Der Atem als primäres Meditationsobjekt Wie ist bei der formalen Sitzmeditation vorzugehen? Wenn wir uns zur Meditation niedergesetzt haben, beschäftigen wir uns mit dem sogenannten primären Konzentrationsobjekt. Und das ist in diesem Fall die Achtsamkeit auf den Atem. Das ist ein universales Objekt. Jeder atmet. Es ist etwas, das uns das ganze Leben hindurch bis zum Augenblick des Todes begleitet. Der Atem ist einfach da: einatmen, ausatmen. Normalerweise ist der Atem völlig neutral hinsichtlich unserer Gefühle; das heißt, normalerweise gehört er nicht zu dem, was uns aufregen oder aus der Fassung bringen könnte. Das macht ihn zu einem hervorragenden primären Meditationsobjekt. Der Atem kann uns helfen, Geist und Körper kennen zu lernen, sogar besser, als Geist und Körper selbst dies vermögen. Der Atem ist nämlich oft das Bindeglied zwischen den Gedanken und den körperlichen Reaktionen. Wenn wir unseren Atem beobachten, stellen wir fest, daß der Wechsel zwischen schnellem und langsamem Atmen, zwischen groben und feinen, heftigen und sanften Atemzügen oft die jeweilige innere Verfassung anzeigt. Auch andere Körperteile sind oft Indikatoren. Als deutliches Beispiel nehmen wir mal jemanden an, der sehr wütend ist. Dieser Gefühlszustand veranlaßt die betreffende Person in der Regel zu schnellem und heftigem Atmen und verursacht ein Gefühl von Enge und Anspannung im Körper. Gefühlszustände deutlich zu erkennen ist oft schwierig, und aus diesem Grunde benutzen wir die Achtsamkeit auf den Atem und die körperlichen Reaktionen, um unsere Gefühle und Gedanken klarer wahrnehmen zu können. Die Praxis sieht im Wesentlichen so aus: einfach dasitzen und auf den Atem achten, wie jeder Atemzug kommt und geht. Laßt es ganz natürlich und zwanglos geschehen. Wenn der Atemzug lang ist, einfach erkennen, daß er lang ist. Wenn er kurz ist, ist er eben kurz. Wenn der Atem heftig ist, einfach erkennen, daß er heftig ist. Wenn er sanft ist, ist er eben sanft. Was auch immer, so wie es ist, ist es in Ordnung, kein Problem. Unser Job ist es lediglich zu erkennen, was Sache ist und anzufangen, es zu verstehen. Wir versuchen, jeden Atemzug zu benutzen. Kein Atemzug ist besser als der andere. Jeder Atemzug kann zum Bestandteil unserer Meditationspraxis werden. Wandernde Gedanken Dies ist zwar eine sehr grundlegende Praxis, aber keineswegs eine leichte. Unser Geist ist es nicht gewohnt, sich nur auf ein einziges Objekt zu konzentrieren. Unser Geist ist daran gewöhnt, an dieses oder jenes, an alles Mögliche zu denken. Wahrscheinlich beobachten wir den Atem zwei Sekunden lang und schon schweifen wir ab. Der Geist beginnt mit seinen Gedankenketten, verliert sich mal in der Vergangenheit, mal in der Zukunft und gelegentlich in der Gegenwart. Unter Umständen verlieren wir uns für fünf bis zehn Minuten in einer Tagträumerei. Während wir in der Meditation sitzen, wird das oft geschehen. Sobald ihr merkt, daß der Geist das Meditationsobjekt verlassen hat, gibt es nur eines: ganz sachte zur Kenntnis nehmen, daß der Geist spazieren gegangen ist und zum Atem zurückkehren. Dieses Zurkenntnisnehmen herumwandernder Gedanken ist in der Tat ein äußerst wichtiger Bestandteil unserer Meditationspraxis. Genau hier fangen wir an, uns kennen zu lernen. Unsere Denkschemata hängen von Konditionierungen der Vergangenheit ab - das Abschweifen ist ein normaler Bestandteil davon. Zu verstehen, wer oder was wir sind, und dieses Verständnis anzuwenden, macht einen Großteil der Praxis aus. Gedanken, die sich mit der Vergangenheit beschäftigen, mit der Zukunft, mit was auch immer; zornige Gedanken, liebende Gedanken, Gedanken der Einsamkeit und Furcht; ein jeglicher Gedanke ist Teil der Meditation. Das Objekt jedoch ist nicht das Denken. Am Anfang geht es darum, sich an der Atem-Achtsamkeit zu versuchen. Und jedes mal, wenn wir uns beim Abschweifen erwischen, dies einfach nur feststellen und zum Atem zurückkehren. Es ist nicht nötig, daß ihr diese Gedanken beurteilt oder ablehnt oder in ihnen schwelgt. Nicht nötig, euch irgend etwas über diese Gedanken oder ihre Ursache auszumalen. Das hängt alles von den Konditionierungen aus der Vergangenheit ab. Wir versuchen, die Gedanken zu erkennen und einfach nur ihre Anwesenheit festzustellen, dann sachte loslassen und zum Atem zurückkehren. Es besteht kein Grund zur Aufregung, wenn ihr feststellt, daß der Geist nicht in der Lage ist, längere Zeit beim Atem zu bleiben, bevor er sich wieder in Gedankenmustern verstrickt. Das ist ganz normal. Mit Beharrlichkeit, Geduld und Durchhaltevermögen werden Konzentrationsvermögen und Achtsamkeit Stück für Stück, Schritt für Schritt wachsen. Jedes mal wenn ihr das Abschweifen des Geistes bemerkt, befindet ihr euch eigentlich in einem Moment der Achtsamkeit und des Wachstums und eure Praxis macht Fortschritte. Es ist ganz normal, sich gelegentlich über den umherwandernden Geist aufzuregen: "Oh nein, ich kann mich nicht mal eine Sekunde lang auf den Atem konzentrieren!" Aber Achtsamkeit auf die Unfähigkeit zur Achtsamkeit ist bereits ein Augenblick von Geistesgegenwart. Zu wissen, wann man nicht achtsam ist, bedeutet ein Anwachsen von Verständnis. Und das ist ein ausgesprochen wertvoller Teil der Praxis. Es ist ein ständiges Zurückkehren zur Atem-Achtsamkeit. Wahrnehmen, daß sich der Geist mit Denken beschäftigt, es erkennen und dann wieder beim Atem anfangen. Einatmen, Ausatmen. Verschiedene Techniken des Beobachtens Wenn es darum geht, den Atem zu beobachten, stehen zwei Körperzonen zur Auswahl, auf die sich die Achtsamkeit richtet. Erstens die Nase, da wo die Luft ein- und ausströmt. Mundatmung findet normalerweise keine Verwendung. Die Berührung des Luftstroms ist tatsächlich körperlich spürbar, in den Nasenlöchern, an der Nasenspitze oder auf der Oberlippe. Die zweite Beobachtungszone ist die Gegend von Brustkorb und Bauchdecke. Hier ist der Atem im Heben und Senken, im Ausdehnen und Zusammenziehen spürbar. Ein guter Rat, sucht euch eine Zone aus und bleibt dann dabei. Versucht nicht, zwischen den beiden Möglichkeiten hin- und herzuspringen. Das bringt nur Schwierigkeiten und Verwirrung. Die eigentliche körperliche Wahrnehmung, wenn der Atem über die Nasengegend streicht, bzw. wenn sich die Bauchdecke hebt und senkt, das ist das primäre Objekt der Konzentration. Es ist nicht leicht, sich auf ein einziges Objekt zu konzentrieren. Aber wir haben da eine Methode, die euch helfen kann, Fortschritte im Konzentrieren zu machen. Mag sein, daß einige von euch diese zusätzliche Hilfe nicht benötigen, aber viele von euch werden davon profitieren können. Was wir empfehlen ist, beim Ein- und Ausatmen den jeweiligen Vorgang behutsam mit einem Etikett zu versehen. Wenn ihr den Atem in der Nasengegend beobachtet, könnt ihr die Worte "Einatmen, Ausatmen" verwenden, während der Luftstrom kommt und geht. Oder bloß "Ein, Aus", wenn euch das lieber ist. Wenn ihr die Bauchdecke beobachtet, könnt ihr die Worte "Heben, Senken" verwenden. "Ein, Aus" beschreibt den eigentlichen physischen Vorgang, der sich in der Nasengegend abspielt. "Heben, Senken" beschreibt den eigentlichen physischen Vorgang an der Bauchdecke. Wenn ihr euch auf die jeweilige tatsächliche physische Wahrnehmung konzentrieren könnt, braucht ihr diese Methode des geistigen Etikettierens nicht. Aber wenn ihr sie benutzen wollt; sie kann euch auf jeden Fall helfen, stärkere Konzentration und Achtsamkeit zu entwickeln. Okay, wir sitzen also in der Meditation, beobachten den Atem, etikettieren behutsam mit "Ein, Aus", "Einatmen, Ausatmen" oder "Heben, Senken". Und schon geht der Geist spazieren. Wenn wir das feststellen, können wir die gleiche Methode anwenden. Sobald wir uns beim Abschweifen ertappen, können wir behutsam mit "Abschweifen, Abschweifen" oder "Denken, Denken" etikettieren. Dann versuchen wir, die Gedanken sachte loszulassen und wieder beim Atem zu beginnen. Wenn uns Geräusche ablenken, können wir sanft ein "Hören, Hören" aufkleben und versuchen, zum Atem zurückzukehren. Kurz vor den Mahlzeiten kann es durchaus sein, daß uns Essensgerüche ablenken. In diesem Fall probieren wir es mit "Riechen, Riechen". Jedes mal, wenn wir feststellen, daß wir nicht beim Atem sind, versuchen wir, das was geschieht, mit einem Etikett zu versehen und dann zum Atem zurückzukehren. Sitzpositionen (Meditations-Sitzpositionen im Bild siehe hier) Es gibt verschiedene Sitzweisen für die Meditation. Manche Leute verwenden Kissen, manche nicht. In der Regel sitzt man mit gekreuzten Beinen; im Viertel-Lotossitz, mit einem Fuß auf dem Unterschenkel des anderen Beines, im Halb-Lotossitz, mit einem Fuß auf dem Oberschenkel des anderen Beines; auch im Voll-Lotos, mit beiden Füßen auf den Oberschenkeln des jeweils anderen Beines, wenn der Köper flexibel genug ist, das schaffen aber nicht viele. Dann gibt es die burmesische Stellung mit parallel liegenden Unterschenkeln; ein Bein kann auch nach hinten abgewinkelt werden, die sogenannte thailändische Sitzweise. Sogar der normale Schneidersitz ist okay für kurze Entspannungsphasen. Danach sollte man sich aber wieder um eine geeignetere Stellung bemühen. Desweiteren gibt es den japanischen Stil, eine knieende Position, entweder unter Verwendung eines Meditationsschemels oder mit Kissen unter dem Gesäß. Bei größeren körperlichen Problemen kann man sich zum Meditieren auch auf einen Stuhl setzen. Es ist wichtig, in der Sitzposition entspannt zu bleiben, es bequem zu haben. Und den Rücken aufrecht und gerade zu halten; aufrecht, aber nicht verkrampft. Es ist wie bei einer neuen Sportart, es dauert seine Zeit, den Körper zu trainieren. Viele Meditierende müssen den Rücken des öfteren ausruhen; versucht einfach, euer Bestes zu geben. Versucht, während der Meditationsperioden die ganze Zeit über still zu sitzen. Aber wenn das zu schwierig wird, ist es schon in Ordnung, die Beinstellung zu wechseln. Wenn ihr euch bewegen müßt, versucht dabei leise zu sein, um die anderen Meditierenden nicht zu stören. Und versucht dabei, auf die Körperbewegungen zu achten. Die Hände können im Schoß oder auf den Knien liegen, mit den Handflächen nach unten oder oben, wie ihr wollt. Wiederum bequem und entspannt. In der Regel sind die Augen geschlossen, aber nicht zusammengekniffen. Sanft und behutsam, einen winzigen Spalt zwischen den Lidern. Etwa so, daß ihr eine Veränderung der Helligkeit erkennen könnt, wenn jemand die Hand vor euren Augen bewegt. Solltet ihr euch zu irgendeinem Zeitpunkt mal schläfrig fühlen, dann raten wir euch, die Augen zu öffnen und den Blick auf den Boden - in ca. eineinhalb bis zwei Meter Entfernung - zu richten. Es ist auch wichtig, auf den Mund zu achten. Wir halten ihn geschlossen, aber nicht mit zusammengepreßten Lippen. Die Zahnreihen bilden einen kleinen Spalt, die Zungenspitze berührt leicht die Rückseite der Schneidezähne. Der Kopf ist ein klein wenig nach vorn geneigt. Eine Meditation mit Anleitung Jetzt wollen wir eine Sitzmeditation durchführen. Bitte richtet es euch in der Sitzstellung ein. Entspannt, nicht steif. Es ist gut, zuerst den Körper durchzuchecken und zu versuchen, dabei entspannt zu sein. überprüft, ob die Beinhaltung in Ordnung ist. Dann könnt ihr euch so weit vorlehnen, daß das Gesäß von der Matte oder dem Kissen abhebt. Mit Hilfe der Muskulatur im Lendenwirbelbereich schiebt ihr nun das Gesäß leicht nach hinten und setzt euch wieder hin. Diese Vorgehensweise hilft gegen Probleme jeglicher Art im unteren Rückenbereich. Als nächstes überprüft den restlichen Rückenbereich und die Bauch- und Brustgegend. überprüft jetzt die Hände und die Arme bis hinauf zu den Schultern. Versucht, den Körper so gut wie möglich zu entspannen. Jetzt den Nacken und den Kopf. Entspannte Gesichtsmuskeln, die Augen sanft geschlossen. Der Mund ist entspannt, nicht verkrampft und locker geschlossen. Versucht, entspannt und bequem zu sitzen. Der Rücken ist gerade, aber nicht steif oder verspannt. Es mag für die Entspannung von Nutzen sein, zu Anfang ein paar mal tief durchzuatmen, und danach richtet ihr die Achtsamkeit auf den Atem, entweder im Bereich der Nase oder der Bauchdecke. Wenn ihr es wünscht, notiert ihr "Ein, Aus", "Einatmen, Ausatmen" oder "Heben, Senken". Gestattet dem Atem, einfach so zu sein, wie er eben ist. Wenn er kurz ist, ist er eben kurz. Wenn er lang ist, ist er eben lang. Ob er heftig, sanft oder was auch immer ist - egal. Wie er auch immer sein mag - einfach zulassen. Lernt den Atem und seine verschiedenen Gesichter kennen, wie er kommt, wie er geht. Wenn ihr merkt, daß der Geist abgeschweift ist, einfach zur Kenntnis nehmen und zum Atem zurückkehren. Wenn ihr wollt, etikettiert mit "Abschweifen, Abschweifen" oder "Denken, Denken". Ich werde von Zeit zu Zeit ein paar Worte sagen, um euch beim Erlernen dieser Methode zu helfen. (nach 6 Minuten) Wenn ihr feststellt, daß der Geist abschweift, diese Tatsache sanft zur Kenntnis nehmen und zum Atem zurückkehren. Zum Bereich der Nase oder Bauchdecke. (nach 12 Minuten) Die Gedanken wandern in die Vergangenheit, sie wandern in die Zukunft. Nachdem ihr das zur Kenntnis genommen habt , kehrt ihr zum Atem zurück, zur Luft, die ein- und ausströmt, zur Bauchdecke, die sich hebt und senkt. (nach 18 Minuten) Wenn euch Geräusche ablenken, versucht einfach mit "Hören" zu etikettieren und kehrt sachte zum Atem zurück. (nach 24 Minuten) Der Geist ist das Umherschweifen gewöhnt. Wenn ihr ihn dabei ertappt, nehmt behutsam zur Kenntnis, daß er spazieren war und kehrt zum Atem zurück. Ein, Aus. Heben, Senken. (nach 30 Minuten) Langsam und
behutsam: entspannen, die Augen öffnen und die Meditation beenden. Sitzmeditation (Achtsamkeitsmeditation) Autor: Phra Acharn Thawie Baladhammo - Übersetzer: Christoph Bank Während
der
Sitzmeditation sitzt man mit gekreuzten Beinen und aufrechtem
Körper, der rechte Fuß liegt auf dem linken Bein und die
rechte Hand über der linken, Handflächen weisen nach oben.
Augen und Lippen bleiben geschlossen, die Zähne berühren sich
aber nicht, während die Zunge hinter den oberen Zähnen gegen
den Gaumen gelegt wird. Rufen Sie nun die Achtsamkeit wach, um sich auf
das zu betrachtende Objekt zu richten. Dann betrachten Sie den
Körper im Körper. Das Hauptobjekt, das betrachtet werden
soll, ist das Heben und Senken der
Bauchdecke. Wenn sich die Bauchdecke hebt, stellen Sie innerlich fest: ‘heben.’
Wenn sich die Bauchdecke senkt, stellen sie innerlich fest: ‘senken.’
Dann machen Sie einfach kontinuierlich weiter: ‘heben – senken –
heben – senken…’. F:
Wie soll man die Achtsamkeit wachrufen? A:
Der Übende soll
sich geistig wohlfühlen und unbesorgt sein, nicht zu ernsthaft oder erwartungsvoll, denn die Phänomene, die
da auftauchen, müssen allesamt wieder wegfallen. Es ist
ein Merkmal der Natur, daß alles, was
natürlich entsteht, auch wieder vergeht. Man soll nur die
Achtsamkeit fest auf das Objekt gerade vor sich richten und es sehen,
wie es wirklich ist: es entsteht und
vergeht. Man sollte an gar nichts anhaften,
sondern den Geist neutral und ruhig halten. Das nennt man die
Übung des Mittleren Weges: nicht anzuhaften an
guten Objekten oder an schlechten Objekten, nicht anzuhaften an
Objekten, die ein angenehmes oder ein unangenehmes Gefühl
hervorrufen. Wenn die Achtsamkeit so wachgerufen wird, daß sie
bewußt das gegenwärtige Objekt betrachtet, sieht, wie es
wirklich ist, und es dann
losläßt, dann ist die Achtsamkeit richtig wachgerufen. F:
Wieviel Zeit soll man
einsetzen für die Entwicklung der Achtsamkeit? A:
Das hängt von den
Kräften des Übenden ab. Ein Kind im Alter von 7 – 10 Jahen
sollte nur 10 Minuten üben. Heranwachsende
von 10 – 15 Jahren sollten 20 Minuten üben. Ab
15 Jahren Alter und bei guter Gesundheit sollte man
mit 30 Minuten beginnen. Wenn der
Übende
Energie, Achtsamkeit und Konzentration entwickelt hat, sollte man
langsam die Zeit erhöhen. Man soll sie
nicht zu schnell erhöhen: von 30 auf 40 Minuten, dann von 40 auf
50 Minuten, und dann von 50 auf 60 Minuten. Wer neu in der Meditation ist, sollte nicht länger als eine Stunde
sitzen. Man muß zuerst lernen, die in der Meditation zum Einsatz
kommenden Geisteskräfte ins
Gleichgewicht zu bringen und dieses zu bewahren, bevor man länger
als eine Stunde sitzt. F:
Manchmal ist der Geist nicht ruhig, man
denkt oder
hängt Überlegungen nach. Das ist
frustrierend. Was soll man dann tun? A:
Wenn es nur Denken ist, stellen Sie einfach
fest: ‘denken, denken.’
F:
Manchmal ist der Geist irritiert, besorgt,
entmutigt,
gelangweilt, lustlos, schläfrig oder Ähnliches. Wie soll man
damit umgehen, oder wie soll man das
betrachten? A:
Noten Sie ganz einfach
das geistige Objekt, das da im Geist aufgetaucht ist: ‘irritiert,
irritiert,’ ‘ besorgt,
besorgt,’ ‘entmutigt…’, ‘gelangweilt…’, ‘lustlos…’, ‘schläfrig…’,
‘träumen, träumen…’. Sie können natürlich auch
Substantive nehmen: ‘Sorge, Sorge’, ‘Zweifel, Zweifel,’
und so weiter. Legen Sie sich auf ein Wort fest, das für Sie am klarsten das Objekt repräsentiert und
bleiben Sie dann dabei. F:
Wie soll man
äußere Objekte noten, die auftauchen? A:
Wenn Objekte durch das
Auge auftauchen, noten Sie: ‘sehen, sehen.‘
Wenn
ein Geräusch auftritt, noten Sie ‘hören, hören.’
Taucht ein Geruch auf, noten Sie: ‘riechen, riechen.’
Wenn ein Geschmack
auftaucht, noten Sie: ‘schmecken, schmecken.’ Hören Sie zum
Beispiel einen Hund bellen, so noten Sie nicht ‘Hund, Hund,’
sondern: ‘hören, hören,’ während die Achtsamkeit
auf das Ohr gerichtet ist und dort
beobachtet, wie der Kontakt des Sinnesorgans mit dem Objekt, dem
Geräusch, das Hörbewußtsein hervorruft. Wenn Sie
einen
körperlichen Eindruck von Kühle oder
Wärme, Weichheit oder Härte spüren, so benennen sie das
Objekt nach seiner besonderen Eigenschaft: ‘kühl, kühl,’
‘warm, warm,’ ‘weich, weich,’ ‘hart, hart.‘
Taucht ein Objekt im
Geist auf, dann noten (notieren) Sie je nach der Wahrnehmung als
‘sehen, sehen,’ ‘erinnern, erinnern,’ ‘denken, denken,’
‘vorstellen,’ ‘planen,’ und dergleichen, was gerade aufgetaucht ist. F:
Wenn man lange sitzt, können Schmerzen in
den Knien,
in den Beinen, oder im Rücken auftauchen. Wie
soll man diese Empfindungen betrachten? A:
Gehen Sie mit der
Achtsamkeit an die Stelle, wo Sie die
Empfindung erleben, und seien Sie sich dieses Objekts bewußt.
Dann noten Sie es: ‘Schmerz, Schmerz.’ Empfinden Sie ein
Stechen, dann benennen Sie es: ‘stechen, stechen.’ Ist die Empfindung taub, noten Sie: ‘taub, taub.
’ Wenn die Empfindung verschwindet, gehen Sie
mit
der Achtsamkeit wieder zur Bauchdecke und noten weiter ‘Heben’ und ‘Senken.’ F:
Wenn die Empfindung
aber nicht verschwindet, nachdem man sie genotet hat, was soll man dann
tun? A:
Bei der Betrachtung
von körperlich unangenehmen Empfindungen wie
z. B. dumpfem oder stechendem Schmerz, Taubheit, Ziehen, Ermüdung,
werden Sie, solange die Konzentration gut ist, ohne Schwierigkeiten
noten können, daß da eine Empfindung von dumpfen oder
stechenden Schmerz, von Taubheit, Ziehen oder Ermüdung ist, und
Sie können das Entstehen und Vergehen der unangenehmen Empfindung
deutlich sehen. Oft verschwinden solche
Empfindungen von selbst, wenn man sie eine Weile beständig und
ohne innere Verkrampfung genotet hat. Wenn man die Empfindung
aber schon eine Weile genotet hat, und sie ist
noch nicht verschwunden, dann liegt das daran, daß sie besonders
stark ist. Manchmal halten uns Geist-und-Körper auch das Merkmal der
Leidhaftigkeit deutlich vor Augen,
damit Weisheit die drei allgemeinen Merkmale –
Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit, Selbstlosigkeit – besser erkennen
kann. In diesem Fall ist das schmerzhafte
Gefühl
außergewöhnlich stark. Wenn man es nicht aushalten kann,
dann sollte man eine kleine Bewegung machen, oder
die Sitzhaltung verändern, damit der Schmerz aufhört. Aber
vergessen Sie nicht, achtsam den Wunsch, sich zu bewegen, zu noten: ‘Absicht,
Absicht.‘
Und wenn Sie die
Hände, die Arme, die Beine bewegen, tun Sie es langsam und mit
voller Aufmerksamkeit und noten Sie alle einzelnen Bewegungen
entsprechend: ‘lösen’, ‘bewegen…’, ‘berühren…’,
‘anheben…’, ‘ausstrecken…’, ‘ablegen…’, ‘zurückziehen.’ Läßt der Schmerz nach, dann notet man wieder
Heben und Senken der Bauchdecke. F:
Wenn man schmerzhafte
Gefühle notet, muß man damit weitermachen, bis dieses Objekt
verschwindet, oder kann man statt dessen
andere Objekte noten? A:
Es gibt zwei Arten
körperlich unangenehmer Gefühle. Eine
Art ist starker nötigender Schmerz. Da muß man etwas unternehmen. Dann gibt es
körperliche Schmerzen, die nicht behoben werden müssen. Wir
sollten auf die nötigenden Schmerzen achtgeben, zum Beispiel den
Drang, Urin oder Stuhl auszuscheiden. Das sind Schmerzen die man nur begrenzt
unterdrücken kann. Sie werden nicht durch das
Noten weggehen. Manchmal entsteht auch ein
heftiger Schmerz im Körper. Der
Übende quittiert ihn achtsam, aber der Schmerz wächst weiter
und weiter an. Wenn der Übende schon genug Erfahrung im Anschauen
von schmerzhaften Gefühlen hat, dann wird er es aushalten
können. Anfänger in der
Meditation halten das aber nicht aus. Sie
werden mürbe. Dann sollten sie langsam die Sitzhaltung
ändern, wobei jedes Detail des Bewegungsablaufs sorgfältig
beachtet werden muß. Die
körperlich
unangenehmen Empfindungen, die nicht behoben werden müssen, sind nur geringfügige Schmerzen, die
auftauchen und verschwinden. Wenn sie nicht gewaltig sind, ist es nicht nötig, die Haltung zu
ändern oder sich irgendwie zu bewegen. Richten Sie nur die
Achtsamkeit auf dieses Objekt und stellen Sie fest, was wirklich da ist: Schmerzhaftes Gefühl, das auf
natürliche Weise entsteht und vergeht. Sogar das Phänomen des
Schmerzes ist nicht kompakt, es dauert
nicht. Es ist vergänglich,
bedrückend, und entbehrt einer eigenen Existenz, genauso wie die
köperlichen Phänomene. Das Gleiche gilt auch
für alle anderen geistigen Phänomene. F:
Tauchen Schmerzen in
der Meditation auch noch auf, wenn man schon lange
meditiert hat? Woher kommen diese Schmerzen? A:
Das hängt von der
Praxis ab. Wenn der Meditierende das Objekt eine lange
Zeit kontinuierlich betrachten kann – als vorübergehendes
Hauptobjekt – dann entwickelt sich Konzentration sehr stark. Zusammen mit kräftiger Konzentration steigen dann
Geisteskräfte wie Begeisterung und
(geistiges) Glücksgefühl im Bewußtsein
auf. Man fühlt sich zufrieden und glücklich, und das
wirkt wieder auf den Körper zurück. Wenn man in einer solchen
Situation Schmerzen empfindet, erkennt man sie nicht als Schmerzen. Sie sind
dann nur noch dieses Objekt da, und man fühlt sich wohl
dabei. Das liegt am Überwiegen des geistigen Wohlgefühls.
Unter solchen Umständen ist man in der
Lage, die vorgenommene Zeit für die Sitzung einzuhalten. Erst wenn
man die Sitzung beendet und sich bewegt, oder
wenn man zwischendurch aufhört zu noten, dann merkt man den
Schmerz. Manche Meditierende erleben eigenartige plötzliche
Schmerzen im Rücken oder in anderen
Körperteilen. Wir sollten sie geduldig ertragen. Die
weiteren Schritte Wenn beim
Sitzen die
Atmung sich beruhigt hat und das ‘Heben ”
und ‘Senken” langsam wird, sollte
man gegen Ende des Atemzugs die Sitzhaltung als drittes Objekt
regelmäßig noten: ‘Heben, senken, sitzen,’ – ‘heben,
senken, sitzen…’, und so weiter. F:
Wie soll man die Sitzhaltung noten? A:
Wenn man sitzt, soll
man sich bewußt sein, daß man sitzt. Das heißt, im
Moment des Sitzens ist da die sitzende
Form. Noten Sie diese Form: ‘Sitzen, sitzen’. F:
Wenn das Benennen
gemäß dem zweiten Schritt mit Leichtigkeit ausgeführt
wird, was soll man dann noten? A:
Gehen Sie über
zum dritten Schritt. Als weiteres
Hauptobjekt kommt im Sitzen die Berührung des Körpers mit dem
Boden dazu. Wenn Sie ‘berühren”
noten, dann achten Sie
auf die Druckempfindung, wo der rechte
Sitzknochen auf den Boden drückt. Der Punkt, der genotet werden
soll, hat etwa die Größe einer Münze. Noten Sie bei
jedem Atemzug: ‘Heben, senken, sitzen, berühren…’. Diese
Übung soll
nur gemacht werden, wenn der Atem sich beruhigt hat und so langsam ist, daß genug Zeit bleibt, sich auf die
Objekte Sitzen und Berühren zu konzentrieren.
Versuchen Sie also nicht, den Atem zu kontrollieren oder
künstlich zu verlängern. Das Hauptobjekt der Betrachtung ist das Heben und Senken der
Bauchdecke. Wenn der Atem wieder schneller wird,
sodaß Sie keine vier Objekte hintereinander noten können,
dann noten Sie nur ‘heben, senken, sitzen’. Geht der Atem
auch dafür zu schnell, lassen Sie auch ‘sitzen’
weg und noten nur ‘heben’ und ‘senken’.
Das Heben und Senken der Bauchdecke ist das
primäre Hauptobjekt, das immer beachtet und genotet werden
muß. Falls das Heben und Senken zu fein, zu undeutlich oder zu
schnell wird, dann noten Sie ‘wissen, wissen ,’ bis Heben und Senken
wieder klar sind. Dann noten Sie weiter ‘heben,
senken’. F:
Wird die Betrachtung
der sitzenden Körperhaltung immer
so geübt, wie Sie es erklärt haben, oder
gibt es noch andere Unterschiede? A:
Für die
Sitzmeditation gibt es noch weitere Tastobjekte oder
Berührungspunkte, die man noten kann. Sie sollten eingesetzt
werden, wenn der Geist träge und schläfrig ist.
Wenn Sie die
Druckempfindung betrachten, dann noten sie beide Sitzknochen, zuerst
rechts, dann links: ‘Heben, senken, sitzen, berühren,
berühren’. Wenn Trägheit und Müdigkeit dadurch nicht
aufgelöst werden, sollten auch die Knöchel einbezogen werden.
Nehmen Sie zunächst den rechten dazu, und
wenn
das nicht ausreicht, auch noch den linken. Die
Gelenkpunkte soll
man nur noten, wenn zwischen dem Senken der Bauchdecke und dem
nächsten Heben eine Pause auftritt. Sobald
der nächste Atemzug beginnt, muß man wieder ‘heben,
senken, sitzen,’ betrachten. Sollte es aber unmöglich
sein, die Bewegung zu noten, weil sie
unklar ist, kann man auch nur ‘sitzen, berühren, sitzen,
berühren…’ noten, wobei die Achtsamkeit abwechselnd auf die
verschiedenen Gelenkpunkte gerichtet wird. Dabei sollen, außer
den Sitzknochen, mindestens sechs Punkte einbezogen werden: die
Knöchel, die Knie, die Ellenbogen und
Handgelenke. Wenn die Bewußtheit auf diese Weise viele Wege
machen muß, kann es sein, daß dadurch Schläfrigkeit oder
Benommenheit aufgelöst werden und der
Übende neue Energie verspürt. F:
Wenn es Zeit zum
Schlafen ist, wie soll man dann den
liegenden Körper betrachten? A:
Bevor man sich
hinlegt, soll man zunächst andere Haltungen achtsam noten, zum
Beispiel ‘stehen, stehen.’ Wenn Sie den Körper
herunterbeugen, noten Sie: ‘beugen, beugen,’ Wenn die
Sitzknochen das Bett oder den Boden berühren: ‘berühren, berühren .’
Wenn Sie den Körper lehnen, um sich hinzulegen: ‘lehnen, lehnen.’
Wenn der Rücken die Unterlage berührt: ‘berühren, berühren ,’
Wenn Sie die Beine ausstrecken: ‘ausstrecken, ausstrecken.’ Wenn
Sie die Knie anziehen: ‘beugen, beugen.’
Wenn Sie sich bewegen oder herumdrehen: ‘bewegen,
bewegen,’ ‘drehen, drehen.’ Wenn Sie sich in einer Position
einrichten: ‘einrichten, einrichten.’ Wenn Sie eine Hand
aufstützen: ‘aufstützen, aufstützen.’ Wenn Sie
eine bequeme Schlafhaltung erreicht haben, noten Sie ‘liegen, liegen
,’ bis Sie einschlafen – oder falls die Bewegung der
Bauchdecke
deutlich ist, dann betrachten Sie achtsam ‘heben, senken…’. In dieser Haltung soll man ganz entspannt betrachten.
Notet man zu angestrengt, kann das
verhindern,
daß man einschläft. In der
Anfangsphase der
Achtsamkeitsübung muß man unausgesetzt die vier
primären Haltungen Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen betrachten und
jeden Moment achtsam noten. Nur wer nicht geistesabwesend ist und klarbewußt die gegenwärtig
erlebte Geist-Körper-Verbindung von einem Moment zum anderen
betrachtet, wird schon bald die Entwicklung von Klarblickwissen in sich
feststellen. |