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Ramana Maharshi — Vierzig Verse (Ulladu Narpadu)
Ramana Maharshi - Vichara Sangraham
(Selbsterforschung)
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Biographie
Ramana Maharshi I Top
von T. M. P. Mahadevan, M. A.,
Dr. Phil.
Professor der Philosophie,
Universität von Madras
Herausgegeben von
V. S. Ramanan
Präsident des Treuhänderausschusses
Sri Ramanasraman
Tiruvannamalai 606-603
South India
Nachgedruckt aus Ramana Maharshi
and His Philosophy of Existence
© Sri Ramanasramam,
Tiruvannamalai 606-603, Tamil Nadu, India 1989
Vorwort
Die
vorliegende Abhandlung wurde ursprünglich für ein Buch
über The Saints (Die Heiligen) geschrieben und erschien als
allgemeine Einleitung in einem Werk über Bhagavan mit dem Titel
„Ramana Maharshi and his Philosophy of existence“. Weil dieses Essay
wahrscheinlich für die allgemeine Leserschaft von Interesse ist,
wurde es auch separat in Form eines kleinen Buches herausgegeben.
Möge Bhagavan diese Gabe
annehmen!
Aradhana-Tag, T.M.P. Mahadevan,
5. Mai 1959.
GEBET
O
Vinayaka, der du auf eine Rolle (die Abhänge des Berges Meru) die
Worte des großen Weisen (Vyasa) schriebst, und der du auf dem
siegreichen Arunachala wohnst - beseitige die Krankheit (maya), welche
die Ursache unserer Wiedergeburten ist und beschütze gnädig
den großen edlen Glauben (die Philosophie und Religion der
Upanishaden), der voll des Honigs des Selbstes ist!
Das
ist ein Gebet an Gott Ganesa, dem Beseitiger aller Hindernisse, welches
von Bhagavan Sri Ramana verfaßt wurde. Es bezieht sich auf eine
Geschichte aus den Puranas, nach der Ganesa Vyasa als Schreiber gedient
und das Mahabharata niedergeschrieben hat. Hier wird seine Gnade zum
Schutze der Vedanta-Philosophie angerufen. Der gedruckte Tamil-Vers ist
eine Reproduktion von Bhagavans eigener Handschrift.
Die Schriften sagen uns, daß es
genau so schwer ist, den Weg eines Weisen nachzuvollziehen, wie den
Flug eines Vogels in der Luft. Die meisten Menschen müssen sich
mit einer langsamen und mühevollen Reise zum Ziel zufrieden geben.
Aber einige wenige sind als Adepten geboren, die geradewegs auf das
gemeinsame Zuhause aller Wesen - das höchste Selbst - zufliegen.
Die Allgemeinheit der Menschheit fasst sich ein Herz, wenn ein solcher
Weiser erscheint. Obwohl sie nicht imstande ist, mit ihm Schritt zu
halten, fühlt sie sich in seiner Gegenwart erhoben und bekommt
einen Vorgeschmack der Glückseligkeit, gegenüber der die
Freuden der Welt zu nichts verblassen. Zahllose Menschen, die
währen der Lebenszeit Sri Ramana Maharshis nach Tiruvannamalai
kamen, hatten diese Erfahrung. Sie sahen in ihm einen Weisen ohne die
geringste Spur von Weltlichkeit, einen Weisen von einzigartiger
Reinheit, einen Zeugen der ewigen Wahrheit des Vedanta. Es kommt nicht
oft vor, daß ein spiritueller Genius von der Größe Sri
Ramanas die Erde besucht. Aber wenn es geschieht, bringt das der ganzen
Menschheit Nutzen, und es öffnet sich vor ihr eine neue Zeit der
Hoffnung.
Ungefähr dreißig Meilen
südlich von Madurai, eine Stadt im südindischen Bundesstaat
Tamil Nadu (rot markiert), gibt es ein Dorf namens Tirucculi mit einem
alten Siva-Tempel, den zwei der großen Tamil-Heiligen,
Sundaramurti und Manikkavacakar, besungen haben. In diesem heiligen
Dorf lebten in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ein
unbescheinigter Anwalt, Sundaram Aiyar mit seiner Frau Alagammal.
Frömmigkeit, Hingabe und Güte charakterisierten dieses ideale
Paar. Sundaram Aiyar war außerordentlich großzügig.
Alagammal war eine ideale Hindufrau. Am 30. Dezember 1879 wurde ihnen
Venkataraman - später bekannt als Ramana Maharshi - geboren. Es
war ein verheißungsvoller Tag für die Hindus - der
Ardra-darsanam-Tag. An diesem Tag wird jedes Jahr das Bild des
tanzenden Sivas - Nataraja - in Prozessionen aus den Tempeln
herausgetragen, um die göttliche Gnade des Herrn zu feiern, die
ihn vor Heiligen wie Gautama (Buddha), Patanjali (Yoga), Vyaghrapada
und Manikkavacaka erscheinen ließ.
Am
Ardra-Tag des Jahres 1879 wurde das Nataraja-Bild (Shiva Nataraja =
Shiva als Gott des Tanzes) mit allen dazugehörigen Zeremonien aus
dem Tempel in Tirucculi herausgeholt, und gerade als man es wieder
hereinbrachte, wurde Venkataraman geboren. In Vekataramans frühen
Jahren gab es keine auffallenden Besonderheiten. Er wuchs wie ein
gewöhnlicher Durchschnittsjunge auf. Er wurde in eine Grundschule
in Tirucculi geschickt und dann für eine einjährige
Ausbildung in eine Schule in Dindigul. Als er zwölf war, starb
sein Vater. Deshalb mußte er zusammen mit seiner Familie nach
Madurai gehen und dort bei seinem väterlichen Onkel Subbaiyar
wohnen. Dort wurde er zur „Scotts Middle School“ und dann zur „American
Mission High School“ geschickt. Er war ein mittelmäßiger
Schüler, der seine Studien nicht gerade ernst nahm. Aber er war
ein gesunder und kräftiger Junge. Seine Schulkameraden und andere
Gefährten hatten Angst vor seiner Stärke. Wenn manche von
ihnen Streitigkeiten mit ihm hatten, trauten sie sich nur dann, ihm
einen Streich zu spielen, wenn er schlief. Was das betraf, war er eher
ungewöhnlich: Er wusste von nichts, was mit ihm während des
Schlafes geschah. Man trug ihn fort oder schlug ihn sogar, ohne dass er
dabei aufwachte.
Scheinbar
durch Zufall hörte Venkataraman vom Arunachala, mit 980 m einer
der heiligsten Berge Indiens, als er sechzehn Jahre alt war. Eines
Tages besuchte ein älterer Verwandter die Familie in Madurai. Der
Junge fragte ihn, wo er herkäme. Der Verwandte antwortete: „Vom
Arunachala!“. Der Name „Arunachala“ wirkte wie ein Zauberspruch auf
Venkataraman, und mit sichtbarer Aufregung stellte er dem älteren
Herrn die nächste Frage: „Was, vom Arunachala? Wo ist das?“. Und
er bekam die Antwort, der Arunachala, mit seinem kahlem Kegel aus
rötlichem Vulkangestein, erhebt sich über der
südindischen Stadt Tiruvannamalai, ca. 150 km entfernt von Chennai (volle Namensform: Chennappattanam, bis 1996
Madras), der Hauptstadt des Bundesstaates Tamil Nadu. Chenmai ist
eine ist eine lang gestreckte Hafenstadt an der Ostküste
Süd-Indiens am Golf von Bengalen mit 4.328.416 Einwohnern in der
eigentlichen Stadt und 6.849.102 in der Agglomeration - außerhalb
der Stadtgrenzen (Stand jeweils 1. Januar 2005).
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Chenmai
(rot markiert), die Hauptstadt des südindischen Bundesstaates
Tamil Nadu ca. 150 km von Tiruvannamalai entfernt, dem Ort, wo sich der
Heilige Berg Arunachala und der Shiva Tempel befindet, wo Ramana
Maharshi lebte
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Sich
auf dieses Ereignis beziehend, sagt der Weise später in einer
seiner Hymnen an den Berg Arunachala: „O großes Wunder! Er steht
als ein lebloser Berg. Seine Funktion ist für jeden schwer zu
verstehen. Seit meiner Kindheit erschien Arunachala meinem Verstand als
etwas sehr großartiges. Aber sogar, als mir jemand sagte,
daß er das gleiche wie Tiruvannamalai (Stadt) war, verstand ich
seine Bedeutung nicht. Als er sich zu mich hinaufzog, meinen Geist
beruhigte und ich ihm nahe kam, stellte ich fest, dass er das
Unbewegliche ist.“
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Der
Arunachala - (aruna = Licht oder Morgenröte, achala = Hügel)
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Kurz
nach jenem Zwischenfall, der Venkataramans Aufmerksamkeit auf
Arunachala gelenkt hatte, folgte ein weiteres Ereignis, das dazu
beitrug, das Interesse des Jungen auf tiefere spirituelle Werte zu
richten. Zufällig fiel ihm ein Exemplar von Sekkilar’s
Periyapuranam in die Hände, welches von den Leben der 63
Shiva-Heiligen (63 Nayanmar - in Englisch) erzählt. Er las
das Buch und war davon gefesselt. Das war das erste Stück
religiöser Literatur, das er las. Das Beispiel der Heiligen
faszinierte ihn, und in den inneren Tiefen seines Herzens fand er eine
zustimmende Antwort. Ohne irgendeine sichtbare frühere
Vorbereitung stieg in ihm ein Verlangen auf, den Geist der Entsagung
und Hingabe, der das Wesen eines heiligen Lebens darstellte,
nachzuahmen.
Die
spirituelle Erfahrung, die sich Venkataraman nun sehnlichst
wünschte, kam bald und ganz unerwartet. Es war Mitte des Jahres
1896, Venkataraman war damals sechzehn. Eines Tages saß er allein
im ersten Stock im Haus seines Onkels. Er war gesund wie immer. Aber
plötzlich ergriff ihn eine unverkennbare Todesangst. Er
fühlte, daß er sterben wird. Warum er dieses Gefühl
hatte, wußte er nicht. Trotzdem entmutigte ihn das Gefühl
des bevorstehenden Todes nicht. Er dachte in Ruhe darüber nach,
was er tun sollte. Er sagte zu sich selbst: „Nun, der Tod ist gekommen.
Was bedeutet das? Was ist es, das stirbt? Dieser Körper stirbt.“
Unmittelbar
danach legte er sich auf den Boden, streckte Arme und Beine aus und
hielt sie so steif, als ob die Leichenstarre eingesetzt hätte. Er
hielt seinen Atem an und seine Lippen fest geschlossen, so dass sein
Körper vom äußeren Anschein her eine Leiche war. Nun,
was würde geschehen? Er dachte folgendes: „Nun, dieser Körper
ist tot. Er wird auf den Scheiterhaufen gelegt und zu Asche verbrannt.
Aber bin ich mit dem Tod dieses Körper tot? Ist der Körper
„Ich“? Dieser Körper ist stumm und leblos. Aber ich fühle die
volle Kraft meiner Persönlichkeit und die Stimme des „Ich“
unabhängig vom Körper. Also bin ich der GEIST, der den
Körper transzendiert.
Der
Körper stirbt, aber der GEIST, der ihn transzendiert, kann vom Tod
nicht berührt werden. Das bedeutet, ich bin der unsterbliche
GEIST.“ Als Bhagavan später diese Erfahrung seinen Devotees
(Jüngern) erzählte, sah es so aus, als ob das ein Vorgang des
Denkens war. Aber er legte Wert darauf, zu erklären, dass das
nicht so war. Die Verwirklichung durchfuhr ihn wie ein Blitz. Er
erkannte die Wahrheit direkt. „Ich“ war etwas sehr Wirkliches, das
einzig Wirkliche. Die Todesangst war ein für allemal verschwunden.
Von da an blieb das „Ich“ wie die Sruti-Note, die allen anderen
zugrunde liegt. So fand sich der junge Venkataraman auf dem
Höhepunkt der Spiritualität ohne irgendein mühsames oder
langes Sadhana (spirituelle Praxis). Das Ego war in der Flut des
Selbstgewahrseins verloren. Ganz plötzlich wurde der Junge, der
Venkataraman genannt wurde, zu einem Weisen und Heiligen.
Man
bemerkte einen völligen Wandel im Leben des jungen Weisen. Die
Dinge, die er früher schätzte, verloren nun ihren Wert. Die
spirituellen Werte, die er bis dahin ignoriert hatte, wurden die
einzigen Objekte seiner Aufmerksamkeit. Schulstudien, Freunde,
Verwandtschaft - nichts von dem hatte jetzt noch eine Bedeutung
für ihn. Er wurde äußerst gleichgültig
gegenüber seiner Umgebung. Demut, Sanftmut, Widerstandslosigkeit
und andere Tugenden wurden zu seiner Zierde. Er mied Gesellschaft und
zog es vor, allein dazusitzen - ganz versunken in Konzentration auf das
Selbst. Jeden Tag ging er zum Minaksi-Tempel und erfuhr eine
Begeisterung, wenn er vor den Bildern der Götter und Heiligen
stand. Tränen flossen aus seinen Augen. Die neue Vision war
ständig in ihm. Sein Leben war nun vollständig verwandelt.
Venkataramans
älterer Bruder beobachtete den großen Wandel, der sich bei
ihm vollzog. Er rügte ihn mehrmals für sein
gleichgültiges und Yogi-artiges Verhalten. Ungefähr sechs
Wochen nach dem großen Wandel kam die Wende. Es war am 29. August
1896. Venkataramans Englischlehrer hatte ihm aufgetragen, als Strafe
für sein Desinteresse an seinen Studien eine Lektion aus Bain’s
Grammatik dreimal abzuschreiben. Der Junge schrieb sie zweimal ab, aber
hörte auf, als ihm die völlige Sinnlosigkeit dieser Aufgabe
bewusst wurde. Er warf sein Buch und die Unterlagen weg, setzte sich
hin, schloss seine Augen und wandte sich in Meditation nach innen. Der
ältere Bruder, der Venkataramans Benehmen die ganze Zeit über
beobachtet hatte, ging zu ihm und sagte: „Was hat das alles für
einen Sinn für jemanden wie dich?“
Das
war offensichtlich als ein Tadel für Venkataramans unweltliche Art
und sein Vernachlässigen der Studien gemeint. Venkataraman gab
keine Antwort. Er gestand sich selbst ein, dass es keinen Sinn hatte,
so zu tun als ob er studierte und als ob er so wie vorher wäre. Er
entschied sich, sein Zuhause zu verlassen und erinnerte sich daran,
dass es einen Ort gab, wo er hingehen kann - nämlich
Tiruvannamalai. Aber wenn er seine Absicht seiner Familie darlegen
würde, würden sie ihn nicht gehen lassen. Also musste er eine
List anwenden. Er sagte seinem Bruder, dass er diesen Mittag in die
Schule geht und eine besondere Klasse besucht. Daraufhin bat ihn sein
Bruder, fünf Rupees unten aus der Büchse zu nehmen und seine
Studiengebühr in dem College, wo er studierte, zu bezahlen.
Venkataraman ging nach unten, seine Tante gab ihm eine Mahlzeit und die
fünf Rupees. Er nahm einen Atlas, der im Haus war und stellte
fest, dass der nächste Bahnhof bei Tiruvannamalai in Tindivanam
war.
Tatsächlich
wurde aber eine Zweiglinie nach Tiruvannamalai selbst gelegt, aber da
es ein alter Atlas war, war diese Strecke darin nicht verzeichnet. Er
rechnete aus, dass drei Rupees für die Reise reichen würden.
Also nahm er sich gerade so viel, und ließ den Rest zusammen mit
einen Brief an einer Stelle im Haus, wo sein Bruder ihn leicht finden
konnte, und machte sich auf den Weg nach Tiruvannamalai. In dem Brief
schrieb er folgendes: „Ich bin aufgebrochen auf der Suche nach meinem
Vater gemäß seinem Befehl. Dieser (sich selbst meinend) hat
ein tugendhaftes Unternehmen begonnen. Deshalb sollte niemand
hierüber betrübt sein. Und es braucht kein Geld ausgegeben zu
werden, um diesen zu suchen. Eure Studiengebühr wurde nicht
bezahlt. Anbei zwei Rupees.“
Es
lag ein Fluch auf Venkataramans Familie - in Wahrheit war es ein Segen
- dass einer aus jeder Generation ein Bettelmönch werden soll.
Dieser Fluch wurde von einem Wanderasketen verhängt, der - so sagt
man - im Hause von einem von Venkataramans Vorfahren um Almosen bat,
und zurückgewiesen wurde. Ein väterlicher Onkel von Sundarama
Aiyer (sein Vater) wurde ein Sannyasin, genauso wie Sundarama Aiyer’s
älterer Bruder. Nun war Venkataraman an der Reihe, obwohl niemand
vorhersehen konnte, dass sich der Fluch auf diese Weise verwirklicht.
Leidenschaftslosigkeit fand Platz in Venkataramans Herzen, und er wurde
ein Parivrajaka (ein Bettelmönch).
Es
war eine epische (lyrische, erzählende) Reise, die Venkataraman
von Madurai nach Tiruvannamalai machte. Ungefähr zur Mittagsstunde
verließ er das Haus seines Onkels. Er ging zum Bahnhof, der etwa
eine halbe Meile entfernt war. Zum Glück hatte der Zug an diesem
Tag Verspätung, sonst hätte er ihn verpasst. Er schaute auf
den Fahrpreisplan und stellte fest, dass die Fahrt dritter Klasse nach
Tindivanam zwei Rupees und dreizehn Annas kostete. Er kaufte sich eine
Fahrkarte, und behielt die restlichen drei Annas. Hätte er
gewusst, daß es eine Eisenbahnstrecke direkt bis nach
Tiruvannamalai gab, und hätte er auf den Fahrpreisplan geschaut,
dann hätte er festgestellt, dass die Fahrt genau drei Rupees
gekostet hätte. Als der Zug ankam, stieg er ruhig ein und setzte
sich hin.
Ein
Maulvi, ein islamischer Mullah, ein islamischer Rechtsgelehrte, der
auch in dem Zug reiste, begann ein Gespräch mit Venkataraman. Von
ihm erfuhr Venkataraman, dass es eine direkte Zugverbindung nach
Tiruvannamalai gab, und dass man nicht bis Tindivanam fahren musste,
sondern in Viluppuram umsteigen konnte. Das war eine nützliche
Information. Als der Zug in Tiruccirappalli ankam, wurde es bereits
dunkel. Venkataraman hatte Hunger. Er kaufte sich für ein halbes
Anna zwei Wildbirnen, und seltsamerweise war sein Hunger mit dem ersten
Biß gestillt. Etwa um drei Uhr morgens kam der Zug in Viluppuram
an. Dort stieg Venkataraman aus dem Zug mit der Absicht aus, den Reist
der Reise nach Tiruvannamalai zu Fuß zurückzulegen.
Bei
Tagesanbruch ging er in die Stadt und suchte den Wegweiser nach
Tiruvannamalai. Er sah eine Schildertafel, auf der „Mambalappattu“
stand, aber er wusste nicht, dass Mambalappattu auf dem Weg nach
Tiruvannamalai lag. Bevor er sich weiter bemühte, herauszufinden,
welchen Weg er nehmen musste, wollte er sich stärken, weil er
Hunger hatte und müde war. Er ging in ein Hotel und bat um Essen.
Er musste bis zum Mittag warten, bevor das Essen fertig war. Nachdem er
seine Mahlzeit gegessen hatte, bot er zwei Annas als Bezahlung an. Der
Hotelbesitzer fragte ihn, wieviel Geld er hatte. Als ihm Venkataraman
sagte, dass er nur zweieinhalb Annas hatte, lehnte er ab, das Geld
anzunehmen. Von ihm erfuhr Venkataraman auch, daß Mambalappattu
ein Ort auf dem Weg nach Tiruvannamalai war. Venkataraman ging
zurück zum Bahnhof von Viluppuram und kaufte eine Fahrkarte nach
Mambalappattu, wofür sein Geld gerade reichte.
Irgendwann
am Nachmittag kam Venkataraman in Mambalappattu mit dem Zug an. Von da
aus machte er sich nach Tiruvannamalai zu Fuß auf den Weg. Er
ging etwa zehn Meilen, und es war spät am Abend. In der Nähe
war der Tempel von Arayaninallur, der auf einem großen Felsen
gebaut ist. Dort ging er hin, wartete, bis die Türen geöffnet
wurden, und setzte sich in die Säulenhalle. Dort hatte er eine
Vision - eine Vision glänzenden Lichtes, das den ganzen Ort umgab.
Es war kein gewöhnliches Licht körperlichen Ursprungs. Es
leuchtete eine Weile und verschwand dann. Venkataraman blieb in einer
Stimmung tiefer Meditation sitzen, bis er von den Tempelpriestern
geweckt wurde, die die Türen abschließen und zu einem
anderen Tempel eine dreiviertel Meile von Kilur entfernt zum Dienst
gehen wollten.
Venkataraman
folgte ihnen, und als er im Tempel war, war er wieder in Samadhi
verloren. Nachdem die Priester ihre Pflichten erfüllt hatten,
weckten sie ihn auf, aber gaben ihm nichts zu essen. Der
Tempeltrommler, der das unhöfliche Benehmen der Priester
beobachtet hatte, flehte sie an, dem fremden Jungen seinen eigenen
Anteil des Tempelessens zu geben. Als Venkataraman nach etwas
Trinkwasser fragte, wurde er zum Haus eines Sastris (brahmanischer
Lehrer) geschickt, welches sich in einiger Entfernung befand. Als er in
dem Haus war, wurde er ohnmächtig und fiel zu Boden. Nach ein paar
Minuten kam er wieder zu sich und sah, wie ihn eine kleine Gruppe
Menschen neugierig anschaute. Er trank das Wasser, aß etwas,
legte sich hin und schlief.
Am
nächsten Morgen wachte er auf. Es war der 31. August 1896, der
Gokulastami-Tag, der Tag von Sri Krishnas Geburt. Venkataraman setzte
seine Reise fort und ging ein Stück zu Fuß. Er war müde
und hatte Hunger. Also wollte er zuerst etwas essen, und dann nach
Tiruvannamalai gehen - wenn möglich mit dem Zug. Es kam ihm der
Gedanke, dass er sich der beiden goldenen Ohrringe, die er trug,
entledigen könnte, und so das notwendige Geld aufbringen
könnte. Aber wie sollte er das machen? Er ging weiter und stand
vor einem Haus, das einem gewissen Muthukrishna Bhagavatar
gehörte. Er bat den Bhagavatar (göttliche Inkarnation) um
Essen, und wurde zur Hausfrau geschickt. Die gute Frau freute sich, den
jungen Sadhu (Bettelmöch) zu empfangen, und gab ihm am Geburtstag
Sri Krishnas zu Essen. Nach dem Essen ging Venkataraman noch einmal zum
Bhagavatar und sagte ihm, dass er seine Ohrringe für vier Rupees
verkaufen wollte, um seine Pilgerreise vollenden zu können. Die
Ohrringe waren etwa zwanzig Rupees wert, aber soviel Geld brauchte er
nicht.
Der
Bhagavatar untersuchte die Ohrringe, gab ihm das Geld, um das er
gebeten hatte, notierte die Adresse des Jungen, schrieb seine eigene
auf ein Stück Papier und sagte ihm, dass er die Ohrringe jederzeit
zurückkaufen könnte. Venkataraman aß im Haus des
Bhagavatars sein Mittagessen. Die fromme Dame gab ihm ein Päckchen
Süßigkeiten, das sie zum Gokulastami-Tag vorbereitet hatte.
Venkataraman verabschiedete sich, zerriss die Adresse, die ihm der
Bhagavatar gegeben hatte, weil er nicht vorhatte, die Ohrringe
zurückzukaufen, und ging zum Bahnhof. Da vor dem nächsten
Morgen kein Zug mehr fuhr, verbrachte er die Nacht dort. Am Morgen des
1. Septembers 1896 stieg er in den Zug nach Tiruvannamalai ein. Die
Reise dauerte nicht lange. Er stieg aus dem Zug aus und eilte zum
großen Arunacalesvara-Tempel. Alle Tore standen offen - sogar die
des inneren Heiligtums. Im Tempel waren keine Menschen - nicht einmal
die Priester. Venkataraman betrat das Allerheiligste, und als er vor
seinem Vater Arunacalesvara (Shiva-Tempel) stand, erfuhr er tiefe
Ekstase und unaussprechliche Freude. Die epische Reise war zu Ende. Das
Schiff hatte den Hafen sicher erreicht.
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Tempel des
Arunachaleshvara Shiva in Tiruvannamalai
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Den
Rest seines Lebens verbrachte Ramana - so werden wir ihn ab jetzt
nennen - in Tiruvannamalai. Ramana wurde nicht formell in Sannyasa
(Weltentsagung, Leben als Mönch) eingeweiht. Als er aus dem Tempel
herauskam und durch die Straßen der Stadt ging, rief jemand und
fragte, ob er seinen Haarbüschel entfernt haben wollte. Er stimmte
gleich zu, und wurde zum Ayyankulam-Wasserbecken gebracht, wo ihm ein
Barbier den Kopf rasierte. Dann stand er auf den Stufen des Beckens und
warf sein restliches Geld ins Wasser. Er entledigte sich auch des
Päckchens mit Süßigkeiten, das ihm die Frau des
Bhagavatars gegeben hatte. Das nächste, was gehen musste, war die
heilige Brahmanenschnur, die er trug. Als er zum Tempel
zurückging, fragte er sich, ob er seinem Körper den Luxus
eine Bades gewähren sollte - als ihn ein plötzlicher
Regenguss durchnäßte.
Ramanas
erster Aufenthaltsort in Tiruvannamalai war der große Tempel. Ein
paar Wochen lang blieb er in der Halle der tausend Säulen. Aber er
wurde von Jungen belästigt, die ihn, als er in Meditation
saß, mit Steinen bewarfen. Er verzog sich in dunkle Ecken und
sogar in ein unterirdisches Gewölbe, bekannt als Patala-lingam.
Ungestört verbrachte er mehrere Tage in Meditation. Bewegungslos
saß er in Samadhi, und nahm nicht einmal die Bisse des
Ungeziefers wahr. Aber die bösartigen Jungen entdeckten bald das
Versteck und vertrieben sich die Zeit damit, den jungen Swami mit
Scherben zu bewerfen. Zu dieser Zeit gab es in Tiruvannamalai einen
älteren Swami mit Namen Seshadri.
Die,
die ihn nicht kannten, hielten ihn für einen Verrückten.
Manchmal bewachte er den jungen Swami und verjagte die Bengel.
Schließlich wurde er von Devotees (Anhängern) aus diesem
Keller herausgetragen, ohne daß er sich dessen bewusst war, und
wurde in der Nähe eines Subrahmanya-Heiligtums (Subrahmanya ist
der Sohn von Siva und von Parvati. Subrahmanya bedeutet: "einer, der
sich für spirituelles Wachstum interessiert“) untergebracht. Von
da an gab es immer jemanden, der sich um Ramana kümmerte. Der
Aufenthaltsort musste oft gewechselt werden. Gärten, Wälder
und Heiligtümer wurden ausgesucht, um den Swami zu
beschützen. Der Swami selbst sprach nie. Nicht etwa, dass er ein
Schweigegelübde abgelegt hätte - er hatte einfach kein
Bedürfnis zu sprechen. Manchmal wurden ihm Texte wie Vasistham und
Kaivalyanavanitam vorgelesen.
Etwas
weniger als sechs Monate nach seiner Ankunft in Tiruvannamalai verlegte
Ramana seinen Aufenthaltsort in ein Heiligtum Namens Gurumurtam auf die
ernste Bitte seines Inhabers hin, eines Mannes Namens Tambiransvami.
Als die Zeit verging und sich Ramanas Ruhm ausbreitete, kamen immer
mehr Pilger und Touristen zu ihm. Nach einem etwa einjährigen
Aufenthalt im Gurumurtham zog der Swami - in der Gegend bekannt als
Brahmana-Swami - in einen nahegelegenen Mangogarten um. Hier machte ihn
einer seiner Onkel - Nelliyappa Aiyar - ausfindig. Nelliyappa Aiyar war
ein Anwalt zweiten Grades in Manamadurai. Da er von einem Freund
gehört hatte, daß Venkataraman ein verehrter Sadhu in
Tiruvannamalai war, ging er zu ihm, um ihn zu sehen. Er versuchte sein
Bestes, Ramana nach Manamadurai mitzunehmen. Aber der junge Weise
antwortete nicht. Er zeigte kein Zeichen von Interesse an dem Besucher.
Also ging Nelliyappa Aiyar enttäuscht nach Manamadurai
zurück. Trotzdem überbrachte er Alagammal - Ramanas Mutter -
die Nachricht.
Die
Mutter ging, begleitet von ihrem ältesten Sohn, nach
Tiruvannamalai. Ramana lebte zu der Zeit in Pavalakkunru, einem der
östlichen Ausläufer des Berges. Mit Tränen in den Augen
flehte sie Ramana an, mit ihr zurückzukommen. Aber für den
Weisen gab es kein Zurück. Nichts berührte ihn, nicht einmal
das Klagen und Weinen seiner Mutter. Er schwieg und gab keine Antwort.
Ein Devotee, der die Bemühungen der Mutter mehrere Tage mit
angesehen hatte, bat Ramana, doch wenigstens aufzuschreiben, was er zu
sagen hatte. Der Weise schrieb folgende unpersönlichen Worte auf
ein Stück Papier: „Das Schicksal des einzelnen wird durch sein
Prarabdha (Prarabdha Karma = Karma aus dem jetzigen Leben) bestimmt.
Was nicht geschehen soll, wird nicht geschehen, so sehr man sich auch
bemüht. Und was geschehen soll, wird geschehen, was man auch tut,
um es zu verhindern. Das ist gewiss. Das Beste ist deshalb, zu
schweigen.“
Enttäuscht
und mit schwerem Herzen ging die Mutter nach Manamadurai zurück.
Irgendwann hiernach ging Ramana auf den Berg Arunachala und lebte in
der Virupaksa-Höhle, die nach einem gleichnamigen Heiligen benannt
wurde, der hier lebte und beerdigt ist. Die Menschen kamen auch
hierhin, und unter ihnen befanden sich ein paar ernste Sucher. Jene
letzteren stellten ihm Fragen über spirituelle Erfahrung oder
brachten Bücher mit, um sich einige Punkte erklären zu
lassen. Manchmal schrieb Ramana seine Antworten und Erklärungen
auf. Eines der Bücher, das in dieser Zeit zu ihm mitgebracht
wurde, war Shankaras Vivekacudamani, welches er später in
Tamil-Prosa übersetzte. Es kamen auch einfache und ungebildete
Leute zu ihm, die Trost und spirituelle Führung suchten. Eine von
ihnen war Echammal. Sie hatte ihren Mann, ihren Sohn und ihre Tochter
verloren und war untröstlich, bis sie das Schicksal zu Ramana
brachte. Sie bestand darauf, den Swami jeden Tag zu besuchen, und nahm
die Aufgabe auf sich, das Essen für ihn und für die, die mit
ihm lebten, zu bringen.
Im
Jahre 1903 kam ein großer Sanskritgelehrter und Savant (Lehrer,
Gelehrter) nach Tiruvannamalai. Sein Name war Ganapati Sastri, auch
bekannt als Ganapati Muni (Muni = Mönch) - wegen der Askese, der
er sich unterzog. Er hatte den Titel Kavya-Kantha - (einer, der Poesie
auf der Zunge hat), und seine Schüler redeten ihn mit Nayana
(Vater) an. Er verehrte die göttliche Mutter. Er besuchte Ramana
ein paar mal in der Virupaksa-Höhle. Irgendwann im Jahre 1907
befielen ihn Zweifel, die seine spirituellen Übungen betrafen. Er
ging auf den Berg, sah Ramana allein in der Höhle sitzen und sagte
zu ihm: „Alles, was man lesen muss, habe ich gelesen; sogar Vedanta
Sastra habe ich vollständig verstanden; ich habe nach Herzenslust
Japa (Mantrameditation) geübt; und doch habe ich bis jetzt noch
nicht verstanden, was Tapas (Askese) ist.
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Swami Sivananda:
Tapas
ist Askese. Ichlosigkeit und selbstloses Dienen sind die
größten Formen von Tapas. Demut und Wunschlosigkeit sind die
größten Formen von Askese. Übe sie durch
unaufhörlichen, unermüdlichen selbstlosen Dienst. Übe
die drei Arten von Tapas, die in der Gita beschrieben werden. 1.
Fasten, 2. das Studium heiliger Schriften 3. Hingabe an Gott
Disziplinübungen
wie Fasten, usw. fallen auch unter Tapas. Während Du fastest,
wirst Du in meditative Stimmung kommen. Swadhyaya ist das Studium
heiliger Bücher. Mantrawiederholung wird auch als Swadhyaya
betrachtet. Dann hast Du Ishwara Pranidhana (Hingabe an Gott). Gib Dich
Gott hin. “Ich bin Dein, alles ist Dein, mein Herr; Dein Wille
geschehe”, ist das Mantra für Selbsthingabe.
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Deshalb
habe ich bei euren Füßen Zuflucht gesucht. Bitte klärt
mich über das Wesen von Tapas auf!“ Ramana antwortete - nun
sprechend: „Wenn
man beobachtet, von wo die Vorstellung ‘Ich’ aufsteigt, dann löst
sich der Geist dort auf. Das ist Tapas. Wenn man ein Mantra wiederholt
und beobachtet, von wo der Mantra-Klang aufsteigt, dann löst sich
der Geist dort auf. Das ist Tapas.“ Für den Gelehrten kam
das als eine Offenbarung; er fühlte, wie ihn die Gnade des Weisen
einhüllte. Er war es, der erklärte, dass Ramana der Maharshi
(Maharshi bedeutet „Großer Weiser“ von maha = groß, rishi =
Weiser) und Bhagavan (Göttlicher, Gott) ist. Er komponierte
Sanskrithymnen, die den Weisen priesen, und schrieb auch die
Ramana-Gita, die seine Lehren erklärt.
Ramanas
Mutter, Alagammal, verlor nach ihrer Rückkehr nach Manamadurai
ihren ältesten Sohn. Zwei Jahre später stattete ihr
jüngster Sohn, Nagasundaram, Ramana einen kurzen Besuch ab. Sie
selbst ging einmal nach einer Pilgerreise nach Varanasi und noch einmal
während eines Besuches in Tirupati dorthin. Dabei wurde sie krank
und litt mehrere Wochen lang mit Typhussymptomen. Ramana zeigte sich
sehr besorgt, sie zu pflegen und wieder gesund zu machen. Er
komponierte sogar eine Hymne, die Arunachala anfleht, sie von ihrer
Krankheit zu heilen. Der erste Vers dieser Hymne geht
folgendermaßen: „O Medizin, in Gestalt eines Berges, der
auftauchte, um die Krankheit aller Geburten zu heilen, die wie Wellen
aufeinanderfolgen. O Herr! Es ist deine Pflicht, meine Mutter, die nur
deine Füße als ihre Zuflucht hat, zu retten, indem du ihr
Fieber heilst.“
Er
betete auch, dass seiner Mutter die göttliche Vision gewährt
werden solle und dass sie von Weltlichkeit befreit werde. Es ist
unnötig zu sagen, dass beide Gebete beantwortet wurden. Alagammal
erholte sich wieder und ging zurück nach Manamadurai. Aber nicht
lange nachdem sie nach Tiruvannamalai zurückkehrte, folgte wenig
später ihr jüngster Sohn, Nagasundaram, der in der
Zwischenzeit seine Frau verloren hatte, die ihm einen Sohn
hinterließ. Es war Anfang des Jahres 1916, als Alagammal (Mutter)
kam und sich entschloss, den Rest ihres Lebens mit Ramana zu
verbringen. Kurz nach der Ankunft seiner Mutter zog Ramana von der
Virupaksa-Höhle in den Skandasramam um, der etwas höher auf
dem Berg liegt. Die Mutter erhielt Ausbildung in intensivem
spirituellem Leben. Sie zog das ockerfarbene Gewand an und
übernahm die Ashramküche.
Ramanas
jüngster Bruder Nagasundaram wurde auch ein Sannyasin (Mönch)
und nahm den Namen Niranjanananda an. Unter Ramanas Devotees
(Jüngern) wurde er allgemein als Chinnaswami (der jüngere
Swami) bekannt. Im Jahre 1920 ließ die Gesundheit der Mutter nach
und sie bekam Altersleiden. Ramana pflegte sie mit Sorge und Zuneigung
und verbrachte sogar schlaflose Nächte, in denen er bei ihr
wachte. Das Ende kam am 19. Mai 1922, am Bahulanavami-Tag im Monat
Vaisakha (2. hinduistischer Monat). Ihr Körper wurde den Berg
heruntergebracht, um beerdigt zu werden. Die ausgewählte Stelle
war der südlichste Punkt zwischen dem Palitirtham-Wasserbecken und
dem Daksinamurti-Mantapam.
Während
die Zeremonien durchgeführt wurden, stand Ramana selbst dabei und
schaute schweigend zu. Ihr Sohn Niranjanananda Swami nahm seinen
Wohnsitz in der Nähe des Grabes auf. Ramana, der weiter im
Skandasramam lebte, besuchte das Grab jeden Tag. Nach etwa sechs
Monaten blieb auch er hier - wie er später sagte, nicht aus
eigenem Entschluss, sondern in Gehorsam auf den göttlichen Willen.
So wurde der Ramanasramam gegründet. Über dem Grab wurde ein
Tempel errichtet und im Jahre 1949 geweiht. Im Laufe der Jahre wuchs
der Ashram ständig, und Menschen nicht nur aus Indien, sondern von
allen Kontinenten der Welt kamen, um den Weisen zu sehen und von ihm
Hilfe in spirituellen Dingen zu bekommen.
Ramanas
erster westlicher Devotee war F. H. Humphrys. Er kam 1911 nach Indien,
um einen Posten im Polizeidienst von Vellore aufzunehmen. Da er zum
Okkultismus geneigt war, suchte er einen Mahatma. Von seinem
Privatlehrer wurde er Ganapati Sastri
(Sanskritdichter und Gelehrter) vorgestellt, und der Sastri brachte ihn
zu Ramana. Der Engländer war tief beeindruckt. In einem Artikel in
der Zeitung International Psychic Gazette schrieb er: „Nachdem wir die
Höhle erreicht hatten, saßen wir vor ihm, zu seinen
Füßen, und sagten nichts. Wir saßen so eine lange
Zeit, und ich fühlte mich aus meinem Körper herausgehoben.
Eine halbe Stunde lang sah ich in die Augen des Maharshis, welche nie
ihren Ausdruck von tiefer Kontemplation veränderten....
Der
Maharshi ist ein Mensch jenseits von Beschreibung in seinem Ausdruck
von Würde, Güte, Selbstkontrolle und ruhiger
Überzeugungsstärke.“ Humphry’s Vorstellungen von
Spiritualität veränderten sich zum Besseren als Folge des
Kontaktes mit Ramana. Er wiederholte seine Besuche bei dem Weisen. Er
zeichnete seine Eindrücke in seinen Briefen an einen Freund in
England auf, die in der oben erwähnten Zeitung veröffentlicht
wurden. In einem von ihnen schrieb er: „Du kannst dir nichts
Schöneres vorstellen als sein Lächeln.“ Und wieder: „Es ist
seltsam, was es für eine Veränderung in einem bewirkt, wenn
man in seiner Gegenwart war!“
Es
waren nicht nur gute Menschen, die zum Ashram kamen. Manchmal tauchten
auch schlechte auf - sogar schlechte Sadhus (Bettelmönche). Im
Jahre 1924 brachen Diebe zwei mal auf der Suche nach Beute ein. Beim
zweiten Mal schlugen sie den Maharshi sogar, als sie feststellten, dass
sie nicht viel mitnehmen konnten. Als einer der Devotees den Weisen um
Erlaubnis fragte, die Diebe zu bestrafen, verbot er es ihm und sagte:
„Sie haben ihr Dharma, wir haben unseres. Wir müssen ertragen und
Geduld haben. Wir wollen uns nicht einmischen.“ Als einer der Diebe ihm
einen Schlag auf den linken Oberschenkel gab, sagte er zu ihm: „Wenn du
noch nicht zufrieden bist, kannst du das andere Bein auch noch
schlagen.“ Nachdem die Diebe wieder fort waren, erkundigte sich einer
der Devotees nach dem Schlag. Der Weise sagte: „Ich habe auch etwas
Puja (Verehrung) bekommen“ wobei er mit dem Wort „Puja“ spielte,
welches „Gottesdienst“ bedeutet, aber auch „Schläge“ heißen
kann.
Der
Geist der Harmlosigkeit, der den Weisen und seine Umgebung durchdrang,
ließ sogar Vögel und Tiere mit ihm Freundschaft
schließen. Er erwies ihnen die gleiche Rücksicht wie den
Menschen, die zu ihm kamen. Wenn er über sie sprach, benutzte er
die Wörter „er“ oder „sie“ und nicht „es“. Vögel und
Eichhörnchen bauten ihre Nester in seiner Nähe. Kühe,
Hunde und Affen fanden Asyl im Ashram. Alle von ihnen verhielten sich
intelligent - besonders die Kuh Laksmi. Er kannte sie alle ganz genau.
Er achtete darauf, dass sie richtig und gut gefüttert wurden. Und
wenn ein Tier starb, wurde sein Körper mit angemessener Zeremonie
beerdigt. Das Leben im Ashram ging ruhig dahin. Mit der Zeit kamen
immer mehr Besucher - einige von ihnen nur für einen kurzen
Aufenthalt, andere blieben länger.
Die
Ausmaße des Ashrams nahmen zu, ein paar Dinge und Abteilungen
kamen dazu - ein Kuhstall, eine Schule für das Studium der Vedas,
eine Abteilung für Veröffentlichungen und der Tempel der
Mutter mit regelmäßigem Gottesdienst u.s.w. Ramana saß
die meiste Zeit in der Halle, die für diesen Zweck gebaut wurde,
als Zeuge dessen, was um ihn herum geschah. Das heißt nicht, dass
er nicht aktiv war. Er heftete Blattteller zusammen, bereitete
Gemüse zu, machte Vorschläge für Antworten auf Briefe
u.s.w., und doch sah man, dass er von allem fern war. Es gab zahlreiche
Einladungen für ihn, Reisen zu unternehmen. Aber er ging nie von
Tiruvannamalai weg, und in den späteren Jahren nicht einmal aus
dem Ashram. Die meiste Zeit, jeden Tag, saßen Menschen vor ihm.
Sie saßen meistens in Schweigen. Manchmal stellte einer von ihnen
Fragen, und manchmal antwortete er ihnen. Es war eine großartige
Erfahrung, vor ihm zu sitzen und in seine strahlenden Augen zu schauen.
Viele spürten, wie die Zeit zum Stillstand kam und erfuhren eine
Stille und einen Frieden jenseits jeder Beschreibung.
Das
goldene Jubiläum von Ramanas Ankunft (1. September 1896) in
Tiruvannamalai wurde 1946 gefeiert. Im Jahre 1947, Ramana war
mittlerweile 68 Jahre alt, begann seine Gesundheit nachzulassen. Er war
noch keine siebzig, doch er sah viel älter aus. Gegen Ende des
Jahres 1948 zeigte sich ein kleiner Knoten unter dem Ellenbogen seines
linken Armes. Als er wuchs, schnitt ihn der Arzt, der für die
Ashramapotheke zuständig war, heraus. Aber innerhalb eines Monats
kehrte der Knoten zurück. Es wurden Chirurgen aus Madras geholt,
und sie operierten. Die Wunde heilte nicht, und der Tumor kam wieder.
Bei weiteren Untersuchungen wurde diagnostiziert, dass es sich um ein
Sarkom (bösartiger Tumor) handelte.
Die
Ärzte empfahlen, den Arm über dem betroffenen Teil zu
amputieren. Ramana erwiderte mit einem Lächeln: „Es besteht kein
Grund zur Beunruhigung. Der Körper selbst ist eine Krankheit. Soll
er sein natürliches Ende haben. Warum ihn verstümmeln?
Einfaches Verbinden der betroffenen Stelle reicht aus.“ Zwei weitere
Operationen mussten durchgeführt werden, aber der Tumor kehrte
zurück. Man versuchte es mit einheimischen Medizinsystemen und
auch mit Homöopathie. Die Krankheit fügte sich nicht der
Behandlung. Der Weise war ganz uninteressiert, und völlig
gleichgültig gegenüber dem Leiden. Er war wie ein Zuschauer,
der beobachtet, wie die Krankheit den Körper verzehrt.
Aber
seine Augen leuchteten so hell wie immer, und seine Gnade floss allen
Wesen zu. Die Menschen kamen in großer Anzahl. Ramana bestand
darauf, dass ihnen erlaubt wird, seinen Darsana zu haben. Devotees
wünschten sich von ganzem Herzen, dass er seinen Körper durch
Anwendung von übernatürlichen Kräften heilen würde.
Einige von ihnen dachten, dass sie selbst den Nutzen aus diesen
Kräften hatten, welche sie Ramana zuschrieben. Ramana hatte
Mitleid mit denen, die über sein Leiden trauerten, und er
versuchte sie zu trösten, indem er sie an die Wahrheit erinnerte,
daß Bhagavan nicht der Körper ist: „Sie halten diesen
Körper für Bhagavan und schreiben ihm Leiden zu. Wie schade!
Sie sind verzweifelt weil sie glauben, dass Bhagavan sie
verläßt und fortgeht - aber wohin kann er gehen, und wie?
Das
Ende kam am 14. April 1950. An diesem Abend gab der Weise den Devotees,
die kamen, Darsana (Treffen von Schüler und Meister). Alle, die im
Ashram waren, wussten, dass das Ende nahte. Sie saßen und sangen
Ramanas Hymne an Arunachala mit dem Refrain Arunachala-Siva. Der Weise
bat seine Betreuer, ihn hinzusetzen. Er öffnete seine leuchtenden
und gnädigen Augen für einen kurzen Moment, ein Lächeln,
eine Träne der Seligkeit tropfte aus seinen äußeren
Augenwinkeln, und um 8.47 Uhr hörte er auf zu atmen. Es gab keinen
Kampf, keinen Anfall, keines der Todeszeichen. Genau in diesem
Augenblick zog ein Komet langsam über den Himmel, erreichte den
Gipfel des heiligen Berges Arunachala und verschwand dahinter.
Ramana
Maharshi schrieb selten, und die wenigen Schriften, die er in Prosa
oder Versform verfasst hat, wurden geschrieben, um den speziellen
Bedürfnissen seiner Devotees gerecht zu werden. Er selbst sagte
einmal: „Irgendwie fällt es mir nie ein, ein Buch zu schreiben
oder Gedichte zu verfassen. Alle Gedichte, die ich geschrieben habe,
waren auf jemandens Bitte hin oder in Verbindung mit einem bestimmten
Ereignis.“ Das wichtigste dieser Werke sind die "Vierzig Verse" (The Forty Verses on Existence). Im Upadesa
Saram (siehe unten), welches auch ein Gedicht ist, wird die
Quintessenz des Vedanta dargelegt. Der Weise komponierte fünf
Hymnen an Arunachala. Einige von Shankaras (ein Advaita
Vedante-Philosoph, etwa 788-820 n. Chr.) Werken wie Vivekacudamani und
Atma-bodha wurden von ihm in Tamil übersetzt. Das meiste von dem,
was er schrieb, ist in Tamil. Aber er schrieb auch in Sanskrit, Telugu
und Malayam.
Die
Philosophie von Sri Ramana - welche die gleiche ist wie die von
Advaita-Vedanta - hat die Selbstverwirklichung zum Ziel. Der zentrale
Weg, der in dieser Philosophie gelehrt wird, ist die Ergründung
der Natur des Selbst, des Inhaltes des Gedankens „Ich“. Gewöhnlich
verändert sich der Bereich des „Ich“ und bedeckt eine Vielzahl von
Faktoren. Aber diese Faktoren sind nicht in Wirklichkeit das „Ich“. Zum
Beispiel sprechen wir vom Körper als „Ich“ - wir sagen „Ich bin
dick“, „Ich bin schlank“ u.s.w. Man braucht nicht lange, um zu
entdecken, dass das eine falsche Gewohnheit ist. Der Körper selbst
kann nicht „Ich“ sagen, weil er selbst leblos ist. Sogar der
unwissendste Mensch versteht, was der Ausdruck „mein Körper“
beinhaltet. Trotzdem ist es nicht einfach, die falsche Identität
des „Ich“ mit dem Ego (Ahankara) aufzulösen. Das liegt daran, weil
der ergründende Geist das Ego ist, und um die falsche
Identifikation zu beseitigen, er sich sozusagen selbst sein Todesurteil
verhängen muss. Das ist keineswegs eine einfache Angelegenheit.
Die Opferung des Egos im Feuer der Weisheit ist die höchste Form
des Opfers.
Die
Unterscheidung des Selbst vom Ego ist wie gesagt nicht einfach. Aber es
ist nicht unmöglich. Alle von uns können diese Unterscheidung
haben, wenn wir über den Zustand des Tiefschlafs nachdenken. Im
Schlaf „sind wir“, obwohl das Ego nicht da ist. Im Schlaf funktioniert
das Ego nicht. Und doch gibt es das „Ich“, welches Zeuge der
Abwesenheit des Egos sowie der Objekte ist. Wenn es das „Ich“ nicht
geben würde, könnte man sich beim Aufwachen nicht an seine
Schlaferfahrung erinnern und sagen „Ich habe gut geschlafen. Ich wusste
nichts“. Also haben wir zwei „Ichs“ - das pseudo- „Ich“, welches das
Ego ist, und das wahre „Ich“, das Selbst. Die Identifikation des „Ich“
mit dem Ego ist so stark, dass wir das Ego selten ohne seine Maske
sehen. Weiterhin dreht sich unsere gesamte relative Erfahrung um das
Ego. Mit dem Aufsteigen des Ego beim Erwachen vom Schlaf erhebt sich
gleichzeitig die gesamte Welt. Deshalb sieht das Ego so wichtig und
unangreifbar aus.
Aber
das ist in Wirklichkeit nur eine Festung aus Karten. Wenn einmal der
Prozess der Ergründung begonnen hat, wird man feststellen, dass es
zerbröckelt und sich auflöst. Um diese Ergründung
durchführen zu können, muss man einen scharfen Verstand
besitzen - viel schärfer, als er zur Enträtselung der
Geheimnisse der Materie sein muss. Mit dem gesammelten Intellekt kann
man die Wahrheit sehen (drsyate tu agraya buddhya). Es stimmt, dass
sich sogar der Intellekt auflösen muss, bevor die letzte Weisheit
aufdämmert. Aber bis zu diesem Punkt muss man ergründen -
unbarmherzig ergründen. Die Weisheit ist mit Sicherheit nicht
für die Faulen.
Die Ergründung „Wer
bin Ich?“ darf nicht als eine geistige Bemühung angesehen werden,
die dazu dient, die Natur des Geistes zu verstehen. Ihr Hauptzweck
liegt darin, „den gesamten Geist an seinem Ursprung zu sammeln“.
Der Ursprung des „Pseudo-Ich“ ist das Selbst. Was man bei der
Selbstergründung tut, ist, sich gegen die geistige Strömung
zu bewegen anstatt mit ihr, und schließlich das Gebiet der
mentalen Veränderungen zu transzendieren. Wenn man dem
„Pseudo-Ich“ bis zu seinem Ursprung nachspürt, verschwindet es.
Dann erstrahlt das Selbst in all seiner Herrlichkeit - und das wird
Verwirklichung oder Befreiung genannt.
Das
Bestehen oder Nicht-Bestehen des Körpers hat nichts mit der
Befreiung zu tun. Der Körper mag weiterhin existieren und die Welt
weiterhin erscheinen, wie im Falle des Maharshi. Das macht
überhaupt keinen Unterschied für das Selbst, welches
verwirklicht ist. In Wirklichkeit gibt es für ihn weder
Körper noch Welt - es gibt nur das Selbst, die ewige Existenz
(Sat), die Intelligenz (Cit), die höchste Seligkeit (Ananda). Eine
solche Erfahrung ist uns nicht vollkommen fremd. Wir haben sie im
Schlaf, wo wir weder der äußerlichen Welt der Dinge noch der
inneren Welt der Träume bewusst sind. Aber diese Erfahrung liegt
unter der Hülle der Unwissenheit. Und so kommen wir zu den
Phantasien der Welt der Träume und des Wachzustandes zurück.
Das Nicht-Zurückkehren zur Dualität ist nur möglich,
wenn die Unwissenheit beseitigt ist. Das möglich zu machen, ist
das Ziel des Vedanta. Auch den niedrigsten von uns Hoffnung zu geben
und uns aus dem Sumpf der Verzweiflung zu ziehen - darin liegt die
größte Bedeutung von so berühmten Beispielen wie dem
Maharshi.
Sri Ramanasramam,
Tiruvannamalai
Der
Sri Ramanasramam, wo Bhagavan Sri Ramana Maharshi gelebt und seine
ewige Botschaft des Advaita Vedanta gelehrt hat, liegt an einem
wunderschönen Ort am Westende der heiligen Stadt vom Arunachala -
Tiruvannamalai - und die Atmosphäre von Stille, Frieden und
Schönheit, die in den edlen Gebäuden vorherrscht, welche den
Ashram bilden und in denen verschiedene Aktivitäten
durchgeführt werden, muss man erfahren haben um sie zu glauben.
Der
gesamte Ashram ist ein idealer Ort zur ruhigen und stillen Meditation.
Menschen aller Nationalitäten sehen ihn als ihr Zuhause an.
Devotees
von Bhagavan Sri Ramana Maharshi, die seit seinem Mahanirvana (Tod)
noch nicht in Kontakt mit dem Ashram gekommen sind, haben ständige
Nachfragen über die Arbeit des Ashrams seit diesem Zeitpunkt
gemacht. Als Antwort auf solche Nachfragen sagen wir, dass Sri
Ramanasramam wie in den Tagen vor Sri Ramana Maharshis Mahanirvana
funktioniert. Die normalen Aktivitäten sind folgende:
1.
Sri Ramanasramam ist durchdrungen von der Gnade Bhagavan Sri Ramanas,
und der größte Nutzen, den er den Devotees aller Religionen
gegeben hat, ist geistiger Friede, Seligkeit und Glück.
Das
Hauptanliegen des Ashrams ist es, allen Devotees, die den besagten
Nutzen suchen, jede mögliche Hilfe zu geben. Viele Devotees
versammeln sich morgens und abends zur stillen Meditation und zum
Gebet, und sie bekommen alle Hilfe und Annehmlichkeiten, die sie
brauchen.
2.
Morgens und abends wird am Mahasamadhi (Todestag) von Sri Bhagavan und
an dem seiner Mutter, Sri Mathrubhuteswarar, Puja (Verehrungsfeier)
durchgeführt.
3.
Veda Parayana (Vorlesen der Veden) wird täglich morgens und abends
durchgeführt. Devotees sammeln sich zu beiden Zeiten an den
Heiligtümern zur Zeit des Arathi (Schwenken von Lichtern)
4.
Die alte Halle, in der Bhagavan immer saß, ist ein sehr
inspirierender Ort, und Devotees sammeln sich dort zur Meditation.
5.
Der Raum, in dem Bhagavans Brahma Nirvana stattfand, ist ein sehr
heiliger Ort für alle seine Devotees.
6.
Studiengruppen treffen sich in der neuen Halle und diskutieren Sri
Bhagavans Lehren.
7.
Um der Lehre Sri Bhagavans weitere Verbreitung zu geben, gibt der
Ashram vierteljährlich das Magazin The Mountain Path (Der
Bergpfad) heraus, welches in entfernte Teile der Welt geht.
Abonnementpreise:
Jährlich: In Indien 30 Rs., andere Länder 15 US-Dollar (ca.
23 DM) per Land-/Seeweg. Luftpostzuschlag ist von Land zu Land
unterschiedlich. Lebenslanges Abonnement: 500 Rs. in Indien, 250
US-Dollar (ca. 380 DM) andere Länder.
8.
Die Devotees von Sri Bhagavan besuchen den Ashram von nah und fern; sie
werden im Ashram untergebracht, und es werden keine Mühen
gescheut, ihren Aufenthalt bequem zu gestalten, so dass sie den Frieden
von Sri Bhagavans Gegenwart, welcher den Ashram durchdringt,
genießen können.
9.
Der Veda Patasala ist ein Teil des Ashrams, und die Jungen, die dort
studieren, bekommen kostenlose Ausbildung, Verpflegung und Unterkunft.
Sie bekommen Ausbildung in Yajur Veda, Sanskritliteratur, Englisch,
Tamil, Mathematik und Allgemeinwissen.
10.
Das SRI CHAKRA* (Meru Prasthara), welches Sri Bhagavan durch seine
Berührung gesegnet hat, befindet sich im Heiligtum der Mutter und
bekommt eine spezielle Puja an jedem Freitag, dem Vollmondtag und dem
Masa Pravesa-Tag (dem 1. Tag des Tamil-Monats). Die Devotees von Sri
Bhagavan nehmen sehr gerne an diesen Pujas Teil, um den Nutzen aus dem
Gottesdienst zu erhalten.
*(Ein
Sri Chakra, dieses höchste Mandala der Göttlichen Mutter,
wird als Ausdruck der Universellen Mutter verstanden und verehrt.)
11.
Der Gosala (Kuhstall?) wird wie zuvor in einem hervorragenden Zustand
instand gehalten. Die Milchversorgung für die Bedürfnisse des
Ashrams und der besuchenden Devotees ist angemessen und selbsttragend.
12.
Die Ashramküche funktioniert wie zuvor und versorgt etwa 75
Einwohner, besuchende Devotees und eine Reihe armer Menschen.
13.
Die kostenlose Apotheke funktioniert wie zuvor , und der Arzt gibt
seine uneingeschränkten ehrenamtlichen Dienste drei mal pro Woche.
14.
Der Ashram beschäftigt sich auch damit, neue
Veröffentlichungen herauszugeben und die alten in allen Sprachen
nachzudrucken. Die gesprochenen Worte Sri Bhagavans, welche damals dort
aufgezeichnet wurden, werden veröffentlicht. Preisliste auf
Anfrage.
15.
Der Ashram hat eine hervorragende Bibliothek von etwa 4000 bis 5000
Büchern in verschiedenen Sprachen über philosophische und
religiöse Themen für den kostenlosen Gebrauch der Devotees.
16.
Es wird jede Bemühung gemacht, den Ashram zu einem Zentrum zu
machen, von wo aus die Botschaft Sri Bhagavans ausstrahlt.
17.
Der Ashram hat eine dauerhafte Liste von lebenslangen Mitgliedern, und
Devotees von Bhagavan Sri Ramana Maharshi tragen sich darin ein, indem
sie 100 Rs. (30 US-Dollar, ca. 45 DM) bezahlen. Sie werden durch
Mitteilungen in Kontakt mit dem Ashram gehalten - wenigstens vor und
nach dem JAYANTHI und ARADHANA von Sri Bhagavan. ---- Seit 1993 nicht
mehr möglich
18. Der Ashram lebt
ausschließlich von freiwilligen Spenden der Devotees.
Möge seine Gnade jederzeit
mit allen sein.
Ramana Maharshi oder als PDF-Dokument
Top
Biographie
Ramana Maharshi II Top
Venkataraman,
der spätere Ramana Maharshi (Maharshi bedeutet "Großer
Weiser", von maha - groß + rishi - Weiser), wurde am 30. Dezember
1879 in Tiruchuli, einem Dorf ca. 48 km südlich von Madurai im
südindischen Bundesstaat Tamil Nadu geboren. Gestorben ist er am
14. April 1950 in Tiruvannamalai am Berg Arunachala (Tamil Nadu). Er
war einer der großen Rishis (Weisen), wie sie der altindischen
Tradition des Advaita-Vedanta entsprechen. (Advaita = Nicht-Zweiheit,
die Grundlehre des Vedanta, das Ende und zugleich die Erfüllung
der Veden). Nach einem Erleuchtungserlebnis in jungen Jahren wandelte
sich sein Leben schlagartig und vollständig. Er lebte fortan 54
Jahre als selbstverwirklichter Weiser am Berg Arunachala, wo ihn
Menschen aller Nationen und aller Glaubensrichtungen aufsuchten, um
seine machtvolle und stille Gegenwart auf sich wirken zu lassen und ihm
ihre Fragen vorzulegen.
Ramana,
wie er von nun an bezeichnet werden soll, dessen Vater Sundaram Iyer
Brahmane (ein Angehöriger der obersten Kaste) war, arbeitete als
unstudierter Anwalt in Tiruchuli. Seine Mutter Alagammal war schon als
Kind mit Sundaram verheiratet worden. Beide führten ein frommes
Leben und pflegten ausgesprochen großzügige
Gastfreundschaft. Venkataraman kam am Montag, dem 30. Dezember 1879,
als zweiter von drei Söhnen und einer Tochter eine Stunde nach
Mitternacht zur Welt. Die Umstände seiner Geburt sind insofern
erwähnenswert, als in ganz Südindien ein hoher Shiva-Festtag
(der Arudra Darshan) gefeiert wurde, an dem die Statue Shiva Natarajans
(der tanzende Shiva) in feierlicher Prozession durch die Straßen
der Dörfer und Städte getragen wird. Um 1 Uhr nachts, als die
Prozession den Tempel in Tiruchuli wieder erreichte, war Ramanas
Geburtsstunde.
Venkataramans
Jugend war durch keine Besonderheiten gekennzeichnet, außer dass
er ungewöhnlich tief schlief. Des Nachts kamen seine Freunde zu
ihm, um ihm allerlei Possen zu spielen. Sie schleppten ihn außer
Haus und schubsten ihn herum, ohne dass er sich dessen bewusst war.
Ansonsten war er ein normaler Junge, der lieber spielte, Sport trieb
und Streiche ausheckte, als sich der Schule zu widmen. Er war gesund
und stark und wurde von seinen Mitschülern und Freunden geachtet.
In Tiruchuli besuchte er die Grundschule und anschließend
für 1 Jahr eine weiterführende Schule in Dindigul.
Als
er 12 Jahre alt war, starb sein Vater. Er und sein älterer Bruder
Nagaswami wurden bei Subba Iyer, einem Onkel väterlicherseits, in
Madurai untergebracht, während seine Mutter mit den beiden anderen
Kindern bei dem anderen Onkel Nelliappa Iyer in Manamadurai unterkam.
Fortan lebte die Familie getrennt. Venkataraman besuchte die Scotts
Middle School und später die American Mission High School in
Madurai.
Ein
Vorbote seines Erleuchtungserlebnisses war eine Begegnung mit einem
Verwandten kurz vor seinem 16. Geburtstag. Von ihm hörte er zum
ersten Mal vom heiligen Berg Aruanchala (Berg der Morgenröte), bei
der Stadt Tiruvannamalai in der weiten Ebene Südindiens gelegen.
Geologisch gehört er zum ältesten Bestand der Erde, gilt als
einer der großen Wallfahrtsorte Indiens und wird als
Manifestation Shivas verehrt. Der Verwandte erzählte dem jungen
Ramana, er käme gerade von dort. Ramana der die Geschichten
kannte, die sich um den heiligen Berg ranken, aber bis dahin keinen
realen Ort damit verbinden konnte, war die Tatsache, dass es diesen
Berg tatsächlich gibt, wie eine Offenbarung. Der heilige Name
"Arunachala" war von Kindheit an in seinem Herzen gegenwärtig
gewesen. Auch las er in dieser Zeit das erste spirituelle Buch seines
Lebens, die Legenden der 63 Shiva-Heiligen, die in Sekkilars Periyapuranam
gesammelt sind. Diese Heiligen hatten ihr Zuhause verlassen und allem
entsagt, um die Gnade Shivas zu erlangen.
Mitte
Juli 1896 ereignete sich die große Wende in seinem Leben. Eines
Tages, als er allein Zuhause war, wurde er von einer plötzlichen,
aber unmissverständlichen Todesangst ergriffen, obwohl er keine
gesundheitlichen Beschwerden hatte. Er dachte: "Ich sterbe jetzt!" Die
Panik bewirkte, dass er seine ganze Aufmerksamkeit nach innen wandte
und sich fragte, was denn der Tod eigentlich bedeute, wer oder was es
ist, das stirbt? Er sagte sich, es sei der Körper und spielte die
Todesszene nach, indem er den Atem anhielt, seine Glieder streckte und
sich steif hielt, als hätte die Totenstarre eingesetzt. Er stellte
sich vor, wie seine Leiche zum Verbrennungsplatz getragen und zu Asche
werden würde. Er fragte dabei tief im Innern, ob dieser
Körper "ich" sei, ob er selbst nun tatsächlich gestorben sei.
In diesem intensiven Prozess erkannte er schlagartig und völlig
klar, dass es etwas in ihm gab, das unsterblich war und dass dies das
wahre "Ich" (Selbst/Atman) ist, das unabhängig vom Körper
existiert.
Er
beschreibt seine Erfahrung folgendermaßen: "Der materielle
Körper stirbt, aber der ihn transzendierende Geist kann vom Tod
nicht berührt werden. Deshalb bin ich unsterblicher Geist"."Ich"
war etwas Wirkliches, in dem Zustand das einzig Wirkliche
überhaupt, und die gesamte bewusste Aktivität, die mit meinem
Körper verbunden war, war jetzt daraufhin konzentriert. Von diesem
Zeitpunkt an hielt eine machtvolle Faszination meine gesamte
Aufmerksamkeit am ‚Ich' oder meinem Selbst fest. Die Todesangst war ein
für allemal verschwunden. Das Verschmolzensein im Selbst hat von
diesem Moment an bis heute fortbestanden. Andere Gedanken mögen
kommen und gehen wie die verschiedenen Noten bei einem Musiker, aber
das ‚Ich' besteht fort wie die Grundnote, die alle anderen Noten
begleitet und sich mit ihnen vermischt. Mochte der Körper mit
Sprechen, Lesen oder etwas anderem beschäftigt sein, ich war immer
auf das ‚Ich' konzentriert."
Nach
diesem Todeserlebnis verlor der junge Ramana jedes Interesse an Sport
und Spiel, an seinen Freunden, ja selbst am Essen, und das letzte
Interesse an der Schule war verschwunden. Er saß oft zuhause und
meditierte mit geschlossenen Augen, doch er sprach mit niemandem
über sein Erlebnis. Er verhielt sich allem gegenüber
völlig indifferent. Er wurde sanftmütig und verteidigte sich
nicht mehr wie früher. Er berichtet: "Als ich mit ausgestreckten
Gliedern dalag, im Geist die Todesszene spielte und mir bewusst wurde,
dass ich lebte, obwohl der Körper weggetragen und verbrannt werden
würde, stieg eine Kraft in mir hoch - nenne sie die Kraft des
Selbst (Atman) oder anders - und nahm von mir Besitz. Damit wurde ich
wiedergeboren und ein neuer Mensch. Ich wurde allem gegenüber
gleichmütig und hatte weder Vorlieben noch Abneigungen."
Auch
spürte er eine tiefe Neigung zu Bhakti (Hingabe an Gott) und
begann, regelmäßig den berühmten Meenakshi-Tempel zu
besuchen, in dessen Nähe er wohnte. Dort stand er vor den
Götterstatuen und Heiligenbildern und vergoss Tränen. Er
beschreibt es als ein "Überfließen der Seele". Sein
älterer Bruder machte sich über sein Verhalten lustig, nannte
ihn einen "Erleuchteten" und meinte höhnisch, er möge sich
doch, wie die alten Seher der Vorzeit, in einen dichten urzeitlichen
Wald zurückziehen.
Am
29. August, etwa 6 Wochen nach seinem großen Erlebnis, kam es zu
einer Krise. Er hatte als Strafarbeit eine Englischlektion aufbekommen,
die er dreimal abschreiben musste. Nach der zweiten Abschrift hielt er
inne, da ihm diese Tätigkeit völlig sinnlos vorkam. Er
räumte die Arbeit beiseite und setzte sich kerzengerade in
Yogihaltung hin. Als das sein älterer Bruder Nagaswami sah, meinte
er, einer, der sich so aufführe, habe kein Recht mehr auf die
Annehmlichkeiten des häuslichen Lebens. Diesmal traf der Schuss
ins Schwarze. Ramana entschloss sich spontan, sein Zuhause zu verlassen
und zum Arunachala zu gehen. Ohne Bescheid zu sagen (er
hinterließ nur eine kurze Notiz, dass er fortgegangen sei und
sich niemand um ihn zu sorgen brauche), brach er zu der ersten und
letzten längeren Reise seines Lebens auf, die 3 Tage dauern
sollte. Ein Zufall hatte ihm 5 Rupien in die Hände gespielt, womit
er den ersten Abschnitt seiner Reise mit dem Zug bezahlen konnte.
Auf
abenteuerliche Weise und mit großen Entbehrungen erreichte er am
1. September 1896 sein Ziel: Arunachala. Dort angekommen eilte er in
den innersten Schrein des großen Arunachaleswara-Tempels in
Tiruvannamalai, dessen Türen wie zum Willkommen offen standen,
obwohl weder Besucher noch Priester zu sehen waren, und verbrachte dort
eine Zeit lang in Ekstase. Danach entledigte er sich allem, was er noch
besaß (etwas Geld, einige Süßigkeiten, die ihm eine
Frau mit auf den Weg mitgegeben hatte, und seine Brahmanenschnur - ein
Zeichen seines Standes). Seinen Dhoti (indisches Kleidungsstück
für Männer) riss er in Stücke und trug fortan nur noch
ein Lendentuch. Den Kopf ließ er sich kahl scheren. Obwohl dies
alles Zeichen für die Lebensform eines Wandermönchs
(Sannyasins) sind, ließ er sich nie formell als Mönch
einweihen.
Zunächst
lebte er im berühmten Arunachaleswara-Tempel in Tiruvannamalai. Er
war so sehr in sein inneres Sein versunken (Samadhi), dass er weder die
Folge von Tag und Nacht, noch Hunger und Durst spürte, genauso
wenig das Ungeziefer, das ihn biss und stach. Hätten nicht andere
ihm zu essen gebracht, ja ihn gefüttert, da er nichts von dem
anrührte, was man vor ihn hinstellte, hätte er nicht
überlebt. Die ersten Wochen verbrachte er in der
Tausendsäulenhalle des Tempels. Als er dort von
Straßenjungen belästigt wurde, die mit Steinen und Scherben
nach ihm warfen, suchte er im Patala Lingam (einem unterirdischen,
fensterlosen Schrein unterhalb der Tausendsäulenhalle) Zuflucht.
Der Schrein war völlig verwahrlost und wurde nie gereinigt. Es
wimmelte dort nur so von Ungeziefer wie Asseln, Ameisen, Wespen und
Moskitos. Doch der junge Swami saß bewegungslos mit gekreuzten
Beinen im Yogasitz und spürte nichts von alledem.
Die
Unterseiten seiner Schenkel waren bald mit Geschwüren bedeckt, aus
denen Blut und Eiter flossen. Die Narben blieben bis zu seinem
Lebensende sichtbar. Als ein Besucher auf seinen Besorgnis erregenden
körperlichen Zustand hinwies, brachte man ihn aus diesem
Verließ und setzte ihn beim Subrahmanian-Schrein ab. Ramana
wohnte danach in verschiedenen Bereichen des Tempels: im Tempelgarten,
im Lagerraum der Tempelwagen und unter einem großen Illupai-Baum
(Breiapfelbaum?) im äußeren Bereich des weitläufigen
Tempelgeländes. Keiner wusste, woher er kam und wie er hieß.
Man nannte ihn "Brahmana Swami" (der Swami vom Brahmanengeschlecht).
Diesen Namen hatte ihm Seshadri Swami gegeben, der als Sadhu
(Wandermönch) ebenfalls im Tempel lebte, den jungen Asketen sehr
verehrte und versuchte, ihn gegen die Jungen zu schützen.
Bald
stellten sich die ersten Verehrer ein, die sich sporadisch um
Ramana kümmerten und ihn schließlich nach Gurumurtam
(einem kleinen Schrein am Stadtrand) brachten, wo es stiller war und er
ungestörter leben konnte. Doch auch dort stellten sich zunehmend
Besucher ein. Ramana war wegen seines tiefen Samadhi (Versenkung) und
der völligen Gleichgültigkeit seinem Körper
gegenüber berühmt geworden. Seine Haare waren lang und
verfilzt, seine Fingernägel wurden nie geschnitten, und auch sonst
kümmerte er sich nicht um sein Äußeres. An der Stelle,
wo er saß, wimmelte es nur so von Ameisen, die ihn bissen, doch
er spürte es nicht. Schließlich setzten ihn seine
Anhänger auf einen Stuhl und stellten die Stuhlbeine in
Wasserkrüge, doch die Ameisen liefen die Wand hinauf und bissen
ihn in den Rücken, den er an die Wand gelehnt hatte.
Eines
Tages wurde dort seine Anonymität gelüftet. Ein Besucher
bedrängte ihn so lange, seine Herkunft preiszugeben, bis er
nachgab und Name sowie Geburtsort niederschrieb, da er zu dieser Zeit
nicht sprach. Als erster ständiger Begleiter gesellte sich
schließlich Palaniswami zu Ramana und kümmerte sich
beständig um ihn. Er schütze ihn vor den Besuchermassen,
brachte ihm das Essen und sorgte auch dafür, dass er
regelmäßig badete. Später verbrachten die beiden ein
halbes Jahr lang alleine und ungestört in einem angrenzenden
Mangohain und lebten dort in zwei winzigen Unterständen.
Palaniswami, der Zugang zur Bibliothek der Stadt hatte, brachte
Bücher in tamilischer Sprache über Vedanta mit. Als Ramana
sie las, verstand er spontan, dass seine eigene Erfahrung sich mit dem
Inhalt dieser Bücher deckte. Auf diese Weise begann er, die
reichhaltige Vedanta-Literatur kennen zu lernen.
Die
Nachricht von Ramanas Aufenthalt war inzwischen bei seinen Verwandten
angelangt. Es war in diesem Mangohain im Mai 1898, als sein Onkel
Nelliappa Iyer ihn aufspürte und ihn bedrängte, nach Hause zu
kommen. Doch Ramana blieb standfest und reagierte nicht. Der Onkel
musste unverrichteter Dinge von Dannen ziehen. Bald darauf begann
Ramana, sich selbst um seine Nahrung zu kümmern und ging in
Tiruvannamalai betteln. Zu Weihnachten 1898 kam ihn seine Mutter in
Begleitung seines Bruders Nagaswami besuchen. Auch sie versuchte alles,
ihren Sohn nach Hause zurückzuholen, flehte und weinte, doch es
war wiederum vergeblich.
Ramana
schrieb für sie folgende Worte auf ein Stück Papier: "Der
Schöpfer waltet über das Schicksal der Seelen nach ihren
früheren Taten, wie es ihrem Prarabdhakarma (die aus früherem
Karma sich ergebende Lebenssituation) entspricht. Was immer bestimmt
ist, nicht zu geschehen, wird nicht geschehen, wie sehr du es auch
herbeiführen möchtest. Was immer bestimmt ist zu geschehen,
wird geschehen, was immer du auch unternimmst, es aufzuhalten. Das ist
gewiss. Deshalb ist es das Beste zu schweigen."
Bald
darauf ließ sich Ramana in verschiedenen Höhlen auf dem Berg
nieder. Von 1899-1916 bewohnte er die Virupaksha-Höhle, die etwa
100 Meter oberhalb des Arunachaleswara-Tempels am Südosthang liegt
und im innersten Bereich die Überreste des Heiligen Virupakshadeva
enthält (eines Heiligen aus dem 13. Jh., der sich dort strengen
Bußübungen unterzogen hatte). Ramana lebte dort mit einigen
Gefährten, die sich ihm inzwischen angeschlossen hatten, ein
äußerst einfaches Leben in völliger Besitzlosigkeit.
Manchmal war nicht genügend zum Essen da, doch er lehrte sie, mit
allem zufrieden zu sein und um nichts zu bitten und teilte stets alles
mit allen. Einfaches Volk kam zu ihm und suchte seine Nähe und
Führung, so z. B. Echammal, die ihre Familie verloren hatte und in
Ramanas Gegenwart die lang ersehnte innere Ruhe fand. Sie wohnte fortan
in seiner Nähe und legte das Gelübde ab, erst dann selbst zu
essen, wenn sie ihm eine Mahlzeit gebracht hatte. Kinder kamen aus
eigenem Antrieb den Berg hinauf. Auch Tiere fühlten sich von
Ramana angezogen. Vögel und Streifenhörnchen bauten ihre
Nester in seiner Nähe.
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Die
Virupaksha-Höhle, in der Ramana von 1899 bis 1916 lebte
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Unter
den Besuchern waren zunehmend spirituell Suchende wie Gambiram Seshayya
und Sivaprakasam Pillai, die ihm ihre Fragen stellten oder spirituelle
Bücher brachten, aus denen sie einige Punkte erläutert haben
wollten. Da Ramana immer noch schwieg, schrieb er die Antworten
entweder mit Kreide auf Schiefertafeln oder auf kleine Zettel.
1900-1902 entstanden auf diese Weise zwei Sammlungen aus Fragen und
Antworten, die später als die frühesten Werke Ramanas
veröffentlicht wurden: Vichara Sangraham (Selbstergründung)
und Nan Yar (Wer bin ich?). Vor allem Nan Yar enthält die volle
Quintessenz dessen, was Ramana sein Leben lang lehrte und beschreibt
den Weg der Selbstergründung, die Suche nach der Quelle des Ich.
Eine
Besonderheit Ramanas ist sein inniger Bezug zum Berg Arunachala. Er
kannte ihn wie seine Westentasche und liebte es, ihn zu erkunden und
ihn im Uhrzeigersinn zu umrunden (Giripradakshina), was eine alte und
viel geübte Form der Verehrung und Meditation im Hinduismus ist.
Er empfahl diese Praxis auch seinen Anhängern und Besuchern, die
ihn oft auf seiner Wanderschaft begleiteten. Arunachala spielte
für Ramana in gewissem Sinn die Rolle eines Gurus. Dies kommt in
den 5 Hymnen zum Ausdruck, die er 1913-1914 zum Lobpreis an Arunachala
schrieb. Davon am bekanntesten ist sein Lied "Die Hochzeitsgirlande",
das aus 108 Versen besteht und in dem die Braut (der Verehrer/Bhakta,
die Seele) dem Bräutigam (dem Geliebten, dem Selbst in Form des
Berges) huldigt und seine höchste Liebe zum Ausdruck bringt. Es
gehört in den Bereich religiöser Liebeslyrik. Eine Gruppe der
Gefährten Ramanas ging in die Stadt hinunter, um sich die Nahrung
für die Gemeinschaft zu erbetteln und sang dabei diese Hymne. Die
Stadtbewohner wussten dann, dass es sich um Anhänger Ramanas
handelte.
Am
18. November 1907 fand die schicksalhafte Begegnung Ganapati Munis mit
Ramana statt. Ganapati Muni war ein in Indien bekannter
Sanskritgelehrter und -dichter, der sich intensiven spirituellen
Übungen (v.a. Mantra-Japa) unterzog und einen eigenen
Schülerkreis hatte. Mit seinen Übungen verfolgte er auch ein
sozial-politisches Ziel, denn er träumte von einem erneuerten
Indien. Als er an jenem Tag, von inneren Zweifeln über seine
spirituelle Praxis geplagt, Ramana auf dem Berg aufsuchte, brach Ramana
zum ersten Mal sein langjähriges Schweigen und lehrte
mündlich: "Wenn
man beobachtet, wo die Vorstellung des ‚Ich' ihren Ursprung nimmt, wird
der Geist von diesem Ursprung aufgesogen. Das ist Tapas (Askese oder
Bußübung). Wenn man ein Mantra wiederholt und seine
Aufmerksamkeit auf den Ursprung lenkt, wo der Laut des Mantra erzeugt
wird, wird der Geist von diesem Ursprung aufgesogen. Das ist Tapas."
Als
Ganapati Muni die Antworten auf seine Fragen vernahm, erkannte er in
Ramana seinen spirituellen Meister und machte ihn in Indien als
"Bhagavan Sri Ramana Maharshi" (erhabener großer Seher Ramana)
bekannt. Seitdem wird von "Ramana Maharshi" gesprochen. Im Gegenzug
brachte er dem Maharshi vieles aus der Sanskrit-Literatur nahe. Auf
seine Veranlassung hin schrieb Ramana seinen ersten Vers in Sanskrit,
der die Quintessenz seiner Lehre enthält, und der in der "Ramana
Gita" Ganapati Munis (eine Sammlung der Lehre Ramanas) Einlaß
fand: "Mitten in der Höhle des Herzens scheint allein Brahman. Es
strahlt dort als Atman, das Selbst, und wird unmittelbar als ‚Ich-Ich'
erfahren. Dringe ein in dieses Herz, indem du Selbstergründung
übst oder in ihm tief untertauchst oder den Atem unter Kontrolle
hältst, und bleibe beständig im Selbst."
1911
kam der Engländer Frank H. Humphreys als erster westlicher
Schüler zu Ramana Er war als Polizist in der Gegend stationiert.
Über seine erste Begegnung mit Ramana schreibt er: "Eine halbe
Stunde lang schaute ich in seine Augen, die ihren Ausdruck tiefer
Versenkung nie veränderten. Das Verständnis dämmerte in
mir, dass der Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist.
Unwillkürlich spürte ich, dass sein Körper nicht der
Mann war, sondern das Instrument Gottes, nur ein bewegungslos
dasitzender Leichnam, aus dem Gott furchterregend ausstrahlte. Ich kann
meine Gefühle nicht beschreiben." Einige Jahre später gab
Humphreys seinen Posten bei der Polizei auf und trat in ein
christliches Kloster in England ein. Dort verlieren sich seine Spuren.
1912
ereignete sich in Ramanas Leben eine Art zweiter Todeserfahrung, die
diesmal auf eine reale körperliche Situation
zurückzuführen war. Er hatte mit seinen Gefährten
Palaniswami, Vasudeva Sastri und anderen ein Bad im Wasserspeicher des
Pachaiamman-Tempels genommen und war in der stechenden Sonne auf dem
Rückweg zur Virupaksha-Höhle. Als er den Tortoise Felsen
(Schildkröten-Felsen) erreichte, setzte plötzlich sein
Herzschlag aus und sein Körper verfärbte sich dunkel. Seine
Gefährten dachten, er sei gestorben. Wiederum war er sich
währenddessen des Flusses des Selbst bewusst. Dann kehrte wieder
Leben in ihn zurück. Zuweilen ist in den Biographien zu lesen,
dass dieses Ereignis den endgültigen Übergang Rmanas zu einem
äußerlich normalen Leben auslöste. Seit einiger Zeit
hatte er wieder zu sprechen und regelmäßig zu essen
begonnen. Er pflegte seinen Körper und verrichtete allerlei
häusliche Arbeiten. Er schnitzte gerne Spazierstöcke sowie
Löffel und Tassen, die er dann verschenkte. In der Folge
entwickelte er viel Talent für allerlei häusliche Arbeiten
wie z.B. für das Kochen. Er war äußerst reinlich,
sparsam im Umgang mit allen Dingen und umsichtig in allem Tun.
1916
stieß seine Mutter Alagammal zu der kleinen Gemeinschaft, denn
sie hatte Angehörige verloren und wollte ihren Lebensabend bei
ihrem mittleren Sohn verbringen. Die Virupaksha-Höhle war für
die wachsende Gemeinschaft zu klein geworden. Deshalb errichtete ein
Anhänger namens Kandaswami etwas weiter oben am Berg den nach ihm
benannten Skandashram. Von 1916-1922 wohnte die Gemeinschaft dort. Die
Mutter begann, einen geregelten Haushalt zu führen und für
die Gemeinschaft zu kochen. 1918 stieß auch der jüngere
Bruder Nagasundaram, der inzwischen Witwer geworden war, zu Ramana und
führte ein Leben als Sannyasin. Man nannte ihn fortan
"Chinnaswami" ("kleiner Swami"), da er der Bruder des großen
Swami war.
1922
wurde seine Mutter Alagammal ernsthaft krank. Ramana kümmerte sich
um sie und verbrachte viele Stunden an ihrem Bett. Am 19. Mai 1922,
ihrem Sterbetag, saß er an ihrer Seite, legte seine rechte Hand
auf ihre Brust (dem Ort des spirituellen Herzens, auf der rechten Seite
der Brust) und seine linke auf ihre Stirn, bis sie ruhig wurde. Er
ließ seine Hände in dieser Position liegen, bis sie
gestorben war, und auch noch einige Zeit danach. Dann war er sicher,
dass sie die letzte Befreiung erlangt hatte. Diese Praxis hat
Ramana auch bei Palaniswami und einigen Tieren vollzogen. Die
Handauflegung soll dem Geist (engl. "mind") helfen, in seiner Quelle,
dem spirituellen Herzen, unterzugehen. Wenn das geschieht, wird damit
die endgültige Befreiung erreicht. Das spirituelle Herz
lokalisiert Ramana auf der rechten Seite der Brust (nicht zu
verwechseln mit dem Herz-Chakra im Yoga, das sich in der Mitte
befindet). Er macht aber auch wiederholt deutlich, dass das Herz
letztlich kein körperliches Zentrum ist, sondern die Mitte oder
der Grund von allem, was existiert.
Ramanas
Mutter, Alagammal, wurde mit allen Ehren am Fuße des Berges
begraben. Über ihrem Grab wurde ein einfacher Schrein errichtet.
Fortan wurde dort regelmäßig die Puja (Gottesdienst)
gefeiert und Ramana und seine Gefährten besuchten täglich den
Schrein. Im Dezember 1922 siedelten er und seine Gefährten
endgültig zum Grab der Mutter um. Das war die Geburtsstunde vom
Ramanashram, der über die Jahre wuchs und anfangs nur aus wenigen
Hütten bestanden hatte. Ab 1929 übernahm sein jüngerer
Bruder Chinnaswami die Ashram-Verwaltung. 1928 wurde die berühmte
Alte Halle fertig gestellt. Dort war Ramana Tag und Nacht anzutreffen.
Der Besucherstrom nahm zu. Es hatte sich ein Schülerkreis
gebildet, der aus Anhängern bestand, die ständig bei ihm
wohnten und solchen, die regelmäßig zu Besuch kamen.
Unterkünfte
für die Besucher, Küche und Speisesaal, Büro, Buchladen
und eine Apotheke, der Kuhstall und die Veda-Schule folgten. 1925 war
neben dem Ashram die Sadhu-Kolonie Palakothu (Sadhu = Bettelmöch)
entstanden, in der Schüler des Maharshi wohnten, die sich ganz der
Meditation widmeten. Für Familien entstand ein kleines Wohngebiet
in der Nähe namens "Ramana Nagar". Der Maharshi legte ein
natürliches Talent für die Planung der Bauprojekte an den
Tag. Die meisten Bauten entstanden nach seinen einfachen Plänen.
Das größte Bauvorhaben, der Tempel der Mutter, der den
einfachen Schrein über ihrem Grab ablöste, wurde allerdings
von einem örtlichen Tempelbaumeister ausgeführt. Nach
10jähriger Arbeit wurde er 1949 zusammen mit der Neuen Halle
fertig gestellt und eingeweiht.
In
den früheren Jahren im Ashram betätigte sich Ramana als
umsichtiger Koch und führte die Küche. Später war das
wegen des zunehmenden Besucherstroms und der zahlreichen Bauprojekte
nicht mehr möglich. Besucher saßen meist in Stille bei ihm
in der Alten Halle. Manche stellten ihre Fragen und er beantwortete
sie. Viele dieser Gespräche sind überliefert worden und geben
ein reiches Zeugnis von den täglichen Ereignissen in der Halle.
Ramana war auch ein hervorragender Geschichtenerzähler und
bediente sich dazu gerne der Erzählungen aus dem Periyapuranam und
anderer spiritueller Werke. Ramana war stets für Menschen und
Tiere zugänglich. Einladungen nahm er nie an, denn dann wäre
er für die Besucher nicht mehr verfügbar gewesen. Der
Stundenplan im Ashram unterlag zunehmend strenger Regelungen. In
späteren Jahren war er ständig von Menschen umlagert. Er
musste so eingeschränkt wie ein Gefangener leben und konnte keinen
Schritt mehr ohne Begleitung tun.
Zu
Ramanas Verehren und Schülern zählten Menschen aus allen
Ständen und jeder Bildung. Unter ihnen war auch der bekannte
Tamil-Poet Muruganar, der in einigen tausend Versen die Lehre Ramanas
poetisch niederlegte. Kunju Swami, Echammal, Narasimha Swami, Yogi
Ramiah, Munagala S. Venkataramiah, S.S. Cohen, Suri Nagamma waren
weitere Devotees, um nur einige Namen zu nennen. Später
stießen auch westliche Verehrer zu ihm wie Paul Brunton (der
durch sein Buch: "A Search in Secret India" den Maharshi im Westen
bekannt gemacht hat), Major Chadwick und Arthur Osborne. Mercedes De
Acosta, Somerset Maugham und Henri Le Saux besuchten ihn und einmal
hätte beinahe ein Treffen mit Mahatma Gandhi stattgefunden. Nicht
erwähnt sind all die Vielen, die keinen bekannten Namen tragen.
Tiere
fühlten sich in Ramanas Nähe besonders wohl. Er behandelte
sie mit Verständnis und Respekt und sprach mit ihnen. Affen,
Streifenhörnchen, Kühe, Spatzen, Hunde, sie alle kamen zu
ihm. Es gibt zahllose Tiergeschichten. Das berühmteste der
Ashramtiere war aber die Kuh Lakshmi. Auch ihr verhalf Ramana zur
letzten Befreiung, wie er es bei seiner Mutter getan hatte. Lakshmis
Grab findet sich neben anderen Tiergräbern auf dem
Ashramgelände.
Ramanas
Gesundheit war nie besonders stabil. In späteren Jahren litt er
zunehmend an Rheumatismus. 1949 (mit 70 Jahren, ein Jahr vor seinem
Tod) wurde ein Krebsgeschwür an seinem linken Arm (unterhalb des
Ellenbogens) entdeckt. Das Geschwür wurde viermal operiert.
Über ein Jahr lang wurden alle möglichen Heilmethoden an ihm
ausprobiert. Als ein Arzt ihm vorschlug, den Arm zu amputieren,
weigerte er sich: "Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung. Der
Körper selbst ist eine Krankheit. Lass ihn sein natürliches
Ende nehmen." Der Besucherstrom nahm in dieser Zeit erhebliche
Ausmaße an, doch Ramana bestand darauf, dass alle ihn sehen
konnten, so weit das möglich war. Er blieb gelassen und war der
ruhende Pol in all dem geschäftigen Treiben.
Am
14. April 1950 starb Ramana Maharshi ohne Todeskampf, mit einem
gütigen Lächeln auf den Lippen und Tränen in den Augen,
während Devotees das Akshara Mana Malai ("Die Hochzeitsgirlande")
sangen. In der Todesminute um 20:47 Uhr wurde von vielen Menschen ein
meteorähnliches Gebilde (Leuchterscheinung am Himmel, der durch
einen Meteoriten verursacht wird) am Horizont wahrgenommen, das langsam
Richtung Arunachala zog und hinter dem Gipfel des Berges verschwand. Am
16. April 1950 wurde R. feierlich bestattet.
Die
Anhänger Ramanas reagierten zunächst schockiert. Nach seinem
Tod verließen die meisten den Ashram, der dadurch in finanzielle
Nöte geriet und nahezu verwaiste und verkam. Allmählich
erkannten seine Anhänger jedoch, dass der Meister nicht wirklich
fortgegangen war, sondern in ihren Herzen weiterlebte. Es setzte eine
große Rückkehrwelle ein. Heute ist Ramanashram ein
international viel besuchtes spirituelles Zentrum.
Sri
Ramanas Lehre ist von großer Schlichtheit geprägt.
Zeitlebens hat er nur wenige Schriften selber verfasst und auch nur
dann, wenn er dazu veranlasst worden war. Neben den bereits
erwähnten Sammlungen von Fragen und Antworten (Nan Yar und Vichara
Sangraham) schrieb er 1914 seine fünf berühmten Hymnen
Arunachala zu Ehren. 1912-1929 waren Upadesa Undiyar (Dreißig
Merksprüche), Upadesa Manjari (Die spirituelle Unterweisung) und
Ulladu Narpardu (Vierzig Verse) mit Ergänzungsversen entstanden.
Ramana
war im Laufe der Jahre durch den Umgang mit gebildeten Devotees vieles
aus der Advaita-Literatur bekannt geworden. Teile daraus, die ihm
besonders wichtig waren, übersetzte er in den 30er und 40er Jahren
ins Tamil. So stellte er z. B. 30 Verse aus der Bhagavad Gita zusammen,
übersetzte Teile aus Shankaras (Philosoph des Advaita vedante)
Werken und aus den Agamas (heilige Hinduschriften), die allesamt in den
"Collected Works" enthalten sind. Des Weiteren dichtete er Fünf
Sanskritstrophen auf den Arunachala (Arunachala Pancharatna) und
übersetzte 1927 sein eigenes tamilisches Werk der Dreißig
Merksprüche (Upadesa Undiyar) ins Sanskrit (Upadesa
Saram, siehe unten), ins Malayalam und ins Telugu.
Ramanas
Lehre stellt nichts wesentlich Neues dar. Er lehrte vorwiegend Atma
Vichara (Selbstergründung), wobei er auf die Bedürfnisse
jedes einzelnen einging und auch alle anderen spirituellen Wege
unterstützte. Allerdings war er der Auffassung, dass jeder
spirituelle Pfad letztendlich in Atma Vichara (Selbstergründung)
münden würde und dass Atma Vichara der direkteste Weg von
allen sei. Bei der Selbstergründung wird bei dem bereits Bekannten
angesetzt, nämlich beim eigenen Ich-Empfinden. Es wird erforscht,
wo seine Quelle ist. Der Ich-Gedanke ist die Wurzel aller anderen
Gedanken. Er erhebt sich nach dem Erwachen am Morgen und geht im
Tiefschlaf wieder unter. Er ist also nicht beständig. Doch woher
kommt dieses Ich-Bewußtsein? Nach Ramanas Lehre geht man den Weg
des auswärts strebenden Geistes zurück und wendet ihn sich
selbst zu. Man verfolgt, woher dieses "Ich" eigentlich kommt.
Ramana
empfiehlt, sich die Frage "Wer bin ich" zu stellen. Die Antwort darauf
kann der Intellekt nicht geben, aber wenn die Zeit gekommen ist und die
Übung (Sadhana) intensiv betrieben wird, wird sie sich von selbst
einstellen und als das ewige und unzerstörbare pulsierende "Ich"
(Ramana nennt es "Ich-Ich") des Selbst (Atman = Seele, Brahman = Gott)
beständig erstrahlen. Damit ist dann das Ego endgültig in
seine Quelle untergegangen und das wahre Selbst tritt an seine Stelle,
was zuletzt zu einer unverrückbaren und unumkehrbaren Erfahrung
wird. Dieser Zustand wird im Advaita auch als
"Sein-Bewußtsein-Seligkeit" (sat chit ananada) umschrieben. Dies
entspricht der Lehre der Upanishaden und des Vedanta. Zugleich betont
Ramana, dass dieses Sadhana (spirituelle Übung) des Atma Vichara
(Selbstergründung) die höchste Form von Hingabe (Bhakti) ist.
Ramanas
Besonderheit war, dass er weniger durch Worte, als vielmehr durch
Schweigen lehrte. Der intensive Blick seiner Augen und die Ausstrahlung
seiner ganzen Person waren so machtvoll, dass Menschen auf ihre
ursprüngliche Bewusstseinsebene zurückgezogen wurden. Er
sagte nie von sich selbst, er sei ein Guru. Dennoch erlebten und
erleben seine Schüler ihn als Sat-Guru (vollkommen erleuchteter
Meister).
Ramana
Maharshi gilt als der größte und bekannteste Weise und
Vertreter des Advaita-Vedanta im 20. Jahrhundert. Doch beschränkt
sich seine Bedeutung nicht nur darauf. Indirekt trug er auch zum
interreligiösen Dialog bei, denn zu seinen Anhängern
gehörten und gehören Menschen aller Religionen und
Anschauungen, die in seiner Lehre die Essenz ihrer eigenen Religion und
das Verbindende aller Religionen, aber auch das, was die Religion
übersteigt, entdecken können. Zeit seines Lebens wurden
Schriften und Personen aller Religionen in der Halle thematisiert und
gewürdigt. Die Lehre des Advaita-Vedanta hat in den letzten Jahren
gerade auch im Westen eine enorme Anhängerschaft gefunden. Leider
findet man in ihrer Präsentation oft nur eine Verwässerung
der ursprünglichen und direkten Lehre Ramana Maharshis und eine
gewisse Kommerzialisierung. Oft wird seine Lehre des Atma Vichara
(Selbstergründung) einfach unter den Tisch gekehrt. Man gewinnt
zuweilen den Eindruck, dass die gegenwärtige Neo-Advaita-Bewegung
sich des Namens Ramana Maharshis bedient, um in der allgemein beliebten
Fastfood-Esoterik-Welle mitzuschwimmen.
Autor: Gabriele
Ebert Top
Die Lehre
Ramana Maharshi's - Wer bin ich? Top
Einführung
WER
BIN ICH? ist der Titel einer Sammlung von Fragen und Antworten, die
sich auf Selbst-Erforschung beziehen.
Die
Fragen wurden Bhagavan Sri Ramana Maharshi um das Jahr 1902 von Sri M.
Sivaprakasam Pillai gestellt.
Sri
Pillai, von seiner akademischen Ausbildung her Philosoph, arbeitete zu
jener Zeit in der Steuerbehörde des Distrikts South Arcot.
Während einer Dienstreise nach Tiruvannamalai besuchte er die
Virupaksha-Höhle auf dem Berg Arunachala und begegnete dort dem
Maharshi.
Er
erhoffte sich spirituelle Unterweisung und bat den Maharshi
eindringlich um Antwort auf seine Fragen zur Selbst-Erforschung. Da
Bhagavan zu jener Zeit nicht sprach - nicht, weil er ein Gelübde
abgelegt hätte, sondern weil er keinerlei Neigung zu sprechen
verspürte - beantwortete er die Fragen schriftlich. Es waren
dreizehn Fragen und Antworten, die Sri Pillai später aus seiner
Erinnerung aufzeichnete und erstmals 1923 (in tamilischer Sprache)
veröffentlichte, zusammen mit einigen eigenen Gedichten über
das gnadenvolle Wirken Bhagavans, der seine Zweifel beseitigt und ihn
aus einer Lebenskrise geführt hatte.
WER
BIN ICH? ist später viele Male veröffentlicht worden, in
einigen Ausgaben finden sich dreizehn Fragen und Antworten, in anderen
achtundzwanzig. Es gibt eine weitere Veröffentlichung in Form
eines Essay. Die zunächst überlieferte englische Fassung
stammt von dem Essay; die vorliegende Fassung ist eine Übersetzung
des aus achtundzwanzig Fragen und Antworten bestehenden Textes.
Zusammen
mit Vicharasangraham (Selbst-Erforschung) enthält Nan Yar (Wer bin
ich?) die erste Sammlung von Unterweisungen in den eigenen Worten des
Meisters; es sind zugleich die einzigen Prosatexte unter den Werken
Bhagavans. Beide Texte machen deutlich, dass Selbst-Erforschung der
unmittelbare Weg zur Befreiung ist - der Kern der Lehre Bhagavans. Die
Übungsmethode der Selbst-Erforschung ist in Nan Yar klar
erläutert. Der Geist* besteht aus Gedanken. Der "Ich"-Gedanke ist
der zuerst entstehende Gedanke. Durch beharrliches Nachforschen "Wer
bin ich?" werden alle Gedanken aufgelöst, am Ende auch der
"Ich"-Gedanke. Was dann bleibt, ist das jenseits der Dualität
liegende Selbst.
Die
irreführende Identifikation des Selbst mit den Erscheinungsformen
Körper und Geist endet, Sakshatkara tritt ein, Erleuchtung. Die
Übung der Selbst-Erforschung ist nicht ganz einfach. Sobald man
fragt: "Wer bin ich?", kommen andere Gedanken. Es wäre falsch,
diesen Gedanken Raum zu geben; stattdessen sollte die
Selbst-Erforschung umgehend mit der Frage: "Wem kommen diese
Gedanken?" fortgesetzt werden, was wache Aufmerksamkeit
erfordert. Durch unbeirrtes Nachforschen kann der Geist dazu gebracht
werden, in seiner Quelle zu bleiben, statt im selbst erschaffenen
Labyrinth der Gedanken umherzuschweifen.
Andere
Methoden, wie Atem-Kontrolle oder die Meditation über eine der
Formen Gottes, sind als Hilfs-Methoden geeignet. Sie können
bewirken, dass der Geist ruhig und konzentriert wird. Ist der Geist in
der Lage, sich zu konzentrieren, ist Selbst-Erforschung weniger
schwierig.
Letztendlich
werden alle Gedanken aufgelöst, das Selbst wird erkannt - jene
vollkommene Wirklichkeit, in der es keinen "Ich"-Gedanken mehr gibt,
jene Erfahrung, die allein Stille genannt werden kann.
Dies
ist zusammengefasst die Lehre Bhagavan Sri Ramana Maharshis in Nan Yar
(Wer bin ich?).
T.M.P.Mahadevan
Universität Madras
30. Juni 1982
*Das
englische Wort "mind" (Sanskrit: manas) wird in dem vorliegenden Text
mit "Geist" übersetzt. Gemeint ist der aus Gedanken bestehende
menschliche Geist, nicht der Heilige Geist Gottes.
In
anderen Übersetzungen spiritueller Texte wird "mind" (manas)
bisweilen auch mit "Gemüt" übersetzt.
OM NAMO BHAGAVATHE SRI
RAMANAYA
Jedes
lebende Wesen wünscht sich dauerhaftes und ungetrübtes
Glück, jeder liebt vor allem sich selbst, und Liebe strebt allein
nach Glück. Um jenes Glück erfahren zu können, das
unsere wahre Natur ist, und das wir - jenseits des Denkens - in tiefem
Schlaf erleben, sollten wir uns selbst erkennen. Der beste Weg zu
dieser Erkenntnis ist der des Erforschens "Wer bin ich?".
1.
Wer bin ich?
Der
aus den sieben Elementen (dhatus) bestehende physische Körper bin
ich nicht; ich bin auch nicht die fünf Organe der Wahrnehmung, mit
denen ich höre, fühle, sehe, schmecke, rieche und Klang,
Berührung, Farbe, Geschmack und Geruch wahrnehme; auch bin ich
nicht die fünf Organe der Tätigkeiten des Sprechens, der
Bewegung, des Greifens, der Ausscheidung und der Zeugung mit ihrer
jeweiligen Aktion; ebenso bin ich nicht eine der fünf Formen der
Lebensenergie (prana, usw.), die Atmung und Stoffwechsel bewirken. Mein
denkender Geist bin ich nicht und auch nicht die meinem Geist unbewusst
bleibenden Eindrücke.
2.
Wenn ich dies alles nicht bin, was bin ich dann?
Was
bleibt, wenn alles eben Genannte als "dieses nicht" ausscheidet, ist
allein das Gewahrsein - und das bin ich.
3.
Was ist Gewahrsein seinem Wesen nach?
Gewahrsein
ist seinem Wesen nach Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit
(Sat-Chit-Ananda).
4.
Wann ist die Erkenntnis des Selbst erreicht?
Wenn
die Welt, also das Sichtbare, verschwunden ist, ergibt sich die
Erkenntnis des Selbst, welches der Sehende ist.
5.
Kann es nicht sein, dass das Selbst erkannt wird, auch wenn man die
Welt als real betrachtet?
Nein,
das ist nicht möglich.
6.
Warum nicht?
Mit
dem Sehenden und dem betrachteten Objekt verhält es sich wie mit
dem Seil und der Schlange. Das Seil wird solange nicht als Seil
erkannt, wie die falsche Vorstellung, es handele sich um eine Schlange,
nicht verschwunden ist. Ebenso ist das Erkennen des Selbst solange
nicht möglich, wie die falsche Vorstellung, die Welt sei real,
nicht beendet ist.
7.
Wann wird die Welt als sichtbares Objekt verschwinden?
Wenn
der Geist, der alle Wahrnehmung und Tätigkeit verursacht, still
und bewegungslos geworden ist, verschwindet die Welt.
8.
Was ist der Geist seinem Wesen nach?
Was
wir "Geist" nennen, ist eine wundersame Kraft, die dem Selbst
entspringt und Gedanken entstehen lässt. Ohne Gedanken gibt es
keinen Geist. Der Geist ist also seinem Wesen nach Denken. Ohne Denken
gibt es nichts, was Welt genannt werden könnte. Im Tiefschlaf
existieren weder Denken noch Welt; während des Wachzustands und
während des Traums erfahren wir sowohl Denken als auch Welt. Wie
eine Spinne ihr Netz aus sich heraus spinnt und es dann wieder
verschlingt, so entwirft der Geist die Welt aus sich heraus und
löst sie wieder in sich auf. Sobald der Geist aus dem Selbst
heraus in Erscheinung tritt, tritt auch die Welt als real in
Erscheinung, und das Selbst ist nicht mehr erkennbar; wenn aber das
Selbst aufleuchtet und in Erscheinung tritt, verschwindet die Welt.
Sucht man beharrlich nach dem Wesen des Geistes, wird der Geist
aufhören zu existieren - was bleibt, ist das Selbst. Selbst und
Atman sind dasselbe, Geist und jiva sind dasselbe; das Selbst (Atman)
existiert für sich; der Geist, die feinstoffliche, individuelle
Seele (jiva) kann nicht allein, sondern nur in Verbindung mit etwas
Grobstofflichem existieren.
9.
Wie kann das Wesen des Geistes verstanden werden?
Was
im Körper als "Ich" in Erscheinung tritt, ist der Geist. Erforscht
man, woher der "Ich"-Gedanke kommt, stellt man fest, dass er aus dem
Herzen aufsteigt. Dort also hat der Geist seinen Ursprung, dorthin wird
man auch geführt, wenn man beständig "Ich-Ich" denkt. Von
allen Gedanken ist der "Ich"-Gedanke der erste, andere Gedanken
können vor ihm nicht entstehen. Erst nachdem die erste Person in
Erscheinung getreten ist, erscheinen auch die zweite und die dritte
Person; ohne "Ich" kann es "Du" und "Er, Sie, Es" nicht geben.
10.
Wie kann der Geist zur Ruhe gebracht werden?
Durch
das Nachfragen "Wer bin ich?". Der Gedanke "Wer bin ich?" löst
alle anderen Gedanken auf; so wie das Holzstück, mit dem das Feuer
entfacht wird, am Ende selbst verbrennt, wird sich auch der
"Ich"-Gedanke am Ende auflösen. Was sich dann ergibt, ist
Selbst-Erkenntnis.
11.
Wie kann man ständig an dem Gedanken "Wer bin ich?" festhalten?
Wenn
andere Gedanken auftauchen, sollte man ihnen nicht nachgehen, sondern
fragen: "Wem kommen diese Gedanken?". Wie viele Gedanken auch
auftauchen mögen, man sollte unbeirrt fragen: "Wem ist dieser
Gedanke gekommen?". Die Antwort wird sein: "Mir". Wenn sich dann die
Frage anschließt: "Wer bin ich?", wird der Geist zurück zu
seiner Quelle gelenkt, und die Gedanken versiegen. Mit zunehmender
Übung entwickelt der Geist die Fähigkeit, in seiner Quelle zu
verharren.
Der
Geist ist feinstofflich. Wenn er Gehirn und Sinnesorgane durchdringt,
die grobstofflich sind, entstehen Namen und Formen; wenn der Geist im
Herzen ruht, verschwinden Namen und Formen. Den Geist nicht nach
außen schweifen zu lassen, sondern im Herzen zurückzuhalten,
wird antarmukha, Introversion, Nach-Innen-Gekehrtsein, genannt. Den
Geist aus dem Herzen heraustreten zu lassen, wird bahirmukha,
Extraversion, Nach-Außen-Gekehrtsein, genannt. Wenn der Geist im
Herzen ruht, gibt es kein "Ich", keine Gedanken, nur das ewige
strahlende Selbst.
Gleich,
welche Tätigkeit man verrichtet, der Gedanke "Ich handele" sollte
vermieden werden, dann kann alles als Siva (Gott) erkannt werden.
12.
Kann der Geist nicht auch anders zum Schweigen gebracht werden?
Es
gibt kein anderes Mittel als das nachforschende Fragen. Jeder Versuch,
den Geist auf andere Weise zu beherrschen, wird ihn nur
vorübergehend ruhig stellen. Atemkontrolle bewirkt einen Zustand
der Ruhe, aber nur solange der Atem beherrscht ist; danach wird der
Geist aufgrund verbliebener Eindrücke wieder umherschweifen.
Geist
und Atem entspringen derselben Quelle. Denken ist das Wesen des
Geistes, der "Ich"-Gedanke, das Ego, ist der erste Gedanke. Ego und
Atem haben also denselben Ursprung. Daher ist der Atem still, sobald
der Geist bewegungslos wird, und umgekehrt wird der Geist still, sobald
der Atem beherrscht ist.
Allerdings
steht während des Tiefschlafs der Atem nicht still, obwohl der
Geist bewegungslos ist. Nach Gottes Willen soll zum Schutz des
Körpers während des Schlafs für andere nicht der
Eindruck entstehen, der Körper sei tot.
Wenn
aber im Zustand des Wachseins, auch im Zustand des Samadhi
(Erleuchtung), der Geist still wird, ist auch der Atem still.
Der
Atem ist grobstofflicher Geist und bleibt bis zum Zeitpunkt des Todes
im Körper; stirbt der Körper, nimmt der Geist den Atem mit
sich fort. Die Übung der Atemkontrolle kann also nur helfen, den
Geist zu beruhigen (manonigraha), aufgelöst (manonasa) wird der
Geist keineswegs.
Wie
Atemübungen sind auch Meditationen über die Formen Gottes,
das Wiederholen von Mantras, Nahrungsbeschränkungen, usw. nur
Hilfen, den Geist zu beruhigen.
Durch
Meditation über eine der Formen Gottes oder das Wiederholen von
Mantras wird der Geist auf ein Ziel gerichtet. Der Geist ist immer
bestrebt umherzuschweifen. Wie der Rüssel eines Elefanten nach
nichts anderem greift, wenn er eine Kette festhält, so greift auch
der Geist, der auf etwas konzentriert ist, nach nichts anderem.
Zerstreut sich der Geist in unzähligen Gedanken, ist jeder
einzelne Gedanke schwach; wenn aber die Gedanken sich nach und nach
auflösen, wird der Geist konzentriert und stark. Für einen
derart gestärkten Geist ist Selbst-Erforschung nicht schwierig.
Von
allen Verhaltensregeln ist die, nur reine (sattvic) Nahrung in
begrenzter Menge zu sich zu nehmen, die beste. Die Einhaltung dieser
Regel bewirkt, dass die Sattva-Eigenschaft des Geistes gestärkt
wird, was für die Selbst-Erforschung hilfreich ist.
13.
Die von Objekten herrührenden Sinneseindrücke scheinen endlos
wie die Wellen des Ozeans zu sein. Wann sind sie insgesamt
ausgelöscht?
Je
intensiver die Meditation über das Selbst wird, desto mehr
Gedanken verlöschen.
14.
Können auch Eindrücke gelöscht werden, die seit uralten
Zeiten bestehen, kann man gleichwohl die Erfahrung des reinen Selbst
erlangen?
Man
sollte beharrlich an der Meditation über das Selbst festhalten,
ohne den Zweifel, ob es möglich sei oder nicht, im geringsten
nachzugeben. Auch wer viele Sünden begangen hat, sollte nicht
klagen: "Ich bin ein Sünder, wie kann ich gerettet werden?". Schon
den Gedanken "Ich bin ein Sünder" sollte man vollständig
verbannen und die Meditation auf das Selbst konzentrieren, dann wird
man sicher das Ziel erreichen. Der Mensch hat nur einen Geist, nicht
zwei - einen guten und einen bösen. Die bestehenden Eindrücke
sind es, die günstig oder ungünstig sind. Steht der Geist
unter dem Einfluss günstiger Eindrücke, nennen wir ihn gut,
steht er unter dem Einfluss ungünstiger Eindrücke, böse.
Man
sollte dem Geist nicht gestatten, sich weltlichen Dingen zuzuwenden und
mit Angelegenheiten anderer Menschen zu befassen. Wie schlecht andere
Menschen sich auch verhalten mögen, man sollte sie niemals hassen.
Sowohl Begehren als auch Hass sind zu vermeiden. Was man einem anderen
gibt, erhält man in Wahrheit selbst. Wer diese Wahrheit verstanden
hat, kann sicher nicht anders als freigebig sein. Wenn man als Person
in Erscheinung tritt, tritt alles in Erscheinung; wenn man selbst zur
Ruhe kommt, wird alles still. In dem Maße, in dem man sich
demütig verhält, wird Gutes bewirkt. Ist der Geist zum
Schweigen gebracht, kann man überall leben.
15.
Wie lange soll die Übung des Erforschens praktiziert werden?
Solange
sich im Geist überhaupt noch Eindrücke finden, ist das
Nachforschen "Wer bin ich?" notwendig. Wenn ein Gedanke sich erhebt,
sollte er sogleich am Ort seines Entstehens mit Hilfe dieser Frage
zerstört werden. Sich der Meditation über das Selbst ohne
Unterbrechung zu widmen, führt zur Erkenntnis des Selbst, nichts
anderes ist erforderlich. Solange es Feinde in der Festung gibt, werden
sie sich regen; wenn sie vernichtet werden, sobald sie sich zeigen,
wird die Festung uns in die Hand fallen.
16.
Was ist das Wesen des Selbst?
In
Wahrheit existiert nichts als das Selbst. Wie Perlmutt als Silber
erscheint, erscheint das Selbst als Welt, individuelle Seele und Gott;
diese drei treten zugleich in Erscheinung und versinken zugleich. Das
Selbst ist dort, wo keinerlei "Ich"-Gedanke ist. Das nennt man Stille.
Das Selbst selbst ist Welt, "Ich" und Gott in einem. Alles ist Siva,
das Selbst.
17.
Ist nicht alles das Werk Gottes?
Ohne
Wunsch, ohne Plan und ohne Absicht geht die Sonne auf; ihre bloße
Gegenwart lässt Feuer im Brennglas entstehen, den Lotus
blühen, Wasser verdampfen und Menschen ihr Tagewerk verrichten.
Die bloße Gegenwart des Magneten genügt, um die Nadel in
Bewegung zu bringen, und die bloße Gegenwart der Kraft Gottes
bewirkt, dass die Seelen entsprechend ihrem jeweiligen Karma tätig
sind oder ruhen, gelenkt durch die drei kosmischen Prinzipien oder die
fünf Formen göttlichen Wirkens. Gott verfolgt keinerlei
Absicht, kein Karma bindet ihn, ebenso wenig wie die Aktivitäten
der Welt die Sonne tangieren und das Spiel der vier anderen Elemente
den sie umfassenden Raum - das fünfte Element - berührt.
18.
Welcher Devotee ist der beste?
Wer
sich dem Selbst, das mit Gott identisch ist, überantwortet, ist
der wahre Devotee. Sich Gott ergeben heißt, fortwährend im
Selbst zu sein und keinem anderen Gedanken Raum zu lassen.
Welche
Last auch immer Gott aufgebürdet wird, er trägt sie. Da es
Gott selbst ist, dessen Kraft jedes Geschehen ermöglicht - welchen
Sinn hat es, sich ihm nicht zu überantworten und sich stattdessen
fortwährend um das eigene Tun und Lassen zu sorgen? Es ist der
Zug, der die Ladung trägt; welchen Sinn sollte es haben,
während der Fahrt das Gepäck auf dem Kopf zu behalten,
anstatt es abzulegen und bequem zu reisen?
19.
Was ist Nicht-Anhaftung?
Gedanken
noch am Ort ihres Entstehens restlos auszulöschen, ist
Nicht-Anhaftung. Wie der Perlentaucher einen Stein an seinen
Körper bindet, um auf den Grund des Meeres zu sinken und die
Perlen zu ernten, so sollten wir uns mit Nicht-Anhaftung ausstatten,
nach innen tauchen und die Perle des Selbst ernten.
20.
Ist es nicht möglich, dass Gott oder der Guru die Befreiung der
Seele bewirken?
Gott
und Guru weisen nur den Weg, sie heben die Seele nicht in den Zustand
der Befreiung.
Tatsächlich
sind Gott und Guru aber nicht voneinander verschieden. Wie das Opfer
aus den Zähnen des Tigers nicht mehr entkommen kann, so werden
diejenigen, die in den gnadenvollen Blick des Guru gelangt sind, nicht
verloren gehen, sondern sicher errettet werden. Und doch sollte jeder
mit eigener Anstrengung dem von Gott oder Guru gewiesenen Weg der
Befreiung folgen. Nur mit dem eigenen Auge der Weisheit kann man sich
selbst erkennen, nicht mit dem eines anderen. Ist die Hilfe eines
Spiegels notwendig, damit Rama weiß, dass er Rama ist?
21.
Ist es erforderlich, das Wesen der Elemente und Prinzipien (tattvas) zu
erforschen, wenn man Befreiung erlangen will?
Es
ist nutzlos, etwas zu analysieren, von dem man weiß, dass man es
wegwirft; ebenso nutzlos ist es, die Zahl und Eigenschaften der tattvas
zu untersuchen, wenn man das Selbst erkennen will. Im Gegenteil: man
muss alle Kategorien, die das Selbst verschleiern, verwerfen. Die Welt
sollte als Traum betrachtet werden.
22.
Ist zwischen Wachen und Traum kein Unterschied?
Der
Wachzustand ist lang, der Traumzustand kurz, einen anderen Unterschied
gibt es nicht. Wie Ereignisse des Wachzustands nur im Wachzustand real
erscheinen, erscheinen die des Traums nur dort als wirklich.
Während des Traums befindet sich der Geist in einem anderen
Körper als im Wachzustand. In beiden Zuständen gibt es
gleichermaßen Gedanken, Namen und Formen.
23.
Ist es sinnvoll Bücher zu lesen, wenn man nach Befreiung strebt?
Alle
Texte sagen dasselbe: um Befreiung zu erlangen, muss der Geist still
werden, entscheidend ist also, dass der Geist zum Schweigen gebracht
wird. Wenn dies verstanden worden ist, ist es unsinnig, endlos
Bücher zu lesen. Um den Geist still werden zu lassen, braucht man
nur das eigene Selbst zu ergründen, wie könnte dies mit Hilfe
von Büchern geschehen? Man erkennt das Selbst mit dem eigenen Auge
der Weisheit. Das Selbst befindet sich innerhalb der fünf
Körperhüllen, Bücher befinden sich außerhalb. Da
das Selbst nur erforscht und erkannt werden kann, wenn die fünf
Hüllen durchdrungen und zurückgelassen werden, ist die Suche
in Büchern nutzlos. Es kommt der Zeitpunkt, in dem man alles
Gelernte vergessen muss.
24.
Was ist Glück?
Glückselige
Freude ist das Wesen des Selbst; Glück und Selbst sind daher nicht
voneinander verschieden. Es gibt keinen Gegenstand auf der Welt, der
Glück in sich birgt. Nur aufgrund unserer Unwissenheit glauben
wir, dass Glück weltlichen Dingen entspringt. Wenn sich der Geist nach
außen wendet, erfährt er Leid. Geht sodann ein Wunsch
in Erfüllung, kehrt der Geist zu seinem Ursprung zurück und
erlebt dort die Freude des Selbst, so verhält es sich in Wahrheit.
Wie im Tiefschlaf, im Samadhi oder während einer Ohnmacht wendet
sich der Geist immer auch dann nach innen, wenn entweder etwas
Erwünschtes erlangt oder etwas Unerwünschtes abgewendet
worden ist, und erfährt hier das dem Selbst innewohnende
Glück. So wandert der Geist rastlos zwischen seiner Quelle und der
äußeren Welt hin und her. Bei glühender Hitze sucht man
den schattenspendenden Baum und genießt die Kühle. Wer den
Baum immer wieder verlässt und sich der Hitze aussetzt, nur um
erneut in den Schatten zu fliehen, ist ein Narr. Der Kluge bleibt im
Schatten. Ebenso wird der, der die Wahrheit erkannt hat, Brahman
niemals verlassen, im Gegensatz zu dem Unwissenden, der sich der Welt
zuwendet, dort Leid erfährt, und jeweils für kurze Momente zu
Brahman zurückkehrt, um Glück zu erleben.
Tatsächlich
ist das, was die Welt genannt wird, nichts als ein Gedanke. Wenn die
Welt versinkt, also kein Gedanke vorhanden ist, erlebt der Geist
Glück, wenn aber die Welt in Erscheinung tritt, erlebt er Leid.
25.
Was ist Weisheitskenntnis?
Still
zu bleiben ist Kenntnis der Weisheit. Still zu bleiben heißt, den
Geist im Selbst aufzulösen. Gedankenlesen, Wahrsagen oder
Hellsehen bewirken keine Weisheitskenntnis.
26.
Welche Beziehung besteht zwischen Wunschlosigkeit und Weisheit?
Wunschlosigkeit
ist Weisheit. Wenn der Geist sich keinerlei Objekten mehr zuwendet,
bedeutet dies Wunschlosigkeit. Weisheit ist, ein Objekt gar nicht erst
entstehen zu lassen. Mit anderen Worten: die Weigerung, etwas anderes
als das Selbst zu suchen, ist Nicht-Anhaftung oder Wunschlosigkeit; das
Selbst gar nicht erst zu verlassen, ist Weisheit.
27.
Worin liegt der Unterschied zwischen Erforschung und Meditation?
Erforschung
heißt, den Geist im Selbst zu halten. Meditation heißt zu
denken, Brahman, Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit, zu sein.
28.
Was ist Befreiung?
Das
Ergründen des in Fesseln liegenden eigenen Wesens und das Erkennen
der wahren eigenen Natur ist Befreiung.
Sri Ramanarpanam Astu
Die Lehre des Bhagavan
Sri Ramana Maharshi Top
Ramana Maharshi: Wer bin ich? - Essay
Version
Top
Der Autor des Buches „Erinnerungen eines Sadhus“, der
Engländer Alan Chadwick, der sich später „Sadhu Arunachala“
nannte, diente im 1. Weltkrieg als Major in der britischen Armee. Kurz
nachdem er in Tiruvannamalai in den Ashram Ramana Maharshis angekommen
war, empfahl ihm Ramana Maharshi das Büchlein „Who am I?“. Hierzu
sagt der Autor:
„Nachdem ich ein oder zwei Tage hier war, bat Bhagavan
(Ramana Maharshi) jemanden, mir ein Exemplar von „Who am I?“ zu geben
und wies mich an, es zu lesen. Es enthält die Essenz seiner Lehre.
Obwohl er erst 21 Jahre alt war, als er dies lehrte, veränderte
sich nie etwas daran. Bhagavan mochte über alle möglichen
philosophischen Richtungen sprechen und ihre Systeme erklären,
wenn er danach gefragt wurde, aber seine Lehre und Anweisung für
Sadhana (für die spirituelle Praxis) sind vollständig in „Who
am I?“ enthalten. Alles andere war für ihn nur Füllwerk oder
eine Weiterentwicklung für jene, die mit der Einfachheit und
unkomplizierten Erklärung dieses kleinen Buches nicht zufrieden
waren.
Dieses wunderbare Büchlein besteht aus einer Sammlung der ersten
Anweisungen, die Bhagavan etwa 1902 schriftlich gegeben hat, da er zu
jener Zeit nicht sprach. Sie stammen aus seiner eigenen unmittelbaren
Erfahrung und wurden in keiner Weise von seiner Lektüre der
Upanishaden und anderer heiliger Schriften beeinflusst, die man
später zu ihm brachte, damit er sie erklärte. Als er
später diese Bücher las, entdeckte er die philosophische
Bedeutung dessen, was ihm widerfahren war, und wurde so fähig,
seine Erfahrungen einzuordnen und mit der Hindu-Tradition in Einklang
zu bringen. Aber in diesem Buch haben wir seine Lehre aus erster Hand
und ungefärbt. Hier finden wir ihre reinste Essenz und können
mit Hilfe dieses einzigen Heftchens alles lernen, was nötig ist.
Mehr braucht es nicht.“
Quelle: Erinnerungen eines Sadhus
Ich schaute mich im Internet um, ob es das Büchlein „Who am I?“,
zu Deutsch, „Wer bin ich?“, auch im Internet gibt. Ich habe es
tatsächlich gefunden:
Ramana Maharshi: Wer bin ich?
Eine Einführung in die Methode der Selbstergründung s.a.
Ramana Maharshi war erst 21 Jahre alt, als er die Grundlage für
das Büchlein „Nan Yar?“, „Wer bin ich?“ schuf, ohne dass er je die
Absicht hatte, ein Buch über seine Lehre zu schreiben. Er wohnte
in der Virupaksha-Höhle auf dem Arunachala. Obwohl er in jener
Zeit nicht sprach, fühlten die Menschen instinktiv, dass er ein
Weiser war und kamen mit ihren spirituellen Fragen und Problemen zu ihm.
Einer von ihnen war Sivaprakasam Pillai, ein Philosoph, der bei einer
Finanzbehörde beschäftigt war. In den Büchern, die er
studiert hatte, konnte er auf seine existenzielle Frage „Wer bin ich?“
keine Antwort finden. 1902 besuchte er den Maharshi auf dem Berg und
stellte ihm seine brennenden Fragen. Ramana schrieb die Antworten
entweder auf den Boden oder mit Kreide auf Schiefer. Sivaprakasam
Pillai schrieb sich die Fragen und Antworten nachträglich aus dem
Gedächtnis auf. Seine Sammlung wurde jedoch erst 1923 als
Frage-und-Antwort-Version veröffentlicht. Ramana hat wenige Jahre
später davon eine Essay-Version verfasst.
„Wer bin ich?“ gilt als eines der grundlegendsten Werke Ramana
Maharshis und enthält die Quintessenz dessen, was er sein Leben
lang lehrte. Das Büchlein wurde im Ashram so billig wie
möglich verkauft und Neuankömmlingen als erste Lektüre
empfohlen, da es eine hervorragende Einführung in die Praxis der
Selbstergründung ist.
Dies hier ist eine eigene Übersetzung der Essay-Version, die mit
Hilfe eines Freundes aus dem Tamil erarbeitet wurde.
Alle Lebewesen möchten stets glücklich und sorgenfrei sein.
Jeder liebt sich selbst am meisten, denn das Glück ist die Ursache
der Liebe. Um dieses Glück zu erlangen, das unser Wesen ist und
das täglich im Tiefschlaf erfahren wird, in dem kein Geist [1] vorhanden ist,
muss man sich selbst erkennen.
Hierfür ist die Ergründung „Wer bin ich?“ der
beste Übungsweg.
Wer bin ich? Ich bin nicht die sieben Bestandteile dieses physischen
Körpers. [2]
Ich bin nicht die fünf
Wahrnehmungsorgane: Ohren, Haut, Augen, Zunge und Nase mit ihren
jeweiligen Funktionen von Hören, Tasten, Sehen, Schmecken und
Riechen. Ich bin nicht die fünf Tätigkeitsorgane: Mund,
Beine, Arme, After und Genitalien mit ihren jeweiligen Funktionen von
Sprechen, Fortbewegung, Geben und Nehmen [3], Ausscheidung und sexueller
Aktivität.
Keiner der fünf bin ich und auch nicht die fünf
Lebensenergien mit ihren jeweiligen Funktionen [4]. Ich bin weder der Verstand noch
der
unbewusste Zustand von Nicht-Wissen [5], in dem es weder Sinnesobjekte noch
Aktivitäten des Geistes gibt und in dem nur die latenten
(weltlichen) Wünsche und Eindrücke ( Vasanas)
zurückbleiben.
All das bin ich nicht. Wenn man das oben Erwähnte als „Das
bin ich ganz und gar nicht!“ [6] zurückweist, ist das, was danach als
einziges übrig bleibt, das reine Gewahrsein, das ich
tatsächlich bin. Dieses reine Gewahrsein ist seinem Wesen nach
Sein-Bewusstsein-Seligkeit (Sat-Chit-Ananda).
Wenn der Geist, der die Ursache für alles Wissen und
sämtliche Tätigkeiten ist, verebbt, hört die Wahrnehmung
der objektiven Welt auf. Solange man ein Seil für eine Schlange
hält, kann man das Seil, das die Grundlage der Täuschung ist,
nicht erkennen. Solange die Vorstellung einer objektiven Welt besteht,
kann sich das wahre Wesen des Selbst nicht zeigen, das der Illusion
zugrunde liegt.
Das, was man den „Geist“ nennt, ist eine besondere Kraft
(Shakti), die dem Selbst innewohnt. Sie bringt sämtliche Gedanken
hervor. Wenn wir untersuchen, was übrig bleibt, wenn wir alle
Gedanken entfernt haben, werden wir feststellen, dass der Geist kein
eigenständiges Ding ist, das aus sich selbst bestehen kann.
Folglich sind es die Gedanken, die den Geist bilden.
Unabhängig von den Gedanken existiert auch keine Welt als etwas
Eigenständiges. Im Tiefschlaf gibt es keine Gedanken und auch
keine Welt. Im Wachen und Träumen dagegen existieren Gedanken und
deshalb gibt es auch eine Welt. Genauso wie die Spinne den Faden
für ihr Netz aus sich selbst herauszieht und ihn wieder in sich
selbst zurückzieht, projiziert der Geist aus sich selbst heraus
die Erscheinung der Welt und löst sie wieder in sich auf.
Wenn der Geist aus dem Selbst hervorkommt und sich nach außen
richtet, tritt die objektive Welt in Erscheinung. Deshalb zeigt sich
das Selbst nicht, wenn die Welt wahrgenommen wird, und wenn das Selbst
erstrahlt, zeigt sich die Welt nicht.
Wenn man beständig das Wesen des Geistes erforscht, wird der Geist
zu DEM, worauf sich das „Ich“ bezieht, und das ist nichts
anderes als das Selbst. Der Geist bezieht sich stets auf etwas
Materielles und kann nicht aus sich selbst bestehen. Er wird auch der
feinstoffliche Körper oder der Jiva (die Seele, das individuelle
Selbst) genannt.
Was im Körper als Ich [7] aufsteigt, ist nichts anderes als der Geist.
Wenn du untersuchst, wo im Körper sich der Ich-Gedanke zuerst
manifestiert, wird offensichtlich, dass es im Herzen [8] geschieht, denn das Herz ist die
Geburtsstätte des Geistes. Selbst wenn wir beständig
»Ich-Ich« denken, werden wir zu jenem Ort (i. e. dem
Herzen) geführt.
Von allen Gedanken, die sich im Geist zeigen, ist der Ich-Gedanke der
erste Gedanke. Erst nachdem er aufgetaucht ist, tauchen die anderen
Gedanken auf. Erst wenn die erste Person (ich) sich zeigt, können
auch die zweite und die dritte Person (du, er, sie, es) in Erscheinung
treten. Ohne die erste Person können sie nicht existieren.
Nur durch den Prozess der Erforschung „Wer bin ich?“ wird
der Geist unterworfen. Der Gedanke „Wer bin ich?“
vernichtet alle anderen Gedanken und wird schließlich selbst
vernichtet, wie der Stock, mit dem man den Scheiterhaufen umrührt. [9]
Wenn andere Gedanken auftauchen, dann denke den aufsteigenden Gedanken
nicht zu Ende, sondern erforsche auf der Stelle: „Wer ist es, dem
dieser Gedanke kommt?“ Was macht es schon aus, wie viele Gedanken
dir kommen? Sobald sich ein Gedanke bildet, erforsche aufmerksam: „Wem
kommt dieser Gedanke?“ Die Antwort lautet: „mir“. Wenn du
weiterforschst: „Wer bin ich?“,
kehrt der Geist zu seinem Ursprung zurück und der auftauchende
Gedanke verblasst. Wenn du das ausdauernd praktizierst, wächst die
Kraft des Geistes, in seiner Quelle zu bleiben.
Wird der subtile Geist durch den Intellekt und die Sinnesorgane nach
außen gerichtet, treten Namen und Formen in Erscheinung. Bleibt
er aber im Herzen, verschwinden sie. Wenn man dem Geist nicht erlaubt,
nach außen zu wandern, und ihn im Herzen zurückhält,
spricht man von „nach innen gerichtet sein“. Wird er nach
außen gelassen, spricht man von „nach außen gerichtet
sein“.
Wenn der Geist auf diese Weise im Herzen verweilt, verschwindet der
Gedanke „ich“, der die Ursache aller anderen Gedanken ist.
Dann offenbart sich das Selbst, das immerwährend aus sich selbst
erstrahlt. Wenn du dem Ich-Gedanken nicht den geringsten Platz
einräumst, manifestiert sich deine wahre Natur. Das ist es, was
gemeint ist, wenn man von „Schweigen“ (Maunam) spricht.
Dieser Zustand des reinen Seins und des Schweigens wird Erkenntnis
(Sicht der Weisheit, Jnana Drishti) genannt. Um still zu
sein, musst du den Geist völlig im Selbst versenken. Dagegen haben
solche Dinge wie Gedankenlesen, Telepathie und Hellsehen mit der
Erkenntnis überhaupt nichts zu tun. [10]
In Wahrheit existiert nur das Selbst. Welt, Individuum und Gott sind
Vorstellungen im Selbst wie das Silber, das man in einer Perlmuttschale
sieht. Alle drei treten gleichzeitig in Erscheinung und verschwinden
auch wieder gleichzeitig. Das Selbst ist die Welt, das individuelle Ich
und Gott. Alles ist eine Manifestation Shivas, des Selbst.
Es gibt kein besseres Mittel als Vichara (Selbsterforschung),
um den Geist
(dauerhaft) zur Ruhe zu bringen. Wird der Geist durch andere Methoden
unter Kontrolle gebracht, ist er nur scheinbar unterworfen und erhebt
sich wieder.
So wird er zum Beispiel durch Atemkontrolle ( Pranayama) [11]
unterworfen,
denn so lange der Atem
zurückgehalten wird, ist auch der Geist unter Kontrolle. Doch wenn
der Atem wieder frei fließt, wendet sich der Geist durch den
Einfluss der Vasanas (weltlichen Wünsche und Eindrücke)
erneut nach außen und wandert umher.
Denn Geist und Atem haben denselben Ursprung. Es sind die Gedanken, die
den Geist bildet. Der Ich-Gedanke ist der erste Gedanke des Geistes. Er
ist das Ego (das individuelle Ich-Gefühl, Ahamkara). Vom selben
Ort, wo das Ego entspringt, steigt auch der Atem auf. Deshalb ist die
Aktivität des Geistes geringer, wenn der Atem zurückgehalten
wird und andersherum.
Obwohl die Aktivität des Geistes im Tiefschlaf aufhört, kommt
der Atem nicht zum Stillstand. So hat Gott es zum Schutz des
Körpers bestimmt, damit ihn die anderen nicht versehentlich
für tot halten. Wenn der Geist im Wachzustand und im Samadhi
still ist, ist auch der Atem reduziert, denn der Atem ist die grobe
Form des Geistes. Bis zum Tod hält der Geist den Atem im
Körper. Im Augenblick des Todes bemächtigt er sich seiner und
trägt ihn fort. Deshalb ist die Atemkontrolle nur eine Hilfe, um
den Geist zu beruhigen, bewirkt aber nicht seine Vernichtung.
Ebenso wie die Atemkontrolle sind auch die Meditation einer Form (eines
Götterbildnisses), Mantra-Japa (Mantra-Meditation) und
Regeln fürs
Essen Hilfsmittel, um den Geist zu unterwerfen. Durch die Meditation
einer Form und durch Mantra-Japa sammelt sich der Geist. Wenn
man dem Elefanten, dessen Rüssel immerzu herumfuchtelt, eine Kette
zum Festhalten gibt, wird er nach nichts anderem mehr greifen. Ebenso
wird der ständig umherwandernde Geist, der sich an einen Namen
oder eine Form (Gottes) gewöhnt hat, dies festhalten.
Wenn sich der Geist in unzählige Gedanken zerstreut, wird der
einzelne Gedanke sehr schwach und uneffektiv. Wenn die Gedanken mehr
und mehr verebben, wird der Geist konzentriert und gewinnt an
Stärke. Ein solcher Geist wird leicht Selbstergründung
üben.
Von allen Regeln ist die beste, sattvische (reine) Nahrung [12] in
mäßiger
Menge zu sich zu
nehmen. Dadurch werden die sattvischen Eigenschaften des Geistes [13]
gestärkt, was für die
Selbstergründung ( Atma Vichara) hilfreich ist.
Obwohl seit einer Ewigkeit die unzähligen Vasanas (die
Neigungen und Eindrücke der weltlichen Objekte) wie die Wellen des
Meeres beständig wiederkehren, klingen sie alle mit der
zunehmenden Intensität der Meditation über unsere wahre Natur
ab. Man sollte nicht den Zweifel hegen: „Ist es möglich, so
viele Vasanas auszulöschen, sodass nur noch das Selbst
zurückbleibt?“, sondern unnachgiebig an der Meditation
über seine wahre Natur festhalten.
Wie sündig ein Mensch auch sein mag, er sollte nicht jammern und
klagen: „Ich bin ein Sünder! Wie kann ich Befreiung
erlangen?“ Wenn er stattdessen den Gedanken aufgibt, ein
Sünder zu sein, und beharrlich über seine wahre Natur
meditiert, wird er sich bestimmt verändern.
Solange noch Vasanas (Wünsche, Begierden, Anhaftungen)
im Geist sind, ist die Ergründung „Wer bin ich?“ nötig. Jedes
Mal wenn Gedanken
auftauchen, musst du sie - einen nach dem anderen - am Ort ihres
Entstehens durch die Ergründung vernichten.
Nichts anderes als seine wahre Natur zu suchen ist Entsagung
(Nicht-Anhaftung) und Wunschlosigkeit. Den Halt am Selbst nicht
aufzugeben ist Erkenntnis ( Jnana). In Wahrheit sind beide
dasselbe. Wie der Perlentaucher die Perlen vom Meeresgrund holt, indem
er sich Steine um die Taille bindet, um tief hinabzutauchen, so kann
jeder die Perle des Selbst erlangen, wenn er durch Entsagung tief in
sich selbst hinabtaucht. Es würde schon genügen, wenn man
sich ständig an seine wahre Natur erinnert, bis man sie erlangt
hat. Solange Feinde in der Festung sind, kommen sie heraus. Wenn wir
sie - einen nach dem andern, wie sie sich zeigen - niederschlagen,
werden wir die Festung erobern.
Gott und Guru sind in Wahrheit nicht voneinander verschieden. Wie die
Beute, die dem Rachen des Tigers zum Opfer gefallen ist, nicht mehr
entkommen kann, ebenso (gewiss) wird derjenige, der unter dem
gnadenvollen Blick des Gurus steht, gerettet und nie im Stich gelassen
werden. Doch er muss auch unerschütterlich dem Pfad folgen, den
der Guru ihm gezeigt hat.
Beständig im Selbst zu verweilen und keinem anderen Gedanken Raum
zu geben sich zu erheben, außer dem Gedanken an das Selbst,
bedeutet sich Gott zu übergeben. Wie groß die Last auch ist,
die du Gott auflädst, er wird sie tragen. Da eine göttliche
Macht alles kontrolliert was geschieht, warum sollten wir uns nicht ihr
überlassen und immerzu denken: „Soll ich es so oder so
machen?“ Wir wissen doch, dass der Zug alle Lasten trägt.
Warum legen wir dann unser kleines Bündel nicht ab, wenn wir
eingestiegen sind, und machen es uns bequem, anstatt uns selbst zu
quälen, indem wir es weiterhin auf dem Kopf behalten?
Glück ist die Natur des Selbst. Glück und Selbst sind nicht
voneinander verschieden, sondern eins und die einzige Wahrheit. Keinem
der vielen weltlichen Dinge wohnt Glück inne. Durch unseren Mangel
an Unterscheidungsfähigkeit denken wir, dass wir durch die Dinge
glücklich werden. Doch im Gegenteil: wenn der Geist sich nach
außen wendet, erfährt er Kummer. In Wahrheit ist es so, dass
jedes Mal, wenn unsere Wünsche erfüllt werden, der Geist an
seinen Ursprungsort zurückkehrt und die Seligkeit des Selbst
erfährt. Auf dieselbe Weise wendet sich der Geist nach innen und
erfährt die Seligkeit des Selbst, wenn man im Tiefschlaf, in
Samadhi oder ohnmächtig ist, wenn man das Gewünschte bekommen
hat oder wenn etwas Gefürchtetes ausgeblieben ist. So pendelt der
Geist pausenlos hin und her, verlässt das Selbst und wendet sich
nach außen, um dann wieder zurückzukommen.
Im Schatten eines Baumes ist es angenehm kühl, draußen in
der glühenden Sonne dagegen unerträglich heiß. Ein
Mensch, der sich der Sonne ausgesetzt hat, genießt gerne die
Kühle des Schattens. Doch nach einer Weile geht er wieder hinaus,
kann aber die Hitze nicht ertragen und kehrt erneut in den Schatten des
Baumes zurück. So geht er ständig vom Schatten in die Sonne
und von der Sonne in den Schatten.
Jemandem, der das tut, mangelt es an Unterscheidungsfähigkeit. Ein
weiser Mensch verlässt nie den Schatten. Ebenso wenig
verlässt der Geist des Erleuchteten ( Jnani) Brahman.
Aber der Geist des Unwissenden wandert weiterhin in der Welt umher und
erfährt Leid. Dann kehrt er für eine Weile in Brahman
(Gott)
zurück und ist glücklich.
Was man „die Welt“ nennt, sind nur Gedanken. Ist die Welt
verschwunden – d.h. wenn keine Gedanken da sind - erfährt der
Geist Glück. Taucht die Welt auf, erfährt er Leid.
Allein durch die Anwesenheit der Sonne, die ohne irgendeinen Wunsch
oder eine Absicht zu verfolgen und ohne sich anzustrengen aufgeht,
sprüht der Sonnenstein Feuer, blüht der Lotus, verdunstet das
Wasser und gehen die Leute ihrer jeweiligen Arbeit nach und ruhen sich
danach aus. In der Nähe eines Magneten bewegt sich die Nadel.
Ebenso gehen die Individuen, die von den drei göttlichen
Funktionen (Entstehung, Erhaltung und Auflösung) regiert werden,
nur aufgrund der absichtslosen Kraft der Anwesenheit Gottes ihren
jeweiligen Aufgaben nach und ruhen sich dann aus, wie es ihrem Karma
entspricht. Doch Gott ist absichtslos. Er wird durch keine Handlung
berührt, ebenso wenig wie die weltlichen Handlungen die Sonne
berühren und die guten und schlechten Eigenschaften der vier
Elemente (Erde, Wasser, Luft und Feuer) den alles durchdringenden
Äther.
In allen spirituellen Schriften steht, dass man den Geist kontrollieren
muss, um die Befreiung ( Mukti) zu erlangen. Hat man einmal
verstanden, dass die Schlussfolgerung der Schriften die Vernichtung des
Geistes ist, macht es keinen Sinn mehr, sie endlos zu studieren. Um dem
Geist Einhalt zu gebieten, muss man erforschen, wer man selbst ist. Wie
könnte man das durch Bücher herausfinden?
Man muss sich selbst durch das Auge der Erkenntnis verstehen. Braucht
Rama etwa einen Spiegel, um zu wissen, dass er Rama ist? Das Selbst
wohnt in den fünf körperlichen Hüllen [14], doch die Bücher sind
außerhalb
von ihnen. Deshalb ist es nutzlos, unser Selbst durch das Studium von
Büchern zu suchen. Man muss es verwirklichen, indem man alle
fünf Hüllen zurückweist.
Wenn man durch die Untersuchung: „Wer ist es, der gebunden
ist?“ seine wahre Natur erkennt, ist das die Befreiung ( Mukti).
Die Praxis, den Geist zu jeder Zeit im Selbst zu halten, heißt
Selbstergründung ( Atma Vichara). Meditation ( Dhyana)
dagegen ist die Kontemplation, dass man selbst Brahman als
Sein-Bewusstsein-Seligkeit (Sat-Chit-Ananda) ist. [15] Es wird eine Zeit kommen, da
man alles
vergessen muss, was man gelernt hat.
Es ist sinnlos, den Kehricht zu untersuchen, den man gesammelt hat, um
ihn wegzuwerfen. Ebenso sinnlos ist es für jemanden, der sein
Selbst kennen will, all die Tattvas [16], die sein Selbst verschleiern, zu sammeln
und zu analysieren, anstatt sie wegzuwerfen. Man sollte die
phänomenale Welt lediglich als einen Traum betrachten.
Außer dass der Wachzustand lang und der Traum kurz ist, gibt es
keinen Unterschied zwischen den beiden. Wie die Ereignisse im
Wachzustand als wirklich erscheinen, erscheinen auch die
Traum-Ereignisse als wirklich, während man träumt. Im Traum
nimmt der Geist lediglich einen anderen Körper an. In beiden
Zuständen, im Wachen und im Träumen, sind gleichzeitig
Gedanken, Namen und Formen vorhanden.
Es gibt nicht zweierlei Arten von Geist, einen guten und einen
schlechten, sondern es gibt nur einen Geist. Es sind die Neigungen ( Vasanas),
die von zweierlei Art sind: gut oder schlecht. Wird der Geist von guten
Vasanas beeinflusst, nennt man ihn gut, wird er von schlechten Vasanas
beeinflusst, nennt man ihn schlecht. Wie schlecht dir andere Menschen
auch erscheinen mögen, du solltest sie nicht hassen. Man sollte
Vorlieben und Abneigungen (Liebe und Hass) unterlassen. Erlaube dem
Geist nicht, zu oft bei weltlichen Dingen zu verweilen. Du solltest
dich so wenig wie möglich in die Angelegenheiten anderer Leute
einmischen. Alles, was man anderen gibt, gibt man nur sich selbst. Wenn
das (allgemein) bekannt wäre, wer würde dann nicht geben?
Wenn sich unser individuelles Ich erhebt, erhebt sich alles andere.
Wenn es sich senkt, sinkt auch alles andere. Je demütiger wir
sind, desto besser. Wenn der Geist unter Kontrolle ist, was spielt es
dann für eine Rolle, wo wir sind?
[1] in
Tamil: Manam, der denkende und fühlende
Geist, Intellekt, Verstand, Gefühl
[2]
Flüssigkeit, Blut, Fleisch, Fett, Mark,
Knochen und Samen
[3] die
Tätigkeiten, die mit den Armen und
Händen ausgeführt werden.
[4]Atmung,
Verdauung, Blutzirkulation, Schwitzen,
Ausscheidung
[5] wie im
Tiefschlaf oder während einer Ohnmacht
[6] Hier
wird auf die beliebte verneinende
»Neti-Neti«-Praxis (»Ich bin nicht dies, ich bin
nicht das«) angespielt.
[7] Dieses
Ich ist das kleine Ego-Ich im Unterschied
zum großen Ich, das das universelle Selbst ist.
[8] Sri
Ramana spricht hier vom spirituellen Herzen, Hridayam.
[9] Mit
dem
Stock drückt man die Leiche, die
sich aufbäumt, nieder, damit sie völlig verbrennen kann.
Schließlich verbrennt der Stock selbst.
[10]
Hier
spricht Ramana von den
übernatürlichen Fähigkeiten (Siddhis). Er macht klar,
dass sie mit Jnana nichts zu tun haben.
[11]
Hier
erwähnt Sri Ramana die Yoga-Methode
des Pranayama, des Zurückhaltens des Atems.
[12]
einfache und nahrhafte vegetarische
Ernährung, die den Körper erhält, aber nicht stimuliert
[13] ein
friedvoller, konzentrierter und klarer
Geist mit den Eigenschaften: Reinheit des Herzens, Ausgeglichenheit,
Freundlichkeit allen gegenüber, Tapferkeit und Freiheit von
Begierden, Hass und Arroganz - i. Ggs. zu den anderen Eigenschaften des
Geistes: Tamas (Trägheit) und Rajas (Leidenschaftlichkeit und
Ruhelosigkeit)
[14] Die
fünf Hüllen (Koshas) in der Lehre
des klassischen Advaita-Vedanta: die physische, vitale und mentale
Hülle, die Hülle des Wissens und der Erfahrung und die
Hülle der Seligkeit (wie im Tiefschlaf). In der
»Neti-Neti«-Praxis werden diese fünf Hüllen als
Nicht-Ich abgelegt, wie am Anfang beschrieben.
[15] Die
Zusicherung, dass man Brahman ist
(»Ich bin Brahman« etc.), ist das Gegenstück zur
»Neti-Neti«-Praxis. Beide Methoden benötigen ein
ausführendes Ich.
[16] Die
Tattvas sind die Elemente, aus der die
phänomenale und geistige Welt besteht. Sie werden in der indischen
Philosophie vom subtilen Geist bis zur Materie klassifiziert. Es gibt
davon bis zu 96 Klassifizierungen, die teils sehr kompliziert sind, je
nach Schule.
Glossar
Atma Vichara = Suche nach dem Selbst (i. e. nach der
Wurzel des Egos),
Selbstergründung, Selbsterforschung
Atma/Atman = (urspr.
Lebenshauch, Atem) hat zwei Bedeutungen: als unsterbliches inneres
Prinzip des Menschen ist es identisch mit
Brahman. Es steht aber auch für das individuelle Ich.
Dhyana = Meditation
(eines Objektes)
Brahman = die Wurzel
brh bedeutet Stärke, Intensität,
Urgrund des allgemeinen Seins, das Wesentliche in allen Dingen, das
Absolute ohne greifbare Gestalt. Brahman und Atman sind letztlich eins.
Das Absolute ist Sat-Chit-Ananda (Sein-Bewusstsein-Seligkeit).
Hrydaya = wörtl.:
„das ist das Zentrum“; das
spirituelle Herz auf der rechten Seite der Brust
Japa = Flüstern,
gemurmeltes Gebet; v. a. das unablässige
Wiederholen eines Gottesnamens oder Mantras, um den Geist zu beruhigen
und zu fixieren
Jnana = Erkenntnis,
Wissen
Jnana Drishdi = Die
Erkenntnis oder das Sehen der Weisheit bedeutet nicht ein
objektives Erkennen, sondern der Zustand des reinen Seins.
Jnani = einer, der
das Ziel des Jnana-Yoga, nämlich die
Verwirklichung durch Erkenntnis erlangt hat
Karma = Handeln,
Folgen des Handelns, Gesetz ausgleichender
Gerechtigkeit. Die Folgen der guten und schlechten Taten müssen in
diesem oder einem anderen Leben getragen werden. Auch i. S. von
selbstlosem Handeln.
Mantra = eine kurze
Formel aus den heiligen Schriften, ein Wort oder
nur eine Silbe. Das Mantra wird ständig wiederholt (s. a. Japa).
Mukti = Befreiung,
Erlösung aus dem Kreislauf von Geburt, Tod
und Wiederverkörperung
Pranayama = Yoga-Methode
der Atemkontrolle. Ramana rät, lediglich den Atem zu
beobachten.
Samadhi = Versenkung;
hier i. S. von Versenkung, in der man sich des
Körpers und der Welt nicht mehr bewusst ist
Vasanas = alles, was
unbewusst im Geist ist: Neigungen, Wünsche,
Eindrücke, Gedanken-Konzepte, Angewohnheiten usf.
Vichara = Suche,
Erforschung; hier i. S. von Atma Vichara, Erforschung
des Selbst (Ego-Ichs)
Yoga = Einheit
mit Brahman; Übungsmethode
Die Lehre
Ramana Maharshi's - Selbsterforschung
Top
von Bhagavan Sri Ramana Maharshi
Übersetzung des Originals
aus dem Tamil ins Englische von
Dr. T.M.P. Mahadevan, M.A., Ph.D.
Herausgeber:
V.S. Ramanan
President, Board of Trustees
Sri Ramanasramam
Tiruvannamalai 606-603
South India
Einführung
Der
hier vorliegende Text behandelt in vierzig Fragen und Antworten die
Gesamtheit spiritueller Wege, die zur Erlösung (Moksha)
führen. Die Fragen wurden von Gambhiram Seshayya, einem
frühen Anhänger Bhagavan Sri Ramana Maharshis gestellt, der
um 1900 Gemeindeinspektor in Tiruvannamalai war.
Gambhiram
Seshayya war nicht nur ein leidenschaftlicher Ramabhakta (Verehrer
Ramas), er interessierte sich auch für Theorie und Praxis des
Yoga. Er beschäftigte sich insbesondere mit den Vorträgen
Vivekanandas über die verschiedenen Yoga-Wege und mit einer
englischen Übersetzung der Rama Gita. Von Zeit zu Zeit, wenn er
Zweifel oder Schwierigkeiten beim Studium der Bücher und in seiner
spirituellen Praxis hatte, besuchte er Bhagavan Sri Ramana Maharshi.
Bhagavan,
zu dieser Zeit erst einundzwanzig Jahre alt, lebte in der
Virupaksha-Höhle auf dem Berg Arunachala. Da Bhagavan schwieg -
nicht weil er ein entsprechendes Gelübde abgelegt hatte, sondern
weil er einfach keine Neigung zu sprechen verspürte - schrieb er
die Antworten auf Seshayyas Fragen auf kleinen Zetteln nieder. Diese
aus den Jahren 1900 bis 1902 stammenden Notizen übertrug Seshayya
später in ein Notizbuch.
Das
so gesammelte Material veröffentlichte der Sri Ramanasramam unter
dem Titel Vichara Sangraham, d.h. „Kompendium
der Selbst-Erforschung“.
Eine Zusammenfassung der in dem Werk enthaltenen Lehre wurde
später in englischer Sprache unter dem Titel „Self-Enquiry“
herausgegeben. In dieser Fassung wurde auf die Frage-Antwort-Form
verzichtet und der Kern der Lehre Bhagavans in zwölf thematisch
geordneten kurzen Kapiteln dargestellt. Die hier vorliegende
Übersetzung folgt wiederum dem kompletten tamilischen Originaltext
von Vichara Sangraham.
Vichara
Sangraham (Selbsterforschung) ist die erste Sammlung der Unterweisungen
Bhagavans, wie sie von ihm selbst niedergeschrieben wurden, und daher
von einzigartigem Wert.
Das
gründliche Studium der Unterweisungen Bhagavans offenbart, dass
all seine Darlegungen vollständig seiner eigenen Erfahrung
entspringen. Heilige Texte, die seine frühen Anhänger zu ihm
brachten, und die er las, um ihnen bei der Klärung ihrer Fragen
und Zweifel zu helfen, bestätigten seine Erfahrungen. Seine
Unterweisungen ergänzt Bhagavan oft mit Bemerkungen wie "die
Schriften erläutern" oder "die Heiligen sagen", auch zitiert er
Stellen aus der Bhagavad Gita, dem Viveka Chudamani oder einmal auch
der Ribhu Gita, stets wird aber deutlich, dass Bhagavan die Zitate nur
als Beleg für die von ihm selbst in eigener Erfahrung entdeckte
Wahrheit verwendet.
Die
grundlegende Lehre ist die des Advaita Vedanta. Das Ziel ist die
vollkommene Erfahrung des nicht-dualen Selbst, die Erforschung des
Wesens des Selbst ist der Weg. Wenn der menschliche Geist das Selbst
mit dem Nicht-Selbst (dem Körper, usw.) gleichsetzt, bedeutet dies
Versklavung. Wenn diese Fehl-Identifikation mit Hilfe der Nachfrage
"Wer bin ich?" überwunden wird, bedeutet das Befreiung. Folglich
ist Selbst-Erforschung - wie Bhagavan Ramana lehrt - der kürzeste
Weg. Die "Ich"-Erfahrung hat jeder Mensch. Von allen Gedanken ist der
"Ich"-Gedanke der erste, der entsteht. Notwendig ist es, die Quelle des
"Ich"-Gedankens zu ergründen. Dies bedeutet die Umkehrung des in
der Regel im Geist ablaufenden Prozesses.
Gewöhnlich
erforscht der Geist den Zustand und Ursprung aller anderen Dinge, die
sich bei genauerer Untersuchung dann als seine eigene Projektion
erweisen; der Geist reflektiert weder sich selbst, noch folgt er der
Spur zu seiner eigenen Quelle. Selbst-Entdeckung kann aber nur erreicht
werden, wenn der Geist nach innen gewandt wird. Dieser Vorgang darf
nicht mit jener Innenschau verwechselt werden, auf die sich Psychologen
beziehen. Selbst-Erforschung ist nicht etwa die Analyse des
Geistesinhalts, sondern Selbst-Erforschung ist das Verfolgen der zu
allererst entstandenen Erscheinungsform des Geistes, also des
"Ich"-Gedankens, zurück zu seiner Quelle, die wiederum das Selbst
ist.
Wenn
die Ergründung auf richtige Art und ohne jede Unterbrechung
geschieht, endet schließlich auch der "Ich"-Gedanke, und was
bleibt, ist das Licht des "Ich-Ich", das reines, mit Worten nicht zu
beschreibendes Bewusstsein ist. Das ist Erlösung, das ist
Befreiung. Die Methode, mit der Befreiung erlangt werden kann, ist, wie
schon gesagt, die Ergründung, die im Vedanta als Jnana
(Erkenntnis) bezeichnet wird. Wahre Hingabe (Bhakti), Meditation
(Dhyana) und Konzentration (Yoga) sind hiermit identisch.
Bhagavan
sagt eindeutig: Die vollkommene Erfahrung des Selbst nicht zu
vergessen, ist wahre Hingabe, wahre Geisteskontrolle, wahres Wissen und
jede Art von Askese. In der Sprache der Hingabe mag das letzte Ziel als
das Auflösen des Geistes in seiner Quelle, also in Gott, dem
Selbst, beschrieben werden; in der Sprache des Yoga mag es beschrieben
werden als Aufgehen des Geistes im Lotus des Herzens. Dies sind nur
verschiedene Arten, ein und dieselbe Wahrheit auszudrücken.
Der
Weg der Selbst-Erforschung wird von denen als schwierig empfunden, die
noch nicht die entsprechende Befähigung erlangt haben. Denn der
Geist muss zunächst rein und konzentriert sein, was wiederum z.B.
durch Meditation bewirkt werden kann. Andere Wege sind also durchaus
Hilfen für den direkten Weg der Selbst-Erforschung. In diesem
Zusammenhang erwähnt Bhagavan drei Stufen des Strebens: die hohe,
die mittlere und die niedrige. Für die Strebenden der höchsten Stufe ist der
vom Vedanta empfohlene Weg der der Ergründung. Durch diesen Weg findet der Geist Ruhe im
Selbst und hört schließlich auf zu existieren, es bleibt die
reine Erfahrung des Selbst in seinem ungetrübten Glanz.
Der
Weg der mittleren Stufe ist der der Meditation über das Selbst.
Meditation heißt, den Geist ununterbrochen auf ein einziges
Objekt auszurichten. Es gibt viele Arten der Meditation. Die beste ist
die, die "Ich bin das Selbst" zum Objekt nimmt, sie mündet in
Selbsterkenntnis. Für die Strebenden der niedrigsten Stufe ist die
Übung der Atembeherrschung sinnvoll, da sie zur Beherrschung des
Geistes führt.
Bhagavan
erläutert den Unterschied zwischen Jnana Yoga (Pfad der
Erkenntnis) und Dhyana Yoga (Pfad der Meditation) so: Jnana bedeutet,
einen störrischen Stier mit Hilfe eines Büschels Gras zu
locken und zu zähmen, während Dhyana bedeutet, ihn mit Gewalt
zu bändigen. Dhyana Yoga und auch Jnana Yoga gliedern sich jeweils
in acht Stufen. Die einzelnen Stufen des Jnana Yoga sind dem Ziel
bereits ähnlicher als dies beim Dhyana Yoga der Fall ist. Zum
Beispiel bedeutet das Pranayama des technischen Yoga das Regulieren und
Zurückhalten des Atems, während das Pranayama des Jnana das
Zurückweisen der aus Namen und Formen bestehenden Welt als nicht
wirklich bedeutet, verbunden mit der Erkenntnis der Wirklichkeit, die
Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit ist.
Die
Erkenntnis des Selbst kann hier in diesem Leben erlangt werden.
Tatsächlich ist Selbsterkenntnis nichts, was neu erworben werden
müsste. Wir sind bereits das Selbst und das Selbst allein
existiert. Nur Unwissenheit verleitet uns zu der Vorstellung, dass wir
das Selbst noch nicht erkannt hätten. Wenn wir diese Unwissenheit
durch Wissen ersetzen, erkennen wir die Ewigkeit unseres Selbst. Wer
diese Erkenntnis erlangt hat, wird Jivanmukta (lebend befreit) genannt.
Anderen mag er weiterhin als Besitzer eines Körpers erscheinen.
Zum Nutzen für eben diese anderen ist bestimmt, dass der
Körper so lange erhalten bleibt, wie das restliche Prarabdha Karma
(das aus der Vergangenheit stammende Karma, welches in der Gestalt des
gegenwärtigen Körpers Frucht zu tragen begonnen hat) Wirkung
entfaltet; wenn dessen Kraft erschöpft ist, stirbt der
Körper, und der Jivanmukta wird zum Videhamukta (der im Tode
Befreite). Vom Standpunkt der absoluten Wahrheit aus gibt es allerdings
keine Verschiedenheit der Mukti. Man muss verstehen, dass Mukti oder
Befreiung das unveräußerliche Wesen des Selbst ist.
Dies
sind in Kürze die Unterweisungen Bhagavan Sri Ramana Maharshis in
Vichara Sangraham.
Universität
Madras
15. November 1965
T.M.P. MAHADEVAN
Vorwort zur
achten Auflage
Die
erste mir zugängliche Ausgabe dieses Werks in Form von Fragen und
Antworten stammt aus dem Jahr 1930; sie wurde von A. Shivalinga
Mudaliyar und V. Subrahmanya Achari veröffentlicht und bei
Saravana Bava Press, Madras, gedruckt. Muruganar verfasste das Vorwort
am 16. Juni 1930. In seinem Vorwort weist er darauf hin, dass
Natanananda der Herausgeber der aus Fragen und Antworten bestehenden
Fassung ist. Natanananda wiederum erläutert in seiner Einleitung,
dass das Werk die Unterweisungen Bhagavan Ramanas enthält, wie sie
in schriftlicher Form Gambhiram Seshayya in den Jahren 1901-1902 zuteil
wurden. In Frage-Antwort-Form erschien das Werk in den ersten
Tamil-Ausgaben der Gesammelten Werke (Collected Works), die der Ashram
veröffentlichte. In der dritten Auflage von 1940 und auch in den
folgenden Auflagen erschien Self-Enquiry als Zusammenfassung. In einer
Fußnote des Editorials wird darauf hingewiesen, dass die Kopie
des Manuskripts aus dem Besitz des Bruders von Gambhiram Seshayya
stammt, von Sivaprakasam Pillai herausgegeben und von Natanananda in
die Frage-Antwort-Form gebracht wurde.
Madras
18. Januar 1971
T.M.P. Mahadevan
GEBET
Wie könnte es einen anderen
Weg geben, das Höchste und Einzige anzubeten, als es ganz und gar
zu sein!
1
Schüler:
Meister! Wie kann man den Zustand ewiger Glückseligkeit, der frei
von allem Leid ist, erreichen?
Meister:
Nicht nur die Veden treffen die Feststellung, dass dort, wo es
Körper gibt, Leid ist, dies entspricht auch der unmittelbaren
Erfahrung aller Menschen; das wahre eigene Wesen, das stets
unkörperlich ist, sollte daher erforscht werden, und man sollte
eben dieses Wesen sein. Das ist der Weg, den Zustand zu erreichen.
2
Schüler:Was
ist gemeint, wenn gesagt wird, man solle das wahre Wesen erforschen und
verstehen?
Meister: Solche Erfahrungen wie "Ich ging; ich kam; ich
war; ich tat" macht zwangsläufig jeder. Ergibt sich aus diesen
Erfahrungen nicht, dass das Bewusstsein "Ich" das Subjekt der
verschiedenen Handlungen ist? Wenn man die wahre Natur dieses
Bewusstseins ergründet und bei sich selbst bleibt, ist das der
Weg, mit Hilfe von Erforschung die eigene wahre Natur zu verstehen.
3
Schüler:
Wie muss man erforschen: "Wer bin ich?"
Meister: Handlungen wie Gehen und Kommen betreffen
lediglich den Körper. Und wenn man sagt: "Ich ging, ich kam",
unterstellt man, dass der Körper "Ich" sei. Aber kann es richtig
sein, dass der Körper, den es vor der Geburt nicht gab, der aus
den fünf Elementen besteht, der während des Tiefschlafs nicht
existiert und der mit dem Tod ein Leichnam wird, wirklich das
"Ich"-Bewusstsein ist? Kann der Körper, der schwerfällig wie
ein Holzklotz ist, das strahlende "Ich-Ich" sein? Hier liegt der Grund,
warum das "Ich"-Bewusstsein, das mit dem Körper verbunden ist,
Einbildung (Tarbodham), Ego (Ahankara), Unwissenheit (Avidya), Maya,
Unreinheit (Mala) oder individuelle Seele (Jiva) genannt wird. Wie kann
man dies nicht ergründen wollen! Ist es nicht Sinn und Zweck der
Schriften, uns mit Hilfe der Erforschung zur Erlösung zu
führen, wenn sie sagen, dass die Vernichtung der Einbildung
Befreiung (Mukti) bedeutet?
Man
sollte also den Körper-Leichnam einen Leichnam sein lassen und,
ohne das Wort "Ich" auch nur zu sagen, direkt ergründen: "Was ist
es, das jetzt als 'Ich" in Erscheinung tritt?" Dann wird im Herzen ein
stilles, glänzendes Licht als "Ich-Ich" erstrahlen. Aus sich
selbst heraus wird das reine, unbegrenzte, einzige Bewusstsein
leuchten; alle Begrenzung und Vielfalt der Gedanken wird verschwunden
sein. Wenn man dann still bleibt und diesen Zustand nicht
verlässt, wird das Ego, das Gefühl der Individualität in
Gestalt von "Ich bin der Körper" vollständig aufgelöst
und schließlich auch der letzte Gedanke, die "Ich"-Form,
ausgelöscht werden, wie das Feuer, das Kampfer verbrennt.(1) Die
Heiligen und die Schriften sagen klar, dass das allein Befreiung ist.
4
Schüler:
Wenn man die Wurzel der "Ich"-Einbildung erforscht, tauchen
unzählige Gedanken verschiedenster Art auf, allerdings kein
isolierter "Ich"-Gedanke.
Meister: Der Nominativ, also der erste Fall, ist
innerhalb eines Satzes vielleicht nicht direkt erkennbar, und doch ist
er immer die Basis sowohl des Satzes als auch der anderen Fälle;
genauso ist das Ego als der primäre Mentalzustand "Ich", also der
Wahrnehmung "Ich bin der Körper" die Grundlage aller im Herzen
entstehenden Gedanken. Das Erscheinen des Ego ist also Ursache und
Quelle des Entstehens aller anderen Gedanken, woraus folgt, dass mit
der Zerstörung der Ego-Einbildung, die die Wurzel des
illusionären Baums der Samsara (Sklaverei der
Wiederverkörperung) ist, auch alle anderen Gedanken wie ein
entwurzelter Baum vollständig zugrunde gehen.
Welche
Gedanken sich auch einstellen und die Sadhana (den spirituellen Weg)
behindern mögen, dem Geist sollte nicht erlaubt werden, ihnen zu
folgen, er sollte vielmehr dazu gebracht werden, im Selbst, dem Atman,
zu verweilen. Als Zeuge jedes Geschehens sollte man die Haltung
einnehmen: "Wie sonderbar es auch ist, was geschieht, es geschehe!"
Diese Haltung sollte man üben. Mit anderen Worten: Man soll sich
nicht mit den Geschehnissen identifizieren und niemals das Selbst
verlassen. Nur so kann der Geist zerstört werden (Manonasa),
dessen Eigenart es ist, den Körper als das Selbst anzusehen, was
wiederum die Ursache aller eben genannten Probleme ist. Diese Methode,
die auf simple Weise das Ego zerstört, wird zu Recht Hingabe
(Bhakti), Meditation (Dhyana), Konzentration (Yoga) und Erkenntnis
(Jnana) genannt.
Da
Gott das im Herzen als "Ich" strahlende Wesen des Selbst ist und die
Schriften klar sagen, dass das Denken als solches Sklaverei ist, ist es
am besten, still zu bleiben und IHN (Gott, das Selbst) niemals zu
vergessen, nachdem der Geist, der nur eine Form des "Ich"-Gedankens
ist, auf welche Weise auch immer, in IHM aufgelöst wurde. Dies ist
die Lehre der Schriften.
5
Schüler:
Kann mit der Erforschung nur die falsche Selbst-Identifikation mit dem
physischen Körper beseitigt werden oder ist sie auch das
Instrument, die falsche Selbst-Identifikation mit dem feinstofflichen
und dem kausalen Körper zu beenden?
Meister: Die anderen Körper existieren auf der
Grundlage des physischen Körpers. Der falsche Glaube "Ich bin der
Körper" schließt die drei aus den fünf Hüllen
bestehenden Körper ein. Die Beseitigung des falschen
Selbst-Verständnisses bezüglich des physischen Körpers
ist daher zugleich auch die Zerstörung der falschen
Selbst-Identifikation mit den anderen Körpern. Erforschung ist
also das Instrument, die falsche Selbst-Identifikation in allen drei
Körpern zu beenden.
6
Schüler:
Kann man, obgleich es unterschiedliche Formen des inneren Organs, und
zwar Manas (Denken), Buddhi (Intellekt), Chitta (Gedächtnis) und
Ahankara (Ego) gibt, tatsächlich sagen, dass allein die
Zerstörung des Geistes Befreiung bedeutet?
Meister: In den das Wesen des Geistes erläuternden
Büchern ist folgendes festgestellt: "Der Geist wird aus den
feinstofflichen Teilen unserer Nahrung herangebildet; er wächst
mit Regungen wie Zuneigung und Abneigung, Verlangen und Zorn. Denken,
Intellekt, Gedächtnis und Ego sind in dem Begriff "Geist"
zusammengefasst. Die typischen Eigenschaften des Geistes sind Denken,
Unterscheiden, usw. Weil er ein Objekt des Bewusstseins (des Selbst)
ist, ist er etwas, das erkannt wird, also tatsächlich inaktiv;
dennoch hat es den Anschein, er sei bewusst, weil er mit dem
Bewusstsein verbunden ist (Beispiel: rotglühende Eisenkugel). Der
Geist unterliegt Begrenzungen, er ist nicht von Dauer, er ist teilbar
und formbar wie Wachs, Gold oder eine Kerze; er besteht aus allen
Elementen der Erscheinungswelt; sein Ort ist der Lotus des Herzens,
ebenso wie z.B. der Ort des Sehens das Auge ist. Er ist ein
Anhängsel der individuellen Seele; das Denken an ein Objekt formt
ihn, und mit den Kenntnissen des Gehirns fließt er durch die
fünf Sinnes-Kanäle, verbindet sich mit Hilfe des Gehirns (dem
in ihm gespeicherten Wissen) mit Objekten, erkennt und begreift die
Objekte und erfährt Befriedigung. Dieses Gebilde ist der Geist."
Wie
man ein und dieselbe Person entsprechend ihrer verschiedenen Funktionen
mit unterschiedlichen Namen nennt, hat auch derselbe Geist
unterschiedliche Namen: Denken, Intellekt, Gedächtnis, Ego -
aufgrund seiner verschiedenen Wirkungsformen und nicht etwa wegen
irgendeines tatsächlichen Unterschiedes. In Wahrheit hat der Geist
jede Form, die Form der Seele, Gottes, der Welt. Wenn er durch
Erkenntnis zum Selbst wird, bedeutet dies Erlösung, die das Wesen
Brahmans ist. Das ist die Lehre.
7
Schüler:
Wenn diese vier - Denken, Intellekt, Gedächtnis und Ego - ein und
dasselbe sind, warum ordnet man ihnen dann verschiedene Orte zu?
Meister: Es ist richtig, dass man sagt, die Kehle sei
der Sitz des Denkens, das Gesicht oder das Herz der des Intellekts, der
Nabel der des Gedächtnisses und das Herz oder Sarvanga
(Körper?) der des Ego; trotz dieser Unterschiede ist für ihre
Gesamtheit, also für den Geist oder das innere Organ, allein das
Herz der Sitz. Dies ist in den Schriften überzeugend dargelegt.
8
Schüler:
Warum heißt es, dass nur der Geist, das innere Organ, als die
Form von allem, also der Seele, Gottes und der Welt, leuchtet?
Meister: Als Instrumente der Objekterkennung befinden
sich die Sinnesorgane außen und werden daher die
äußeren Sinne genannt; der Geist wird der innere Sinn
genannt, da er innen ist. Aber die Unterscheidung zwischen innen und
außen ergibt sich nur im Bezug zum Körper; in Wahrheit gibt
es weder innen noch außen. Der Geist ist von Natur aus rein wie
Äther. Was man Herz und Geist nennt, ist eine Zusammenfassung der
Elemente der Erscheinungswelt, die als innen und außen
erscheinen. Zweifellos sind alle Erscheinungen, die Namen und Form
haben, ihrem Wesen nach nichts als Geist. Alles was als außen
erscheint ist in Wahrheit innen und nicht außen; um dies zu
verdeutlichen, wird auch in den Veden dargelegt, dass alles seinem
Wesen nach das Herz ist. Und das Herz ist nichts anderes als Brahman.
9
Schüler:
Inwiefern ist das Herz nichts anderes ist als Brahman?
Meister: Obwohl das Selbst in den Zuständen des
Wachseins, des Traums und des Tiefschlafs seine jeweiligen Erfahrungen
macht und sich demgemäß entweder in den Augen, in der Kehle
oder im Herzen aufhält, verlässt es in Wahrheit doch nie
seinen Hauptsitz, das Herz. Im Lotus des Herzens, der alles in sich
birgt - anders formuliert: im Äther des Geistes - strahlt das
Licht des Selbst in Gestalt des "Ich". Da es in jedem Menschen auf
diese Weise leuchtet, nennt man das Selbst auch den Zeugen (Sakshi) und
das Transzendente (Turiya - wörtlich: das Vierte). Das "Ich"-lose
höchste Brahman, das in jedem Körper innerhalb des Lichts der
"Ich"-Form strahlt, ist der Äther des Selbst (oder der Äther
der Erkenntnis): Dies allein ist die absolute Realität. Es ist das
Über-Transzendente (Turiyatita). Deshalb wird gesagt, dass das,
was man Herz nennt, nichts anderes als Brahman ist. Mehr noch: da
Brahman in den Herzen aller Seelen als Selbst leuchtet, ist "Herz" der
Name, den man Brahman gibt.(2)
Die
Bedeutung des Wortes Hridayam ist, wenn man es zu "hrit-ayam" zerlegt,
tatsächlich Brahman. Dass das als Selbst strahlende Brahman im
Herzen eines jeden Menschen wohnt, wird deutlich dadurch belegt, dass
jeder Mensch mit dem Finger auf seine Brust zeigt, wenn er "Ich" sagt.
10
Schüler:
Wenn das ganze Universum eine Form des Geistes ist, folgt daraus nicht,
dass das Universum eine Illusion ist? Falls dies aber so ist, warum ist
dann in den Veden von der Erschaffung des Universums die Rede?
Meister: Zweifellos ist das Universum nichts als eine
Illusion. Der Sinn der Veden ist in erster Linie die Offenbarung des
wahren Brahman, indem gezeigt wird, dass das sichtbare Universum Trug
ist. Allein aus diesem und keinem anderen Grund lassen die Veden
gelten, dass die Welt erschaffen sei. Menschen mit geringem
Verständnis wird demnach die Schöpfung als schrittweise
Evolution von Prakriti (der ursprünglichen Natur), Mahat-Tattva
(des hohen Intellekts), Tanmatras (des Feinstofflichen), Bhutas (der
physischen Elemente), Welt, Körper, usw. aus Brahman heraus
erklärt, während sie den Verständigen als
Simultangeschehen erläutert wird, dass also diese Welt aufgrund
des Unvermögens, sich als das Selbst zu erkennen, als eine Art
Traumzustand durch eigene Gedanken entstanden ist.
Schon
durch die Tatsache, dass die Schöpfung auf unterschiedliche Weise
beschrieben wird, wird erkennbar, dass - nachdem auf die eine oder
andere Art die Scheinwirklichkeit des Universums deutlich geworden ist
- der Sinn der Veden allein in der Lehre des wahren Brahman liegt. Dass
die Welt eine Illusion ist, kann jeder unmittelbar im Zustand der
Erleuchtung erfahren, die das Erfahren der eigenen Natur als
Glückseligkeit bedeutet.
11
Schüler:
Ist dem Geist die Erfahrung des Selbst möglich, obwohl
fortwährende Veränderung seiner Natur entspricht?
Meister: Da Sattva Guna (der Reinheit, Intelligenz,
usw. bewirkender Aspekt der Prakriti) der natürliche Zustand des
Geistes und der Geist rein und klar wie Äther ist, ist das, was
man Geist nennt, von seiner Beschaffenheit her in Wahrheit Wissen. Wenn
der Geist in seinem natürlichen (d.h. reinen) Zustand bleibt, hat
er nicht einmal den Namen "Geist". Nur aufgrund eines Irrtums wird er
für etwas anderes gehalten, das dann fälschlich Geist genannt
wird. Das, was ursprünglich der reine Sattva-Geist war, dem Wesen
nach also reines Wissen, vergisst seine Wissen-Natur aufgrund
Unwissenheit, verwandelt sich unter dem Einfluss von Tamo Guna (dem
Trägheit und Inaktivität bewirkenden Aspekt der Prakriti) zur
Welt, um dann unter dem Einfluss von Rajo Guna (dem Aktivität,
Leidenschaft, usw. bewirkenden Aspekt der Prakriti) die Vorstellung
"Ich bin der Körper - der Körper ist wirklich" zu entwickeln,
bekommt sodann durch Zuneigung, Abneigung, usw. die sich hieraus
ergebenden Belohnungen und Strafen und, aufgrund verbliebener
Eindrücke (Vasanas), erfolgen Geburt und Tod.
Aber
der Geist, der sich seiner Unreinheiten (Sünden) durch
anhaftungsfreies Handeln in vielen vergangenen Leben entledigt hat,
hört bei einem echten Meister die Lehren der Schriften,
reflektiert ihre Bedeutung und meditiert, um den natürlichen
Geisteszustand des Selbst "Ich bin Brahman" zu erfahren, in den die
andauernde Kontemplation über Brahman führt. Und so wird die
Verwandlung des Geistes in die Welt unter dem Aspekt der Tamo Guna
wieder rückgängig gemacht und gleichzeitig auch das
Umherschweifen in ihr unter dem Aspekt der Rajo Guna. Wenn diese
Rückkehr erfolgt, wird der Geist unmerklich und reglos.
Nur
die Unreinheit des von Rajas und Tamas beeinflussten Geistes hindert
das Erkennen der Wirklichkeit (des Selbst), die unveränderlich und
sehr fein ist; auch ein Stück feiner Seide kann nicht mit einem
Brecheisen genäht werden, und die Details eines fein gearbeiteten
Kunstwerks sind bei im Wind flackerndem Licht nicht erkennbar. Aber in
einem reinen Geist, der durch Meditation in der oben beschriebenen
Weise still und reglos geworden ist, wird sich die Glückseligkeit
des Selbst (d.h. Brahmans) zeigen. Ohne Geist gibt es keine Erfahrung,
aber nur dem klaren Geist in seiner reinsten Form (Vritti) ist es
möglich, die Glückseligkeit des Selbst zu erfahren, wenn er
in eben dieser Form (der Gestalt Brahmans) verharrt. Dann wird man in
aller Klarheit erfahren, dass das eigene Selbst seinem Wesen nach
Brahman ist.
12
Schüler:
Ist die eben beschriebene Erkenntnis des Selbst auch für den Geist
möglich, der in der Erfahrungswelt in Übereinstimmung mit
seinem Prarabdha (dem angesammelten Karma, das bereits begonnen hat,
Frucht zu tragen) agieren muss?
Meister: Ein Brahmane mag in einem Drama verschiedene
Rollen spielen, und doch wird das Wissen, ein Brahmane zu sein, ihn nie
verlassen. Ebenso sollte man trotz der vielfältigen Erfahrungen,
in die man verstrickt wird, immer sicher wissen: "Ich bin das Selbst",
die falsche Vorstellung "Ich bin der Körper, usw." sollte man
niemals zulassen. Wenn der Geist abschweift, muss man sofort
untersuchen: "Oh, oh, wir sind keine Körper, wer sind wir?" und so
den Geist in seinen reinen, natürlichen Zustand
zurückbringen. Die Ergründung "Wer bin ich?" ist das
wesentliche Instrument für die Beseitigung allen Elends und das
Erlangen höchster Glückseligkeit. Wenn der Geist, wie hier
beschrieben, in seinem natürlichen Zustand Ruhe findet, stellt
sich die Erfahrung des Selbst zwangsläufig und ungehindert ein.
Empfindungen wie Freude und Schmerz werden den Geist danach nicht mehr
berühren. Alle Erscheinungsformen werden gleich einem Traum sein
und nicht länger Bindung bedeuten.
Die
vollkommene Erfahrung des Selbst niemals zu vergessen, ist in Wahrheit
Bhakti (Hingabe), Yoga (Geisteskontrolle), Jnana (Wissen) und alle
anderen Formen der Askese. Das bestätigen die Weisen.
13
Schüler:
Was die Aktivitäten in unserer Arbeit betrifft, so sind wir weder
die Urheber noch die Nutznießer. Tätigkeit geschieht durch
die drei Instrumente (also Geist, Sprache und Körper). Können
wir unberührt bleiben, wenn wir daran denken?
Meister: Wenn der Geist veranlasst worden ist, im
Selbst, also in Gott, zu ruhen und, weil er das Selbst nicht mehr
verlässt, das Interesse an Erfahrungen verloren hat, wie
könnte er noch so denken? Bewirken derartige Gedanken nicht
Sklaverei? Wenn solche Gedanken aufgrund verbliebener Eindrücke
(Vasanas) auftauchen, sollte man den Geist davor bewahren, diesen
Gedanken nachzugehen und sich bemühen, ihn im Zustand des Selbst
zu halten und gegenüber jeglicher Erfahrung gleichgültig
werden lassen. Man sollte dem Geist keinen Raum geben für Gedanken
wie "Ist dies gut oder jenes? Ist dies zu tun oder jenes?"
Schon
vor dem Entstehen solcher Gedanken sollte man wachsam sein und den
Geist in seinem ursprünglichen Zustand halten. Auch wenn ihm nur
wenig Raum gegeben wird, wird der (unruhige) Geist uns übel
mitspielen, obwohl er vorgibt, unser Freund zu sein. Wie ein als Freund
getarnter Feind wird er uns zu Fall bringen. Entstehen solche Gedanken,
die in immer tieferes Unglück führen, nicht allein deshalb,
weil man das eigene Selbst vergessen hat? Wenn es richtig ist, dass die
Analyse "Ich handle nicht, alle Handlungen geschehen durch die
Instrumente", den Geist davor bewahrt, mit den Gedanken-Vasanas zu
fließen, ist es dann nicht auch richtig, dass nur der mit den
Gedanken-Vasanas fließende Geist durch die eben genannte Analyse
beherrscht werden muss?
Kann
der im Zustand des Selbst ruhende Geist überhaupt "Ich" und "Ich
verhalte mich aufgrund von Erfahrungen so und so" denken? Auf jedem der
möglichen Wege sollte man sich mehr und mehr bemühen, das
eigene wahre Selbst, also Gott, nicht zu vergessen. Wenn das erreicht
ist, ist alles erreicht. Der Geist sollte nichts anderem mehr zugewandt
werden. Selbst wenn die eigenen Handlungen, die das Ergebnis des
Prarabdha Karma sind, wie die eines Narren wirken, sollte man den Geist
im Zustand des Selbst halten und dem "Ich"-Gedanken nicht gestatten,
sich zu erheben.
Haben
nicht unzählige Bhaktas (voller Hingabe Strebende) ihre
vielfältigen weltlichen Aufgaben in einer Haltung des Gleichmuts
erledigt?
14
Schüler:
Worin liegt der wahre Sinn von Sannyasa (Entsagung)?
Meister: Sannyasa bedeutet allein, dem "Ich"-Gedanken
zu entsagen, und nicht etwa, die äußeren Dinge
zurückzuweisen. Wer (dem "Ich"-Gedanken) entsagt hat, bleibt
derselbe, unabhängig davon, ob er allein ist oder inmitten der
gesamten Samsara (Erfahrungswelt). Wenn der Geist sich auf ein Objekt
konzentriert, nimmt er nichts anderes wahr, so nah es auch sein mag.
Ebenso verhält es sich mit dem Weisen: Er kann in beliebig viele
Tätigkeiten der Erfahrungswelt verstrickt sein und ist in Wahrheit
doch völlig untätig, weil sein Geist im Selbst ruht und er
keinen "Ich"-Gedanken erstehen lässt. Gleich dem Träumenden,
der im Traum kopfüber nach unten fällt, obwohl er in Wahrheit
bewegungslos daliegt, ist der Unwissende, für den das "Ich"-Denken
trotz andauernden Meditierens noch nicht aufgehört hat, Handelnder
in der Erfahrungswelt.(3)
So
haben es die Weisen gesagt.
15
Schüler:
Geist, Sinnesorgane, usw. besitzen die Fähigkeit der Wahrnehmung,
warum werden sie gleichwohl als Objekte der Wahrnehmung angesehen?
Meister:
|
Drik
(Erkennender) ist
|
Drisya (erkanntes Objekt) ist |
|
1. Der
Sehende
|
Topf (das
gesehene Objekt)
|
|
außerdem
|
außerdem |
|
2. Das
Organ Auge
|
Körper,
Topf, usw.
|
|
3. Der
Gesichts-Sinn
|
Das Organ Auge
|
|
4. Der
Geist
|
Der
Gesichts-Sinn
|
|
5. Die
individuelle Seele
|
Der Geist
|
|
6.
Bewusstsein (das Selbst)
|
Die
individuelle Seele
|
Wie
in diesem Schema gezeigt, nennt man uns Drik (den Erkennenden), weil
wir als Bewusstsein alle Objekte wahrnehmen.
In
der Gruppe, zu der der Topf gehört, befinden sich die gesehenen
Objekte, also das Wahrgenommene.
Aus
der oben gezeigten Tabelle "Wissen : Unwissenheit (d.h. Erkennender :
Erkanntes)" ist zu ersehen, dass von den Erkennenden und den erkannten
Objekten jeweils das eine bezüglich des nächsten Erkennender
ist; und doch ist keines wirklich der Erkennende, solange es in Bezug
auf ein anderes zugleich auch erkanntes Objekt ist.
Obwohl
man sagt, wir seien der "Erkennende" und nicht das "erkannte Objekt",
weil wir alles verstehen und es nichts gibt, das uns versteht, gilt,
dass wir Erkennende nur bezüglich der erkannten Objekte sind. In
Wahrheit ist allerdings das "Erkannte" nicht von uns getrennt. Wir sind
also die Wirklichkeit, die beides (Erkennenden und Erkanntes)
transzendiert. Alles andere gehört in die Kategorie "Erkennender :
Erkanntes".
16
Schüler: Inwiefern
sind Ego, Seele, Selbst und Brahman miteinander identisch?
Meister:
|
Beispiel
|
Bedeutung |
|
1. Die
Eisenkugel
|
Das Ego
|
|
2. Die
glühende Eisenkugel
|
Die Seele, die
als Überlagerung des Selbst erscheint
|
|
3. Die
Glut in der glühenden Eisenkugel
|
Das Licht des
Bewusstseins, also das unwandelbare Brahman, das in der Seele eines
jeden leuchtet
|
|
4. Das
Feuer in der Glut, das allein übrig bleibt
|
Das
allgegenwärtige Brahman, das allein übrig bleibt
|
An
den hier gezeigten Beispielen wird deutlich, inwiefern Ego, Seele,
Zeuge und Allgegenwarts-Zeuge miteinander identisch sind.
Es
verhält sich wie mit dem Wachsklumpen des Schmieds; obgleich er in
sich zahllose unterschiedliche Metallteilchen birgt, sieht er aus wie
ein Klumpen aus Wachs.
Physischer
und feinstofflicher Körper aller individuellen Seelen sind im
Zustand des Tiefschlafs von der kosmischen Maya, also der Unwissenheit,
die völlige Dunkelheit ist, umschlossen. Da die Seelen im Selbst
aufgelöst und mit ihm eins geworden sind, sehen sie um sich herum
nichts als Dunkelheit. Aus dem Dunkel des Schlafs erhebt sich der
feinstoffliche Körper, das Ego, und von ihm aus der physische
Körper. Wenn das Ego in Erscheinung tritt, scheint es das Selbst
zu überlagern, vergleichbar der glühenden Eisenkugel. Daher
gibt es ohne die Seele (Jiva), die das mit dem Licht des Bewusstseins
verbundene Ego (Geist) ist, keinen Zeugen für das Selbst, und ohne
das Selbst gibt es nicht Brahman, den Allgegenwarts-Zeugen.
Auch
wenn die Eisenkugel von dem Schmied in verschiedene Teile
unterschiedlicher Form zerschlagen wird, verändert sich das in ihr
enthaltene Feuer nicht im Geringsten. So mag auch die Seele in die
unterschiedlichsten Erfahrungen verwickelt sein und Freude oder Schmerz
erfahren, das in ihr liegende Licht des Selbst erfährt nicht die
geringste Veränderung. Wie der Äther ist es einziges,
allgegenwärtiges, reines Wissen, das im Herzen als Brahman
leuchtet.
17
Schüler:
Wie kann man wissen, dass es das Selbst ist, das im Herzen als Brahman
leuchtet?
Meister: Äther füllt bekanntlich
unverändert und ohne Begrenzung das Innere einer Flamme ebenso aus
wie den Raum, der sie umgibt. So füllt auch der Äther des
Wissens unverändert und ohne Begrenzung das Innere und die
Umgebung des Selbst-Lichts im Herzen aus. Das ist es, was als Brahman
bezeichnet wird.
18
Schüler:
Wie erscheinen die drei Erfahrungszustände, die drei Körper,
usw., die ja Vorstellungen sind, im Licht des Selbst, das von sich aus
leuchtet und einzig und unteilbar ist? Und wenn sie erscheinen, wie
kann man erkennen, dass nur das Selbst immer unbewegt bleibt?
Meister:
|
Beispiel
|
Bedeutung |
|
1. Licht
|
Selbst
|
|
2.
Tür
|
Schlaf
|
|
3.
Türschwelle
|
Mahat-Tattva
|
|
4.
Innenwand
|
Nichtwissen
oder kausaler Körper
|
|
5.
Spiegel
|
Ego
|
|
6.
Fenster
|
Die fünf
Wahrnehmungsorgane
|
|
7.
Innere Kammer
|
Tiefschlaf -
der kausale Körper erscheint
|
|
8.
Mittlere Kammer
|
Traum - der
feinstoffliche Körper erscheint
|
|
9. Hof
|
Wachzustand -
der physische Körper erscheint |
Das
Selbst, das dem Licht (1) entspricht, leuchtet von sich aus in der
inneren Kammer, die gleichbedeutend mit dem kausalen Körper (7)
ist, dessen Innenwand (4) Nichtwissen und dessen Tür (2) der
Schlaf ist. Wenn durch die Gesetzmäßigkeiten des Lebens,
bedingt durch Zeit, Karma, usw. die Tür des Schlafs geöffnet
wird, erscheint eine Spiegelung des Selbst im Ego-Spiegel (5), der sich
nahe der Türschwelle - Mahat-Tattva - befindet; der Ego-Spiegel
sorgt für Helligkeit in der mittleren Kammer, dem Traum-Zustand
(8), und sorgt durch die Fenster, also die fünf wahrnehmenden
Sinnesorgane (6), für Licht auch im äußeren Hof, dem
Wachzustand. Wenn sich dann nach den Gesetzmäßigkeiten des
Lebens, bedingt durch Zeit, Karma, usw., die Tür des Schlafs
wieder schließt, gibt es mit der Beendigung des Wach- und des
Traumzustands auch kein Ego mehr, und es leuchtet nichts als das
Selbst. Das Beispiel macht deutlich, dass das Selbst unbewegt ist, das
Selbst und das Ego sich voneinander unterscheiden und auf welche Weise
die drei Erfahrungszustände, die drei Körper, usw. in
Erscheinung treten.
19
Schüler:
Obgleich ich den Erläuterungen bezüglich der Erforschung und
ihrer Merkmale in allen Einzelheiten gefolgt bin, hat mein Geist doch
keinen Frieden erlangt. Warum ist das so?
Meister: Weil es dem Geist an Kraft und Konzentration
mangelt.
20
Schüler:
Warum mangelt es dem Geist an Kraft?
Meister: Die Fähigkeit zur Erforschung erlangt man
durch Meditation, Yoga, usw., worin man sich durch Übung nach und
nach vervollkommnen sollte, damit die Mentalzustände erreicht
werden, die sowohl natürlich als auch förderlich sind. Wenn
ein derart gereifter Geist von der Erforschung hört, von der hier
die Rede ist, wird er unmittelbar seine wahre Natur, das Selbst,
erkennen und, ohne je wieder abzuschweifen, vollkommenen Frieden
finden. Für einen unreifen Geist ist unmittelbare Erkenntnis
allein durch das Hören von Erforschung kaum möglich. Wenn
aber die Methoden zur Geisteskontrolle einige Zeit geübt werden,
kann Frieden des Geistes schließlich gewonnen werden.
21
Schüler:
Welche Methode ist für die Beherrschung des Geistes die wichtigste?
Meister: Die Beherrschung der Atmung ist das Instrument
zur Beherrschung des Geistes.
22
Schüler:
Wie kann man die Atmung beherrschen?
Meister: Die Atmung kann entweder durch
vollständiges Zurückhalten des Atems (Kevala Kumbhaka) oder
durch Regulierung (Pranayama) beherrscht werden.
23
Schüler:
Was ist vollständiges Zurückhalten des Atems?
Meister: Es ist das Festhalten des Atems im Herzen,
ohne dass Einatmung oder Ausatmung geschieht. Man erreicht es durch
Meditation über das Gesetz des Lebens, usw.
24
Schüler:
Was ist Regulierung der Atmung?
Meister: Es ist das Festhalten des Atems im Herzen
durch Ausatmung, Einatmung und Anhalten der Atmung, wie die Yoga-Texte
dies empfehlen.
25
Schüler:
Wie bewirkt die Beherrschung der Atmung die Beherrschung des Geistes?
Meister: Es kann keinen Zweifel geben, dass
Atembeherrschung die Beherrschung des Geistes bewirkt, denn der Geist
ist wie der Atem Teil der Luft, beide bewegen sich auf gleiche Weise,
beide entspringen derselben Quelle, und wenn eins von beiden beherrscht
wird, ist gleichzeitig das andere beherrscht.
26
Schüler:
Atembeherrschung macht den Geist still (Manolaya), zerstört ihn
aber nicht (Manonasa), wie kann es dann sein, dass Atembeherrschung das
Instrument für die Erforschung ist, die wiederum die
Zerstörung des Geistes zum Ziel hat?
Meister: Die Schriften beschreiben den Weg zur
Selbsterkenntnis auf zweierlei Weise - als achtstufigen Yoga (Ashtanga
Yoga) und als achtstufige Erkenntnis (Ashtanga Jnana). Durch
Regulierung (Pranayama) oder durch vollständiges Zurückhalten
des Atems (Kevala Kumbhaka), was auch ein Glied des Yoga ist, wird der
Geist beherrscht. Wenn man es nicht dabei belässt, sondern auch
die weiteren Übungen praktiziert, wie das Zurückziehen des
Geistes von den äußeren Objekten (Pratyahara), dann wird
schließlich Selbsterkenntnis, die das Ergebnis von Erforschung
ist, erlangt werden.
27
Schüler:
Welches sind die Stufen des Yoga?
Meister: Yama (5 Enthaltungen), Niyama (5 ethische
Gebote), Asana (Yogaübungen), Pranayama (Atemübungen),
Pratyahara (Zurückziehen der Sinne), Dharana (Konzentration),
Dhyana (Meditation) und Samadhi (Erleuchtung).
Im
Einzelnen -
(1)
Yama: Hierunter versteht man die Bildung der Grundlagen richtigen
Verhaltens, wie Gewaltlosigkeit (Ahimsa), Wahrheit (Satya), nicht zu
stehlen (Asteya), Enthaltsamkeit (Brahmacharya) und Besitzlosigkeit
(Apari-Graha).
(2)
Niyama: bedeutet das Befolgen der Regeln richtigen Verhaltens, wie
Reinheit (Saucha), Zufriedenheit (Santosha), Genügsamkeit (Tapas),
Studium heiliger Texte (Svadhyaya) und Gottesverehrung
(Ishvara-Pranidhana).(4)
(3)
Asana: Von den verschiedenen Körperhaltungen sind vierundachtzig
Haltungen die wesentlichen, von denen vier als besonders wichtig
gelten, nämlich Simha
(der Löwe - brüllen wie ein Löwe entwickelt Mut und
beseitigt emotionale Spannungen), Bhadra
(auch Bhadrasana genannt, Sitzhaltung - Schmetterling - um den
Lotussitz zu lernen), Padma
(Padnasana, der Lotussitz) und Siddha.(Siddhasana,
Sitzhaltung, Eine Ferse zwischen Geschlechtsorganen und Anus, am
Perineum bzw. vor der Scheide, die andere Ferse am Schambein) (5) Von
diesen ist wiederum Siddha die beste. So erläutern es die
Yoga-Texte.
(4)
Pranayama: Die heiligen Texte machen bezüglich des Maßes
folgende Vorgaben: das Ausströmen der Atemluft ist Rechaka, das
Einströmen Puraka und ihr Zurückhalten im Herzen Kumbhaka.
Bezogen auf die "Maßeinheit" sagen manche Texte, dass Rechaka und
Puraka gleichlang sein sollten und Kumbhaka doppelt so lang,
während andere Texte sagen, dass Rechaka eine Maßeinheit,
Puraka zwei und Kumbhaka vier Maßeinheiten ausmachen sollten. Mit
"Maßeinheit" ist hier die Zeitspanne gemeint, in der das Gayatri
Mantra einmal rezitiert werden kann. Es wird empfohlen, Pranayama,
bestehend aus Rechaka, Puraka und Kumbhaka, jeden Tag entsprechend der
eigenen Möglichkeiten langsam und schrittweise zu üben. Der
Geist werde dann den Wunsch entwickeln, unbewegt im Glück zu
verweilen. Anschließend sollte Pratyahara (das Zurückziehen
der Sinne von der Aussenwelt) geübt werden.
(5)
Pratyahara: bedeutet, den Geist daran zu hindern, sich
äußeren Namen und Formen zuzuwenden. Der Geist, der bisher
unruhig war, wird dann beherrscht. Hilfen sind insoweit erstens die
Meditation über Pranava (OM), zweitens das Fixieren der
Aufmerksamkeit zwischen den Augenbrauen, drittens der Blick auf die
Spitze der Nase und viertens das Beobachten des Nada (innerer Klang).
Der Geist, der auf diese Weise Konzentration erlangt hat, ist
fähig, an einem Ort zu bleiben. Anschließend sollte Dharana
(Konzentration) geübt werden.
(6)
Dharana: Hierunter versteht man das Fixieren des Geistes an einer
für die Meditation geeigneten Stelle. Für die Meditation
besonders geeignete Stellen sind das Herz und Brahmarandhra (die
Öffnung auf der Oberseite des Kopfes). Man sollte sich vorstellen,
dass in der Mitte des hier befindlichen achtblättrigen Lotus (6)
die Gottheit, also das Selbst oder Brahman, wie eine Flamme strahlt,
und sollte den Geist dort fixieren. Anschließend sollte man
meditieren.
(7)
Dhyana: Hierunter versteht man die Meditation mit dem Gedanken "Ich bin
Er", also mit der Vorstellung, dass man selbst nichts anderes als die
eben erwähnte Flamme ist. Mehr noch, falls man nachfragt "Wer bin
ich?", wird man, wie die Schriften erläutern, "das
allgegenwärtige Brahman, das im eigenen Herzen als das Selbst
strahlt und der Zeuge des Denkens ist" als das im Herzen als "Ich-Ich"
strahlende göttliche Selbst erkennen. Diese Art der Betrachtung
ist die beste Meditation.
(8)
Samadhi: Als Ergebnis und Erfüllung der vorgenannten Meditation
löst sich der Geist in dem Objekt der Meditation auf, ohne die
Vorstellung "Ich bin dieses oder jenes" oder "Ich tue dies oder das"
länger in sich zu bergen. Dieser subtile Zustand, in dem sogar der
"Ich-Ich"-Gedanke (Gott) vergeht, ist Samadhi. Wenn man täglich
übt und darauf achtet, nicht vom Schlaf überwältigt zu
werden, wird Gottes Gnade nicht lange auf sich warten lassen und man
wird den höchsten Zustand völliger Stille des Geistes
erfahren.
28
Schüler:
Welchen Sinn hat die Empfehlung, bei Pratyahara (Zurückziehen der
Sinne) über Pranava (OM) zu meditieren?
Meister: Meditation über Pranava zu empfehlen, hat
diesen Sinn: Pranava ist das aus dreieinhalb Matras (Versmaß),
nämlich A, U, M und Ardha Matra bestehende Omkara. A steht
für den Wachzustand Visva-Jiva und den physischen Körper; U
steht für den Traumzustand Taijasa-Jiva und den feinstofflichen
Körper; M steht für den Zustand des Tiefschlafs Prajna-Jiva
und den Kausalkörper; Ardha Matra repräsentiert Turiya, also
das Selbst oder das Wesen des "Ich", jenseits dessen Turiyatita, der
Zustand reiner Glückseligkeit, liegt.
Auf
den vierten Zustand, also den Zustand der "Ich"-Natur, bezogen sich die
Betrachtungen über Meditation (Dhyana): Er wird unterschiedlich
beschrieben - als Wesen des Amatra, welches die drei Matras A, U und M
einschließt; als Maunakshara (Silbe des Schweigens); als Ajapa
(das geräuschlose Murmeln) und als das Advaita Mantra, welches wie
Panchakshara der Kern aller Mantren ist. Um seine wahre Bedeutung zu
erkennen, sollte man über das Pranava meditieren. Eine solche
Meditation ist ihrem Wesen nach Hingabe und Reflexion der Wahrheit des
Selbst. Dieser Vorgang mündet in Samadhi, Erlösung, dem
Zustand unsagbarer Glückseligkeit. Auch die ehrwürdigen Gurus
sagen, dass Erlösung allein durch Hingabe erlangt werden kann, die
nichts anderes ist als die Reflexion der Wahrheit des Selbst.
29
Schüler:
Welchen Sinn hat die Empfehlung, mit dem Gedanken "Ich bin Er"
über die Wahrheit zu meditieren, dass zwischen mir und der wie
eine Flamme von allein strahlenden Wirklichkeit kein Unterschied
besteht?
Meister: (A) Die Empfehlung, sich vorzustellen, nichts
anderes als die selbst-strahlende Wirklichkeit zu sein, hat folgenden
Grund: Die Schrift definiert Meditation so: "Im Zentrum des
achtblättrigen Lotus des Herzens, also des Ganzen, das Kailasa
(auf der Spitze des Berges Kailasa, dem Sitz Shivas), Vaikunta (ohne
Angst), und Paramapada (Erleuchtung) genannt wird, liegt die
Wirklichkeit, daumengroß, hell wie ein Blitz und strahlend wie
eine Flamme. Wenn der Mensch hierüber meditiert, erlangt er
Unsterblichkeit." Wir sollten verstehen, dass wir durch diese Art der
Meditation die Fehler, (1) des unterscheidenden Denkens, also "Ich bin
anders, und jenes ist anders", (2) der Meditation über das
Begrenzte, (3) der Vorstellung, das Wirkliche sei begrenzt und (4) es
sei auf einer Ort beschränkt, vermeiden.
(B)
Der Sinn der Empfehlung, mit dem Gedanken "Ich bin Er" zu meditieren,
liegt außerdem in Sahaha (einer der 108 Namen Caitanyas, einer
Inkarnation Krishnas?).
Meister: Soham; Sah, es ist das höchste Selbst,
Aham das Selbst, das als "Ich" manifestiert ist. Der Jiva (die Seele),
der als Shivalinga im Lotus des Herzens wohnt, hat seinen Sitz im
Körper, der Stadt Brahmans; der Geist wendet sich
als Ego nach außen und identifiziert sich mit dem Körper,
usw. Der Geist sollte im Herzen aufgelöst und die sich auf den
Körper beziehende Ich-Wahrnehmung aufgegeben werden; wenn
man demgemäß unbeirrt ergründet "Wer bin ich?" zeigt
sich sehr fein das Wesen des Selbst als "Ich-Ich"; Es ist zugleich
alles und nichts und ohne Unterscheidung von innen und außen als
höchstes Selbst gegenwärtig; wie oben beschrieben, ist es
hell wie eine Flamme und bezeugt die Wahrheit "Ich bin Brahman". Wer es
in der Meditation nicht als mit sich selbst identisch erkennt, sondern
glaubt, es sei etwas anderes, den wird die Unwissenheit nicht
verlassen. Aus diesem Grund wird die Identitäts-Meditation
empfohlen.
Wenn
man für lange Zeit ungestört und ununterbrochen mit dem
Gedanken "Ich bin Er", also der Technik, das Selbst zu reflektieren,
über das Selbst meditiert, wird das Dunkel der Unwissenheit aus
dem Herzen vertrieben und mit ihr auch alle Hindernisse, die nichts als
Folgen der Unwissenheit sind; vollkommene Weisheit wird erlangt.(7)
Die
Wirklichkeit in der Höhle des Herzens in der Stadt (Brahmans), dem
Körper, zu erkennen, ist gleichbedeutend mit der Erkenntnis des
einzig vollkommenen Gottes.
Der
Weise lebt sorglos in der Stadt mit den neun Toren, dem Körper.(8)
Der
Körper ist der Tempel; der Jiva (Seele) ist Gott (Shiva). Wer ihn
mit dem Gedanken "Ich bin Er" anbetet, findet Erlösung.
Der
aus den fünf Hüllen bestehende Körper ist die
Höhle; das höchste Wesen, das hier wohnt, ist der Herr der
Höhle. Das erklären die Schriften.
Da
das Selbst die Wirklichkeit aller Götter ist, ist die Meditation
über das Selbst, das man ja selbst ist, die beste aller
Meditationen; andere Meditationen sind nur Teile dieser Meditation, und
nur um sie zu erreichen, werden die anderen Meditationen empfohlen.
Wenn sie erreicht ist, sind die anderen nicht mehr notwendig. Das
eigene Selbst zu kennen, bedeutet Gott zu kennen. Wenn das meditierende
Selbst nicht erkannt wird und man glaubt, dass man über eine von
einem selbst verschiedene Gottheit zu meditieren habe, wird dies von
den Weisen mit dem Versuch verglichen, den eigenen Schatten mit
Schritten auszumessen, oder auch mit der Suche nach einer wertlosen
Muschel, nachdem man einen unbezahlbaren Edelstein wegwirft, den man
bereits besitzt.(9)
30
Schüler:
Obgleich nur das Herz und Brahmarandhra (Scheitelchakra) die für
die Meditation geeigneten Stellen sind - kann man eventuell auch in den
sechs mystischen Zentren (Adharas) meditieren?
Meister: Die sechs mystischen Zentren, usw., von denen
gesagt wird, sie seien Orte der Meditation, sind nichts als Produkte
der Einbildung. Sie sind für Anfänger im Yoga gedacht.
Bezüglich der Meditation in den sechs Zentren sagen die
Shivayogis: "Gott, der seinem Wesen nach nicht-duales, vollkommenes
Selbst-Bewusstsein ist, erschafft uns, unterhält uns und löst
uns wieder auf. Es ist eine große Sünde, diese Realität
zu leugnen, indem man sie hinter verschiedenen Namen und Formen wie
Ganapati, Brahma, Vishnu, Rudra, Maheshvara und Sadashiva verbirgt",
und die Vedantins sagen: "Sie alle sind nichts als Vorstellungen des
Geistes". Wenn man daher das eigene Selbst kennt, das seinem Wesen nach
allwissendes Bewusstsein ist, ist man allwissend. Die großen
Weisen haben auch gesagt: "Wenn das Eine erkannt wird, das in sich
selbst enthalten ist, wird alles bisher nicht Gewusste erkannt".
Wir
haben so viele verschiedene Gedanken; wenn wir über Gott
meditieren, der das Selbst ist, werden wir die Vielfalt unserer
Gedanken durch diesen einen Gedanken überwinden können; und
auch dieser eine Gedanke wird schließlich verschwinden. Das ist
gemeint wenn man sagt, das Selbst zu kennen, heißt Gott zu
kennen. Dieses Wissen ist Erlösung.
31
Schüler:
Wie soll man an das Selbst denken?
Meister: Das Selbst strahlt von sich aus jenseits von
Dunkelheit und Helligkeit, es ist die sich selbst manifestierende
Wirklichkeit. Daher sollte man nicht denken, dass es dieses oder jenes
sei. Schon der Gedanke zu denken führt in Sklaverei. Der Sinn der
Meditation über das Selbst besteht darin, den Geist die Form des
Selbst annehmen zu lassen. In der Mitte der
Höhle des Herzens ist das reine Brahman unmittelbar manifestiert
als Selbst in Gestalt des "Ich-Ich". Kann es eine
größere Torheit geben, als auf vielfältige Art an es zu
denken, statt es als das eben Beschriebene zu erkennen?
32
Schüler:
Es wurde gesagt, dass Brahman als Selbst in Gestalt des "Ich-Ich" im
Herzen manifestiert ist. Können weitere Erläuterungen das
Verständnis dieser Feststellung erleichtern?
Meister: Hat nicht jeder die Erfahrung, dass es
während des Tiefschlafs, der Ohnmacht, o.ä., kein wie auch
immer geartetes Wissen gibt, weder über sich selbst noch über
irgendetwas anderes? Wenn sich anschließend die Erfahrung
einstellt "Ich bin aus dem Schlaf erwacht" oder "Ich habe die Ohnmacht
überwunden" - ist dann nicht eben dieses Wissen aus dem zuvor
genannten unterscheidungslosen Zustand hervorgegangen? Dieses spezielle
Wissen nennt man Vijnana (erkennende Selbst). Vijnana zeigt sich
niemals allein, sondern nur in Verbindung mit dem Selbst oder dem
Nicht-Selbst.
Wenn
es in Verbindung mit dem Selbst steht, ist es der Mentalzustand, dessen
Objekt das Selbst ist oder der das Ungeteilte (Selbst) zum Inhalt hat,
und man nennt es wahres Wissen. Wenn es aber in Verbindung mit dem
Nicht-Selbst steht, nennt man es Unwissenheit. Der Zustand von Vijnana
wird, wenn es auf das Selbst bezogen und als Form des Selbst
manifestiert ist, "Ich-Manifestation" genannt. Diese Manifestation kann
nicht getrennt von dem Wirklichen, also dem Selbst, erfolgen. Es ist
diese Manifestation, die als Erkennungszeichen der unmittelbaren
Erfahrung des Wirklichen dient. Gleichwohl kann sie nicht aus sich
heraus den Seinszustand des Wirklichen erschaffen. Dies, je nachdem in
welcher Beziehung die Manifestation erfolgt, ist die grundlegende
Wahrheit, die auch Prajnana (Bewusstsein) genannt wird. Der
Vedanta-Text "Prajnanam Brahma" (Bewusstsein in Brahman) lehrt dieselbe
Wahrheit.
Erkenne
auch dies als den Sinn der Schrift. Das von sich aus leuchtende Selbst,
der allgegenwärtige Zeuge, zeigt sich als Vijnanakosa (der
Hülle des Intellekts) innewohnend. Richte den Geist unbeirrt auf
dieses Selbst als Ziel aus und erfreue dich des Selbst.
33
Schüler:
Was versteht man unter dem inneren Gebet oder der Anbetung des
Eigenschaftslosen?
Meister: In Texten wie der Ribhu Gita ist die Anbetung
des Eigenschaftslosen ausführlich erklärt (als besondere
Disziplin). Jedoch sind in Wahrheit alle Wege, z.B. die Darbringung von
Opfern, Wohltätigkeit, Selbstzucht, das Einhalten von
Gelübden, Japa, Yoga und Puja, Spielarten der Meditation "Ich bin
Brahman". Deshalb sollte man auf jedem der Wege darauf achten, dass man
sich nicht von dem Gedanken "Ich bin Brahman" entfernt. Das ist der
Sinn der Anbetung des Eigenschaftslosen.
34
Schüler:
Welches sind die acht Stufen der Erkenntnis (Jnana Ashtanga)?
Meister: Es sind die bereits erwähnten Stufen,
also Yama (5 Enthaltungen), Niyama (5 ethische Gebote), Asana
(Yogaübungen), Pranayama (Atemübungen), Pratyahara
(Zurückziehen der Sinne), Dharana (Konzentration), Dhyana
(Meditation) und Samadhi (Erleuchtung), hier aber anders definiert:
(1)
Yama: bedeutet die Beherrschung der Sinnesorgane und das Erkennen der
Unvollkommenheiten der Welt, zu der auch der Körper gehört.
(2)
Niyama: bedeutet, an dem Strom geistiger Einstellungen, die auf das
Selbst bezogen sind, festzuhalten und alle entgegengesetzten
Bestrebungen abzuwehren. Anders ausgedrückt: Es bedeutet die
unablässig aufströmende Liebe zum höchsten Selbst.
(3)
Asana: Was fortwährende Meditation über Brahman
ermöglicht, ist Asana.
(4)
Pranayama: Rechaka (Ausatmung) bedeutet das Beseitigen von Namen und
Formen, also der beiden unwirklichen Aspekte der Dinge, aus denen Welt
und Körper bestehen; Puraka (Einatmung) bedeutet das Erfassen der
drei wirklichen Aspekte Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit, die
allezeit in den Dingen gegenwärtig sind; Kumbhaka bedeutet das
Festhalten der so erfassten Aspekte.
(5)
Pratyahara: bedeutet, den Geist vor der Rückkehr der zuvor
beseitigten Namen und Formen zu schützen.
(6)
Dharana: bedeutet, den Geist dazu zu bringen, im Herzen zu verweilen
und nicht nach außen abzuschweifen, und zu erkennen, dass man
nichts anderes ist als das Selbst, nämlich
Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit.
(7)
Dhyana: ist die Meditation "Ich bin nichts als reines Bewusstsein".
Wenn man den aus den fünf Hüllen bestehenden Körper
unbeachtet lässt und ergründet "Wer bin ich?", führt
dies dazu, dass das als reines Selbst strahlende "Ich" übrig
bleibt.
(8)
Samadhi: Wenn schließlich auch die "Ich"-Manifestation endet,
ergibt sich (äußerst fein) unmittelbare Erfahrung. Das ist
Samadhi.
Für
das hier beschriebene Pranayama, usw. sind die im Zusammenhang mit Yoga
beschriebenen Übungen wie Asana, usw. nicht erforderlich. Die
Stufen der Erkenntnis können an jedem Ort und zu jeder Zeit
praktiziert werden. Je nachdem was einem zusagt und in welcher
Situation man sich befindet, mag man dem Yoga-Weg oder dem Weg der
Erkenntnis oder auch beiden Wegen folgen. Die großen Lehrer
sagen, dass das Vergessen die Wurzel allen Übels ist und für
die, die Erlösung suchen, Tod bedeutet (10), daher sollte man den
Geist veranlassen, im Selbst zu ruhen und niemals das Selbst vergessen.
Das ist das Ziel. Wenn der Geist beherrscht wird, kann alles beherrscht
werden. Der Unterschied zwischen dem achtstufigen Yoga und der
achtstufigen Erkenntnis ist in den heiligen Texten umfassend
dargestellt; daher ist hier nur das Wesentliche der Lehre wiedergegeben.
35
Schüler:
Ist es möglich, zugleich das Pranayama (Yogaatmung) des Yoga und
das Pranayama der Erkenntnis zu praktizieren?
Meister: So lange der Geist noch nicht veranlasst
werden konnte, im Herzen zu verweilen, sei es durch völliges
Zurückhalten des Atems (Kevala Kumbhaka) oder durch
Ergründung, sind Rechaka (Ausatmung), Puraka (Einatmung), usw.
notwendig. Daher sollte das Pranayama des Yoga in den Übungszeiten
praktiziert werden und das andere Pranayama (das Erfassen von Sein, Bewusstsein und
Glückseligkeit mit dem Einatmen, und das Festhalten der so
erfassten Aspekte mit dem Ausatmen) zu jeder Zeit. Beide können
also praktiziert werden. Es reicht aus, das yogische Pranayama so lange
zu üben bis man die Fähigkeit des vollständigen
Zurückhaltens (Atemstillstand) erreicht hat.
36
Schüler:
Warum wird der Weg zur Erlösung auf unterschiedliche Weise
gelehrt? Schafft dies bei den Suchenden nicht Verwirrung?
Meister: Um den verschiedenen Entwicklungsgraden der
Strebenden zu entsprechen, sind in den Veden viele Wege beschrieben. Da
aber Erlösung nichts anderes als die Zerstörung des Geistes
ist, ist das Ziel jedes Bemühens die Beherrschung des Geistes.
Obgleich die Arten der Meditation unterschiedlich zu sein scheinen,
münden sie letztlich alle in ein und demselben. Daran sollte man
nicht zweifeln. Man möge den Weg wählen, der der Reife des
eigenen Geistes am besten entspricht.
Die
Beherrschung des Prana (Lebensenergie) ist Yoga, und die Beherrschung
des Geistes ist Jnana (Wissen) (11) - beide sind die wesentlichen
Instrumente für die Zerstörung des Geistes. Einigen mag der
erste Weg leichter erscheinen, anderen der zweite. Und doch ist Jnana
vergleichbar der Zähmung eines störrischen Bullen mit Hilfe
von saftigem Gras und gutem Zureden, während Yoga seiner
Bändigung durch Anwendung von Gewalt entspricht. Die Weisen sagen
daher: Es gibt drei Stufen wahrhaft Strebender; die Strebenden der
höchsten Stufe erreichen das Ziel, wenn sie den Geist dazu
bringen, unbeirrt im Selbst zu bleiben, indem sie durch die vedantische
Ergründung das Wesen der Wirklichkeit herausfinden und auf sich
selbst und alle Dinge als Teil der Wirklichkeit blicken; die Strebenden
der mittleren Stufe erreichen das Ziel, indem sie mit Hilfe von Kevala
Kumbhaka (Atemanhalten) den Geist dazu bringen, im Herzen zu verweilen
und für lange Zeit über die Wirklichkeit meditieren; die
Strebenden der niedrigsten Stufe erreichen es, indem sie jenen Zustand
nach und nach mit Hilfe von Atemkontrolle, usw., erreichen.
Der
Geist sollte veranlasst werden, im Herzen zu verweilen, bis der
"Ich"-Gedanke, der in Gestalt von Unwissenheit im Herzen wohnt,
zerstört ist. Dies genau ist Jnana; dies allein ist auch Dhyana.
Alles andere ist nichts als ein Abschweifen in Worten und Texten. Das
sagen die Schriften. Falls man also die Fähigkeit erlangt, den
Geist im Selbst zu halten, durch welches Instrument auch immer, braucht
man sich um anderes nicht zu sorgen.
Die
großen Lehrer haben auch gesagt, dass der voller Hingabe
Strebende einen höheren Rang hat als der Yogi (12), und dass
Hingabe Erlösung bewirkt, weil Hingabe ihrem Wesen nach eine
Spiegelung des eigenen Selbst ist.(13)
Es
ist also der Pfad der Erkenntnis Brahmans, der Dahara Vidya (intuitives
Erkennen des Herzens), Brahma Vidya (das Wissen über Brahman,
Gott), Atma Vidya (das Wissen über Atman, die individuelle Seele)
oder auch anders genannt werden mag. Was gibt es mehr zu sagen als
dies? Alles Weitere kann durch Folgerung verstanden werden.
Die
Schriften unterweisen auf unterschiedliche Art. Nachdem sie alle Arten
analysiert haben, bestätigen die Weisen, dass dieser Weg der
kürzeste und beste ist.
37
Schüler:
Wenn man den oben erläuterten Anweisungen folgt, mag man die
Hemmnisse des Geistes, wie Unwissenheit, Zweifel, Irrtum, usw.
überwinden und Stille des Geistes erlangen. Trotzdem ist da ein
letzter Zweifel. Sobald der Geist sich im Herzen aufgelöst hat,
bleibt allein das als vollkommene Wirklichkeit strahlende Bewusstsein
übrig. Wenn der Geist demnach die Gestalt des Selbst angenommen
hat, wer kann dann noch ergründen? Ergründung müsste
zwangsläufig zu Selbst-Anbetung führen. Es wäre
ähnlich der Geschichte von dem Hirten, der das Schaf sucht, das er
die ganze Zeit über auf seinen Schultern hatte!
Meister: Der Jiva (Seele) ist bereits Shiva (Gott);
Shiva selbst ist der Jiva. Es ist in der Tat so, dass der Jiva nichts
anderes als Shiva ist. Wenn das Korn in seiner Hülle liegt, nennt
man es Paddy (ungeschälter Reis); wenn es enthüllt ist, nennt
man es Reis. Gleichermaßen ist man Jiva, solange man an Karma
gebunden ist, wer aber die Fessel der Unwissenheit zerbrochen hat,
strahlt als Shiva, die Gottheit. So wird es in einem Text der Schriften
erläutert. Folglich ist der Jiva, der Geist, in Wirklichkeit das
reine Selbst; aber weil er diese Wahrheit vergessen hat, bildet er sich
ein, eine individuelle Seele zu sein und ist in der Gestalt des Geistes
gefangen. Daher ist in der Tat seine Suche nach dem Selbst, welches er
selbst ist, wie die Suche des Hirten nach dem Schaf.
Doch
wird der Jiva, der sein Wesen vergessen hat, nicht durch bloße
Wissensvermittlung zum Selbst. Aufgrund der Hindernisse, die sich durch
verbliebene Eindrücke aus früheren Geburten angesammelt
haben, vergisst der Jiva immer wieder seine Identität mit dem
Selbst und lässt sich täuschen, indem er sich mit dem
Körper, usw. identifiziert. Wird man ein hoher Beamter, indem man
nach ihm Ausschau hält? Ist nicht ein ständiges
zielgerichtetes Bemühen notwendig, um an verantwortlicher Stelle
beamtet zu werden? Dementsprechend sollte der aufgrund seiner
Identifizierung mit dem Körper gefangene Jiva das Selbst mit
vermehrter Anstrengung fortwährend reflektieren; wenn der Geist
dann zerstört ist, wird der Jiva zum Selbst werden.(14)
Auf
diese Weise praktiziert, wird die Selbst-Reflexion den Geist und danach
auch sich selbst zerstören, so wie der bei der Leichenverbrennung
zum Schüren der Asche benutzte Stock. Dieser Zustand ist es, den
man Erlösung nennt.
38
Schüler:
Wenn der Jiva seinem Wesen nach mit dem Selbst identisch ist, was ist
es dann, das den Jiva daran hindert, sein wahres Wesen zu erkennen?
Meister: Es ist das Vergessen des wahren Wesens des
Jiva; man nennt es die Macht der Verschleierung.
39
Schüler:
Falls es richtig ist, dass der Jiva sich selbst vergessen hat, wie
entsteht dann die "Ich"-Erfahrung eines jeden?
Meister: Der Schleier verbirgt den Jiva(15) nicht
vollständig, er verbirgt lediglich die Selbst-Natur des "Ich" und
projiziert die Empfindung "Ich bin der Körper"; aber er
verhüllt nicht die Existenz des Selbst, des "Ich", das real und
ewig ist.
40
Schüler:
Welches sind die Merkmale des Jivanmukta (des zu Lebzeiten Befreiten)
und des Videhamukta (des im Tode Befreiten)?
Meister: "Ich bin nicht der Körper. Ich bin das
als das Selbst manifestierte Brahman. In mir, der vollkommenen
Wirklichkeit (16), ist die aus Körpern bestehende Welt nichts als
trügerischer Schein, ähnlich dem Blau des Himmels."
Wer
diese Wahrheit erkannt hat, ist ein Jivanmukta. Doch aufgrund der
Beziehung zu den Objekten, bedingt durch das Prarabdha (Karma, das
begonnen hat, Frucht zu tragen, und im gegenwärtigen Körper
wirkt) wird man auch weiterhin Leid erfahren, wenn der Geist noch nicht
aufgelöst ist; und solange die Regungen des Geistes nicht beendet
sind, wird sich auch nicht die Erfahrung der Glückseligkeit
einstellen. Die Erfahrung des Selbst ist nur dem Geist möglich,
der als Folge langdauernder Meditation still und reglos geworden ist.
Wer
einen derart reinen Geist und die Erfahrung des Selbst erlangt hat,
wird Jivanmukta genannt. Der Zustand der Jivanmukti ist gemeint, wenn
von dem eigenschaftslosen Brahman und von Turiya (Erleuchtung) die Rede
ist. Wenn sich schließlich auch der fein gewordene Geist
auflöst und die Wahrnehmung des Selbst endet, wenn man dann in
einem Meer von Glückseligkeit versunken und unterschiedslos eins
mit ihm geworden ist, wird man Videhamukta genannt. Der Zustand der
Videhamukti ist gemeint, wenn von dem transzendenten eigenschaftslosen
Brahman und dem transzendenten Turiya die Rede ist. Dies ist das letzte
Ziel.
Bezogen
auf die Abstufungen von Leid und Glück, werden hinsichtlich der
Erlösten, der Jivanmuktas und Videhamuktas, vier Kategorien
genannt - Brahmavid, Brahmavara, Brahmavariyan und Brahmavarishta. Aber
diese Unterscheidungen gibt es nur vom Standpunkt des Betrachters. In
Wahrheit gibt es keinen Unterschied in der durch Jnana erlangten
Erlösung.
Huldigung
Mögen
die Füße Ramanas, des Meisters, der der große Shiva
selbst ist, der Menschengestalt angenommen hat, ewig gerühmt
werden.
(1)
also ohne jeden Rückstand
(2)
In den Herzen aller individuellen Seelen ist das, was leuchtet,
Brahman, der daher das Herz genannt wird - Brahma Gita.
(3)
Wie jene, die einer Geschichte lauschen, deren Aufmerksamkeit aber an
anderer Stelle ist; der Geist, in dem sich keine Eindrücke mehr
finden, ist untätig, auch wenn es den Anschein hat, er sei
tätig. Der Geist aber, der nicht frei von restlichen
Eindrücken ist, ist tätig, auch wenn es den gegenteiligen
Anschein haben mag; es ist wie mit einem Menschen, der träumt: Er
bleibt tatsächlich an derselben Stelle, obwohl er im Traum meint,
einen Hügel zu erklimmen und von ihm herabzustürzen.
(4)
Das Ziel von Yama und Niyama ist, einen der Wege zu erreichen, die
denen offen stehen, die für das Erlangen von Moksha befähigt
sind. Weitere Einzelheiten finden sich im Yoga Sutra und im Hathayoga
Dipika.
(5)
Siddhasana: Die linke Ferse sollte über dem Genital liegen, die
rechte Ferse über der linken. Der Blick sollte auf die Stelle
zwischen den Augenbrauen fixiert und der Körper reglos und
aufrecht wie ein Stab sein.
(6)
Obwohl es richtig ist, dass gesagt wird, der Kronenlotus des Kopfes
habe 1000 Blütenblätter, kann man auch sagen, er habe 8
Blütenblätter, von denen wiederum jedes aus 125 weiteren
besteht.
(7)
Wenn die Meditation in Form von "Ich bin Shiva" (Shivoham Bhavana), die
davor schützt, dass die Gedanken nach außen schweifen,
fortwährend geübt wird, wird Samadhi sich einstellen -
Vallalar.
(8)
In der Stadt mit den neun falschen Toren wohnt Er als
Glückseligkeit - Bhagavad Gita.
(9)
Wir sollten über das meditieren, was in Gestalt des Ich das
Atma-Tattva ist, strahlend leuchtet und in allem Lebendigen immer
"Ich-Ich" sagt. Nach einem Gott außerhalb zu suchen, ohne den
Gott in der Höhle des Herzens zu sehen, ist so, als werfe man
einen unbezahlbaren Edelstein fort und suche stattdessen eine wertlose
Glasperle.
(10)
Tod oder Kala heißt, auf dieser Erde die Kontemplation über
das Selbst aufzugeben, was niemals auch nur im Ansatz geschehen sollte
- Viveka Chudamani.
(11)
Der Schrift gemäß alles als das Wirkliche anzusehen: Ich bin
Brahman - ein einziges ohne ein zweites.
(12)
Von allen Yogis ist allein der mir lieb, der seinen reglosen Geist und
seine Liebe in mir ruhen lässt - Bhagavad Gita.
(13)
Von den Wegen zur Erlösung kann nur Bhakti (Hingabe) der
höchste genannt werden. Denn Bhakti ist die fortwährende
Reflexion des eigenen Selbst - Viveka Chudamani.
(14)
Obwohl es viele Hindernisse geben mag, die zur Sklaverei der Geburt
führen, ist die alleinige Ursache für alle diese Wandlungen
Ahankara. Diese Ursache muss für immer zerstört werden -
Viveka Chudamani.
(15)
Unwissenheit kann nicht das elementare "Ich" verbergen, aber sie
verbirgt die grundlegende Wahrheit, dass der Jiva das Höchste
(Selbst) ist.
(16)
Wenn ich fortwährend darüber meditiere, dass die Welten eine
Erscheinung in mir, der vollkommenen Wirklichkeit, sind, wo kann sich
dann Unwissenheit halten?
Selbsterforschung
Top
Upadesa Saram - die Essenz der Veden (von
Ramana Maharshi)
Top
1.
Die Früchte einer Handlung entfalten sich entsprechend den
Gesetzen des Schöpfers (Shiva /isvara). Ist Karma, Handlung, dann
göttlich - absolut - nein, sie ist unbewusst, un-wesentlich
(sanskrit: jada)
2.Die
Früchte einer Handlung sind vergänglich und bewirken den Fall
in den Ozean karmischer Handlungsflut, sie blockieren spirituelle
Entfaltung
3.Handlungen,
die jenseits des persönlichen Wünschens sind und deren
Früchte Gott gewidmet sind, reinigen den Geist (mind) und
führen zur Befreiung
4.Rituelles
Beten, das Wiederholen heiliger Namen (mantren) und Meditation werden
mit dem Körper, dem Geist (mind) und der Stimme ausgeführt
und erhellen sich gegenseitig
5.Gebete,
die sich an das Göttliche in seiner acht-fachen Gestalt richten
(Shiva als Wasser, Feuer, Sonne und Mond, Äther, Erde und Luft,
Licht) und so diese Formen der Schöpfung verstehen, dienen dem,
was manifest ist
6.
Stille Meditation im Geist (mind) ist höher einzuschätzen als
die tiefste Form der Hingabe im Gebet oder als die heiligen Namen zu
singen, sei es laut oder leise
7.
Ununterbrochene Meditation (als beständige Ausrichtung, Anm. d.
Übers.) - die dem Fliessen des Wassers oder dem Fliessen des
Öls gleicht, ist besser als unterbrochene...
8.Meditation,
die auf der Einheit (Identität) von Ich und Gott beruht (Ich bin
"Es") ist reinigender als Meditationsformen, die auf der Dualität
(von Ich und Gottheit) beruhen (z. B „Oh. Arunachala, Du...“.) .
9.Die
vollkommendste Form der Hingabe ist die Verankerung im wahren Sein -
sie entsteht durch die Kraft der Meditation, die gedanken - leer ist
10.Den
Geist (mind) in seiner Quelle im Herzen zu verankern, ist wahre Hingabe
(bhakti), Einheit (Yoga) und Wissen .
11.Der
Verstand (mind) kann durch Atmung reguliert und beruhigt werden - dies
ist eine Möglichkeit der Verstandeskontrolle
12.Geist
(mind) und Atem (prana), die sich in Gedankenformen (Bewusstsein) und
Handlung ausdrücken, sind nur zwei Aspekte einer einheitichen
Grundkraft (wenn der eine still wird - wird der andere auch still - und
setzt moksha (Befreiung) frei)
13.Es
gibt zwei Möglichkeiten, den Verstand zu beruhigen, die eine
dadurch, dass er still wird (laya), die andere (nasa) löscht ihn
aus - wenn er nur gestillt ist, taucht er wieder auf .
14.Wenn
der Verstand durch Atemkontrolle beruhigt wird, kann er durch die
beständige Ausrichtung auf das Selbst ausgelöscht werden
15.
Was gibt es für einen Verwirklichten, der den mind
ausgelöscht hat und der in seiner eigenen wahren Natur verbleibt,
noch zu tun?
16.Wenn
das Bewusstesein (mind) sich von den (aüsseren) Objekten abwendet
und auf seine Quelle, auf das Selbst gerichtet bleibt, entsteht
Selbst-gewahrsein, die wahre Sicht der Wirklichkeit .
17.Fragt
man – was ist Geist (mind) – dann wird deutlich, dass dieser keine
Realität an sich hat - dies ist der direkte Weg .
18.Der
mind ist nur eine Ansammlung von Gedanken –alle diese Gedanken
können auf den Ich-gedanken zurückgeführt werden -
insofern ist der sogenannte mind (verstand) der Ich-gedanke
19.Woher
kommt dieser Ich-Gedanke? Wenn man sich fragt, woher kommt dieses Ich,
verschwindet es - dies ist die Methode der Selbst-erforschung (atma
vichara)
20.Wenn
dieses Ich in der Quelle verschwindet, entspringt spontan und
ununterbrochen ein Ich - Ich - dies ist das Herz, in seiner
Unendlichkeit als höchstes Wesen, als das Eine.
21.
Dieses un-unterbrochene Ich - Ich erweist sich als das wahre Ich, das
Herz, das.Selbst, denn es hat auch dann Bestand, wenn das Ego-Ich
erlischt .
22.Dieses
wahre Ich - die EINE Wirklichkeit, ist nicht der Körper, nicht die
Sinne, der Verstand (mind), noch Atem oder Nicht-Wissen - all diese
sind un-wesentlich
23.Da
ist nur Ein Sein, das Wirklichkeit hat, und dieses Eine SEIN ist in
sich selbst Realität und ist in sich selbst Bewusstsein
24.Beide,
Schöpfer und Geschöpf sind in ihrer Essenz Eine Wirklichkeit.
Ihre offensichtliche Verschiedenheit geht einzig und allein auf
Unterschiede in Form und Bewusstheitsebnene zurück
25.Wenn
das Geschöpf seine illusionäre individuelle Form aufgibt und
sich selbst als eigenschafts-los erkennt, so erfährt es den
Schöpfer als sein eigenes wahres SELBST.
26.
Das SELBST zu SEIN heisst, das Selbst zu erkennen - denn da ist nur ein
Selbst und nicht zwei
Dieses, das SELBST zu SEIN und zu erkennen, heisst, in der Wirklichkeit
zu wohnen.
27.Dieses
Wissen in jenseits dessen, was wir als Wissen oder Nicht-Wissen ansehen
- denn was müsste im Zustand des Ununterschiedenseins noch erkannt
werden
28.Wenn
das eigene wahre SELBST erkannt ist, gibt es weder Tod noch Geburt,
sondern ewiges SEIN, Bewusstsein und Glückseligkeit (bliss)
29.
Derjenige, der im höchsten Zustand der Glückseligkeit
verweilt - jenseits aller begrenzenden Gedankenformen - jenseits des
Friedens, ist in wirklicher Hingabe an Gott
30.Wenn
das individuelle Ich verschwunden ist und das wirkliche Ich-Ich
gefunden wurde, dann ist das eine ausgezeichnete Form der Übung
(tapas)-
so spricht Ramana
(Übersetzung:
Renate Busam - auf der vergleichenden Grundlage von Sri
Maharshi´s way - a translation and commentary on Upadesa Saram
hrsg. von D. M. Sastri - Sri Ramanasramam 1999 und einem kleinen
Büchlein des Ramana Maharshi center for learning, Bangalore: The
Direct Path - hrsg.von A. R. Natarajan, 2004)
Upadesa Saram
Top
Ramana
Maharshi über Brahmacharya Top
Ramana
Maharshi, der selber Brahmacharya praktizierte, äußerte sich
wie folgt zur Sexualität:
Frage: Sind Sie für
sexuelle Enthaltsamkeit?
Antwort: Ein echter
Brahmachari (Keuscher) lebt in Brahman (Gott). Damit stellt sich die
Frage nach den Wünschen nicht.
Frage: In Aurobindos Ashram
ist eine strikte Regel, dass Ehepaare dort nur leben dürfen unter
der Bedingung, geschlechtlich nicht miteinander zu verkehren.
Antwort: Was soll das
nützen? Solange es in ihrem Geist existiert, nützt es nichts,
die Menschen zu zwingen, davon zu lassen.
Frage: Ist Heirat ein
Hindernis für den spirituellen Fortschritt?
Antwort: Ein
Haushälterleben ist kein Hindernis, aber der Haushälter
sollte sein Äußerstes tun, Selbstbeherrschung zu üben.
Wenn ein Mensch ein starkes Verlangen nach dem höheren Leben hat,
lassen die geschlechtlichen Neigungen nach. Wenn der Geist
überwunden ist, sind auch die anderen Wünsche überwunden.
Frage: Ich habe
geschlechtlich gesündigt.
Antwort: Selbst wenn sie das
getan haben, macht es nichts, solange sie hinterher nicht denken,
daß sie es getan haben. Das Selbst kennt keine Sünde, und
geschlechtliche Entsagung ist ein innerer Vorgang und nicht nur ein
körperlicher.
Frage: ich bin völlig
überwältigt vom Anblick der Brüste einer jungen
Nachbarsfrau und bin oft versucht, Unzucht mit ihr zu begehen. Was soll
ich tun?
Antwort: Sie sind immer rein.
Es sind Ihre Sinne und Ihr Körper, die Sie versuchen und die Sie
mit ihrem wahren Körper verwechseln. Zuerst einmal müssen Sie
erkennen, wer versucht wird und wer da ist zu versuchen. Doch selbst
wenn Sie Unzucht begehen, denken Sie danach nicht daran, denn Sie
selbst sind immer rein. Sie sind nicht der Sünder.
Frage: Wie können wir
unsere geschlechtlichen Lüste ausrotten?
Antwort: Indem Sie die
falsche Vorstellung ausrotten, daß der Körper das Selbst
ist. Im Selbst gibt es keinen Sex. Seien Sie das Selbst und Sie haben
keinen Ärger mit dem Sex.
Frage: Kann Fasten
geschlechtliches Verlangen beseitigen?
Antwort: Ja, aber nur
vorübergehend. Geisiges Fasten ist die wirkliche Hilfe. Fasten ist
kein Selbstzweck, es muß von spiritueller Entwicklung begleitet
werden. Völliges Fasten schwächt den Geist sehr. Während
des Fastens muß man mit der spirituellen Suche fortfahren. wenn
das Fasten von spirituellem Nutzen sein soll.
aus "Sei, was du bist!" - Kapitel: "Leben in der Welt" von Ramana
Maharshi
Ramana
Maharshi: Erinnerungen eines Sadhus
Top
Im Internet gibt es ein
PDF-Dokument, indem ein Anhänger Ramana
Maharshis aus seiner Zeit berichtet, die er zusammen mit Ramana M.
verbrachte. Die Übersetzerin des Textes sagt in ihrem Vorwort:
Der Engländer Alan Chadwick, der sich später „Sadhu
Arunachala“ nannte, diente im 1. Weltkrieg als Major in der britischen
Armee. Durch Paul Bruntons berühmtes Buch „A Search in Secret
India“ hörte er zum ersten Mal von Ramana Maharshi. Er erkannte in
ihm seinen seit langem gesuchten spirituellen Meister. 1935 reiste er
zu ihm nach Tiruvannamalai in Südindien, ohne zu ahnen, dass er
nie wieder in seine Heimat zurückkehren würde.
Gleich nach seiner Ankunft im Ashram fand er zu einer Vertrautheit mit
dem Maharshi, die in ihrer Art einmalig war. Sri Ramana verhielt sich
ihm gegenüber ausgesprochen offen und interessiert. Sie
führten lange Gespräche miteinander, was sehr
ungewöhnlich war, da der Maharshi normalerweise wenig mit den
Besuchern sprach. Auch war es nicht üblich, dass ein Besucher
für längere Zeit im Ashram wohnen durfte, doch Chadwick wurde
ganz selbstverständlich Dauergast. Man baute für ihn das
erste private Häuschen auf dem Ashramgelände. Den Grund
für diese bevorzugte Behandlung kann man in einem Ausspruch Sri
Ramanas finden, der über Alan Chadwick folgendes sagte: „Chadwick
war schon früher [in einem früheren Leben] bei uns. Er war
einer von uns. Er trug den Wunsch in sich, im Westen geboren zu werden,
und das hat sich erfüllt.“ Nachdem Ramana Maharshi 1950 gestorben
war, verließ er Ramanashram nicht wie so viele andere, sondern
blieb bis zu seinem Tode dort. Er starb kurz vor dem Osterfest 1962.
Seine letzten Worte waren: „Ich weiß, es sind noch fünf
Tage, aber es ist schon Ostern.“ Man begrub ihn mit allen Ehren wie
einen Hindu-Sadhu im Ashram.
Major Chadwicks Büchlein muss deshalb für alle, die sich mit
Ramana Maharshi befassen, von Interesse sein. Es vermittelt dem Leser
einen intimen Blick in das Leben des Maharshi und in die
vielfältigen Geschehnisse im Ashram jener Tage.
Quelle: Ramana Maharshi: Erinnerungen eines
Sadhus (89 Seiten)
Wer sich noch mehr mit Ramana Maharshi beschäftigen möchte,
der findet hier noch ein PDF-Dokument von Gabriele Ebert über ihn:
Quelle: Ramana Maharshi und seine
Schüler - Band 1 (108 Seiten)
Kostenlose
Onlinebücher von und über Ramana Maharshi
Top
Einige Bücher findet ihr auf scribd.com
Weitere Bücher von Ramana Maharshi findet ihr hier. Dort findet ihr auch die Satanischen
Verse von Salman Rushdie, allerdings nur in Englisch.
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