beachtete Laxmana, der Bruder Ramas, das Gelübte der Keuschheit. Darum war es Laxmana, der Rama die Freiheit zum Handeln ermöglichte, indem er den Dämon Indrajit, den unsichtbaren und unverwundbaren Sohn von Ravana, tötete.

In der Kulturgeschichte Indiens, ruft der Name Bhishma Ehrfurcht und Bewunderung in jedem hervor, der von ihm hörte, und von seinem Gelübte, welches er auf sich nahm, um den Wunsch seines Vaters zu erfüllen. Er praktizierte ein lebenslanges Brahmacharya und wurde zu einem der unbesiegbarsten Krieger der Mahabharata, dem bekanntesten indischen Epos. Auch die Entschlossenheit, die Bestimmtheit und die Strenge, wie sie von Bhagirath, einem anderen Nachkommen des königlichen Geschlechts, ausgeführt wurde, ist in der indischen Kulturgeschichte beispiellos, einmalig.

Wir können alle diese Tatsachen nicht einfach als Torheiten oder als bedeutungslos abtun. Dies sind keine normalen Menschen, sondern außergewöhnliche Persönlichkeiten, die höchste Weisheit und Intuition und eine überragende Höhe der Selbstverwirklichung erreicht haben. Weise wie die großen epischen Dichter Vyasa und Valmiki sind keine kindlich unvernünftigen Idealisten, sondern Brahma-Jnanis, Wissende, vor denen uns unsere Unwissenheit bewusst wird.

So erscheint es mir bedeutsam, dass nicht nur in Bezug auf die vedischen Lehren, sondern ebenso in Bezug auf alle heutigen großen Religionen der Welt, etwas sehr bedeutendes und tief wissenschaftliches zu beachten ist. Und darum dürfen sie bei Zoroaster, Sokrates, Jesus und Buddha nicht erwarten, dass sie uns irgendeine Lehre über einen Yogapfad oder eine spirituellen Praxis hinterließen. Aber sie hinterließen uns Lehren, die uns zeigen können, wie wir Seligkeit durch die Liebe zu Gott erreichen können.

Alles dies sind Anzeichen über das Konzept der Erhaltung einer bestimmten dynamischen Kraft in der menschlichen Biologie, die nach ihrem Bestehen umgewandelt werden kann. Unser physikalisches Bestehen ist übrigens sehr abhängig. Ich, Chidananda, bin hier und spreche zu ihnen durch die Gnade Gurudevs. Dies ist dadurch möglich, da meine Eltern diesen physikalischen Körper schufen, in den ich durch meine Wiedergeburt eintrat. Ebenso schufen die Eltern Buddhas, sein Vater Raja Shuddhodana und seine Mutter Yasodhara, den wundersamen Körper Buddhas. Wir dagegen besitzen die inspirierende Lehre dieses großen Weisen, der uns eine große Anhängerschaft, eine große Religion, Philosophie und Meditationstechniken hinterließ.

Es ist folglich dieses Konzept, der Erhaltung der biologischen Energie, innerhalb des menschlichen Systems, um sie durch Sublimation in eine höhere, subtilere psychische Energie, mit dem Namen Ojas, umzuwandeln. Unter Ojas versteht man dabei im ideellen Sinne, dass was leuchtend, glänzend, strahlend ist. Diese weise Technik der Sublimation, der Umwandlung der physischen, der sexuellen Energie, in psychische, spirituelle Energie, wurde uns durch die Weisen und Heiligen aller Religionen vorgelebt.

Fortbestand der Artenvielfalt

Die intelligente kosmische Energie hat die Artenvielfalt auf der Erde erschaffen. Viele verschiedene Lebensformen, darunter Pflanzen, Tiere und natürlich auch der Mensch, haben sich im Laufe der Zeit entwickelt. Die Aufrechterhaltung dieser Artenvielfalt, entspricht dem Gesetz der Lebenserhaltung im ganzen Universum. Dies gilt für alle Lebensformen, nicht nur für die menschliche, sondern auch für tierische und die Unterwasserwelt, für Insekten, Kriechtiere und Fische, ebenso aber auch für die botanische Vielfalt.

So ist die Fremdbestäubung, die die Blumen zur Fortpflanzung und Artenerhaltung durchführen ein kompliziertes und geheimnisvolles Wunder. Diejenigen, die sie studieren, sind überrascht, über die wundervolle Wissenschaft, die sich dahinter verbirgt. Sie sind verwundert über die geheimnisvolle kosmische Intelligenz, die diesen Prozess hervorgebracht hat. Sie sind von Ehrfurcht und Bewunderung ergriffen, wenn sie versuchen, tiefer in die Materie einzudringen, um zu verstehen, wie das Leben auf allen Ebenen verewigt ist. Das Leben gleicht auf allen Ebenen, auf jedem Niveau und allen Gebieten, sogar auf der Ebene der elementaren Einzelzelle, die sich fortwährend teilt und vervielfacht, einem Wunder.

Es ist wundervoll, dass ein Same in der Lage ist, durch das Vorhandensein von Sonne, Wasser und Erde zu keimen, so dass die Energie des Samens ihm die mächtige Kraft verleiht, schweres Erdreich zu durchdringen, und selbst Felsgestein zu durchbrechen, ein winzig kleines und empfindliches Ding, wie der keimende Samen. Was für ein Wunder. Was für eine große Kraft. Er bahnt sich seinen Weg durch das Erdreich, das zehnmal härter ist als sein zarter Austrieb und dringt an die Erdoberfläche. Wird ein Same zufällig auf die Oberfläche einer Terasse abgelegt und beginnt dort zu keimen, so durchbricht es sogar Ziegelsteine und Zementböden und drängt sie beiseite, um das eigene Leben fortzusetzen.

Dieser Akt der Vermehrung geschieht überall. Er durchdringt das ganze Universum. Das ganze Universum ist das Ergebnis dieses ursprünglichen Wunsches nach Vervielfältigung. "Ich bin einer. Kann ich mich vermehren?" Darum sagen die Veden, dass in der Natur ein unwägbares, geheimnisvolles Sein besteht. Was dieses Sein ist? Wer weiss das schon, denn dieses Sein ist eins mit allem. Wer ist in der Lage, dieses Sein zu erkennen, wenn Brahman, Gott, allein existiert? In diesem geheimnisvollen Sein, entstand der Keim einer Idee. Diese Idee war: "Ich bin einer. Kann ich mich vermehren?" So hat man versucht, sich die Schöpfung zu erklären. Folglich ist das Konzept der Vermehrung, das Herz und die Essenz der Existenz, weil es aus Brahman entstand und folglich überall anzutreffen ist. In der Bibel ist es an verschiedenen Stellen anzutreffen. Gott erschuf den Mann und sagte zu ihm: "Geh fort und vermehre dich" Und wenn Sie in den heiligen Schriften anderer Religionen forschen, so werden Sie den einen oder anderen Aspekt dieser Aussage ebenfalls dort finden.

Darum durchdringt die kosmische Intelligenz, die man ebenso als Gott, als höchste Seele oder als den universellen Geist bezeichnen kann, alles was existiert. Wenn daher in der Natur, zu irgendeinem Zeitpunkt eine Entscheidung gefällt wird, so ist das ein heiliges Gesetz. Schließlich ist der Atman nicht erschaffen. Was dagegen von den Eltern erschaffen wird, ist nur der Körper, der aber in Lage ist, in den Plan eines höheren Geistes, in den Kern eines höheren Bewusstseins, einzutreten. Das Erschaffen dieser Verbindung, zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen, gleicht dem Akt einer innigen Verbindung mit dem Göttlichen. Dabei besitzt der Mensch die Fähigkeit, dieses Göttliche in sich selber zu verwirklichen.

Die Kraft des Brahmacharya

Es ist die Kraft des Brahmacharya, diese unschätzbare Energie, die es uns ermöglicht, zu hören und darüber zu meditieren bzw. darüber nachzudenken. Sie bringt uns Erfolg in den neun Methoden des Bhakti-Yoga: Sravana (Hören), Kirtana (Singen), Smarana (Rezitieren), Archana (Beten), Vandana (Verehren), Pada Sevana (Andacht), Dasya (Dienst), Sakhya (Freundschaft), and Atma Nivedana (Selbsthingabe).

Die Kraft des Brahmacharya führt auch auf dem Weg des Raja Yoga zum Erfolg: Yama (Die 5 Enthaltungen: Nicht verletzen, Nicht lügen, Nicht stehlen, Enthaltsamkeit, Unbestechlichkeit), Niyama (Die 5 Verhaltensregeln: Reinlichkeit, Zufriedenheit, Disziplin, Studium, Hingabe an Gott), Asana (Yogaübungen), Pranayama (Atemübungen), Pratyahara (Verinnerlichung), Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) and Samadhi (Erleuchtung).

Ebenfalls ist der Weg des Hatha-Yoga durch die Keuschheit vom Erfolg gekrönt. Asana (Yogaübungen), Pranayama (Atemübungen), Mudra (Hand- und Fingerübungen), Bandha (Verschlüsse), Kriya (Reinigungsübungen) führen zum Samadhi (Erleuchtung).

Brahmacharya ist ebenfalls die Kraft, die Ravindranath Tagore, Bhagat Singh, Mahatma Gandhi, Beethoven, Bach, Albert Schweitzer, Joan d'Arc and Mutter Theresa voran brachte. Es ist diese grossartige Kraft, die den Weisen Valmiki und alle anderen überragenden Persönlichkeiten in der Geschichte hervorbrachte. Ihr Geheimnis bestand in der Erhaltung und Sublimierung der sexuellen Energie für höhere geistige Zwecke.

Die Ausschweifenden, die ihre vitale Energie verschwenden, werden leicht zu Nervenbündeln und bekommen allerlei Krankheiten. Sie verhalten sich, wie ein Millionärssohn, der sein Geld für Trinken, Spielen und anderen Extravaganzen ausgibt, um anschließend bankrott zu gehen und ein Leben als Bettler zu führen. Was immer ihm gegeben wurde, wurde verschwendet. Weil er den wahren Wert nicht kannte, verarmte er. Was für ein bedauernswerter Mensch.

Energie und Kraft sind für alle Prozesse und Aktivitäten erforderlich. Um so größer die Aktivität, um so mehr Energie wird benötigt. Mit Diesel kann man verschiedene Fahrzeuge fahren. Mit Benzin ebenso. Aber weder mit Diesel noch mit Benzin kann man ein Flugzeug fliegen. Folglich sind Diesel oder Benzin ausreichend für physikalische Prozesse. Will man aber auf der Universität Recht, Naturwissenschaften oder Kernphysik studieren, so ist eine subtilere Energie für die notwendigen intellektuellen Leistungen erforderlich. Eine insgesamt sehr feine und subtile Energie ist erforderlich, die Sie über die Schwelle des Relativen zum Absoluten trägt.

Meditation ist der subtilste, feinste Prozess, der Sie von Angesicht zu Angesicht mit der höchsten Gottheit bringt, zur Gottesverwirklichung. Es gibt im Yoga ein Stadium, nahe der Erleuchtung, in der der Geist Bewusstheit über seine immer schon freie, unabhängige, perfekte Natur erfährt, die unabhängig von der materiellen Welt ist. Dieses Stadium ist nur einen Schritt von der Selbstverwirklichung entfernt. Vielleicht können Sie sich vorstellen, wie subtil und feinsinnig der Geist für solche Prozesse sein muss. Und darum muss die grobe Form der Lebensenergie durch Meditation verfeinert werden. Es ist wie bei der Erzgewinnung im Bergbau. Das Erz enthält Gold, aber es ist kein Gold. Es muss gesiebt, geschmolzen und gereinigt werden, bevor das reine Gold entsteht. Darum muss die sexuelle Energie in eine feinere spirituelle Energie umgewandelt werden, die sich Ojas nennt.

Die Regeln für Verheiratete

Die Diskussion über Brahmacharya soll nicht den Eindruck vermitteln, dass die Sexualität im Hinduismus keinen Platz hat, und Ehelosigkeit die einzige Sache ist, auf die bestanden und die als höchste Tugend gepriesen wird. Das wäre ein Missverständnis. In der Varnashrama, einer heiligen hinduistischen Schrift, wird formuliert, wie jeder Einzelne, der sich dem Hinduismus verbunden fühlt, sein Leben gestalten sollte. Dort wird gesagt, unter Brahmacharya versteht man den vollkommenen Verzicht auf alle sexuellen Handlungen und zwar in physischer als auch in geistiger Form. Brahmacharya wird für drei der insgesamt vier Lebensstadien empfohlen. Diese vier Lebensstadien sehen wie folgt aus:

Die 4 Lebensstadien im Hinduismus:

1. Phase: Schüler; vom jungen Menschen wird Enthaltsamkeit erwartet (Brahmacharya)
2. Phase: verheiratet; Sexualität und Treue empfohlen, kein ungezügelter Sex (Grihastya)
3. Phase: Die Kinder sind erwachsen; es wird Enthaltsamkeit empfohlen (Vanaprastha)
4. Phase: Das Leben wird vollkommen Gott geweiht; Mönch und Enthaltsamkeit (Sannyas)

In der Phase der Ehe, wird die Sexualität als heilig betrachtet. Dafür wurden ausführliche Vorschriften und Regeln aufgestellt. Für die Lebensweise im zweiten Lebensstadium gibt es detaillierte Hinweise und Anleitungen, die nicht nur als Rechte für Verheiratete betrachtet werden sollten, sondern auch als heilige Pflicht zu verstehen sind. Es wurde als wichtigste Aufgabe angesehen, den Stammbaum festzuhalten, und es gilt als heilige Aufgabe, seinen Beitrag für die nächste Generation zu leisten. Ausserdem wurde eine lebenslange Partnerschaft, die auf der Treu basiert, als eine der heiligsten Aspekte des menschlichen Lebens angesehen. Die Ehe wurde als ein Geschenk dem Höchsten geopfert. Während der Ehe diente dieses spezielle Opfer der Sicherheit des Lebens. Man unterstellte sein Leben und seine Ehe dem Schutze Gottes.

Später entwickelten sich daraus gesetzliche Vorschriften. Falls man sich nicht an diese Vorschriften hielt, sagten die heiligen Schriften schreckliche Konsequenzen voraus. Diese Vorschriften besagten zum Beispiel, wenn die Eltern keine männlichen Nachkommen haben, dass sie in die Hölle kommen würden. Für diese Eltern ist eine ganz bestimmte Hölle vorgesehen. Aus diesem Grunde führt die Sanatana Vaidica Dharma (indische heilige Schrift) an, dass ein Brahmane, dessen Frau keine männlichen Nachkommen zeuge, sich eine andere Frau nehmen darf. Er darf sich sogar vier Frauen nehmen. Die männlichen Nachkommen sind besonders für die königlichen Familien von großer Bedeutung. Ein König darf etliche Frauen heiraten. Der Hinduismus verneint die Sexualität also keinesfalls. Andererseits wird die Treue als die höchste Pflicht in der Ehe betrachtet.

Brahmacharya in der modernen Gesellschaft

Brahmacharya ist eine Lebensweise, die Sie ganz allmählich zu Brahma führt. Es bringt Reinheit in ihr Sexleben. Aber dieses beschreibt Brahmacharya nur ungenügend. Mahatma Gandhi sagte, dass kein Versuch, die sexuelle Lust zu beherrschen, erfolgreich ist, wenn es nicht auch gelingt, alle anderen sinnlichen Neigungen zu beherrschen. Nur einer in sich selbst gefestigten Person, die über ausreichend Disziplin verfügt, wird es gelingen, Brahmacharya zu verwirklichen. Sie müssen ihre Ohren unter Kontrolle haben. Sie müssen ihre Augen unter Kontrolle haben. Ebenso müssen Sie ihren Gaumen unter Kontrolle haben. Dann besteht die Möglichkeit, Brahmacharya zu verwirklichen. Gurudevs Konzept vom Brahmacharya ist nicht nur auf die physische Körperebene begrenzt, sondern sie umfasst ebenso die geistige Ebene. Selbst im Traum sollten Sie keine erotischen Gedanken haben.

Warum wird in der modernen Gesellschaft soviel Wert auf die Sexualität gelegt? Viele Menschen sind geradezu besessen davon. Dies ist eine menschliche Perversion. Die Upanishaden bezeichnen den Körper, der der Wohnsitz Brahmans ist, als Stadt mit den neun Toren. Mediziner würden ihnen sagen, dass sich die körperlichen Funktionen durch Aufbau- und Abbau-Stoffwechselprozesse erklären lassen. Zusammengefasst spricht man vom Stoffwechsel. Die Abbauprozesse führen zu Ablagerungen. Ablagerungen sind normalerweise unerwünscht. Haben sie sich zu sehr angesammelt, dann bedrohen sie das Leben. Sie müssen beseitigt werden.

Wollen Sie etwas zu sich nehmen, so geschieht das durch den Mund. Sie Essen und Trinken mit dem Mund, und wenn Sie sich unterhalten, sprechen Sie mit dem Mund. Zum Leben brauchen Sie Sauerstoff, den sie durch die Nase einatmen. Wenn Sie etwas wissen wollen, dann Hören und Sehen Sie. Der Körper besitzt außerdem zwei Ausgänge, durch die er die festen und flüssigen Abfälle entsorgt. Vom ersten bis zum letzten Atemzug geschieht diese Ausscheidung. Die Fortpflanzungsfunktion dagegen, besteht nur für eine beschränkte Lebenszeit. Wenn wir uns streng an den Worten der Veden orientieren, ist diese Periode auf ein Zehntel unserer Lebensspanne begrenzt.

Ich betrachte das sexuelle Verhalten der Menschen in der modernen Gesellschaft mit Sorge. Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr stark verändert. Diejenigen, die Kontakt zu den westlichen Gesellschaften hatten, konnten diese Veränderungen, speziell im Eheleben, beobachten. Wir beobachten Scheidungen ohne Ende, was besonders die Menschen in der Viktorianischen Ära (nach der englischen Königin Viktoria benannt, eine Zeit, die allgemein als sehr prüde angesehen wird - 1840 bis 1901), mit großer Sorge betrachteten. Die Leute empfanden es als skandalös, wenn ein Mann seine Frau verließ, um sich einer anderen Frau zuzuwenden, oder wenn eine Frau ihren Mann für einen anderen Mann verließ. Es war ein riesiger Skandal. Es war eine Schande. Heute ist es schon fast an der Tagesordnung. Spezielle Gerichte befassen sich heutzutage ausschließlich mit Ehescheidungen.

Warum ist das so? Es kommt darauf an, wie man das andere Geschlecht betrachtet. Welche Vorstellung hat ein Mann von einer Frau? Wie sieht die Frau den Mann? Swami Vivekananda, der sehr ausführliche Studien über die indischen Menschen und die indische Gesellschaft anstellte, er hat das ganze Land kreuz und quer zu Fuß durchwandert, hat Dörfer, Städte und Familien besucht, die ihn freundlich aufnahmen, wurde einmal gefragt, wie sich die indische Gesellschaft von den westlichen Gesellschaften unterscheide.

Er sagte zwei Dinge: Der eine Unterschied besteht in der Guru-Schüler-Beziehung, und der zweite Unterschied besteht darin, dass die Frau in den westlichen Gesellschaften als Frau angesehen wird, sie ist Frau soundso... Die Weiblichkeit der Frau ist in der westlichen Gesellschaft ein dominierender Faktor. In der indischen Gesellschaft dagegen wird die Frau in erster Linie als Mutter angesehen. Sie ist eine Mutterfigur und ihre Weiblichkeit geht niemandem, bis auf ihrem Lebenspartner, mit dem sie verheiratet ist, etwas an. Die allgemeine Anrede für eine Frau in Indien ist Mutter. In der Öffentlichkeit wird sie überall als Mutter angesehen. Wendet ein Ehemann sich an seine Frau, so ruft er sie niemals mit ihrem Namen. Er betrachtet sie, als die Mutter seiner Kinder. Sind Besucher im Haus, so stellt er seine Frau ebenfalls als die Mutter seiner Kinder vor. Damit bringt er die zentrale Betrachtungsweise der Frau in der indischen Gesellschaft zum Ausdruck, die sich grundlegend von der Betrachtungsweise westlicher Gesellschaften unterscheidet.

Das gibt uns einen Hinweis, wie die normale, spontane, natürliche Empfindung eines Mannes gegenüber einer Frau aussehen sollte. Sieht ein psychisch gesunder Mann eine Frau, so sollte in ihm in erster Linie der Gedanke an eine, wie auch immer geartete,  zwischenmenschliche Beziehung zu dieser Frau in ihm erwachen und nicht der Wunsch nach einer erotischen Beziehung. Es sollte in ihm der Wunsch nach einem Kontakt zwischen einem menschlichen Wesen und einem anderen menschlichen Wesen bestehen. Der einzige Gedanke zwischen beiden, sollte also auf der Basis einer zwischenmenschlichen Beziehung beruhen.

Darum ist der Mann für eine Frau entweder der Bruder, der Kusin, der Neffe, der Onkel, der Vater oder der Ehemann und eine Frau ist für einen Mann entweder die Schwester, die Cousine, die Tante, die Nichte, die Mutter oder die Ehefrau. Wenn in ihm aber zuerst der Gedanke an eine erotische Beziehung in ihm aufkommt, dann ist etwas fundamental falsch in der zwischenmenschlichen Beziehung. Wenn eine Frau einen Mann sieht und denkt "Hier ist ein männliches Wesen. Hier ist ein Mann" und diesen Menschen hauptsächlich als Mann, aber weniger als Mensch betrachtet, dann ist ebenfalls etwas grundsätzlich falsch in ihrem Bewusstsein. Wo liegt der Fehler in dieser Betrachtung des anderen Geschlechts? Er liegt in der Reduzierung des Menschen auf die physische Ebene.

Ein Mensch ist ein physisches, biologisches Wesen. Er ist ein geistiges, intellektuelles und psychologisches Wesen. Ebenso ist er ein vitales Lebewesen, welches weder nur physisch oder nur psychisch ist. Er besitzt eine pranische (feinstoffliche) Ebene, die ihm das Gefühl von Hunger, Durst und die Gefühle von Hitze und Kälte vermitteln. Aber der Mensch besitzt auch eine psychische Ebene. Auf dieser psychischen Ebene, existiert ein spontaner, unkontrollierter Teil, der unaufhaltsam Aktivitäten in Form von Gedanken, Erinnerungen, Fantasien, Gefühlen, Verhaltensmustern und Launen produziert, über die er keine wirkliche Kontrolle besitzt. Sie geschehen vielmehr spontan.

Es gibt aber noch einen anderen Teil des Gehirns, der sehr zielgerichtet und unabhängig von den Sinnen arbeitet. Diese zielgerichtete Tätigkeit besteht in der Beobachtung, Wahrnehmung und Unterscheidung. Sie ist eine spezialisierte Leistung, eine spezialisierte Funktion und wird als logisches Denken bezeichnet. Dies ist die höhere Natur des Menschen, die intellektuelle Ebene. Beide zusammen, sowohl der spontane unkontrollierbare Teil der Psyche, als auch die zielgerichtete logische Ebene, bilden die psychologische Ebene des Menschen. Mit dieser Verfeinerung des Intellekts, kann sich ein höheres menschliches Bewusstsein entwickeln.

"Ich habe eine großartige Vergangenheit. Ich habe eine Kultur beerbt. Ich bin kein isoliertes Phänomen. Es gibt etwas in mir, von dieser Totalität der Vergangenheit, ihren Ideen, ihren Ansichten, ihren Einstellungen und ihren Konzepten von richtig oder falsch. Alle diese Dinge wirken in mir." Jedes wirkt mit einem eingebauten Bewusstsein, von dem, was schön ist, was hässlich, was edel oder unedel, was echt oder unecht, was gerecht oder ungerecht, was getan werden sollte und was unterlassen werden sollte. Dieses Gefühl, vom Ideal, von dem was richtig und angemessen ist, wird moralisches oder ethisches Empfinden genannt. Dies kann man als eine höhere Wahrnehmung als die intellektuelle Wahrnehmung des Menschen betrachten. Dies ist der ethische Mensch, der moralische Mensch.

Wenn das Bewusstsein eine gewisse Verfeinerung erfährt, und diese über dem normalen Bewusstsein liegt, und zwar in dem Sinne, dass man sich mit seinen ethischen Vorstellungen, mit seinen ethischen Idealen identifiziert, dann nimmt das Leben einen ganz anderen Verlauf. Besteht im Bewusstsein allerdings noch eine gewisse Unsensibilität, beherrscht uns ein eher grober Aspekt der menschlichen Persönlichkeit, der physische, biologische oder Körperaspekt, dann wird unser Verhalten vorwiegend durch physische und biologische Aspekte bestimmt. Spontanität geschieht in erster Linie auf biologischer Ebene und führt oft zu Fehlern. Das Verhalten geschieht oft unüberlegt und lässt die ethischen und moralischen Vorstellungen vielfach unbeachtet. Das führt nicht selten dazu, dass man den Menschen des anderen Geschlechts, nicht unter humanen Aspekten betrachtet, sondern ihn auf seinen physischen Körper reduziert.

Wenn Sie denken, ich bin der Körper, dieser physischer Körper und bin verwurzelt in diesem Bewusstsein, so denken Sie natürlich über alle anderen Menschen genau so, auf dem gleichen Level. Tritt ihnen jemand entgegen, so tritt er ihnen als physischer Körper entgegen und ihre Reaktion ist ein biologisch-animalisches Verhalten. Das bereitet natürlich Probleme auf der physischen Ebene. Darum brauchen wir eine Verfeinerung unseres Bewusstseins. Schritt für Schritt sollten wir unser Bewusstsein verfeinern und die Gewohnheiten ablegen, wie jemand, der die alten Pantoffel auszieht, um neue anzuziehen.

Vor einigen tausenden von Jahren, zeichnete sich die menschliche Rasse dadurch aus, dass es keine intellektuelle Entwicklung, keine geistige Entwicklung, keine Evolution und kein Interesse an spiritueller Entwicklung gab. Diese Menschen lebten in einem Zustand von einhundertprozentigem Körperbewusstsein, etwa so, wie bei den Tieren. Diese tierische Ebene des Bewusstseins, ist total mit dem Körper identifiziert. Wenn sich das menschliche Bewusstsein vorwiegend auf der Ebene des tierischen Bewusstseins befindet, dann ist es weit davon entfernt, spirituelles Bewusstsein zu