| Vipassana Meditation
Startseite
Inhaltsverzeichnis 1. Vipassana -
Die Königsmethode der Meditation 1. Vipassana - Die Königsmethode der Meditation Top Buddha Shakyamuni Buddha
suchte sich selber. Er war nicht zufrieden und sehnte sich nach
Zufriedenheit. Er sah sich mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert
und strebte nach Erlösung. Er fand sie in einer Meditations-Methode,
die man heute auch Vipassana nennt. Der Mann hieß Siddharta Gautama und
nannte sich nach seiner Erleuchtung, Buddha, der Erwachte. Er hatte
seinen Geist von einem teilweise bewussten Zustand in einen anhaltenden
bewussten Zustand transformiert. Er hatte viele Jahre verschiedene
spirituelle Schulen und Methoden seiner Zeit praktiziert, doch erst in
Vipassana ist er "erwacht". Man kann sie nicht nur deshalb als
Königsmethode der Meditation bezeichnen. Ein anderer Grund ist, dass
sie alleine genügt, um zu klarer Einsicht und Geistessruhe zu gelangen. Der Ausdruck wird traditionell mit "Hellblick" übersetzt. Ayya Khema, die große deutsche, vor ein paar Jahren verstorbene, buddhistische Nonne, nennt ihn auch "Gefühlsbetrachtung", letztlich ist es eine vielschichtige Methode. Vereinfacht kann man sie auch als "Arbeit am Selbst" bezeichnen. Durch sie kann man das volle menschliche Potential in sich entwickeln. Obwohl es die "Arbeit am Selbst" schon in der Antike gab, ist es eine erstaunliche Tatsache, dass diese methodische Übung des eigenen Geistes über mehr als 2.000 Jahre im Westen völlig unbekannt geblieben ist. Es hatten sich zwar auch christliche Mönche nach innen versenkt, sei es im Gebet oder in der Kontemplation und mit Freud wurde im Westen eine eigene Methode entwickelt, um sich bewusst mit dem eigenen Geist zu beschäftigen – Meditation war aber über Jahrtausende unbekannt. Reisende und Missionare waren zwar immer wieder mit ihr in Berührung gekommen, hatten aber einerseits nicht ihren Wert erkannt und andererseits sie als zu schwierig empfunden. Aber auch Menschen im Westen können die Erfahrungen des Buddha wieder machen. Vipassana
– die Methode Schon
nach kurzer Zeit werden sich Ablenkungen einstellen, Geräusche,
Gedanken, Sorgen, ein inneres Universum an Gefühlen und Widerständen
werden auftauchen. So bald man sie bewusst erkennt, stellt man bei sich
fest, dass sie da sind, sonst nichts – und kehrt zurück zum Atem. Und
wird dann – meist ziemlich rasch – wieder abgleitet. Nach dem Sitzen
(ca. 25 – 60 min.) kommt die Gehmeditation. Nach und nach stellt sich
Ruhe und Gelassenheit ein, erst in der Meditation, später auch im Leben. In der "Lehre von der bedingten Entstehung" hat der Buddha beschrieben, wie jede Sinneswahrnehmung, also jeder Seh-, Hör-, Geschmacks-, Riech-, Tastendruck und jeder Gedanke ein unterschiedliches Gefühl in Körper und im Geist bedingt. Da wir ständig mit unseren Sinnen in Kontakt zur Umwelt sind, führt das zu einem Bombardement von Gefühlen. Mit "Gefühlen" sind nicht die komplexen Emotionen, wie Ärger, Neid, Wut, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, etc. gemeint, sondern lediglich die 3 Gefühlsqualitäten, die man im Körper fühlen kann: angenehm, unangenehm und neutral. Angenehmes will ich wieder haben und unangenehmes loswerden. So bedingen diese drei Gefühle immer wieder die Reaktionen von Ablehnung und Begehren. Das nennt der Buddha Samsara, den Kreislauf der immer wieder kehrenden gleichen Handlungen und Abläufe im Leben. In der Meditation verlangsamen sich die Sinneseindrücke und das Denken und man kann die Zusammenhänge zwischen Sinneswahrnehmungen und den daraus bedingten Reaktionen besser verstehen und sich aus dieser Bedingtheit lösen. In Vipassana kommt es zusätzlich zu den Vertiefungen zur Verlangsamung der Gedanken. Zusätzlich wird die "Untersuchung", eine Art Analyse der Geistprozesse möglich. Widerstände gegen das Erkennen, werden bewusst und können fallen gelassen werden. Irgendwann kommt es zu "Hellblicksmomenten", dem sekundenhaften "dazwischenblicken" auf verborgenen Strukturen. Was ist verborgen? Psychologisch ausgedrückt, alles, was uns nicht bewusst ist. Auf der persönlichen Ebene können das die Gründe (Ursachen) für Eifersucht, Zorn, Hass sein, man kann rassistische Gedanken in sich entdecken, verborgene Wünsche und Begierden. Die Aufforderung des "Mensch, erkenne dich selbst!" ist nicht einfach. Im Hellblick des Vipassana wird es möglich. Jenseits der persönlichen Strukturen kommt es zur Erkenntnis der "Daseinsgrundlagen", der "Vergänglichkeit", "Leidhaftigkeit" und "Substanzlosigkeit" aller Dinge. Entweder als klares intellektuelles Verstehen oder als unmittelbare Erkenntnis. Sie werden als "Fruchtmomente der Übung" bezeichnet und sind dem Sartori-Erlebnis (Erleuchtungsmomente) des Zen vergleichbar. Außerdem
kommt es durch die lange Übung des Sitzens, bei der anfänglich immer
Schmerzen und Spannungen in Körper und im Geist auftreten, nicht nur zu
einer Ausgewogenheit (Läuterung) des (grobstofflichen) Körpers (Lösung
von lang dauernden Verspannungen in den Skelettmuskeln, Faszien
(Faszien sind zähe Bindegewebshäute, die flächig weite Teile des
Körpers verbinden), Gelenkskapseln, der autochthonen (alteingesessen)
Muskulatur, etc) sondern auch zu einer Reinigung (Läuterung) des
feinstofflichen Körpers (des Energiekörpers und der Emotionen). Diese
psychophysische Reinigung ist auch (aus dem indischen Yoga) als
Kundaliniprozess bekannt.
Antwort häufig gestellten Fragen: F: Wie kann man Vipassana lernen? A: Durch (jahrelange) Übung. Man braucht dafür, nicht ständig, aber immer wieder, einen erfahrenen Lehrer. F: Können die auftretenden Schmerzen und das Einschlafen der Beine gefährlich sein? A: Nein. Im Gegenteil, man kommt durch sie zu einer inneren Ausgewogenheit und Entspannung F: Was sind die Vertiefungen A: Vertiefungen sind Bewusstseinstufen, die in der Meditation bei allen Menschen immer wieder in der gleichen Weise auftreten. In ihnen kommt es zu einer Stabilisierung des Geistes, bzw. durch einen stabilen Geist entstehen sie erst. Die Vertiefungen werden von Ayya Khema als 1. Verzückung, 2. Freude, 3. Ruhe und 4. Friede bezeichnet. Sie haben mit den gleichnamigen Zuständen, die wir aus dem Leben kennen, nicht viel zu tun, sie sind intensiver. Im "Frieden", der "vollen Sammlung" des Geistes (Samadhi) wird kaum noch geatmet und der Geist ist völlig ruhig, kein Gedanke ist da. F: Was versteht man unter Hemmungen? A: Hemmungen sind Schwierigkeiten, die sich in der Meditation einstellen. Traditionell werden 5 beschrieben: 1. Müdigkeit und Mattigkeit, 2. Unruhe, 3. Zweifel, 4. Ablehnung, 5. sinnliches Begehren. Sie treten anfänglich bei allen Meditierenden auf. Letztlich sind sie nichts anders, als jene Probleme, die uns auch im Leben immer wieder begegnen und uns daran hindern, fröhliches und ausgeglichen zu sein. In der Meditation kann man sie sich bewusst machen, sie "untersuchen" und loslassen. Danach wird es einfacher – am Sitzpolster und im Leben.
2. Gelebte Vipassanā-Praxis. Der Weg der Befreiung durch Einsicht von Samaneri Agganyani Top Inhaltsverzeichnis 1.
Lebendige Vipassanā-Praxis und Lebensweise in Bangladesh "Achtsamkeit!
Bewusstheit!" erschallt die ermahnende Stimme meines Lehrers aus dem
Nichts, bzw. aus der Palmenplantage des Meditationszentrums, und ich
zucke zusammen und schäme mich: wieder war ich nicht wirklich achtsam
und im Hier und Jetzt, ich war wieder nur mechanisch langsam gegangen
in der Gehmeditation, aber die Gedanken waren woanders. Wie kann der
das bloß merken? Alle meine bisherigen, meist westlichen Lehrer konnte
ich bluffen durch automatisches Gehen. Er, mein Lehrer Prajnajyoti
Mahāthero aus Bangladesh, sieht es mir schon aus der Entfernung an. Da
kann ich nichts vortäuschen oder vorspielen. Es hilft alles nichts: es
gibt keine Pause (Pause der Achtsamkeit), ich muss mit aller Kraft
praktizieren, d.h. konzentriert achtsam sein. Oftmals wollte ich
davonrennen. Wie sehnte ich mich nach wenigstens 5 Minuten Pause, mich
hängen zu lassen, gehen zu lassen... Es war nicht erlaubt. Und dasselbe
sagte unser Lehrer Pokkoku Sayadaw ins Burma. Mein
Lehrer Prajnajyoti aus Bangladesh erwartete dies auch von mir. Bei
Besprechung des Zeitplans bei Beginn meines Einzelretreats während der
Monsunzeit sagte er mir zwar, ich solle "rund um die Uhr" praktizieren,
24 Stunden Vipassanā üben, abwechselnd jeweils eine Stunde Sitzen und
eine Stunde Gehen. Ich kam nicht im Entferntesten auf die Idee, dass er
dies wörtlich meinen könne. So beendete ich meine formale Meditation
abends um 23 Uhr und legte mich achtsam, aber zielstrebig schlafen bis
zum Klingeln meines Weckers, den ich auf 4 Uhr gestellt hatte. Kurz
nachdem ich das Licht morgens eingeschaltet hatte, kam auch schon
aufgelöst mein Lehrer und fragte besorgt, was los sei, ob es mir nicht
gut gehe, er habe in der Nacht kein Licht in meinem Raum gesehen, sei
alle Stunde um meine Hütte gegangen. Erschreckt und etwas beschämt
musste ich zugeben: "ich habe geschlafen". - "Ach so -", und ein Blick
der Bände sprach..., aber schnell hatte er sich wieder in Gleichmut
gefangen. Anfangs
schrieb mir Prajna Bangsa von dieser Art der Praxis und von seinen
Schwierigkeiten, dass er es nicht schaffe, ohne Schlaf auszukommen. Als
ich ihn ein Dreivierteljahr später in Bangladesh traf (er hatte eine
Sondergenehmigung von seinem strengen Lehrer Bāna Bhante für ein kurzes
Treffen mit mir erhalten), sagte er, er habe seit zwei Monaten das
Schlafen aufgegeben und es ginge ihm gut, er fühle sich stark und
kräftig, vor allem im Geist, aber auch im Körper, wenn dieser auch
etwas abgemagert sei durch die Praxis, nur einmal zu essen, was man auf
dem morgendlichen Bettelgang erhalten hat. Er wirkte tatsächlich
frisch, und jedes Wort, jeder Blick, jede Körperbewegung schien
durchdrungen von perfekter, aber müheloser Achtsamkeit, aber auch nicht
kalt, abgestumpft oder mechanisch, sondern voller Achtung, Offenheit
und Mitgefühl. Im echten Gleichmut ist kein Platz für Hochmut, Stolz
und Gefühlskälte. Wie
wohl in allen buddhistischen Traditionen sind solche Menschen, die
edlen Freunde, wie Buddha selbst zu Ānanda sagt, nicht das halbe,
sondern das ganze spirituelle Leben. So sind auch die Freunde und der
Sangha (Gemeinschaft) nicht zu vernachlässigen in der
Vipassanā-Tradition. Ohne Vorbild, Anleitung und Hilfe bei den
mannigfaltigen Erfahrungen, auf den Irrwegen und in den Sackgassen, in
die man bei falsch aber auch bei richtig praktizierter
Vipassanā-Meditation zweifelsohne gelangen wird, wird es schwierig
sein, wirkliche Fortschritte zu machen, wirklich tief zu schauen, zu
erkennen, loszulassen. Eine gute Kenntnis der Lehre und Vertrauen in sie ist meiner Meinung nach mindestens so wichtig, und ich halte es fast schon für gefährlich, wenn Vipassanā hier im Westen ohne buddhistische Grundlagen und frei von jeglichem religiösen oder philosophischen Hintergrund gelehrt wird, sozusagen als reine Achtsamkeitsmeditation. Aber
wahrscheinlich hält sich die Gefahr deshalb in Grenzen, weil bei den
relativ kurzen Retreats im Westen kaum Tiefe erreicht werden kann.
Meiner Beobachtung nach sind die allermeisten Vipassanā-Meditierenden
auch nur halbherzig dabei, Motivation, Disziplin und Einsatz sind nicht
ausreichend, um über ein bestimmtes Maß an Konzentration und
Gewahr-Sein hinauszugelangen, so dass es im Allgemeinen gar nicht zu so
existenziellen Erlebnissen und Erfahrungen kommen kann, mit denen man
dann Probleme haben könnte, die das Weltbild und Ego erschüttern
könnten und einem den Boden unter den Füßen wegziehen könnten. Vipassanā-Meditation, Einsichts-, Erkenntnis- oder Klarblicksmeditation auf Deutsch genannt, ist die typisch buddhistische Art der Meditation, die der Buddha selbst herausfand, praktizierte und lehrte (zumindest dem Pāli-Kanon der Theravādins zufolge). Die Samatha-Meditation, die "nur" auf Geistesruhe, Konzentration und Versenkungen ausgeht, ist in verschiedenen Religionen und Kulturkreisen zu Hause und war auch schon zu Buddhas Lebzeiten in Indien bekannt. Der Buddha allerdings fand heraus, dass diese Art der Meditation allein nicht genügt, um Leiden dauerhaft zu transformieren, transzendieren, zu überwinden und zu beenden. Inwiefern die Samatha-Meditation und die Erreichung der Jhānas (meditativen Versenkungszustände) aber notwendig ist und eine Voraussetzung für die erfolgreiche Vipassanā-Meditation, ist umstritten und wird in der buddhistischen Welt selbst von den höchsten Gelehrten und Meditationsmeistern heftig diskutiert. Tatsache
ist, dass zumindest eine sogenannte "Zugangssammlung", ein gewisses
Mindestmaß an Konzentration und unzerstreuter Aufmerksamkeit für die
Vipassanā-Meditation notwendig ist. Für Jhāna-Spezialisten: diese
Zugangssammlung wird beim Durchlaufen der nimittas (Bilder) nach
Erreichen des Gegenbildes erlangt, bevor der Meditierende die erste
Vertiefung erreicht. Vor allem in asiatischen Klöstern wird häufig die
sogenannte "Samatha-Vipassanā-Meditation" gelehrt, d.h. die Erlangung
von Einsicht durch (erfolgreiches) Praktizieren der Jhānas und damit
tiefste Beruhigung und Klärung des Geistes. Die reine
Vipassanā-Meditation, ohne tiefe Versenkungszustände, wurde angeblich
auch schon von Buddha gelehrt und erlebt in jüngster Zeit eine
Renaissance. (in diesem Abschnitt wurde viel "gespickt" bei Fred von Allmen - einer seiner Vorträge, die es auf Kassette gibt, trägt diesen Titel) Dr. Rewatta Dhamma Sayadaw, ein burmesischer Mönch, Gelehrter und Meditationsmeister, der seit etwa 30 Jahren in England lebt, weiß von einer uralten Prophezeiung in Burma zu berichten: der 2.500. Geburtstag des Buddhismus, das ist das Jahr 1956, sei die Schwelle zum "Vimutti-Yoga", zu einem neuen Zeitalter der Befreiung, in dem es wieder Arahats, d.h. vollständig erleuchtete Menschen geben werde. Aufgrund dieser Weissagung und dem innigen Glauben der Burmesen begannen bereits um die Jahrhundertwende wieder mehr und mehr Menschen, Gewicht auf die Praxis derVipassanā-Meditation zu legen, so dass 1956 die Vipassanā-Meditation bereits zu einer wichtigen Beschäftigung der Menschen geworden war. Noch heute trifft man in Burma viele Menschen, Mönche, Nonnen und Laien in und um die Tempel wirklich beim Meditieren an, wo sie still in Nischen, in den Hallen oder auf offenen Plätzen sitzen. So hat sich die große Weissagung wohl bestätigt und einer der ersten Vipassanā-Vertreter war denn Ledi Sayadaw (birmanischer Dharma-Meister) noch vor Ende des letzten Jahrhunderts. Nach ihm entwickelten sich zwei Hauptzweige in Burma. Ein Zweig wurde vertreten von Ledi Sayadaws Laienschüler Sayatep, dessen Schüler U Bha Khin und in jüngster Zeit und heute vorwiegend von dessen indischem Schüler S. N. Goenka, der diese Art der Vipassanā-Meditation, "Sweeping" (Fegen) genannt, hauptsächlich in Indien, in Europa und den USA bekannt machte. In dieser Tradition handelt es sich ausschließlich um Laienlehrer, also keine Mönche, was für Asien und den Theravāda außergewöhnlich war. Der zweite, im buddhistischen Asien wesentlich weiter verbreitete Zweig geht zurück auf Mingun Sayadaw, auch U Nārada genannt (ebenfalls ein birmanischer Dharma-Meister). Von
ihm wiederum ausgehend entwickelten sich an die 16
Vipassanā-Meditationsschulen in Burma. Mahāsi Sayadaw wurde der
bekannteste Vertreter dieser Tradition, wohl auch durch den Vorteil,
dass er und seine Zentren, sofort nach der Unabhängigkeitserklärung
Burmas 1948 von der burmesischen Regierung gefördert wurden. Viele der
anderen Schulen gerieten deshalb wieder mehr in Vergessenheit oder
existieren nur noch versteckt im Kleinen weiter, während Mahāsis
Zentren (und die seiner Schüler) wuchsen und seine Lehrtradition und
Praxis sich in den buddhistischen Ländern ganz Süd- und Südostasiens
ausbreiten konnte, in jüngerer Zeit auch im Westen, speziell in den USA. Im Gegensatz zu den meisten Meditationslehrern, auch den allermeisten Vipassanā-Lehrern, empfiehlt Taungpulu Sayadaw und Pokkoku Sayadaw (einer seiner Hauptschüler und heutigen Vertreter) nicht die Atmung als primäres Meditationsobjekt. Im Retreat im einsamen Waldkloster Kyauksen bei Meiktila in Mittelburma, in unmittelbarer Nachbarschaft von Taungpulus Hauptkloster (das nach seinem Tod jedoch etwas verwaist wirkt), lehrt uns Pokkoku Sayadaw zuerst das Gewahr-Sein aufs Hören, nur mit der jeweils augenblicklichen Erfahrung des Hörens in Kontakt zu sein. Nach einigen Tagen folgt das Sitzen. Wir müssen wirklich wissen, dass wir sitzen und wie wir sitzen, visualisieren unseres sitzenden Körpers, spüren der Sitzposition. Wieder nach einigen Tagen des Übens und Berichtens kommt die Berührung dran, ganz in Kontakt sein mit der Erfahrung des Berührens, Berührung wirklich von Moment zu Moment erleben. Als besonders geeignet für das Gewahr-Sein der Berührung werden die beiden Sitzhöker, das Steißbein oder überhaupt der "Allerwerteste" gelehrt, oder auch die Berührung der Hände, speziell der Daumenspitzen (bei Ajahn Thong, der in der Mahāsi-Tradition lehrt, gibt es sogar 28 fest definierter Berührungspunkte, die in einer streng vorgegebenen Reihenfolge zu durchlaufen sind). Dann erfolgt eine Kombination z.B. der beiden Meditationsobjekte "sitzen - berühren", indem man abwechselnd seine volle Aufmerksamkeit auf diese Erfahrung richtet. Genau
dies war auch die Meditationstechnik gewesen, der ich in Bangladesh
begegnet war, allerdings war sie dort in Kombination mit dem Atem
gelehrt worden (einatmend: sitzen, ausatmend: berühren), was Pokkoku
Sayadaw genau ablehnte. Für mich war es hoffnungslos, denn ich schaffte
es während unseres ganzen Meditationsaufenthalts nicht, bei diesem
absichtlich wechselndem Gewahr-Sein vom Rhythmus des Atems wegzukommen,
was ich mir so sehr angewöhnt hatte. Dafür hatte ich reichlich
Gelegenheit Ärger, Verunsicherung und Zweifel bei mir zu beobachten,
wie er kommt und geht, wie er sich anfühlt und äußert, was seine
Bedingungen sind und was wiederum er bewirkt. Abgeschweift von der
Meditation? Hindernisse, Hemmungen? Schlechte Meditation? Weit gefehlt!
In der Vipassanā-Meditation gibt es im Gegensatz zur Samatha-Meditation keine Hindernisse, diese, sowie alles andere, was auftritt, wird in die Praxis integriert und ist vorübergehend das Meditationsobjekt, eben das "sekundäre" Meditationsobjekt, solange diese Erfahrung vordergründig ist und unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Eigentlich ist es deshalb nicht von großer Bedeutung, was wir als primäres Meditationsobjekt verwenden, da es immer nur um die Qualität und Intensität des augenblicklichen Erlebens geht. Wir
können tiefste Einsichten und Erkenntnisse erlangen, egal ob wir den
Atem als Meditationsobjekt wählen, und ob wir ihn an der Nasenspitze
beobachten (wie z.B. U Bha Khin und Goenka), an der Bewegung der
Bauchdecke (wie Mahāsi) oder des Brustkorbs, ob wir achtsam und bewusst
sind aufs Sitzen und/oder Berühren, aufs Stehen, Gehen, Liegen, aufs
Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Denken, auf unsere innere Unruhe,
unsere Gier oder Aversion... - wir sollen nur immer voll und ganz, mit
ungeteilter Aufmerksamkeit, bei dieser Sache sein, nicht urteilen,
beurteilen, verurteilen (und wenn, dann wenigstens bemerken!). Wie das
theoretisch geht und welche Möglichkeiten der Achtsamkeit es gibt,
lehrt das vielzitierte Mahā-Satipatthāna-Sutta (M10, D22), auf das ich
hier nicht näher eingehen möchte (das tun bereits andere Autoren). Da
gibt es Techniken, wo man z.B. das Gehörte kurz benennt als "Hören"
oder "Geräusch", sofort wieder loslässt oder abschneidet, und die
Aufmerksamkeit wieder auf das primäre Meditationsobjekt lenkt. Andere
Techniken scheinen fast schon ritualisiert, da man alle Erfahrungen
exakt dreimal benennt oder Schritte in der Gehmeditation je nach
Vorschrift genau in 1, 2, 3...oder 6 Teile zerlegt. Bei einem Geräusch
z.B. sagt man sich dreimal geistig "hören-hören-hören" und geht dann
zurück zum primären Meditationsobjekt. Falls das Geräusch bei der
Gehmeditation auftritt, bleibt man stehen. Eine mir bekannte Schule
geht sogar soweit, dass man dann zuerst das "stehen-stehen-stehen"
registriert und akzeptiert, dann erst das aufgetretene Geräusch mit
"hören-hören-hören", was mir schon nicht mehr stimmig erscheint. Diese
Methode habe ich längere Zeit praktiziert und als sehr effektiv
befunden. Bis ich mich immer öfter fand, wie ich über einen passenden
deutschen Begriff für das Erlebte nachdachte, sinnierte und mich verlor
und damit die Erfahrung selbst oder zumindest deren Veränderung übersah
oder gar verpasste. Deshalb ziehe ich heute eine Vipassanā-Meditation
ohne Benennen vor, so wie es auch von etlichen Meditationslehrern
gelehrt und empfohlen wird. Das bedeutet, man kann sehr wohl
registrieren, mitkriegen, bewusst erleben und bewusst akzeptieren was
immer gerade ist und ins Bewusstsein kommt, aber man vergibt keine
Namen, sondern gibt sich kurzzeitig ganz dem Erleben hin, wendet sich
mit ungeteiltem Interesse liebevoll jeder einzelnen Erfahrung hin. Jede
Tätigkeit, selbst der Gang zur Toilette und das "Geschäft" erledigen
dort kann sehr interessant werden und uns Einsichten vermitteln. Die 1.
Grundlage des Satipatthāna-Suttas, die Achtsamkeit auf den Körper, wird
sicher am Häufigsten gelehrt und praktiziert, denn der Körper, ob
Atmung, Körperhaltung, Berührung oder Bewegung ist relativ langsam und
mit einiger Übung deutlich wahrzunehmen, während Gefühle und - noch
schlimmer - Gedanken und Geisteszustände sehr schnell, flüchtig und
kurzlebig sind. Es ist gar nicht so einfach "mit dem Geist den Geist zu
beobachten", ohne sich darin zu verlieren und zu verstricken. Alle
Vipassanā-Schulen, soweit mir bekannt, betonen aber letztendlich alle
vier Bereiche der Achtsamkeit. Trotzdem: die wesentlichen Einsichten
und Erkenntnisse, um die es geht, sind auch bereits im Körperlichen zu
machen. Um welche Erkenntnisse geht's denn eigentlich? Nun, in Worte fassen und intellektuell verstehen kann man sie relativ leicht - aber diese Art von Kopfwissen hat wenig wert und verändert uns nicht. Dagegen gilt es, eigene, tief-erlebte Erfahrungen zu machen und daraus Einsichten zu erlangen, die dann wirklich eine transformierende Wirkung besitzen, uns verändern und unsere Sicht der Dinge und Phänomene. Es gilt, kurz gesagt, die drei Daseinsmerkmale in allem zu sehen: Anicca (Vergänglichkeit, Unbeständigkeit), Dukkha (Leidhaftigkeit, das Unbefriedigende) und Anattā (Nicht-Ich, Substanzlosigkeit). Den Schriften nach heißt es, es reiche aus, nur eines dieser Merkmale vollkommen zu durchschauen, die anderen ergäben sich dann automatisch. Die Theravāda-Schulen legen besonderes Schwergewicht auf das Schauen und Erkennen von Anicca immer und überall. Im Mahāyāna scheint man meines Wissens nach mehr auf die Erkenntnis von Anattā bzw. Suññatā (Pāli: Leerheit) wert zu legen. Ich selbst erlebe seit Jahren vor allem die Dukkha-Eigenschaft sehr intensiv und arbeite damit. In
jedem Phänomen, in jedem Gefühl, in jeder Tat, jedem Wort, jedem
Gedanken und selbst in jeder Freude lässt sich das letztlich
Unbefriedigende, Frustrierende, Enttäuschende, Leidvolle und
Leiden-Schaffende sehen und damit kann die Identifikation, das
Anhaften, das Begehren und die Wünsche aufgegeben werden; Loslassen
wird möglich. Leidvolle Enttäuschung führt zur Ent-Täuschung und damit
zu mehr Klarblick. Gerade indem wir unsere ganzen Reaktionsmechanismen,
Angewohnheiten und Teufelskreise bewusst werden, wie wir immer wieder
Leiden schaffen, können wir uns entkonditionieren, d.h. im Idealfall
alte Muster und altes Karma auflösen, ohne ein anderes, neues Karma zu
schaffen (oder wenigstens "positives", heilsames Karma), ohne uns
wieder in andere Abhängigkeiten zu begeben, uns andere Verhaltensmuster
anzugewöhnen. Dies hieße, schnurstraks auf das Ziel, die endgültige
Befreiung und Erlöschung zuzugehen. Die
ethische Integrität als Grundlage möchte ich so manchem, speziell
westlichem Vipassanā-Praktizierenden und -Lehrendem ans Herz legen -
leider erlebt man immer wieder, dass diese Stufe übersprungen wird,
belächelt wird und vorschnell geglaubt wird, man verhalte sich sowieso
ethisch, da gäbe es für einen nichts mehr anzuschauen, zu hinterfragen,
zu tun. Oder - noch schlimmer - es heißt, realisierte und erleuchtete
Menschen bräuchten sich nicht mehr moralisch und ethisch verhalten -
zumindest aus der Theravāda-Tradition ein schwerer Trugschluß! Die genannten Meditationen können die reine Vipassanā-Meditation sehr effektiv ergänzen und bereichern, allerdings sollte ein erfahrener Lehrer die jeweils geeignete Übung entsprechend dem Naturell und der Verfassung des Schülers geben, was leider oft zu wenig berücksichtigt wird oder auch natürlich bei Massenkursen unmöglich ist. Ich hatte oft das Glück, bei einem Retreat in Asien die einzige Schülerin zu sein oder den Lehrer nur mit wenigen Mitmeditierenden teilen zu müssen, entsprechend intensiv war die Zeit und es konnte gezielt auf mich und meinen Stand eingegangen werden. Trotzdem
gab es Lehrer und Situationen, in denen ich mit meinem
westlich-aufklärerischen, emanzipierten und perfektionistischen
Naturell nicht verstanden wurde und wohl eine "falsche" Zusatzübung
gegeben wurde. Gerade diese in meiner Situation für mich ungeeigneten
Meditationsübungen ermöglichten mir allerdings auch wieder ein tiefes
Erleben und Verstehen von Dukkha (Leid). So kann die
Vipassanā-Meditation zu einem harten Weg werden, bei dem die
Motivation, die Ausdauer und das Vertrauen in Buddha, Dhamma (Lehre),
Sangha (Mönchsgemeinschaft) und sich selbst auf eine harte Probe
gestellt wird. Aber Durchhalten und Weitermachen lohnt sich... Quelle: Gelebte Vipassana-Praxis 3. Die Einsichtspraxis in Burma Top von Samaneri Agganyani Inhaltsverzeichnis 1. Die
Einsichtspraxis in Burma 1. Die Einsichtspraxis in Burma Top "Namo
tassa Bhagavato Arahato Sammāsambuddhassa...!" Siebenhundertfach
inbrünstig im Chor ausgerufen - eine Energie, der auch ich mich nicht
entziehen kann und will. Siebenhundert mit geschlossenen Augen in
Andacht versunkene Mönche, Nonnen und Yogis (burmesische Bezeichnung
für meditierende Laien), die Hände zusammengelegt vor dem Herzen oder
an der Stirn - und ich in vorderster Front mittendrin. Eine überfüllte
Meditationshalle, jedes Fleckchen Boden genützt und eingeteilt, jeweils
nur mit einer kleinen Bastmatte belegt, auf der - ohne bequemes
Meditationskissen - die Meditierenden Platz genommen haben.
Feuchtheiße, tropische Schwüle. Lärmendes Vogelgezwitscher und -
gestreite: die Vögel nisten selbst in der Meditationshalle und über dem
"Altar". Keiner nimmt Notiz davon, auch nicht von dem Vogelkot, den
Gräsern und den Federchen, die mancherorts in der Halle regelmäßig
fallen. Genauso wenig wie man sich um die Stechmücken, Kakerlaken und
sonstiges Getier kümmert. Und
das - so ist der Vipassanā-Ansatz - kann durch das Sehen und Erkennen
der drei Daseinsmerkmale geschehen. Wenn wir alle weltlichen Dinge und
Erscheinungen, alle bedingten Phänomene, als anicca (vergänglich, nicht
von Dauer), als dukkha (leidvoll oder inhärent Leiden in sich bergend,
unbefriedigend) und als anattā (Nicht-Ich, ohne Selbst oder Seele)
sehen und erfahren, dann endlich werden wir loslassen können vom
Begehren, ständigen Haben- und Sein-Wollen, sowie von Aversion, vom
ständigen Ablehnen und Anders-haben-Wollen, wir werden die Dinge, die
Erscheinungen, die Wesen und die Welt so sehen und akzeptieren können,
wie sie wirklich sind: nämlich "seelenlose" Prozesse
geistig-psychischer und materieller-physischer Art, die ihrer eigenen
Naturgesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung folgen. Und trotzdem: da
ist der Mensch... Prinzipiell
werden im Theravāda zwei Arten der Meditation unterschieden: die
Samatha-, Konzentrations- oder Ruhe-Meditation und die Vipassanā-,
Einsichts-, Klarblick- oder Erkenntnis-Meditation. Burma ist zum
Inbegriff für die Vipassanā-Meditation geworden. Aber es gibt nicht
"DIE" Vipassanā-Methode - es gibt viele Methoden, die zur Vipassanā,
zum Klarblick, zur Einsicht und Erkenntnis führen. Im Vipassanā-Land
Burma alleine gab es im letzten Jahrhundert 16 Schulen, nur zwei davon
sind ausreichend im Westen bekannt geworden: die Mahāsi-Tradition und
die Schule von U Ba Khin und dessen weltbekanntem Schüler S.N. Goenka.
Deren Haupt-Meditationszentren in Yangon (Rangun) und Umgebung sind
mittlerweile auch recht gut auf Westler eingerichtet. Ständig stehen
Englisch-sprechende Lehrer oder zumindest Übersetzer zur Verfügung, die
Bedingungen für Unterkunft, Essen und Hygiene werden versucht, an
westliche Standards anzupassen. U Vimala, der spätere Mogok-Sayadaw (der Titel Sayadaw wurde meist älteren, ehrwürdigen und gelehrten Mönchen verliehen), lebte von 1900 bis 1962 im oberen Burma, in Amarapura, Mandalay und Mogok. Sein Werdegang und seine Laufbahn als Novize, Mönch, Abhidhamma-Lehrer (Abhidhamma = Lehre Buddhas) und später aus Mitgefühl Meditationslehrer waren geradlinig und zielgerichtet, effektiv und erfolgreich. Er starb als anerkannter Arahat (Verwirklichter) - seine bei der Verbrennung des Leichnams gebildeten Reliquien werden in großen Ehren gehalten. In
Amarapura, bald in ganz Burma war er einer der angesehensten
Abhidhamma-Kenner und -Lehrer insbesondere des Yamaka und des
Patthāna (6. und 7. Abhidhamma-Buch: Buch der Paare und Buch der
Bedingungen), hoch respektiert vor allem in monastischen (mönchischen)
Kreisen. Bei den Laien der zunehmend größeren Anhängerschaft war der
bescheidene Mönch wegen seiner tiefgründigen, lebendigen Lehrweise und
der effektiven, von ihm entwickelten, vereinfachten Meditationstechnik
von Cittānupassanā (Kontemplation auf das Bewusstsein, die
Geisteszustände) sehr beliebt. Von Mogok Sayadaws Vorträgen,
Belehrungen und Erklärungen ist viel überliefert und erhalten - viele
Audiokassetten und viele Schriften. Allerdings alles nur burmesisch.
Erst in jüngerer Zeit haben einige wenige seiner Anhänger Texte ins
Englische übersetzt und beginnen, gelegentlich für ausländische
Besucher zu lehren und Meditationsanleitungen zu geben. Außerhalb von
Burma ist die Mogok-Tradition deshalb so gut wie unbekannt. Schade... Dort
blieb ich hängen, dort stimmte erstmals alles für mich. Der Abt und
Lehrer wurde mein Lehrer, die gelehrte Meditationsmethode wurde meine
Methode, das Kloster, der Sangha (Mönchsgemeinschaft) wurde zu meinem... Während der Meditationskurse wird um 4 Uhr morgens aufgestanden und als erstes hört man Praxisanweisungen oder einen motivierenden Dhammavortrag des verstorbenen Mogok-Sayadaws vom Band und über Lautsprecher. Abends um 20 Uhr ebenso. Der Tag ist im Wesentlichen abwechselnd in Sitz- und Gehmeditation eingeteilt, üblicherweise jeweils eine volle Stunde. Um 6 Uhr schweigendes Frühstück, um 11 Uhr Mittagessen in Achtsamkeit und mit Praxiserklärungen und Ermahnungen des Lehrers. Vormittags im Allgemeinen die Zufluchtnahme und eine Erneuerung bzw. Erinnerung an die acht ethischen Regeln (alle Laien praktizieren für die Dauer des Kurses die acht Tugendregeln). Zweimal täglich lebendige, dialog-orientierte, fesselnde, oft humorvolle Belehrungen zum Paticcasamuppāda (bedingte Entstehen oder Entstehen in Abhängigkeit) und dessen praktischer Anwendung - dem "Khandhā-Paiccasamuppāda", wie ihn Mogok Sayadaw nennt. Die Arbeit im Bereich der Gesetzmäßigkeit der bedingten Entstehung der Existenzgruppen (khandhas) wird als "short cut" für die Einsicht des Yogi (Laien) bezeichnet, weil der gegenwärtige Aspekt des Kreislaufs gelebt, erkannt und durchschaut wird. Die
8 Tugendregeln
1.
Kein Lebewesen töten oder verletzen. Echte Vipassanā ist es allerdings erst, wenn man wirklich die dhammas, die letztendlichen Wirklichkeiten (paramattha) sieht und beobachtet, nicht wenn man Konzepte - paññatti - beobachtet wie z.B. die Atmung, Gegenstände, Menschen und geistige Bilder (auch kasinas und nimittas!)... Als sogenanntes primäres Meditationsobjekt wird jetzt auf Mogoks Weg der Geist (citta) mit einzelnen, wichtigen Geistesfaktoren (cetasikas) genommen. Man übt Cittanupassanā, das Beobachten des Bewusstseins. Prinzipiell ist die Methode ja vom Buddha selbst im Satipatthāna-Sutta beschrieben, ebenso wie im kanonischen Paisambhidāmagga (dem Vorläufer des Vimutti- und Buddhaghosas späteren Visuddhi-magga) - noch detaillierter im Abhidhamma mit seinen 89 bzw. 121 Arten von Bewusstsein und dessen Kommentaren... Um die Laien nicht zu sehr zu verwirren und zuviel Vorkenntnisse zu fordern, entwickelte Mogok Sayadaw eine Klassifikation von nur 13 Arten von Bewusstsein, die beobachtet werden sollen. Der
Vipassanā-Yogi beginnt jetzt mit dem Beobachten und Analysieren. Aber
nicht das Klassifizieren ist wichtig und führt zu den tiefsten
Einsichten (genauso wie bei Mahāsi auch das Benennen an sich nicht),
sondern das Erleben des Entstehens und Vergehens, das Erkennen der
Bedingtheit und Ursache-Wirkungs-Gesetzmäßigkeit. Ganz gemäß dem - nach
Mogok Sayadaw - Schlüsselsatz im Satipatthāna-Sutta: "Samudaya vaya
dhammānupassī vācittasmim viharati" ("cittasmim" im
Cittānupassanā-Kapitel. In der anderen Kapiteln zu ersetzen durch:
kāyasmim, vedanāsu bzw. dhammesu) - er weilt kontemplierend bei den
Entstehungs- und Auflösungsbedingungen des Bewusstseins. Am
Ende der Gehstrecke (in der Halle oder irgendwo im Freien) bleibt man
eine Weile stehen, betrachtet den aufrechten, stehenden Körper und
spürt den Bodenkontakt. Dann langsam und bewusst umdrehen, evtl. kurz
stehen, dann wieder gehen, beginnend immer mit einer bewussten,
langsamen Gewichtsverlagerung auf den rechten Fuß, so dass der linke
frei wird, sich heben und vorwärts bewegen kann. Später, oder wenn man
genügende Konzentration hat, wird ein Schritt in drei, eventuell auch
mehr Teile zergliedert, auf die man achten soll. Man kann benennen (wie
bei Mahāsi), z.B. "heben - tragen - setzen" oder sich wirklich nur der
Teil-Prozesse bewusst sein. Mit Klarheit, Wachheit und Achtsamkeit
beobachten, um Weisheit zu erlangen. Quelle: Die Einsichtspraxis in Burma 4. Die Vipassana-Story: Die Erkenntnis-Meditation wird wiederentdeckt Top Inhaltsverzeichnis Herausgeber Die Menschen in Burma waren inspiriert von
einer Prophezeiung, die zum 2.500. Geburtstag des Buddhismus ein neues
Zeitalter vorhersagte, in dem es, dank der Vipassana Meditation, wieder
vollständig erleuchtete Menschen geben werde.
"Meditation als Weg zur Erkenntnis taugt nicht für Laien” – diese nüchterne Einschätzung war noch vor wenigen Jahrzehnten in Südostasien weit verbreitet. Damals war es üblich, zuerst meditative Versenkung – Samatha – zu üben, bevor man die Meditation der Erkenntnis – Vipassana – praktizierte. Dieser Weg der tiefen Sammlung des Geistes erfordert aber ideale Umstände und besondere Fähigkeiten und war damit im Grunde nur Nonnen und Mönchen zugänglich – nur sie hatten die Zeit und Möglichkeit, in dieser Art zu meditieren. Laien blieb der Weg der Vipassana-Meditation daher meist verschlossen, ein Weg, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Ländern wie Burma und Sri Lanka ziemlich in Vergessenheit geraten war. Dies änderte sich jedoch innerhalb einiger Jahrzehnte grundlegend: "Im buddhistischen Jahr 2.500 (1956) war die Vipassana-Meditation zu einer wichtigen Betätigung ... in Burma geworden.” wie der Mönch Dr. Rewatta Dhamma Sayadaw es ausdrückte. Vielleicht inspirierte die Menschen eine Prophezeiung, die zum 2.500. Geburtstag des Buddhismus ein neues Zeitalter vorhersagte, in dem es wieder vollständig erleuchtete Menschen geben werde. Wahrscheinlich war auch das Ende der britischen Kolonialherrschaft ein Grund, sich wieder auf die eigenen spirituellen und kulturellen Wurzeln zu besinnen. Den unmittelbaren Anstoß für die "Wiedergeburt” der Vipassana-Meditation hatten einige Meister der Jahrhundertwende gegeben. Sie waren davon überzeugt, dass Meditation im Sinne der "Vier Grundlagen der Achtsamkeit" schon zu Buddhas Lebzeiten nicht nur von Ordinierten praktiziert worden war, sondern auch von Laien. Und sie erkannten, dass man mit der "Meditation der Erkenntnis" auch beginnen kann, wenn Samatha, die vollständige Konzentration des Geistes, noch nicht erreicht ist. Diese Erkenntnis war die spirituelle (Wieder-)Entdeckung des Jahrhunderts! Denn sie machte Vipassana den Laien wieder zugänglich. 2. Die Grundlagen der Vipassana-Meditation Top Grundlage der Vipassana-Meditation ist bis heute das Satipatthana Sutta, eine Lehrrede Buddhas, in der er die "vier Grundlagen der Achtsamkeit” beschreibt. In dieser Rede verspricht Buddha nichts weniger als das: "Dieser eine Weg führt (...) zur Überwindung von Kummer und Klage, zum Schwinden von Leid und Schmerz, (...) zur Verwirklichung der Befreiung, Nibbana.” Die dafür zu praktizierenden "vier Grundlagen der Achtsamkeit” sind:
Das
ist es, was in Vipassana-Retreats geübt wird. Schweigend, von morgens
früh bis abends spät. Entscheidend dabei ist die innere Haltung des
Übenden: Wach und kontinuierlich, freundlich und offen sollte sie sein,
mit Gelassenheit und Mitgefühl alles, wirklich alles wahrnehmend, was
in Körper, Herz und Geist entsteht, sich verändert und wieder vergeht –
oder, wie Buddha in seiner Rede sagt: "eifrig, mit klarem Verständnis,
alle weltlichen Wünsche und Sorgen loslassend". Es ist der Weg des
ethischen Verhaltens (sila/shila), der Meditation (samadhi) und der
Erkenntnis (pañña/prajña). Die
eine dieser zwei Überlieferungslinien kann man bis ins letzte
Jahrhundert zurück verfolgen: 1846 kam in Burma ein Mann zur Welt, der
schon mit 20 Jahren Bhikkhu, ein vollordinierter Mönch, wurde: der
Ehrwürdige Ledi Sayadaw. Er war ein großer Gelehrter und Verfasser von
Dharma-Texten und Kommentaren und gründete Zentren für
Vipassana-Meditation, die auch Laien zugänglich waren – im damaligen
Burma etwas eher Ungewöhnliches. Einer von Ledi Sayadaws Schülern war
Saya Thet – kein Mönch, sondern Bauer von Beruf. Saya Thet war von der
Wirkung der Vipassana-Meditation so begeistert, dass er seine
Angestellten und Landarbeiter dazu ermunterte, ebenfalls zu meditieren.
Er bot ihnen 10-Tage-Kurse an, und als sie zögerten, zahlte er ihnen
während dieser Zeit den üblichen Lohn weiter. Saya Thet war wohl einer
der ersten Laien-Meditationsmeister in Burma, der kein Mönch war und
auch überwiegend Laien die Meditation lehrte. Sri
S. N. Goenka, bekannt als Goenka-jee, geboren um 1920, burmesischer
Geschäftsmann indischer Abstammung, ist U Ba Khins wohl bekanntester
Schüler. Goenka verliess Burma 1969, nach vierzehn Jahren Praxis unter
U Ba Khin, um Dhamma – die Lehre – und die Vipassana-Meditation nach
Indien zurückzubringen. Seit den Moslem-Invasionen im 12. Jahrhundert
war der Buddhismus aus Indien verschwunden. Goenka verwirklichte U Ba
Khins langgehegten Wunsch, die buddhistische Lehre in das Land ihres
Ursprungs zurückzubringen.
Begleitet
wurden die Kurse von den morgendlichen Gesängen Goenkas auf Hindi und
Pali, der Sprache Buddhas, und von Rezitationen der Buddha-Belehrungen,
zum Beispiel über Vergänglichkeit, ethisches Verhalten, Liebe und
Mitgefühl. Er ließ dem Chauffeur seiner Familie eine Notiz zukommen über die Stunde, zu der er ausserhalb des Zentrums warten solle, um ihn wieder nach Hause zu bringen. Irgendwie bekam Mutter Sayama, eine Burmesin, die zu dieser Zeit am IMC lehrte, Wind von dem Plan. Sie nahm Goenka das Versprechen ab, noch für einen vollen Tag mit absoluter Hingabe und Bemühen zu meditieren. Er tat es – und der Chauffeur fuhr allein nach Hause. Goenka fand sich bald in tiefen Meditationserfahrungen, seine Migräne heilte, und er entwickelte sich zu einem verwirklichten Meditierer. 14
Jahre praktizierte Goenka unter U Ba Khin, der ihn 1969 zum Lehren der
Meditation autorisierte. Bald darauf zog er nach Indien und begann dort
- und später auch im Westen - Vipassana zu lehren. In der Art wie er
seine Kurse führte, war er pragmatisch und praktisch, klar in seinen
Anweisungen und Entscheidungen. Er strahlte Zuversicht, Gelassenheit
und Ruhe aus, und seine Lehrvorträge, die er übrigens nur selten je
veränderte, waren von großer Klarheit, aber auch von viel Humor
geprägt. Sein Mitgefühl und seine Metta-Praxis waren immer spürbar -
und der oft verwendete Ausspruch "Be happy!" wurde fast zu seinem
Markenzeichen. Sehr grossen Wert legt Goenka auf die Reinheit der Methode: Wer sich tiefer in seiner Tradition engagieren möchte, wird dringend aufgefordert, alle Verbindungen zu anderen Lehrenden und anderen Meditationswegen abzubrechen. Diese Einschränkung kann für manche unterstützend sein, besonders angesichts der Tendenz im Westen, sich für immer neue, noch vielversprechendere spirituelle Angebote zu begeistern, ohne sich klar auf einem Weg zu engagieren. Auf
viele wirkt diese Ausschließlichkeit aber zu einschränkend. Sie finden,
dass sie zu einer Fixierung auf eine einzige Methode und Sichtweise
führen kann, die vom Reichtum der vorhandenen Mittel der vielfältigen
buddhistischen Belehrungen und Gruppierungen isoliert. Sicher ist diese
Überlieferungslinie aber eine der wertvollen Perlen, die wir
Abendländer aus dem Osten überliefert erhalten haben. Die andere Überlieferungslinie, deren Einfluss auf den Theravada Buddhismus im Westen sehr stark ist, kann auch über hundert Jahre zurückverfolgt werden: 1904 wurde im Dorf Mahasi in Burma ein Mann geboren, der entscheidendes für die Verbreitung der Vipassana Meditation in Burma und letztlich auch im Westen beitragen sollte: Mahasi Sayadaw. Sayadaw (sprich: Sayado) ist ein Titel, der nach zwanzig Jahren des Mönch-Seins verliehen wird. Schon im Alter von sechs Jahren begann er mit intensiven Studien und wurde schließlich zu einem bedeutenden Gelehrten. Nach vielen Jahren des Lehrens buddhistischer Texte brach er auf, um nach einer klaren und effektiven Meditationspraxis zu suchen. Er fand seinen Meister, U Narada Mingun Jetawan Sayadaw, der ihn in der intensiven Praxis der Vipassana-Meditation anleitete. Nach Jahren der Meditation und weiteren Studien kehrte Mahasi Sayadaw in sein Dorf zurück und begann dort, die Erkenntnismeditation zu lehren. Als
Meditationslehrer weitherum bekannt unter dem Namen Mahasi Sayadaw, zog
er 1949 nach Rangoon, wo er zwei Dutzend Menschen ins Vipassana
einführte und damit die "Mahasi Tathana Yeiktha”, das größte
Vipassana-Retreatzentrum Burmas – und wahrscheinlich der Welt –
eröffnete. Seitdem üben dort jahraus, jahrein Hunderte von Menschen,
Ordinierte und Laien, die befreiende Meditation der Erkenntnis. Dieser
sehr praktische und im Grunde einfach zu übende Aspekt des Buddhismus
hat sich seither weltweit verbreitet. Vipassana kehrte in dieser Form
auch zurück nach Sri Lanka, das Land, aus dem der Theravada-Buddhismus
nach Burma gekommen war. Die Mahasi-Schule zählt heute in Burma, in
Südostasien und ausserhalb Asiens an die 300 Zentren, in denen
Vipassanakurse angeboten werden. Eine aussergewöhnliche Ehre wurde
Mahasi Sayadaw 1956, am buddhistischen Weltkonzil, 2.500 Jahre nach der
ersten Lehrrede Buddhas, zuteil. Er wurde mit der Rolle des
Hauptbefragers betraut, der zentralen Rolle zur Klärung und Erhaltung
von Buddhas Lehren für viele kommende Generationen. Deshalb
reiste er nach Burma, wo er im Zentrum des Mahasi Sayadaw die Vipassana
Meditation gründlich und erfolgreich praktizierte. Er blieb - als
ordinierter Mönch - etwa acht Jahre im Zentrum, wo er die Lehre
studierte und auch als Meditationslehrer wirkte. Munindra ist ein
schmaler, kleiner Mensch, fröhlich, unbeschwert und gerne in Bewegung -
ein an allen Dingen interessierter, geradezu neugieriger Mensch. Ob es
sich um die Tiefen der Meditation oder um die Besonderheiten einer
anderen Kultur handelte, immer war er bereit Neues zu lernen. Am Ende
der sechziger Jahre, etwa zur gleichen Zeit wie Goenka, kehrte er nach
Indien zurück, wo er vorerst in Bodhgaya im Burmese Vihara lebte und in
der Tradition seines Lehrers Mahasi Sayadaw Vipassana-Meditation lehrte. Anagarika Munindra lehrte nach der Methode seines Lehrers Mahasi Sayadaw aus Burma. Die Grundübung, der Anker- und Sammlungspunkt der Meditation, ist dabei die Achtsamkeit des Ein- und Ausatmens (anapanasati). Sobald eine gewisse Konzentration, Ruhe und Kontinuität der Präsenz erreicht ist, beginnt man, das Gewahrsein für alle anderen "Objekte” zu öffnen, wenn diese in den Vordergrund treten – seien es Körperempfindungen, Sinneserfahrungen, Gefühle oder Gedanken. Diese "Erfahrungsobjekte” werden nun direkt und unmittelbar wahrgenommen als das, was sie sind: die Erfahrung des Hörens als "Hören", Gefühle als "Fühlen", Gedanken als "Denken" – ohne sich um ihren Inhalt zu kümmern oder sich gar darin zu verlieren. Um dieses nicht-involvierte, "nackte” Gewahrsein der Erfahrung eines jeden Moments zu unterstützen, kann die Methode des innerlichen "Benennens" sehr hilfreich sein. Dabei wird die unmittelbare, direkte Erfahrungsqualität benannt: das Heben der Bauchdecke beim Einatmen als "Heben", beim Ausatmen als "Senken", das Hören von Geräuschen als "Hören, Hören", das Sehen von Farben und Formen als "Sehen, Sehen", das Erfahren einer Emotion als "Wut, Wut" oder als "Freude, Freude", Gedanken über Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft als "Denken, Denken" und so weiter. Das
Benennen sollte aber höchstens fünf bis zehn Prozent des achtsamen
Geistes beanspruchen. Die anderen 90 Prozent sollten in direktem
Kontakt mit der eigentlichen Erfahrung stehen. Die Methode des
Benennens ist aber nicht jedermanns Sache. Im Westen wird sie, selbst
von Lehrenden der Mahasi-Meditation, meistens weggelassen. Viel
wichtiger bei der Praxis ist: Die innere Haltung des Gegenwärtigseins
soll nicht kritisch, wertend oder urteilend, sondern sanft, liebevoll
und gelassen sein. Gelingt dies nicht, können wir das Urteilen selber,
oder die Ungeduld selber zum Objekt der Achtsamkeit machen. Eine
sich vertiefende Gelassenheit ermöglicht dem Geist letztlich, sich der
"Erfahrung” des Unbedingten (nibbana) zu öffnen. All unsere
leidschaffenden Emotionen und Verhaltensweisen können wir durch diese
Praxis verringern und uns letztlich sogar vollständig von ihnen
befreien – zugunsten eines Verhaltens, das von echter Weisheit geprägt
ist, von tiefem Mitgefühl bewegt wird und das mit den Dingen des Seins
in Einklang steht. Es ist ein Weg zu innerem Frieden, zur Freiheit vom
Leiden und zu inniger Verbundenheit mit allem Leben. Wie in Asien Ordinierte, aber auch Laien in der Mahasi Tradition praktizieren, zeigt der Blick auf einen typischen Tagesablauf in einem Vipassana-Zentrum in Yangon:
Auch in Yangon begleiten die Geräusche des Alltags die Meditation: Baulärm, Zementmischmaschinen, Lautsprecher ... und zahllose, bei jeder Gelegenheit heulende Hunde. Täglich oder jeden zweiten Tag gibt es "Interviews”, kurze Gespräche mit dem Lehrer, die meist in großen Gruppen stattfinden. "Privatsphäre" ist in diesen Kursen, wie wohl in Asien überhaupt, ein Fremdwort. In
diesen Interviews geht es niemals um philosophische, gedankliche oder
emotionale Inhalte, sondern ausschließlich um Fragen der
Meditationstechnik und der unmittelbaren Meditationserfahrung: Was
erfährst du beim Einatmen, was beim Ausatmen? Was genau nimmst du wahr,
wenn du den Fuß hebst, vorwärts bewegst, senkst und wieder hinstellst?
Achtsamkeit von höchster Präzision und Kontinuität wird erwartet, und
der wohl häufigste Rat lautet: "Bitte streng dich mehr an, schau
genauer hin, sei noch kontinuierlicher präsent.” "Heroische
Anstrengung”, die Betonung des Bemühens, ist häufig das Motto dieser
Kurse – wobei die asiatischen Temperamente dies oft mit mehr
Unbeschwertheit tun als wir Abendländer. Joseph Goldstein, ein Amerikaner, war während des Vietnam-Krieges mit dem von John F. Kennedy gegründeten Peace Corps nach Thailand gekommen, hatte dort die Meditation entdeckt, war weiter nach Indien gezogen und hatte dort schon sieben Jahre bei Munindra und Goenka praktiziert. 1973 bat Anagarika Munindra Goldstein, den eben stattfindenden Kurs gemeinsam mit ihm zu leiten. Joseph Goldsteins erster Vortrag über "Bare Attention" (nackte Achtsamkeit) war für mich eine Offenbarung. Es war, als hätte ich nach all den Jahren intensiver Praxis, mit all meinen westlichen Konzepten und Vorstellungen noch einmal ganz von neuem begriffen, worum es in Praxis und Lehre wirklich geht. Zum
ersten Mal hörte ich das Dharma in unserer Sprache, in der Sprache
unserer Kultur und Psychologie, für die es im asiatischen Sprachraum
oft gar keine Worte gibt. Dieses Problem der sprachlichen Hürden zeigte
sich bei einem Besuch von Mahasi Sayadaw im Westen. Bei einem Gespräch
mit Schülern aus den USA war – wie so oft – von emotionalen und
psychologischen Problemen die Rede. Es stellte sich heraus, dass eine
genaue Übersetzung nicht möglich war, weil verschiedene westliche
Begriffe im burmesischen Wortschatz einfach nicht existieren. Durch
Joseph Goldsteins "Übersetzen” der Lehre in westliche Denkvorstellungen
jedoch waren viele von uns vom Dharma inspirierter als je zuvor! Jack
Kornfield, damals einer der Leiter des IMS, war Mitte der 80er Jahre
Mitbegründer des Spirit Rock-Zentrums in Kalifornien. Auch
dieses Zentrum bietet heute ein breites Programm von Seminaren über
Spiritualität, Meditation und verwandte Themen sowie
Vipassana-Meditationsretreats an. Zudem bildet Jack Kornfield
langjährig Praktizierende zu Meditationslehrenden aus. Seit
1984 gibt es dort Meditationskurse mit verschiedenen LehrerInnen, vor
allem im Stil der Vipassana-(Erkenntnis-) Meditation (insight
meditation). Im Zentrum besteht auch die Möglichkeit, langdauernde, von
Lehrenden betreute Einzelretreats zu machen. Christina Feldman bietet
gelegentlich spezielle Meditationskurse für Frauen an, und Christopher
Titmuss ist als Aktivist für die Umwelt und den Frieden tätig. Auch als
Buchautoren sind die beiden bekannt. Weitere LehrerInnen im Gaia
House sind die Amerikanerin Sharda Rogell, die Schweizerin Yvonne
Weier, der Neuseeländer Yanai Pastelnik und andere. von: Vipassana Story 5. Meditationsübung: Die achtsame Verbeugung Top Ich
bin eben im Buch Der direkte Weg von Ajahn Tong, einem
thailändischen Mönch, auf eine Meditationsmethode gestoßen, bei der man
nicht still zu sitzen braucht. Diese Methode eignet sich vielleicht
besonders für Menschen, denen es schwer fällt, während der Meditation
still zu sitzen.
Ausgangsstellung: Falls möglich, beginne sitzend im Knien, wobei die Hände mit den Handflächen nach unten auf den Oberschenkeln liegen: die rechte Hand auf dem rechten Oberschenkel, die linke Hand auf dem linken Oberschenkel, die Finger berühren sich; der Oberkörper ist aufrecht und die Schultern sind entspannt. Wenn Männer in Thailand im Knien auf den Fersen sitzen, sind die Füße traditionellerweise mit stark gebeugten Zehen zum Zehenstand aufgerichtet, während bei Frauen die Füße unter dem Gesäß nach hinten zeigen. Wem es nicht möglich ist, in dieser Weise zu sitzen, der kann in anderer Haltung oder, falls nötig, auch auf einem Kissen oder Stuhl sitzen. 1. Lenke jetzt deine Achtsamkeit (bzw. Aufmerksamkeit) auf das Wahrnehmen der Sitzhaltung und benenne sie im Geiste mit: „Sitzen, Sitzen, Sitzen!", wobei du bei jedem Etikett ein klares Gewahrsein der Sitzhaltung aufrechterhältst. 2. Nun richtest du deine Achtsamkeit auf deine rechte Hand und drehst sie langsam auf der Handkante um 90° nach rechts, während du achtsam feststellst: „Drehen, Drehen, Drehen!" Achte darauf, dass dein Gewahrsein bei der Bewegung der rechten Hand bleibt. 3. Dann hebst du deine rechte Hand langsam an und führst den Daumen bis zum Brustbein. Etikettiere: „Heben, Heben, Heben!" 4. Jetzt berührst du mit dem Daumen der rechten Hand das Brustbein und etikettierst: „Berühren, Berühren, Berühren!" 5. Dann richtest du deine Aufmerksamkeit auf deine linke Hand, drehst sie auf der Handkante langsam um 90° nach links und benennst die Drehung im Geiste: „Drehen, Drehen, Drehen!" 6. Hebe deine linke Hand zur Brust und etikettiere: „Heben, Heben, Heben!" 7. Lege nun beide Handflächen vor dem Brustbein zusammen (wie beim Beten) 1 und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 8. Hebe beide Hände zur Stirn hoch und etikettiere: „Heben, Heben, Heben!" 9. Berühre mit beiden Händen die Stirn2 und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 10. Senke beide Hände zum Brustbein und etikettiere: „Senken, Senken, Senken!" 11. Berühre das Brustbein mit beiden Händen und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 12. Beuge den Oberkörper um 45° nach vorn und etikettiere: „Beugen, Beugen, Beugen!" 13. Senke die rechte Hand zum Fußboden ab und etikettiere: „Senken, Senken, Senken!" 14. Berühre mit der rechten Handkante den Fußboden und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 15. Drehe die rechte Hand auf der Handkante nach links, bis die Handfläche den Fußboden bedeckt und etikettiere: „Bedecken, Bedecken, Bedecken!" (Der rechte Arm sollte gestreckt sein; ein Teil des Gewichts kann auf der rechten Hand ruhen.) 16. Lass jetzt die linke Hand nach unten sinken und etikettiere: „Senken, Senken, Senken!" 17. Berühre mit der linken Handkante den Fußboden und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 18. Drehe die linke Hand auf der Handkante nach rechts, bis die Handfläche den Fußboden bedeckt und etikettiere: „Bedecken, Bedecken, Bedecken!" (Beide Arme sollten gestreckt sein; die beiden Daumen berühren sich, zwischen den Zeigefingern ist etwa eine Handbreite Abstand und die Finger zeigen gerade nach vorn.) 19. Beuge dich nach vorn, bis deine Ellbogen den Fußboden berühren und deine Stirn knapp über dem Daumen ist; etikettiere: „Beugen, Beugen, Beugen!" 20. Berühre den Fußboden mit der Stirn und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 21. Richte jetzt deinen Körper langsam auf, bis deine Arme wieder gestreckt sind und etikettiere: „Aufrichten, Aufrichten, Aufrichten!" 22. Drehe nun deine rechte Hand wieder um 90° und etikettiere: „Drehen, Drehen, Drehen!" 23. Hebe deine rechte Hand zum Brustbein und etikettiere: „Heben, Heben, Heben!" 24. Berühre das Brustbein und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 25. Drehe nun deine linke Hand um 90° und etikettiere: „Drehen, Drehen, Drehen!" 26. Hebe deine linke Hand zum Brustbein und richte gleichzeitig deinen Körper auf; etikettiere: „Heben, Heben, Heben!" 27. Berühre mit zusammengelegten Händen die Mitte des Brustkorbs (añjali) und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 28. Hebe beide Hände zur Stirn hoch und etikettiere: „Heben, Heben, Heben!" 29. Berühre die Stirn mit beiden Händen und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 30. Senke beide Hände zur Brust und etikettiere: „Senken, Senken, Senken!" 31. Berühre mit beiden Händen das Brustbein und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 32. Wiederhole die Schritte 12 - 31 noch zwei Mal, um drei vollständige Verbeugungen1 auszuführen. Dann kehre in folgenden Schritten zur Ausgangsstellung zurück: 33. Senke deine rechte Hand zum rechten Oberschenkel hin ab und etikettiere: „Senken, Senken, Senken!" 34. Berühre den rechten Oberschenkel mit der rechten Handkante und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 35. Drehe die rechte Hand auf der Handkante nach links, so dass die Handfläche den Oberschenkel bedeckt; etikettiere: „Bedecken, Bedecken, Bedecken!" 36. Senke deine linke Hand zum linken Oberschenkel hin ab und etikettiere: „Senken, Senken, Senken!" 37. Berühre den linken Oberschenkel mit der linken Handkante und etikettiere: „Berühren, Berühren, Berühren!" 38. Drehe die linke Hand auf der Handkante nach rechts, so dass die Handfläche den Oberschenkel bedeckt; etikettiere: „Bedecken, Bedecken, Bedecken!" 39. Nun bist du zur Ausgangsstellung zurückgekehrt. Etikettiere sie: „Sitzen, Sitzen, Sitzen!" Hinweis: Die Übung der achtsamen Verbeugung ist relativ langsam auszuführen. Je nach Person soll sie etwa 1 - 3 Minuten benötigen. Die Bewegungen sollten natürlich sein und langsam genug, um die Achtsamkeit und das Verständnis zu fördern, jedoch nicht so langsam, dass der Geist abzuschweifen beginnt. Andererseits soll man es mit den Bewegungen nicht eilig haben, weil es dazu führt, dass sich die Aufmerksamkeit schon in die Zukunft richtet. Die Achtsamkeit und gesammelte Aufmerksamkeit sollen ganz dem gegenwärtigen Augenblick gewidmet sein. 1 Diese 'Handhaltung, bei der die Hände vor der Brust zusammengelegt sind' (añjali m.) dient in Südasien auch der ehrerbietigen Begrüßung. 2 Diese Geste drückt große Ehrfurcht aus. Ajahn Tong, Der direkte Weg
Bücher 1. Buch:
Vipassana-Meditation (C. Sayadaw
und A. Janakabhivamsa) Audio-Dateien (mp3) und Filme (wma) Etliche kostenlose Audiodateien und Filme über die
Vipassana Meditation |